Imprägniermittel zwischen 1,99 und 19,95 Euro 11 Imprägniermittel im Test

11 Imprägniermittel zwischen 1,99 und 19,95 Euro wurden in Imprägniermittel-Test in MOTORRAD 15/2017 getestet, bewertet und miteinander verglichen: Bikecare Waterproof, Blink Imprägnier-Spray, Centralin All Spray Imprägnierer, Erdal Xtreme Imprägnier-Schaumspray, Fibertec Textile Guard pro, Imprägnol Universal-Imprägnierspray, Jack Wolfskin Apparal Proofer, Motorex Protex Spray, Nikway TX Direct Spray-On, S100 Imprägnier-Spray, W5 Outdoor Imprägnierspray.

Vorab: Auch eine Gore-Tex-Kombi will bisweilen imprägniert werden.  Denn jede Klimamembran kommt an ihre Grenzen, wenn sie hinter einer nassen und schmutzigen Barrikade hängt. (Nach-)Imprägnieren ist also wichtig - und zwar nicht nur für Oberbekleidung, Handschuhe und Stiefel, sondern Rucksack und Zelt freuen.

Beim Imprägnieren geht es darum, eine Art hauchdünnen, Wasser und Schmutz abweisenden Film über den Oberstoff zu legen. Das geschieht sehr oft mithilfe von Fluorcarbonharzen, einer großen Gruppe von Kohlenstoffverbindungen, die zu den per- und polyfluorierten Chemikalien, kurz PFC gehören. Stoffe der PFC-Gruppe sind recht langlebig, können nicht ganz so einfach, womöglich gar nicht abgebaut werden und außerdem schädlich sein.

Wie man die davon ausgehenden Gefahren und die Auswirkungen auf die Umwelt gemessen am Motorradfahren einstuft, ist vor allem eine persönliche Entscheidung. Tatsache ist, dass Fluorcarbone nicht gekennzeichnet werden müssen und sich in der Imprägnier-Praxis bewährt haben. Nikwax wirbt als einziges der getesteten Produkte ausdrücklich mit dem Hinweis "PFC-frei". Ob das eher bescheidene Testergebnis im direkten Zusammenhang damit steht, entzieht sich aber unserer Kenntnis.

Das Testfeld der Imprägniermittel teilt sich auf in lösemittelbasierte und wasserbasierte Produkte. Die lösemittelbasierten stecken in Spraydosen mit Treibgasen, die daher (und nicht etwa wegen des eigentlichen Imprägniermittels) Warnhinweise tragen müssen. Wasserbasierte Imprägniermittel werden in Pumpsprühflaschen angeboten. Ein wasserabweisendes Produkt in einer wässrigen Lösung unterzubringen, dürfte eine gewisse Herausforderung darstellen. Dass das aber durchaus funktionieren kann, zeigt die gute Platzierung von Fibertec. Der klare Testsieger S100 und auch das ebenfalls mit "sehr gut" beurteilte Motorex-Produkt treten allerdings in der bewährten Spraydose an – Zufall?

Imprägniermittel aus Sprühdosen haben einen gravierenden Nachteil: den Geruch. Der aber ist beabsichtigt, damit der Anwender im eigenen Gesundheitsinteresse dazu gezwungen wird, an die frische Luft zu gehen.
Mit Spraydosen lässt sich meist sehr gezielt und dosiert arbeiten; Pumpsprühflaschen sind da unter Umständen etwas benachteiligt.

MOTORRAD testete ausschließlich Produkte zum Aufsprühen. Sogannte Wash-in-Imprägnierer, die beim Waschen in der Waschmaschine auf die Bekleidung gelangen sollen, halten wir für überflüssig und sogar kontraproduktiv. Denn warum soll auch die Innenseite eines Bekleidungsstücks wasserabweisend behandelt werden?

Bei kaum einem anderen Test der jüngeren Vergangenheit gab es solche Preisunterschiede wie bei diesem Imprägnierer-Test. Die Literpreise reichen von 4,98 bis 72,55 Euro! Der Vergleich der Ausbringungsmengen relativiert es ein wenig: Wer z. B. für 10 Sekunden auf den S100-Auslöser drückt, versprüht rund 7 Gramm. Im gleichen Zeitraum verlässt doppelt so viel die Imprägnol-Spraydose. Komplizierter wird es, wenn man sich den Wirkstoffgehalt etwas genauer anschaut: Der reicht von 0,19 Prozent bis zu 3,18 Prozent – und trotzdem liegen die Leistungen dieser beiden Extreme nicht so weit auseinander, wie man vermuten könnte.

Noch komplizierter wird es, wenn man den Faktor Haltbarkeit ins Spiel bringt. Leider konnten wir den wir aus methodischen Gründen (Reproduzierbarkeit, Vergleichbarkeit) nicht testen. Eine nicht-repräsentative Erfahrung aus dem MOTORRAD-Redaktionsalltag: Die Imprägnierleistung des Testsiegers S100 hält richtig lange an. Inwieweit das die Schnäppchen aus dem Drogerie- oder Supermarkt schaffen, wissen wir leider nicht. Das finanzielle Risiko eines Selbstversuchts Ihrerseits hält sich aber in Grenzen.

Anzeige

So testete MOTORRAD die Imprägniermittel

In Drogeriemärkten und bei Outdoor-Ausrüstern treiben sich die MOTORRAD-Testmustereinkäufer dienstlich eher selten herum. Das war diesmal anders. Und auch das von "total simpel" bis "fast Raketentechnik" reichende Messprozedere war etwas ungewöhnlich.

Die Testmuster der Imprägniermittel kaufte MOTORRAD im Juni 2017 im Großraum Stuttgart. Die Tests erfolgten im Labor der Alfred Kärcher GmbH & Co. KG in Winnenden, wo Laborleiter und Motorradfahrer Frank Ritscher zuvor mehrfach gewaschene Textilien (Cordura 500 und Polyacrylat) nach Herstellervorschrift mit den Imprägnierern behandelte.

Als zusätzlicher Untergrund für den mit gezielter Überdosierung durchgeführten Rückstandsfreiheits-Test der Imprägniermittel diente grundgereinigtes Rindsleder. Mit einem "Drop Chape Analyzer" wurden die Winkel vermessen, mit denen die Tropfen auf dem imprägnierten Stoff (Polyester und Polyacrylat) auflagen. Faustregel: je größer der Winkel (und damit geringer die Auflagefläche), desto besser.

Bei der Trockensubstanz-Analyse ließ sich mithilfe einer beheizten Präzisionswaage ermitteln, wie hoch der Wirkstoffanteil jedes Imprägniermittels ist. Die Winkel- und Prozentwerte sind in den Produktkästen zu finden, wurden aber nicht explizit bepunktet.

Um richtig viele Punkte ging es dagegen beim "Standard Spray ­Rating Test", einer international anerkannten Testmethode, mit der die Imprägnierleistung in Sachen Nässeschutz beurteilt werden kann. Dabei regnen je 250 ml destilliertes Wasser in bis zu zehn Durchgängen über den imprägnierten Stoff. Nach jedem Durchgang wird die Benetzung beurteilt (100 Punkte: keine Benetzung, 50 Punkte: flächige Benetzung und Abbruch, 0 Punkte: komplette Benetzung bzw. Durchnässung).

Beim Schmutzabweisungs-Test in Anlehnung an die DIN EN ISO 14419 ging es darum, ob sich vier verschiedene, in ihrer Oberflächenspannung abnehmende Öltropfen auf dem imprägnierten Textil als Tropfen hielten (gut) oder "einsickerten"(schlecht).

Artikel teilen