Vergleichstest Rückenprotektoren

Rückendeckung

Pressiert’s, passiert’s. Oftmals sind aber auch andere Verkehrsteilnehmer schuld, wenn ein Motorradfahrer auf dem Rücken liegt. Wie gut schützen in solchen Fällen Protektoren? 15 Modelle im Test.

Foto: Rettenmayr
Rückenprotektoren im Praxistest: Anprobe
Rückenprotektoren im Praxistest: Anprobe
Allen Motorradfahrern, deren Kleidung keinen integrierten Rückenschutz aufweist, kann das Tragen eines separaten Protektors nur sehr empfoh-
len werden. Voraussetzung ist allerdings, dass die nachgerüsteten Rückenprotektoren einwandfrei unter die vorhandene Schutzkleidung passen und fest sitzen. Weiteres Kriterium: Der ausgewählte Rückenschutz sollte nach der CE-Norm geprüft sein (siehe auch Kasten auf
Seite 61). Damit ist ausgeschlossen,
dass es sich lediglich um ein Modell
aus Weichschaum handelt, das im Falle eines Falles nur unzureichend schützt. Erfüllt ein Protektor die Norm, gilt es zu beachten: Er muss die gesamte Wirbelsäule vom Hals bis zum Steiß abdecken, ohne die Beweglichkeit beim Fahren merklich einzuschränken.
Eine nicht unwesentliche Rolle bei der Wahl eines passenden Rückenprotektors spielt die getragene Fahrerkleidung. Wer versucht, unter seine hautenge, maßgeschneiderte Lederkombi einen voluminösen Panzer zu schieben, wird ebenso
wenig zufrieden sein wie Fahrer von weit geschnittenen Textilanzügen, die sich für einen unzureichend fixierbaren Schutz entscheiden. Deshalb zur Anprobe unbedingt mit Leder- beziehungsweise Textilkombi erscheinen. Denn was für den
Tourer taugt, kann den Sportfahrer behindern. Gutes Beispiel: ein breiter Nierengurt. Dieser schützt den Tourenfahrer und sorgt außerdem für einen festen Sitz des Protektors unter der weiten Jacke. Bei sportlicher Sitzhaltung drückt ein
breiter Gurt hingegen unangenehm in
den Magen. Die Fixierung spielt unter
einer engen Lederkombi nur eine untergeordnete Rolle, weshalb ein breiter Nierengurt gar nicht nötig ist.
Außer dem subjektiven Trageverhalten, das MOTORRAD mit zahlreichen Testpersonen ermittelte, wurden die 15 aktuellen Rückenprotektoren bezüglich Sicherheit und Schlagdämpfung beurteilt. Während das Kriterium Sicherheit beispielsweise Punkte wie Größe und Ausführung der Schutzzone sowie Sitz des Protektors berücksichtigte, geht es bei der Schlagdämpfung um die im Labor der Firma Viscotec ermittelten Restkraftwerte (siehe Tabelle auf Seite 61). Hierbei fällt ein fünf Kilogramm schwerer Fallkörper mit einer abgerundeten Kante (Bordsteinsimulator) aus einem Meter Höhe
auf den zu testenden Rückenprotektor, der auf einem leicht gewölbten Amboss mit integrierter Kraftmess-Einrichtung liegt. Zwei Kandidaten konnten auf dem Prüfstand besonders überzeugen: BMW und Jofama. Die erzielten Restkraftwerte liegen bei beiden sehr niedrig und erstaunlich konstant im Bereich von nur
fünf (BMW) beziehungsweise 6,5 Kilo-Newton (Jofama).
Besonders aufwendig gestaltete sich die Ermittlung des Trageverhaltens. Sämtliche Protektoren wurden zig-mal sowohl unter Lederkombis als auch unter Textilanzügen ausprobiert. Außerdem gehörten Tests auf dem Motorrad zum Programm. Wie gut ist die Beweglichkeit
auf dem Fahrzeug? Lassen sich Kopf
und Rumpf ausreichend bewegen, oder behindert der Protektor? Auch Druckstellen tauchen oft erst in Sitzhaltung auf.
Das abschließende MOTORRAD-
Urteil für die einzelnen Kandidaten ergibt sich zu gleichen Teilen aus den drei
Kriterien Schlagdämpfung, Sicherheit und Trageverhalten. Das erfreuliche Ergeb-
nis: Im Vergleich zu vergangenen Tests schneiden die aktuellen Modelle klar
besser ab. Neue Werkstoffe und Technologien helfen, die Schutzwirkung der Protektoren zu verbessern. Fehlt eigentlich nur noch eine stärkere Berücksichtigung des Komfortfaktors Belüftung, den momentan lediglich Dainese und Rukka mit ihrer Waben- beziehungsweise Gitterkonstruktion erfüllen. Dann würden in Zukunft bestimmt noch mehr Protektorenmuffel zu dem nach Meinung von MOTORRAD unverzichtbaren Rückenschutz greifen.
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Test: Alpinestars Tec Protector

