Vergleichstest wasserdichte Stiefel (Archivversion) Abenteuer unter Wasser

Wasserdicht wollen alle getesteten Stiefel sein, aber nur wenige können in der Praxis die Füsse wirklich trocken halten. Dieser Test soll verhindern, daß die Suche nach dichtem Schuhwerk zum Abenteuer wird.

Sparen ist angesagt, die Mark sitzt auch bei vielen Motorradfahrern nicht mehr so locker wie vielleicht noch vor ein paar Jahren. Alleskönner sind daher mehr denn je gefragt, zum Beispiel auch bei Stiefeln. Wenn ohnehin neue fällig sind, warum nicht gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und die wasserdichte Version wählen? So denken viele Käufer, die Hersteller haben sich mit einem breitgefächerten Angebot darauf eingestellt. Die Palette der Spezialisten reicht vom derben Enduro-Schuhwerk bis hin zum leichten Rennsportstiefel, alle in abgedichteter Ausführung. MOTORRAD suchte aus diesem Angebot in den zwei Preiskategorien bis 300 Mark und über 300 Mark je acht Paar Stiefel unterschiedlichen Typs aus. Viele Hersteller wie Alpinestars, Daytona oder Ixs bieten alternativ eine ganze Reihe weiterer Varianten.Alle Testkandidaten propagieren eine atmungsaktive und wasserdichte Membran (siehe Kasten). Diese wird bei den hochpreisigen Exemplaren meist von Gore geliefert, daneben wird Sympatex eingesetzt. Die preisgünstigen Stiefel setzen auf PU-Beschichtungen, die dann Aerotex, Sheltex oder Puratex heißen. Gegen nasse Füße sollen sie alle schützen. Dem Punkt Wasserdichtigkeit gilt in diesem Test das Hauptaugenmerk. Freude an den nicht ganz billigen Stiefeln hat der Kunde nur, wenn die Füße nicht nur beim ersten Regenguß trocken bleiben. Daher nahm MOTORRAD von jedem Modell gleich drei Paar Stiefel unter die Lupe. Damit soll ein eventueller Ausreißer infolge eines Fertigungsfehlers entlarvt werden. Der erste Teil des Tests fand unter Aufsicht der MOTORRAD-Tester im Gore-Labor statt. Paar 1 jedes Typs wanderte in die Zentrifuge. Die Stiefel wurden mit jeweils 1,5 Liter Wasser gefüllt und eine halbe Stunde lang mit 260 Umdrehungen pro Minute geschleudert. Mit diesem Drucktest wird die Wasserdichtigkeit im Neuzustand geprüft, für gute Stiefel überhaupt kein Problem. Was eigentlich nur als formelle Überprüfung auf Fertigungsfehler gedacht war, brachte erschreckende Ergebnisse: Eine ganze Reihe von Modellen vor allem der unteren Preiskategorie mußte bereits passen. Diese Stiefel sind schon im Neuzustand undicht, die erste Regenfahrt beschert mit hoher Wahrscheinlichkeit nasse Füße. Extremfall: Beim Insize-Stiefel quoll das Wasser schon beim Einfüllen aus allen Nähten.Paar 2 mußte eine Dauerprüfung durch den Gore-Flextest absolvieren. In einer Tretmaschine wurden die Stiefel im Wasserbad 4500mal pro Stunde abgerollt. Bei 30000 Flexungen (also 6:40 Stunden) wurde der Test abgebrochen. Bei bestandenem Flextest kann je nach Einsatzbedingungen von einer mehrjährigen Dichtigkeit ausgegangen werden. Paar 3 wurde zur Bestätigung im Labor des Sympatex-Herstellers Akzo Nobel malträtiert. Auch dort werkelt eine ähnliche Tretmaschine, die die Stiefel xx Mal pro Stunde durchknetet. Bei der Ermittlung der Gesamtnote hatte der Punkt Wasserdichtigkeit Durchschlagscharakter: Die Gesamtnote kann daher nie besser sein als die Zensur in puncto Dichtigkeit.Der zweite Block des Test beschäftigt sich mit der Praxistauglichkeit. Hier steckt der Teufel oft im Detail. Oft ist der Einstieg zu eng, die Bedienung läßt zu wünschen übrig. In vielen Fällen fehlt eine ausreichende Einstellung der Schaftweite. Besonders wichtig bei wasserdichten Stiefeln, bei denen die Hose im oder über dem Stiefel getragen wird. Fazit: Sparen rentiert sich im Falle wasserdichter Stiefel nicht. Der Tip von MOTORRAD lautet: Lieber einen Hunderter mehr ausgeben als sich jahrelang über nasse Füsse und schlechte Verarbeitung ärgern.

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