Auch im Trockenen: Aufmerksam bleiben! Dunkelheit, Verkehr und andere Störfaktoren

Trockene Straßen schützen beim Motorradfahren nicht vor rutschigen Stellen: Kanaldeckel, Bitumenstreifen und Rollsplitt sind nur einige Beispiele für möglichen Gripverlust. Vorausschauendes Fahren beugt Überraschungen vor.

Foto: Streblow
Nachts ist die Sicht ohnehin erschwert, durch Gegenverkehr, Lampen, Ampeln und dazwischen  dunkle Ecken. Mit verkratztem Visier (rechts) und schlechtem Licht wird die Nachtfahrt zur anstrengenden Lotterie
Nachts ist die Sicht ohnehin erschwert, durch Gegenverkehr, Lampen, Ampeln und dazwischen dunkle Ecken. Mit verkratztem Visier (rechts) und schlechtem Licht wird die Nachtfahrt zur anstrengenden Lotterie

Aber auch bei Trockenheit ist nicht jeder Teer griffig, rutschige Fahrbahnbeläge sind nun mal keine Seltenheit. So können sich etwa  Bitumenstreifen, die bei Sommerhitze glatt wie Eis werden, als unangenehme Überraschungen entpuppen. Und bei Rollsplitt oder Schotter heißt es ebenfalls Gas weg. Brems­manöver auf rutschigem Ter­rain gelingen wiederum am besten mit ABS.

Auch die Ränder in Kurven, wo kurvenschneidende Autos nie entlang fahren, bieten mehr Dreck als  Grip, was die Linienwahl speziell in Linkskurven anspruchsvoll macht.

Mit Vorsicht zu genießen sind so auch Aus­fahrten im späten Herbst. Restfeuchte und feuchtes Laub in schattigen Kurven sind mitunter spiegelglatt, und in Flusstälern behindern üble Nebelbänke die Sicht. Da hilft nur, hellwach, aber körperlich locker im Sattel sitzen und auf der Hut sein.  Gerade bei widrigen Umständen gilt es auch bewusst darauf zu achten, dass der Blick nicht vor das Vorderrad fällt.

Eine Strategie, die auch bei Dunkelheit empfehlenswert ist. Größtes Problem bei Überlandfahrten: die Blendung durch entgegenkommende Autofahrer. Gegen diesen Blindflug hilft nur gute Blickführung, sprich, stur weit auf seine eigene Fahrbahn voraus ins Dunkel blicken, bewusst weg von den Scheinwerfern des Gegenverkehrs. Wichtig dabei ist ein möglichst kratzerfreies, sauberes Visier, was man ja im Gegensatz zum Stadtverkehr auf der Landstraße nicht so einfach öffnen kann.


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Foto: Künstle
Achtung, Frust macht aggressiv: Wer nach langer Zockelei endlich freie Fahrt bekommt, sollte vorm Gasgeben einmal richtig durchatmen
Achtung, Frust macht aggressiv: Wer nach langer Zockelei endlich freie Fahrt bekommt, sollte vorm Gasgeben einmal richtig durchatmen

Und wenn dann doch mal die Verhältnisse optimal sind, dann müssen wir uns oft genug die Straße mit anderen teilen. Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor? Schon die Autobahn auf der Anfahrt war knüppelvoll, dann sonntäglicher Kolonnenverkehr auf der Lieblingsstrecke, Kurve um Kurve vergeht ohne rechten Fahrspaß. Wir kommen einfach nicht vorbei, und irgendwann reicht es uns – nach dem Motto "Jetzt oder nie" wird zum Überholen angesetzt.

Dieses Szenario ist der Stoff, aus dem die Unfälle bei besten Verhältnissen gemacht sind. So schwer es fällt, hier heißt es warten, warten auf die richtige Gelegenheit. Oder Pause machen, eine andere Stecke wählen, die Kurven auf der Außenlinie so weit wie möglich ausfahren, oder auch mal versuchen dann zu fahren, wenn es nicht alle anderen auch tun.

Vor allem aber ist es wichtig, zu erkennen, wenn man in solch eine innere Verfassung gerät und sich dann ganz bewusst einzubremsen. Sonst kann es passieren, dass wir bei trockener Straße, bester Sicht und feinstem Grip einfach viel zu schnell in die nächste Kurve stechen, das eben überholte Auto wüst ausbremsen und trotzdem rausfliegen.

Foto: Streblow
Baustellenausfahrt
Baustellenausfahrt

Baustellenausfahrten

Diese Spuren einer Baustellenausfahrt bringen das Motorrad leicht aus dem Tritt. Zudem können plötzlich Bauarbeiter oder Baufahrzeuge auftauchen und abrupt zum Bremsen zwingen, was auf einem solchen Untergrund kein Spaß ist

Foto: Streblow
Sperrfläche
Sperrfläche

Sperrflächen

Sperrflächen dürfen nicht befahren werden, deshalb sammelt sich dort jede Menge Dreck an. Das bedeutet aber für einen Motorradfahrer: Wenn er sie einmal als Ausweichraum benötigt, sind Schräglagen und Bremsungen dort äußerst heikel

Foto: Streblow
Brückenabsatz
Brückenabsatz

Brückenabsätze

Brückenabsätze sind oft mit Stahl­platten garniert, die dem Reifen kaum Grip bieten. Da man sie nicht umfahren kann, gilt hier bei Regen generell: nicht bremsen, nicht beschleunigen, sondern das Motorrad möglichst ohne Schräglage rollen lassen

Foto: Streblow
Gusseiserner Kanaldeckel
Gusseiserner Kanaldeckel

Kanaldeckel

Kanaldeckel aus Gusseisen sind rutschig. Speziell, wenn sie sich in einer Kurve befinden, sollte man sie daher umfahren. Alternativ das Motorrad leicht aufrichten und rollen lassen. Die meist kurzen Rutscher können so leichter ausbalanciert werden.

Foto: Streblow
Bitumenstreifen
Bitumenstreifen

Bitumen

Bitumenstreifen bieten schon im Trockenen wenig Grip, bei Nässe sind sie richtig glatt. Meist zuckt nur mal kurz die Lenkung, wenn ein oder beide Räder drüberrollen. Je breiter und größer sie aber ausfallen, umso eher muss man sie umfahren

Foto: 2snap
Zebrastreifen
Zebrastreifen

Fahrbahnmarkierungen

Im Trockenen sind Zebrastreifen und andere Fahrbahnmarkierungen kein Problem, doch bei Regen ist der aufgebrachte Kunststoff spiegel­glatt. Daher nicht beschleunigen oder bremsen, sondern das Motorrad einfach darüber weg rollen lassen

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