Anbieter: Alpinestars, Telefon 0039/0423-5286, www.alpinestars.comPreis: 139,95 Euro Größen: S, M, LGewicht in Gramm (Größe): 1056 (S), 1274 (L)Merkmale: elastischer Nierengurt; elastische Schultergurte; Pro-tektor komplett mit perforierter Kunststoffschale bedeckt; sehr aufwendig verarbeitetSchlagdämpfung: befriedigend (Restkraft* 18,77 kN) Sicherheit: sehr gut bis gut (sehr große Schutzfläche, ausreichend lang sowohl im Steiß als auch im Nackenbereich; stabiler Sitz) Trageverhalten: gute Passform trotz leichter Druckstellen im Schulter- und Nierenbereich bei einigen Testern; Schultergurte nicht weit genug verstellbar; sehr großflächig und dick, daher für Lederkombis nur bedingt geeignet, für Textilanzüge zu empfehlen

Test: Axo Back-Protector

Anbieter:Axo, Telefon 07145/93620, www.axosport.dePreis: 99,90 Euro Größen: S, M, LGewicht in Gramm (Größe): 580 (S), 712 (L)Merkmale: elastischer Nierengurt; verstellbare, elastische Schultergurte; Protektor komplett mit perforierter Kunststoffschale bedeckt; Gelenk im Lendenbereich; gute Verarbeitung Schlagdämpfung: gut(Restkraft* 13,11 kN) Sicherheit: gut bis befriedigend (bei großen Größen schmale Schutzfläche; ausreichend lang; scharfkantige Kunststoffteile) Trageverhalten: sehr leicht, dadurch angenehm zu tragen; gute Passform trotz leichter Druckstellen im Lendenwirbelbereich bei einigen Testern; hohe Beweglichkeit; zu kleine Klettlasche am Bauchgurt; für Leder- und Textilkombis geeignet

Test: BMW Rückenprotektor 2

Anbieter: BMW, Telefon 089/382-0, www.bmw-motorrad.de Preis: 129 Euro Größen: S, M, LGewicht in Gramm (Größe): 992 (S), 1026 (L) Merkmale: elastischer Nierengurt; verstellbare, elastische Schultergurte; Schlüsselbeinschutz mit Click-Verschluss; Kunst-stoffschale entlang der Wirbelsäule; sehr gute Verarbeitung Schlagdämpfung: sehr gut (Restkraft* 4,94 kN) Sicherheit: sehr gut (große Schutzfläche mit gleichmäßigen, überragenden Schlagdämpfungswerten; stabiler Sitz) Trageverhalten: im Rücken sehr angenehm zu tragen; pfiffiger Schlüsselbeinschutz, der jedoch unter engen Kombis zu Druckstellen führt; sehr großflächige Abdeckung, benötigt daher viel Platz; insgesamt gute Passform; für Lederkombis nur bedingt geeignet; besonders unter Textilanzügen empfehlenswert

Test: Büse Bodyguard

Anbieter: Büse, Telefon 02471/12690, www.buese.comPreis: 49,90 Euro Größen: uni Gewicht in Gramm (Größe): 834 (Einheitsgröße) Merkmale: doppelter, elastischer Nierengurt; verstellbare, elastische Schultergurte; Protektor großflächig mit Kunststoffschale bedeckt; ordentlich verarbeitetSchlagdämpfung: gut (Restkraft* 14,19 kN) Sicherheit: gut (Wirbelsäule breit abgedeckt, daneben nur wenig Dämpfung; Nierenbereich gut abgedeckt) Trageverhalten: ordentliche Passform, jedoch recht unflexibel, dadurch eingeschränkte Beweglichkeit; schlecht: Träger an Nierengurt befestigt, letzterer ist für sportliches Fahren zu breit (drückt); großflächig und dick, daher eher für Textilanzüge zu empfehlen

