Vergleichstest Rückenprotektoren Vorschlag zur Güte

Sind diese aufwendigen Labortests bei teuren Testinstituten unbedingt nötig? Geht´s nicht mit einfachen Mitteln viel praxisnäher und dazu noch spottbillig?

Bitte sehen Sie von wütenden Protestbriefen und spontanen Abo-Kündigungen ab: Die Service-Mannschaft von MOTORRAD hat nicht mit Vorschlaghämmern auf unterbezahlte Versuchspersonen eingedroschen, ehrlich. Wenn es um die Dämpfungseigenschaften von Protektoren geht, führt letztlich doch kein Weg an Labortests vorbei. In diesem Fall ließ MOTORRAD bei der staatlichen Materialprüfanstalt MPA in Stuttgart testen. Der Aufbau entsprach der Protektoren-Norm EN 1621. Zwar ist diese Norm nur für Schutzpolster an Schultern, Ellbogen, Hüfte und Knien bindend, doch lassen einige Hersteller ihre Rückenprotektoren auf freiwilliger Basis danach prüfen.
Die Versuchsanordnung sieht laut Europa-Norm folgendermaßen aus: Ein fünf Kilogramm schwerer, flacher Stahlkörper fällt aus einem Meter Höhe auf den Protektor, der auf einem halbkugelförmigen Stahlamboß mit 100 Millimeter Durchmesser liegt. Dabei wird die auf den Amboß übertragene Kraft gemessen. Normalerweise liegt die Innenseite des Protektors dabei unten. Zusätzlich führte MOTORRAD Tests mit umgedrehtem Protektor durch, das heißt Außenseite nach unten zur Kugel gerichtet. Dabei schneiden einige Rückenpanzer mit Hartschalen besser ab, da sie in diesem Fall den Aufprall auf den Kugelamboß auf eine größere Fläche verteilen können.
Wichtig für die Sicherheit ist aber nicht nur die Restkraft im Wirbelsäulenbereich, sondern auch die Größe des Protektors. Er sollte lang genug sein, damit er die Wirbelsäule vom Nacken bis zum Steißbein abdeckt. Auch für den übrigen Bereich des Rückens ist ein gewisser Schutz wünschenswert, obwohl Rippen, Schultern und Weichteile sich nachgiebiger verhalten.
Rennfahrer gehen nie ohne Rückenschutz an den Start. Sie führen den Zuschauern bei vielen Stürzen plastisch vor, wie wirksam eine gute Schutzausrüstung sein kann. Viele erinnern sich wohl noch an den Sturz des Rennfahrers Jeremy McWilliams beim 250er Grand Prix 1998 in Barcelona, der bei 250 km/h über den Lenker flog und Hunderte von Metern über die Straße rutschte. Daß er diesen Horror-Crash unverletzt überstand, hat er mit Sicherheit neben seinem Schutzengel dem Rückenschutz zu verdanken.
Wer Schutz will, muß dafür kleine Abstriche im Komfort in Kauf nehmen. Grundsätzlich sind Rückenpolster mehr oder weniger spürbar, im Sommer wirken sie aufgrund der flächigen Abdeckung des Rückens schweißfördernd. Fast alle getesten Protektoren werden per Nierengurt am Körper gehalten. Bei aufrechter Sitzhaltung eine gute Lösung. Auf der Sportmaschine sind bei gebückter Haltung schmale Bauchgurte besser, diese schränken die Beweglichkeit nicht ein.
So empfehlenswert Rückenprotektoren auch sind, ihre Schutzwirkung bei einem Sturz oder Unfall sollte nicht überschätzt werden. Brüche der Wirbelsäule entstehen häufig durch Stauchung infolge Krafteinwirkung von oben oder unten oder durch Scherkräfte bei zu starker Drehung, in solchen Fällen kann kein Protektor helfen. In selteneren Fällen kommen Wirbelverletzungen nach Anprall mit dem Rücken zum Beispiel an einen Leitplankenpfosten oder Partien eines Autos vor. Genau das sind Beispiele, wo ein Protektor vielleicht das Schlimmste eventuell verhindern kann.

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