Test: Tourenstiefel um 160 Euro (Archivversion) Dicht-Messung

Wasserdichte Tourenstiefel sollen zunächst einmal eins: dicht halten. MOTORRAD hat elf Paar ausgiebigen Nässetests unterzogen und sie auf etlichen Kilometern in der Praxis überprüft.

Wie wichtig geeignete Stiefel fürs
Motorradfahren sind, bemerken viele erst dann, wenn es zu spät ist. Motorradstiefel schützen. Nicht nur bei Stürzen und Unfällen, sondern auch vor der Witterung. Die Anforderungen an Tourenstiefel sind besonders hoch. Sie müssen wasserdicht sein für Regenfahrten, robust und
sicher bei Stürzen, bequem für angenehmen Tragekomfort und komfortabel in der Handhabung. Außerdem sollten sie sich für kleinere Fußmärsche eignen, um auch mal
einen mehr oder weniger ausgedehnten Stadtbummel schadlos zu überstehen.
MOTORRAD hat elf Stiefelpaare der Preisklasse um 160 Euro auf den Zahn gefühlt. Zu den Teilnehmern gehören Kandidaten von Alpinestars, BMW, Dainese, Gaerne, Hein Gericke, Held, Ixs, Lindstrands, Oxtar, Red Bike und Richa. Alle Probanden sind nach Angaben der Hersteller mit einer wind- und wasserdichten sowie atmungsaktiven Membran ausgestattet. Während die Atmungsaktivität im Fußbereich nur eine untergeordnete Rolle spielt ýÿ aufgrund der darüber liegenden
dicken Lederschichten, Protektoren und Kunststoffabdeckungen funktioniert diese ohnehin nicht perfekt ýÿ, ist die Wasserdichtigkeit extrem wichtig (siehe Testprozedur auf Seite 89).
Da Membrane, egal von welchem Hersteller, von Haus aus immer wasserdicht sind, entstehen Lecks nur, wenn die Nahtstellen und Verklebungen der dünnen Folien unsauber gearbeitet wurden oder die Membran eine mechanische Beschädigung aufweist. Bei neuen Stiefeln ist Letzteres kaum vorstellbar ýÿ nach einem Sturz oder jahrelanger Nutzung kann das hingegen schon mal passieren.
Womit wir bei den Fahrtests auf dem Motorrad wären. Wie komfortabel sind die Stiefel auf Tour, lassen sich damit Schalt- und Bremshebel gut bedienen? Bieten sie sicheren Halt auf den Fußrasten? Sitzt die Schaltverstärkung an der richtigen Stelle? Drücken die Protektoren?
Bis diese Fragen alle geklärt sind, haben die Tester eine Pause redlich ver-
dient ýÿ und können bei einem ausgiebigen Fußmarsch folgende Punkte überprüfen: Kommt es beim Gehen zu Druckstellen? Wie gut ist der Abrollkomfort? Wie stabil
ist der Halt im Fersenbereich? Drücken Unebenheiten und Steine bis zur Fußsohle durch? Wenn ja, ist die Stiefelsohle zu weich geraten. Das führt auch zu Abzügen im Kriterium Sicherheit, wo unter anderem die Stabilität des Stiefels gefragt ist.
Außerdem Anzahl, Anordnung und Ausführung der Protektoren sowie der Halt im Stiefel. Extra-Punkte gibtýÿs für Reflex-
material, das die Erkennbarkeit bei Nacht deutlich erhöht.
Bleibt als letztes Kapitel die Hand-
habung der Stiefel. Lassen sie sich bequem an- und ausziehen? Im Einstieg sehr eng geratene Exemplare, in die man kaum reinkommt, erhalten ebenso Punktabzug wie Modelle, die beim Schließen viel Zeit in Anspruch nehmen. Beispielsweise, weil jedes Mal Klettgurte umständlich eingefädelt werden müssen (Dainese und Richa) oder eine Schnürung die Bedienung unnötig erschwert (Lindstrands).
Das erfreuliche Ergebnis des Tests: Für rund 160 Euro sind schon gute bis sehr gute Tourenstiefel zu bekommen. Lohnt es sich deshalb überhaupt, noch mehr Geld auszugeben? Die Antwort finden Sie auf Seite 92. Schade, dass die meisten wasserdichten Stiefel nur in Schwarz angeboten werden. Für den fehlenden Mut zur Farbe entschädigt jedoch die Tatsache, dass bei den meisten Exemplaren funktionell alles im grünen Bereich ist.

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