Test: Dainese Wave

Anbieter: Dainese, Telefon 089/35827270, www.dainese.comPreis: 124,90 Euro Größen: M, LGewicht in Gramm (Größe): 552 (M), 666 (L)Merkmale: elasti-scher Nierengurt; verstellbare, elastische Schultergurte; Protektor komplett mit perforierter Kunst-stoffschale bedeckt; Schutzelement aus Aluminium-Wabenkonstruktion; Gelenk im Lendenbereich; sehr gute Verarbeitung Schlagdämpfung: sehr gut bis gut (Restkraft* 10,24 kN) Sicherheit: gut (Wirbelsäule breit abgedeckt, daneben nur wenig Dämpfung; ausreichend lang; Hartschalen mit ausreichend Überlappung)Trageverhalten: sehr leicht und dank Wabenkonstruktion atmungsaktiver Protektor, der sich besonders angenehm trägt; sehr gute Passform und hohe Beweglichkeit; schmaler Nierengurt, dadurch auch für sportliches Fahren geeignet; besonders für Lederkombis sehr zu empfehlen

Test: Erbo P5–P8

Anbieter: Erbo, Telefon 05274/489, www.erbo.de Preis: 69 bis 79 Euro (je nach Größe) Größen: S bis XL (P5 bis P8) Gewicht in Gramm (Größe): 778 (S), 960 (XL)Merkmale: elastischer Bauchgurt; verstellbare Schultergurte; herausnehmbarer Protektor steckt in waschbarer Textilhülle; gute VerarbeitungSchlagdämpfung: sehr gut bis gut (Restkraft* 11,37 kN) Sicherheit: sehr gut bis gut (Schultern und Wirbelsäule sehr gut abgedeckt; ausreichend lang sowohl im Steiß als auch im Nackenbereich) Trageverhalten: prima Passform trotz leichter Druckstellen im Steißbereich; Träger umständlich zu verstellen, außerdem am Bauchgurt befestigt; schmaler Gurt prima für Sporteinsätze geeignet; sehr gute Beweglichkeit; für Lederkombis sehr zu empfehlen

Test: Götz Giali Full

Anbieter: Götz, Telefon 07476/933150, www.goetz-motorsport.dePreis: 79,95 Euro Größen: S, LGewicht in Gramm (Größe): 672 (S), 784 (L)Merkmale: elastischer Nierengurt; elastische Schultergurte; Protektor komplett mit Karbon/Kevlar-Platten belegt; befriedigend verarbeitetSchlagdämpfung: sehr gut bis gut (Restkraft* 11,9 kN) Sicherheit: gut bis befriedigend (Wirbelsäule breit abgedeckt, dennoch Schutzzone vergleichsweise schmal und für Großgewachsene zu kurz) Trageverhalten: mäßige Passform; schlecht: Träger an Nierengurt befestigt und nur minimal verstellbar; für Lederkombis und Textilanzüge gleichermaßen geeignet

Test: Hein Gericke Hiprotec-Backpack

Anbieter: Hein Gericke, Telefon 0211/98989, www.hein-gericke.de Preis: 29,95 Euro Größen: S, M, LGewicht in Gramm (Größe): 382 (S), 532 (L)Merkmale: elastischer Nierengurt; verstellbare, elastische Schultergurte; der herausnehmbare Protektor aus Styropor steckt in einer waschbaren Textilhülle; einfach verarbeitetSchlagdämpfung: sehr gut bis gut (Restkraft* 9,05 kN) Sicherheit: befriedigend bis ausreichend (gleichmäßig hohe Dämpfung auf ganzer Schutzfläche, die aber vergleichsweise klein und viel zu kurz ausfällt; labiler Sitz) Trageverhalten: klein und leicht, daher angenehm zu tragen, aber schlechte Passform; Verstellbereich des Nierengurts viel zu gering, lässt sich nicht eng genug einstellen; insgesamt viel zu kurz; wirkt trotz guter Dämpfungswerte wenig Vertrauen erweckend

