Textilkombis um 350 Euro (Archivversion) Kombisparen

Saisonstart, neue Klamotten müssen her. Fesch und funktional sollen sie sein und, besonders wichtig, nicht ein Vermögen kosten. Schließlich muss noch Geld für die Latte Macchiato am Motorradtreff übrig sein. Aktuelle Textilkombis der unteren Mittelklasse können diese Ansprüche locker erfüllen.

Dort, wo zum Mittagessen Rotwein gereicht wird, Kleinkinder noch spätabends auf der Plaza spielen und sowieso Fünfe öfter gerade sind, geht ein Rossi-Fanshirt in Verbund mit einer coolen Jeans schon als motorradtaugliche Kleidung durch. Ganz anders hier zu Lande: Wasserdichte, mit geprüften Protektoren ausgestattete Textilkombis stehen wegen ihrer Vielseitigkeit sehr hoch im Kurs, denn
Motorradkleidung soll schützen, vor Witterungseinflüssen und Verletzungen.
Spitzenprodukte kosten teilweise deutlich über 1000 Euro – das kann und will sich nicht jeder leisten. Der Griff zu preisgünstigen Kombis der unteren Mittelklasse fällt da leichter. Die »Spar-Kleidung« ist häufig mit weniger bekannten Klimamembranen und Obermaterialien ausgestattet. Doch auch ohne das Renommee von Gore-Tex, Cordura und Konsorten muss billig nicht gleich schlecht sein, wie der Test von acht aktuellen Textilkombis um 350 Euro zeigt. Ausgerechnet die mit 290 Euro preisgünstigste Kombi von Bering heimste beste Noten und damit den Testsieg ein. Sehr erfreulich: Auch unter den übrigen Anzügen ist kein echter Verlierer, denn alle sind – wenn auch das eine oder andere Kleidungsstück nur bedingt – empfehlenswert. Dank herausnehmbarer Thermo-Innenfutter sind die Anzüge fast ganzjährig einsetzbar, Ausstattung und Verarbeitung (je zehn Prozent Anteil an der Gesamtwertung) können sich sehen lassen.
Die Mehrheit der getesteten Produkte überzeugte mit guter Passform – auch
aufgrund Weitenverstellungen an den relevanten Bereichen. Entsprechend zeigten sie selbst bei Tempo 180 auf einem Naked Bike kaum Flatterneigung. In dieser Disziplin stehen die Preisschlager teureren Produkten um nichts nach. Zum wichtigen Bewertungskriterium »Tragekomfort« (30 Prozent vom Endergebnis) zählen neben dem Schnitt (Hals-, Arm- und Beinabschlüsse, Verbindung Jacke/Hose) die ermittelten Praxiswerte in unterschiedlichen fahrdynamischen Sitzpositionen. Zum Beispiel waren die Produkte von BF und Louis im Stand nicht weiter auffällig, erwiesen sich während der Testfahrt jedoch als unbequem. Außerdem wurde bei allen Anzügen auf die Zugänglichkeit und Funktionalität von Taschen geachtet.
Die beiden Kriterien »Nässetest« und »Sicherheit« flossen je zu einem Viertel in die Gesamtwertung ein. Schließlich werden die Kombis als wasserdicht angepriesen, und eine vom Regen durchnässte Jacke oder Hose kühlt den Fahrer schnell aus und zwingt zur Fahrtunterbrechung. Sicherheitsrisiken durch mangelhafte Protektoren sind auch bei preisgünstigen Kombis nicht akzeptabel. In diesen beiden Punkten erlauben sich die 350-Euro-Offerten die größten Schwächen. Etwa die in Sachen Sicherheit vorbildliche, mit CE-Rückenprotektor ausgestattete Kombi von Hein
Gericke. Sie verspielt mit einem großflächigen Wassereinbruch im linken Hüft- und Rippenbereich den Testsieg. Zumindest beim simulierten starken Gewitterregen konnte die Sheltex-Membran nicht überzeugen. Bei der klasse verarbeiteten und zudem wasserdichten Büse (Reissa- und Techpore-Membranen) fallen indes die
Ellenbogen-Protektoren durch den Schlagdämpfungstest, außerdem trüben die zu kleinen CE-Schulterpolster das Ergebnis. Anzumerken sei jedoch, dass bei Büse Protektoren für 13,90 Euro pro Paar von einem anderen Produzenten an Ellenbogen und Schultern nachgerüstet werden können.
Das Design spielte bei der Beurteilung keine Rolle. Obwohl die Hersteller genügend Farbvarianten zur Wahl stellen und Anzüge wie der BF oder Büse vor dem Eiscafé richtig was hermachen, entscheiden sich die Käufer überwiegend für eine Kombination aus Dunkel- und Hellschwarz. Eine deutsche Eigenart, die dort, wo Rotwein zum Mittagessen gereicht wird, kaum Verständnis findet.

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