Vergleichstest Protektorenwesten Rückfallquote

Wer zu viel wagt, torpediert sich beim Kampf auf der letzten Rille schnell ins Aus. Doch nicht nur im Rennsport gilt: Im Falle eines Falles ist der Rücken besonders gefährdet und sollte ent­sprechend geschützt sein. Beispielsweise mit einer Protektorenweste. MOTORRAD hat elf Kandidaten in Labor und Praxis getestet.

Foto: 2snap
Nicht jede Lederkombi oder Textiljacke verfügt serienmäßig über einen angemessenen Rückenschutz. Oft stecken in den Protektorentaschen lediglich Weichschaummatten, deren Unfallschutz gegen null tendiert. Wer seinen Rücken beim Motorradfahren vernünftig schützen möchte, kommt um einen separat zu tragenden, CE-geprüften Protektor nicht herum.

Immer beliebter werden in den letzten Jahren die sogenannten Protektorenwesten – ärmellose Überzieher mit integriertem Rücken­protektor. Ihr Vorteil gegenüber herkömmlichen Rückenprotektoren: angenehmes Trageverhalten, verrutschsicherer Sitz und bequeme Handhabung. Elf Kandidaten verschiedener Anbieter stellen sich einem Vergleich. Darunter vier nahezu baugleiche Westen von Büse, Held (Salvo), Polo und Vanucci, die alle mit Protektoren des Herstellers Komperdell ausgestattet sind. Das BMW-Modell besitzt als einziges im Test keinen Front-Reißverschluss, sondern einen an Trägern befestigten Brustgurt sowie einen Nierengurt zur Fixierung. Mit Ausnahme der Garuda von Ixs passen alle grundsätzlich unter Textil- und Lederbekleidung. Lediglich unter eng geschnittenen Lederkombis kann es beim Tragen von voluminös ausfallenden Modellen oder solchen mit integriertem Brustschutz – wie beispiels­weise von Alpinestars oder Dainese – knapp zugehen. Worauf es beim Kauf zu achten gilt, steht in »richtig kaufen«.

Die maximal 100 zu erreichenden Punkte verteilen sich wie folgt auf die in Labor und Praxis berücksichtigten Kriterien.

Stoßdämpfung (30 Punkte): Das wichtigste Kriterium hat MOTORRAD zusammen mit dem TÜV Rheinland in Köln in enger Anlehnung an die für Rückenprotektoren gültige CE-Norm 1621-2 unter die Lupe genommen (siehe »Stoßdämpfung«).

Effektive Schutzfläche (15 Punkte): Die Stoßdämpfung nach CE verlangt lediglich, dass der Protektor in der angegebenen Schutzzone die vorgeschriebenen Grenzwerte einhält. MOTORRAD bewertet außerdem die tatsächliche Größe der Schutzfläche. Diesbezüglich schneidet beispielsweise das Modell von Rukka mit seinem sehr schmalen Protektor weniger gut ab als die Garuda-Weste von Ixs mit ihrem großflächigen Rückenprotektor. Maximal zwölf der 15 Punkte in diesem Kriterium entfallen auf den Protektor selbst, die verbleibenden drei Punkte können die Kandidaten für weiteren Unfallschutz sammeln. Dank stabiler Kunststoffschalen im Bereich von Brust und Schultern sowie dem hoch reichenden Nackenschutz erhält die Dainese als Einzige alle drei.

Trageverhalten (25 Punkte): Wie gut passen die Westen, wie eng und verrutschsicher liegen sie an? Die Protektoren sollten beim Fahren weich und geschmeidig sein und weder Druckstellen verursachen, noch dem Träger das Gefühl geben, als hätte er ein Brett im Kreuz. Auch das Thema Belüftung spielt hierbei eine Rolle. Am luftdurchlässigsten sind die Kandidaten von Dainese und Rukka, deren Rückenprotektoren aus offenporigen Materialien ge­fertigt sind.

Handhabung (10 Punkte): Hier schneiden alle elf Probanden recht gut ab, da sie sich ohne umständliche Fummelei prima an- und ausziehen lassen. Am besten gelingt das dem Alpinestars-Modell, bei dem der Klettgurt am Bauch nicht über den Frontreißverschluss reicht, wodurch er – wenn einmal die Taillenweite eingestellt wurde – immer passt. Dafür gibt’s volle Punktzahl. Die erhält auch die Safety Vest von Hein Gericke, bei der nur ein Frontreißverschluss zu bedienen ist.

Verarbeitung (10 Punkte): Glänzend verarbeitet zeigt sich die mit Abstand teuerste Weste im Test, die Rukka APS air. Da sitzt jede Naht, da nerven keine Wülste. Hochwertige Textilmaterialien runden den guten Eindruck ab.

Gewicht (5 Punkte): Das leichteste Modell, die Safety Vest von Hein Gericke, wiegt mit 678 Gramm gerade mal halb so viel wie das schwerste, die Garuda von Ixs. Eine Eigenschaft, die sich beim Fahren früher oder später bemerkbar macht und in die Wertung einfließt.

Kennzeichnung (5 Punkte): Protektoren müssen laut CE-Norm klar gekennzeichnet sein (siehe auch Kasten auf Seite 65). Die Praxis sieht teilweise anders aus. Für fehler­-hafte oder fehlende Angaben gibt es Punkt­abzug. Schließlich sollte der Kunde im Laden anhand von beschrifteten Aufnähern oder leserlichen Prägungen nachvollziehen können, was er sich zulegt.

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