Test: Ixs Pro Back V

Anbieter: Hostettler, Telefon 07631/18040, www.ixs.comPreis: 99 Euro Größen: S, M, LGewicht in Gramm (Größe): 654 (S), 956 (L) Merkmale: elastischer Nierengurt; verstellbare, elastische Schultergurte; Protektor komplett mit Kunststoffschale bedeckt und leicht vorgeformt; gut verarbeitetSchlagdämpfung: sehr gut bis gut (Restkraft* 9,04 kN) Sicherheit: sehr gut bis gut (sehr große Schutzfläche; ausreichend lang sowohl im Steiß als auch im Nackenbereich; stabiler Sitz) Trageverhalten: in Sitzhaltung gute Passform, im Stehen leichte Druckstellen am Steiß; aufgrund steifer Konstruktion nur mäßige Beweglichkeit; sehr großflächig und dick, daher für Lederkombis nur bedingt geeignet, für Textilanzüge sehr zu empfehlen

Test: Jofama Track

Anbieter: Jofama, Telefon 0561/470835, www.jofama.sePreis: 125 Euro Größen: S, M, LGewicht in Gramm (Größe): 904 (S), 1024 (L)Merkmale: elastischer Nierengurt; verstellbare, elastische Schultergurte; Protektor großflächig mit wabenförmiger Kunststoffmatte bedeckt; sehr gute Verarbeitung Schlagdämpfung: sehr gut (Restkraft* 6,44 kN) Sicherheit: sehr gut (sehr große Schutzfläche mit hervorragenden Dämpfungswerten auf der gesamten Fläche; ausreichend lang sowohl im Steiß als auch im Nackenbereich) Trageverhalten: sehr gute Passform, liegt gleichmäßig und großflächig an; schmaler Nierengurt für sportliches Fahren geeignet; Schultergurte nicht weit genug verstellbar; wenig atmungsaktiv; für Leder- und Textilkombis sehr zu empfehlen

Test: On Two Wheels Zandona X7

Anbieter: On Two Wheels, Telefon 07476/933130, www.on2wheels.dePreis: 79,95 Euro Größen: uni (mit unterschiedlicher Gurtlänge) Gewicht in Gramm (Größe): 804 (Einheitsgröße) Merkmale: elastischer Nierengurt; verstellbare, elastische Schultergurte; Protektor komplett mit schuppenförmigen Kunststoffschalen bedeckt; perforierter Schaumstoff für bessere Belüftung; gute VerarbeitungSchlagdämpfung: befriedigend (Restkraft* 21,17 kN) Sicherheit: gut bis befriedigend (Wirbelsäule breit abgedeckt, daneben nur wenig Dämpfung; für Großgewachsene zu kurz; Hartschalen mit ausreichend Überlappung)Trageverhalten: ordentliche Passform, allerdings zu kurz geraten; Druckstellen im Bereich des (unflexiblen) Nierengurts; gute Beweglichkeit; relativ atmungsaktiv; für Leder- und Textilkombis gleichermaßen geeignet

Test: Polo ProLife

Anbieter: Polo, Telefon 0211/9796699, www.polo-motorrad.dePreis: 49,95 Euro Größen: M, LGewicht in Gramm (Größe): 750 (M), 752 (L)Merkmale: elastischer Nierengurt; verstellbare, elastische Schultergurte; Protektor komplett mit Kunststoffschale bedeckt und leicht vorgeformt; ordentlich verarbeitetSchlagdämpfung: sehr gut bis gut (Restkraft* 10,44 kN) Sicherheit: gut (vor allem im Schulterbereich sehr breite Schutzfläche; für Großgewachsene etwas zu kurz)Trageverhalten: in Sitzhaltung gute Passform, im Stehen leichte Druckstellen an den Schultern; aufgrund steifer Konstruktion nur mäßige Beweglichkeit; sehr großflächig und dick, vor allem im Schulterbereich, daher für Lederkombis nur bedingt geeignet, für Textilanzüge sehr zu empfehlen

