Wasserdichte Handschuhe mit Funktionsmembran (Archivversion) Nass-Tirade

Halten wind- und wasserdichte Handschuhe mit Funktionsmembran tatsächlich jedem Wasserschwall stand? Im Praxistest mussten 16 Hightech-Modelle zeigen, ob sie klammen Fingern ein Ende bereiten können.

Mit Überzieh-Handschuhen ist es so eine Sache. Für die einen gehören sie zum Motorradfahren selbstverständlich dazu, für die anderen sind sie hingegen lästig, weil sie gefühlvolles Hantieren bei Regenfahrten auf schlüpfrigem Untergrund erschweren. Wegen des besseren Griffgefühls greifen deshalb immer mehr Motorradfahrer zu Handschuhen mit einer eingearbeiteten Funktionsmembran, statt sich die bewährten Latex-Fingerlinge überzustreifen. Ob die hauchdünnen Folien-Inserts tatsächlich halten, was die Hersteller versprechen, überprüfte MOTORRAD an 16 als wasser- und winddicht angepriesenen Handschuhen in der Preisklasse von 50 bis 100 Euro.Während alle Testkandidaten mit einer durchweg ordentlichen Verarbeitung im Sichtbereich sowie perfektem Windschutz überzeugten, patzten die Probanden von Büse, Hein Gericke, Polo und Wintex beim entscheidenden Nässetest. Die zum Teil starken Wassereinbrüche dieser Handschuhe belegen, dass die Hersteller bei der Einarbeitung der empfindlichen Folien mit vielen Nähten auf engstem Raum nicht immer die nötige Sorgfalt walten lassen. Damit war für diese Exemplare eine MOTORRAD-Empfehlung außer Reichweite. Einige Konkurrenten verspielten jedoch ebenfalls leichtfertig eine bessere Platzierung. So jene Paare, die lediglich mit einem Gummizug am Handgelenk ausgestattet sind. Was nützen Schaumpolster, Lederdopplungen oder gar Karboneinsätze, wenn bei einem Sturz der Handschuh wegen mangelnder Fixierung schon beim ersten Asphaltkontakt von der Hand gezogen wird? Zu einem Motorradhandschuh gehört einfach eine stabile Befestigungsmöglichkeit am Handgelenk! Wer darüber hinaus auf Nummer Sicher gehen will, wählt Handschuhe aus Tierhaut, die hinsichtlich der Abriebfestigkeit den Fingerlingen aus Textilmaterial nach wie vor überlegen sind. Allerdings muss man bei einigen Testexemplaren aus Leder Nachteile beim Griffgefühl in Kauf nehmen. Schuld daran sind in den meisten Fällen praxisfremde Schnitte mit gerade geformten Fingern. Wie man es besser macht, demonstriert geradezu vorbildlich der Dane Tornby. Trotz des relativ warmen Futters überzeugt er mit exzellenter Passform sowie einem prima Griffgefühl, das er den stark vorgekrümmten Fingern sowie dem Lederstretch an der Oberhand verdankt. Weitere pfiffige Details wie die perfekt bedienbare Weitenverstellung am Handgelenk und der langen, eng verschließbaren Stulpe verhelfen dem wasserdichten Tourenhandschuh zum Spitzenplatz in diesem Vergleich.Einen Nachteil teilt sich der Tornby allerdings mit der Konkurrenz: Nach einem heftigen Schauer dauert es eine ganze Weile, bis der vollgesogene Handschuh wieder komplett trocken ist. Vielfahrer sollten sich daher die Sache mit den Überziehern vielleicht doch noch mal überlegen.

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