Vergleichstest Regenüberschuhe (Archivversion) Was für ein Piß-Wetter...

...dachte sich Waldi und pinkelte an den nächstbesten Gummibaum, der nach den ersten Tropfen laut fluchend das Weite suchte. Gegen solche Attacken blasenschwacher Vierbeiner und gegen alle anderen ungewollten Nässeeinbrüche in Motorradstiefel leisten Regenüberschuhe ganze Arbeit. Elf Pellen verschiedener Hersteller im Praxistest.

Zugegeben, die abgebildete Szene gehört eher zu den Ausnahmesituationen im Leben eines Regenüberschuhs. Eigentlicher Einsatzzweck der Überzieher ist es, Motorradstiefel bei Regenfahrten vor eindringendem Wasser zu schützen. Schließlich besitzen noch lange nicht alle Zweiradfahrer dichte Schuhe. Aus dem reichhaltigen Angebot griff MOTORRAD zwölf Paar Regenüberschuhe der Preisklasse 19 bis 40 Mark heraus und unterzog sie einem ausgiebigen Praxistest.Grundsätzlich lassen sich die Überzieher in zwei Gruppen unterteilen: Gummi- oder Latexstiefel und Nylonstiefel. Das Material der Latexstiefel ähnelt einem herkömmlichen Schlauch. Der größte Vorteil der Latex-Treter ist die völlige Wasserdichtigkeit auch nach stundenlanger Regenfahrt. Schwieriger hingegen gestaltet sich die An- und Ausziehprozedur, und meist sind die Schäfte nicht hoch genug.Die Nylonüberschuhe gibt es in verschiedenen Ausführungen. Mit durchgehender Sohle oder mit Teilsohle im Vorderfußbereich und zusätzlichem Gummizug unter der Sohle. An- und ausziehen geht relativ schnell und problemlos - dafür sorgen in der Regel lange Schaftverschlüsse. Exemplare mit durchgehender Laufsohle verhindern, daß von unten her Spritzwasser eindringt und sich die Überschuhe an Schalthebeln oder Fußrasten verhaken, was schon so manchen Regenfahrer am Ende der Tour ungewollt unter dem Motorrad verschwinden ließ.Auch die Schaftverschlüsse gibt es in verschiedenen Ausführungen: mit Klett- oder Reißverschluß, teilweise mit zusätzlichen Druckknöpfen aus Kunststoff oder Metall. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Klettverschlüsse neigen zwar nach einiger Zeit zum Verfilzen, lassen aber etwas Spielraum bei der Weitenanpassung. Außerdem können die Überschuhe bei Nichtgebrauch bedenkenlos zusammengeknautscht und verpackt werden, was die Modelle mit Reißverschlüssen nicht immer goutieren.Um die Flatterneigung so gering wie möglich zu halten, weisen einige Überschuhe Gummizüge oder Klettgurte im Mittelteil auf. Besonders gelungen ist das Modell von Hein Gericke, das sich dank eines stabilen Klettgurts exakt an die Stiefelweite anpassen läßt. Weit weniger anpassungsfähig zeigen sich die Latex-Exemplare, deren Stulpen der Fahrtwind bei Geschwindigkeiten jenseits der 100 km/h nach unten zerrt. Die Nylon-Überschuhe von Ixs fallen bauartbedingt aus dem Rahmen: Sie haben keinen Verschluß und werden komplett über die Stiefel gestreift - daher der weite Schnitt, der dem Wind die Möglichkeit gibt, die Überzieher mit wachsender Geschwindigkeit immer mehr aufzublähen.Sie fragen sich, wer bei Regen schneller als 100 km/h fährt? Möglicherweise nicht viele Motorradfahrer. Doch wer sich bei Schauerwetter auf der Autobahn von Wolke zu Wolke hangelt, möchte wenigstens auf den trockenen Etappen hin und wieder etwas Gas geben, ohne jedesmal die flatternden Überschuhe auszuziehen.Glücklicherweise hat der Schnitt keine Auswirkungen auf die Wasserdichtigkeit. Unangefochten an der Spitze liegen hier die Überzieher aus Latex. Auch nach stundenlangem Wolkenbruch bleibt ihr Inneres staubtrocken. Voraussetzung hierfür ist allerdings, daß die Beinabschlüsse der Regenkombi über die recht kurzen Latexstulpen gezogen werden, damit von oben kein Wasser in die Stiefel läuft. Bei den Nylon-Überziehern hängt die Wasserdichtigkeit in erster Linie von der Verarbeitung der Nähte ab. Jede Naht stellt eine potentielle Schwachstelle dar, durch deren feine Löcher Wasser eindringen kann. Deutliches Beispiel hierfür sind die roten Überschuhe von Louis, die nur sporadischen Nässeschutz bieten.Im Idealfall sollten alle Nähte zusätzlich verschweißt sein, um dauerhaft dichtzuhalten. Kandidaten, die nur verschweißt sind, bieten zwar Nässeschutz, doch können die Nahtstellen bei Belastung reißen. Und genau dieses Schicksal ereilte das Test-Exemplar von Held. Durch ein nadelfeines Loch an der über den Fußrücken laufenden Schweißnaht des linken Überschuhs fanden einige Wassertröpfchen einen Weg ins Innere. Genug, um nach längeren Regenfahrten nasse Füße zu bekommen. Eine weitere Gefahrenquelle lauert in Gestalt heißer Krümmer oder Auspuffrohre, die bei Berührung in Sekundenbruchteilen ein Loch in die Überschuhe brutzeln. Lediglich das hitzebeständige Modell von Louis zeigt sich, zumindest einige Zeit, unbeeindruckt. Das weitverbreitete Erfühlen der Schräglage mit den Stiefelspitzen sollten Träger von Regenüberschuhen grundsätzlich unterlassen, sonst droht ein Super-Wasser-Gau.Löcher können übrigens auch durch häufigen Gebrauch entstehen. Vor allem der Schaltfuß ist gefährdet. Zusätzliche Schalthebelverstärkungen verlängern die Lebensdauer der Überschuhe beträchtlich. Im Ernstfall helfen einige StreifenTextilklebeband an der richtigen Stelle weiter. Weniger gute Aussichten auf Reparaturerfolge stellen sich bei Überschuhen mit durchgehenden Sohlen ein, wenn sie auf Enduros zum Einsatz kommen. Die scharfkantigen Fußrasten reißen diese Exemplare in kürzester Zeit in Stücke. Geländefreaks sollten sich deshalb für Überschuhe mit Teilsohle im Vorderfußbereich entscheiden.Und wer absolut sicher sein möchte, daß er beim Motorrad fahren keine nassen Füße bekommt, der darf eben nicht bei Regen auf Tour gehen. Hunde interessiert das Wetter freilich herzlich wenig.

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