Test: wasserdichte Tourenstiefel um 200 Euro (Archivversion) Wasser-Treter

Echte Tourenstiefel besitzen Allroundqualitäten: Sie sind wasserdicht, bequem auf dem Motorrad und taugen für kurze Fußmärsche. Zwölf Paar Stiefel um 200 Euro im Vergleich.

Bei Sportfahrern muss alles kompromisslos dem Leistungsgedanken untergeordnet sein. Hautenge, einteilige Lederkombis, ultraleichte und stramm sitzende Integralhelme, hauchdünne Lederhandschuhe mit Karbonprotektoren und kunststoffbewehrte Sportstiefel.
Tourenfahrer sind anders: Sie möchten vor allen Dingen eine komfortable und funktionelle Schutzausrüstung. Das beginnt bei der zweiteiligen Lederkombi oder beim Fahranzug mit Funktionsmembran, geht über zuverlässige, meist einfarbige Integralhelme oder einen praktischen Klapphelm bis hin zu wasserdichten Leder- oder Textilhandschuhen und natürlich alltagstauglichen Stiefeln.
Alltagstauglich heißt: wasserdicht und bequem, sowohl auf dem Bike als auch bei kurzen Ausflügen zu Fuß. Und das Ganze ohne auf die Sicherheit zu verzichten.
Protektoren an den Knöcheln und Schienbeinen sowie Verstärkungen an den Fersen sind deshalb ebenfalls höchst willkommen – wenn die Beweglichkeit nicht allzu sehr darunter leidet. Denn mit knochenharten, karbon- und kunststoffgepanzerten Stiefeln
macht selbst der kürzeste Spaziergang keinen Spaß.
Wie gut zwölf aktuelle Lederstiefel mit Membran der Preisklasse um 200 Euro den Anforderungen der Tourer-Klientel gerecht werden, testete MOTORRAD ausgiebig zu Lande, zu Wasser und – auf dem Motorrad. Mit anderen Worten: Die Probanden mussten auf dem Bike beispielsweise
beweisen, dass sie festen Halt auf den Fußrasten gewährleisten oder beweglich
genug sind, um ohne Kraftanstrengung Schalt- und Bremsvorgänge zu ermöglichen. Außerdem gehörte ein kleiner Wanderparcours mit Asphalt- und Schotter-
abschnitten zu den Testkriterien. Hierbei zeigte sich der Abrollkomfort und ob die Sohlen griffig genug sind sowie ausreichend dämpfen. Für bis zu den Fußsohlen durchdringende spitze Steine gab es entsprechend Abzug.
Last but not least führte MOTORRAD Dichtigkeitstests durch. Und zwar auf zwei Arten. Ein Paar der Teststiefel musste zehn Minuten im Planschbecken überstehen, ohne dass Wasser eindringt. Ein weiteres Paar wurde mit je 1,5 Liter Wasser befüllt und durfte eine Stunde lang keine undichte Stelle aufweisen. Kandidaten, die dieses Testprozedere ohne Leckage überstanden, sollten selbst bei sintflutartigen Regenschauern Fahrerfüße trocken halten.
Voraussetzung hierfür ist selbstverständlich, dass ebenfalls wasserdichte
Hosen über den Stiefeln getragen und nicht – wie oft zu sehen – in die Stiefelschäfte gestopft werden. Bei den Kandidaten mit Schnürung (Oxtar, Hein Gericke, Triumph) sollten die Enden der Schnürsenkel außerdem sauber hinter den Klettabdeckungen verschwinden, und zwar nach vorn unter die Zunge, und nicht im Stiefelschaft. Sonst besteht die Gefahr, dass
die außerhalb der Membran liegenden Schnürsenkel von unten Wasser ziehen und dieses über eine Art Saugeffekt nach oben in den Innenraum transportieren.
Zum Schluss ein paar Tipps zum Kauf: Füße unterscheiden sich nicht nur in ihrer Länge und der daraus resultierenden Schuhgröße. Es gibt breite und schmale Füße, hohe und flache Fußrücken, kräftige und schlanke Fesseln. Nur wer sich beim Kauf Zeit nimmt und sich mit den neuen Tretern ein paar Meter bewegt, kann feststellen, ob der Schnitt tatsächlich passt und nicht doch schmerzhafte Druckstellen oder Blasen verursacht. Vor allem für
Biker(innen) mit kleinen Füßen beschränkt sich die Auswahl oft von vornherein auf wenige Modelle, da nicht jeder Hersteller kleine Größen im Sortiment hat.
Übrigens: Im Gegensatz zu Kunststoffstiefeln können sich lederne Tourenstiefel noch ein klein wenig an die Fußform anpassen. Und noch etwas: Nach dem Kauf eines Membran-Stiefels am besten gleich einen Dichtigkeitstest machen (Badewanne). Und undichte Exemplare umgehend reklamieren und auf Garantie umtauschen.

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