Test: Rukka Air Power

Anbieter: Rukka, Telefon 040/5511055, www.rukka.comPreis: 94,95 Euro Größen: M, LGewicht in Gramm (Größe): 1078 (M), 1120 (L)Merkmale: elastischer Nierengurt; verstellbare, elastische Schultergurte; zwei elastische Schrittgurte; herausnehmbarer, gitterförmiger Protektor steckt in einer waschbaren Textilhülle aus Cordura und Outlast-Gewebe; sehr gut verarbeitetSchlagdämpfung: gut bis befriedigend (Restkraft* 15,59 kN) Sicherheit: gut (sehr große, gleichmäßig breite Schutzfläche; für Großgewachsene etwas zu kurz) Trageverhalten: großflächig und schwer; aufwendiges Anzieh-Procedere aufgrund der Schrittgurte, dadurch aber gute Fixierung; ordentliche Passform; recht unflexibel – »Brett-Gefühl«; schlecht: die Träger sind am Nierengurt befestigt, der darüber hinaus sehr breit ausfällt, daher nicht für Sporteinsatz geeignet; sehr gute Atmungsaktivität; besonders für Textilkombis empfehlenswert

Test: Spidi Airback

Anbieter: Spidi, Telefon 0039/0444-436411, www.spidi.comPreis: 159,90 Euro Größen: M, L, XL Gewicht in Gramm (Größe): 832 (M), 902 (L)Merkmale: elastischer Nierengurt; verstellbare, elastische Schultergurte; als Dämpfungselement dienen luftgefüllte Kammern, die von einer großflächigen Kunststoffschale abgedeckt werden; Lendenbereich gelenkig ausgeführt; sehr aufwendig verarbeitet Schlagdämpfung: gut bis befriedigend (Restkraft* 16,06 kN) Sicherheit: gut (Wirbelsäule breit abgedeckt, daneben nur wenig Dämpfung; Gummilappen in Steiß und Nacken ohne spürbare Dämpfung, daher insgesamt zu kurz)Trageverhalten: ziemlich steif; ordentliche Passform; Schultergurte nicht fest genug fixierbar; breiter Nierengurt, daher bei spotlicher Haltung eingeschränkter Komfort; für Leder- und Textilkombis gleichermaßen geeignet

Test: Stadler Knox Stoway

Anbieter: Stadler, Telefon 08543/96200, www.stadler-bekleidung.dePreis: 110 Euro Größen: S, M, LGewicht in Gramm (Größe): 474 (S), 608 (L) Merkmale: elastischer Nierengurt; verstellbare, elastische Schultergurte; Protektor besteht aus zahlreichen mit Kunststoff überzogenen EPS- (Styropor-)Segmenten; für den Transport zusammenrollbar; gut verarbeitetSchlagdämpfung: befriedigend (Restkraft* 19,35 kN) Sicherheit: gut (sehr große, breite Schutzfläche mit gleichmäßigen Dämpfungswerten; für Großgewachsene zu kurz) Trageverhalten: flexibel und leicht, daher angenehm zu tragen; sehr großflächig; prima Passform; dank schmalen Nierengurts für sportliche Sitzhaltung geeignet; für Leder- und Textilkombis gleichermaßen empfehlenswert

