Gift in Helmen Gesundheits-Check

Motorradhelme dienen dem Schutz des Fahrers. Das gilt unabhängig vom Kaufpreis. MOTORRAD hat bei sieben Helmen bis 50 Euro und bei drei Exemplaren über 400 Euro die Stoßdämpfung überprüft – und ob giftige Inhaltsstoffe die Gesundheit gefährden.

Foto: Bilski
Billig, noch billiger, am billigsten – das Kaufverhalten nimmt immer aberwitzigere Formen an. Gespart wird an allen Ecken und Enden. Sogar wenn’s um die eigene Gesundheit geht. Da sollte man allerdings keine Kompromisse eingehen. Das gilt beim Motorradfahren vor allem beim Thema Kopfschutz. MOTORRAD wollte wissen, ob Integralhelme bis 50 Euro, wie sie teilweise bei den Discountern oder auch bei den Versandhändlern in den Regalen liegen, tatsächlich ausreichend schützen. Inkognito kaufte sich die Redaktion je zwei Helme von sieben verschiedenen Herstellern. Zunächst wurde jeweils ein Testhelm beim TÜV Rheinland in Köln einer Stoßdämpfungsprüfung in enger Anlehnung an die momentan gültige Prüfnorm ECE-R 22.05 unterzogen (Ergebnisse: siehe Tabelle rechts).
Außerdem untersuchte MOTORRAD, ob die extrem preisgünstige Fertigung in Fernost möglicherweise den einen oder anderen Hersteller dazu verleitet, nicht zulässige Inhaltsstoffe zu verarbeiten. Beispielsweise die hoch krebserregenden und deshalb verbotenen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK). Im vergangenen Jahr entdeckte die Stiftung Warentest bei einem Discounter einen Hammer, in dessen Gummigriff extreme Mengen PAK gefunden wurden. Wer diesen Hammer nur eine Stunde in der Hand hielt, nahm in dieser Zeit die Giftmenge von 3000 (!) Zigaretten in sich auf. Selbstverständlich wurde das Produkt umgehend vom Markt genommen.
PAK werden meist in Gummi oder Kunststoffen als günstige Weichmacher eingesetzt. Die Untersuchungen in der Produkt- und Umweltanalytik des TÜV Rheinland ergaben diesbezüglich bei den Testhelmen glücklicherweise keine negativen Ergebnisse – alle Helme sind PAK-frei.
Außer nach PAK suchten die Chemiker nach allergisierenden Dispersionsfarbstoffen im Helminnenbereich (Hautkontaktflächen) sowie nach Cadmium. Letzteres wird in Kunststoffen, hauptsächlich in PVC und Kunstleder, als Stabilisator verwendet, darf jedoch laut Gesetz einen Grenzwert von 100 Milligramm/Kilogramm nicht überschreiten. Zwar gibt es für die Stabilisierung von Kunststoffteilen längst Alternativen, doch die sind wesentlich teurer, weswegen bei der »Billig-Produktion« hauptsächlich in asiatischen Ländern hin und wieder weiterhin das umweltschädigende Cadmium genutzt wird. Immerhin fünf Helme überschritten in wenigstens einer Probe den Grenzwert, das Modell von Takai gar in fünf. Beim Tragen des Helms führt das nicht zu einer unmittelbaren Gesundheitsgefährdung, schädigt jedoch über den Umweg Müllverbrennung früher oder später die Umwelt.
Von den allergisierenden Dispersionsfarbstoffen, die, wie der Name schon sagt, zu allergischen Reaktionen führen können, wurden nur in vier Helmen nachweisbare Mengen gefunden, beim Wk109 lag diese Menge mit zwei Milligramm/Liter (mg/l) deutlich unter dem zulässigen Grenzwert von fünf mg/l. Diese Stoffe können zu Hautrötungen, Juckreiz oder anderen allergischen Reaktionen führen, müssen aber nicht. Die allermeisten Motorradfahrer werden nichts davon spüren.
Fazit bei den Billig-Angeboten: Bis auf den Wk109, in dem lediglich eine unbedenkliche Menge Farbstoff gefunden wurde, sind alle getesteten Billighelme mehr oder weniger stark mit Farbstoffen und vor allem mit Cadmium belastet. Hier müssen die Hersteller handeln: Eine sorgfältigere Werkstoffauswahl sollte gewährleisten, dass die Giftstoffe gänzlich aus Motorradhelmen verschwinden – auch wenn die Produkte dadurch teurer werden. Die paar Euro mehr sollten jedem Biker seine Gesundheit wert sein.
Wer richtig viel Geld investiert (über 400 Euro) und sich im Fachhandel einen Oberklasse-Helm zulegt, hat sicherlich andere Ansprüche und Erwartungen an seinen Kopfschutz als der Discount-Einkäufer. MOTORRAD hat deshalb nach exakt denselben Kriterien Integralhelme von Arai, Schuberth und Shoei untersucht. Abgesehen von der deutlich besseren Verarbeitung der teuren Helme überzeugen sie mit wesentlich besserer Passform, funktioneller Belüftung und spürbar hochwertigerer Ausstattung (Verschlüsse, Innenfutter, Bedientasten, Visier...). Außerdem geben sich die hochwertigen Helme bezüglich Giftstoffen keinerlei Blöße – die Chemiker des TÜV konnten weder PAK, allergisierende Farbstoffe noch Cadmium nachweisen.

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