Test Winterhandschuhe (Archivversion) Eisiger Griff

Mit der richtigen Ausstattung macht Motorradfahren sogar im Winter Spaß. Besonders wichtig: Kälteschutz für die empfindlichen Hände. Zwölf Paar Winterhandschuhe im Test.

Wer kennt nicht dieses schmerzhafte Gefühl, wenn nach der Rückkehr in die warme Stube plötzlich wieder Leben
in die halberfrorenen Finger kommt? Erst
beginnt es zu kribbeln, und dann malträ-
tieren plötzlich Tausende von Nadelstichen minutenlang die Fingerspitzen. Motorradfahrer, die sich bei frostigen Temperaturen aufs Bike schwingen, sind besonders gefährdet, da der Fahrtwind das Auskühlen beschleunigt. Funktionelle und besonders warme Kleidung ist daher Pflicht. Doch während man sich am Körper dick und
fett nach dem Zwiebelprinzip einmümmeln kann, ist das an den Händen nicht möglich. Schließlich müssen sich sämtliche Schalter noch bedienen lassen. Für Hersteller von Winterhandschuhen bedeutet das eine große Herausforderung: gute
Bewegungsfreiheit bei gleichzeitig maximalem Kälteschutz. Ein Kompromiss, der dank neuer Isoliermaterialien immer besser gelingt. MOTORRAD hat zwölf Paar wasserdichte Winterhandschuhe gehörig in die Mangel genommen.
Nasstest: Trockene Finger und Hände sind der beste Schutz vor Auskühlen. Hat sich Wasser erst einmal einen Weg ins Handschuhinnere gebahnt, ist es vorbei mit der Gemütlichkeit, und die gefühlte Temperatur sinkt innerhalb kürzester Zeit
drastisch. Fahrtwind verstärkt diesen Effekt aufgrund der entstehenden Verdunstungskälte noch dramatisch. Wasserdichtigkeit ist folglich eine Grundvoraussetzung für gute Winterhandschuhe. MOTORRAD hat sämtliche Kandidaten einem Dichtigkeits-
test unterzogen. Zehn unbeschadete Minuten im Tauchbad und zwei Stunden dichthalten beim »Fülltest« (Handschuhe mit Wasser füllen) ergeben die maximale Punkt-
zahl. Für undichte Exemplare gibt’s je nach Zeitpunkt und Stärke des Lecks entsprechend Abzug.
Kältetest: Um die Isolierfähigkeit zu prüfen, ging’s auf die Autobahn. Bei 120 km/h und knapp unter null Grad Außentemperatur zeigte sich schnell, ob Winddichtheit und Thermofütterung bei frostigen Temperaturen ausreichen.
Tragekomfort/Passform: Der wärmste Handschuh nützt nichts, wenn er dermaßen unförmig ist, dass sich Hebel und Schalter am Lenker nicht mehr bedienen lassen. Klobig ausfallende Fingerlinge mit miserablem Schnitt (beispielsweise zu kurz geratenen Fingern oder einem falsch platzierten Daumen), Wulstbildung in der Handinnenfläche oder Druckstellen erhalten entsprechende Punktabzüge.
Handhabung: Wie unkompliziert lassen sich die Handschuhe an- und ausziehen? Sehr nervig ist ein Innenfutter, das beim Ausziehen jedes Mal mit rausrutscht und sich nachher nur mit Mühe wieder in die einzelnen Finger einfädeln lässt. Wie gut sind die Verschlüsse zu bedienen?
Ausstattung/Verarbeitung: Welche Materialien kommen zum Einsatz, und wie hochwertig ist deren Verarbeitung? Für praktische Extras wie einen
Visierwischer oder eine dank Kordelzug eng schließbare Stulpe gibt’s Extrapunkte.
Sicherheit: Zumindest die Handinnenflächen sollten aus abriebfestem Leder sein, idealerweise der komplette Handschuh. Von Vorteil bei einem Unfall sind außerdem geeignete Protektoren sowie eng schließbare Handgelenksriegel, damit die Handschuhe bei einem Sturz nicht abgestreift werden können.
Noch ein Tipp zum Schluss: Winterhandschuhe dürfen keinesfalls zu eng
sitzen, weil sich im Inneren dann kein
wärmendes Luftpolster bilden kann. Also
lieber eine Nummer größer kaufen. Zudem passen so als weiterer Kälteschutz dünne Unterziehhandschuhe darunter, wie es sie überall im Fachhandel zu Preisen zwischen fünf und 15 Euro zu kaufen gibt. Und
ganz extreme Winterfahrer montieren zu-
sätzlich Handschalen, Lenkerstulpen und Heizgriffe ans Motorrad. Solchermaßen gerüstet, schrumpft die Gefahr unterkühlter Finger beim Fahren auf ein absolutes
Minimum.

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