Interview: Dipl.-Ing. Florian Schueler, Institut für Rechtsmedizin

Dipl.-Ing. Florian Schueler, Institut für Rechtsmedizin,
Fachgebiet Technologische Biomechanik und Unfallforschung an der Universität Heidelberg, zum Thema Rückenprotektoren.
Wie sind Ihre Erkenntnisse aus Untersuchungen von Motorradunfällen mit und ohne Rückenprotektoren? Überwiegend untersuchen wir sehr schwere Unfälle, bei denen auch gute Rückenprotektoren an ihre Grenzen stoßen. Leichtere Unfälle, gegenüber deren Einwirkungen Protektoren effizienten Schutz bieten, dringen meist nicht bis zu uns vor. Um exakte Aussagen machen zu können, müssten uns vergleichbare Unfallereignisse mit und ohne Protektor vorliegen – doch die sind sehr selten. Bei welchen Unfallabläufen sind Rückenprotektoren besonders vorteilhaft? Vor allem bei Unfällen mit freiem Sturzraum und wenn das Motorrad von hinten angefahren wird. Beim Sturz auf die Straße mit Überschlägen und langer Rutschstrecke – womöglich über kleinere Absätze – kann ein Rückenprotektor wirkungsvoll vor starken Schürfungen mit Hitzeentwicklung und mäßigen Prellschlageinwirkungen schützen. Fährt von hinten ein Fahrzeug auf, zeigt sich, dass besonders auf leichteren Motorrädern und Rollern Protektoren sehr nützliche Bestandteile der persönlichen Schutzausrüstung sein können. Wo liegen die Grenzen bezüglich Schutzfunktion bei einem möglichen Unfall? Die liegen in etwa da, wo heute auch gute Schutzhelme an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit stoßen, wenngleich die verletzungsmechanischen Abläufe grundsätzlich unterschiedlich sind. In welche Richtung sollte weiterentwickelt werden? Es müsste eine gesicherte Anforderungsliste geschaffen werden bezüglich Klärung der wahrscheinlichen Unfalleinwirkung und der konsequenten Umsetzung des verletzungs-mechanischen Geschehens. Hieraus lassen sich dann die Systemeigenschaften sowie die Werkstoffauswahl ableiten. Ferner sind die individuelle Anpassung und Fixierung wesentlich. Der Protektor als Element der passiven Sicherheit sollte komfortabel sein und darf keineswegs stören. Der Wohlfühlfaktor ist ein wichtiger Aspekt der aktiven Sicherheit und in kriti-schen Situationen Voraussetzung für die Konzentration und Präsenz auf dem Motorrad. Wie sieht Ihrer Meinung nach der ideale Rückenprotektor aus? Außer den oben genannten Kriterien sollte mir der Protektor an heißen Sommertagen ein wohltuendes Lüftchen zukommen lassen. Eine derartige Funktionserweiterung käme sicherlich auch der allgemeinen Akzeptanz zugute.

CE-Norm

Foto: Hertneck
Gerry Büttner von Viscotec am rechnergestützten Schlagprüfungs-Prüfstand.
Gerry Büttner von Viscotec am rechnergestützten Schlagprüfungs-Prüfstand.
So wie für Gelenkprotektoren eine CE-Norm existiert (EN 1621-1), gibt es auch eine für Rückenprotektoren. Diese ist im Entwurf prEN 1621-2 des Europäischen Komitees für Normung festgelegt. Für diese Norm gelten verschiedene Definitionen und Anforderungen, die unter der Mitarbeit der nationalen Normungsinstitute, beispielsweise Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Norwegen, Schweden, Schweiz, Spanien und vielen weiteren europäischen Ländern, entstanden. Die gewählten Leistungsanforderungen gelten als der beste Kompromiss zwischen Schutz, Tragekomfort und den ergonomischen Voraussetzungen. Eine wichtige Größe ist etwa der Hüft-Schulter-Abstand einer Person. Er ist ein Maß für die Größe der in der Norm festgeschriebe-nen Schutzzone. Aus dieser Länge lässt sich eine kreuzförmige Fläche berechnen. Die Schutzzone des Rückenprotektors für den angegebenen Hüft-Schulter-Abstand muss mindestens so groß sein wie die entsprechende Schablone (siehe Foto rechts). Hersteller von geprüften Rückenprotektoren müssen diese deshalb mit der Größen-angabe (Hüft-Schulter-Abstand) des Produkts kennzeichnen. Außerdem sind sie verpflichtet, die CE-Norm (prEN 1621-2) sowie die Leistungsstufe sichtbar anzubringen. Die Leistungsstufe gibt an, wel-cher Schutzklasse der Protektor entspricht. Stufe 1 besagt, dass die durchschnittliche Höchstkraft aus den Schlagdämpfungsprüfungen unter 18 Kilo-Newton (kN) liegen muss und kein Einzelwert über 24 kN liegen darf. Bei Protektoren der Stufe 2 müssen die Durchschnittswerte unter neun kN liegen, und Einzelwerte dürfen die Zwölf-kN-Marke nicht überschreiten. Die Werte ergeben sich aus Messungen, die auf einem zertifizierten Prüfstand durchgeführt werden müssen. Von den fünf vorgeschriebenen Aufprallpunkten (die alle innerhalb der Schutzzone liegen) müssen mindestens zwei an potenziellen Schwachstellen erfolgen, die sich bei der vorherigen Besichtigung ergeben. Außer den Schlagdämpfungsprüfungen im Labor gehören auch verschiedene Praxis-Untersuchungen auf und neben dem Motorrad zum Testumfang.

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