26.01.2011 Von: Sebastian Lang
Erschienen in: 09/ 2010 PS

PS-Helmtest: Oberklasse-Racinghelme Top-Sporthelme im Vergleichstest

Mit teilweise weit über 500 Euro lassen sich namhafte Anbieter ihre Top-Sporthelme teuer bezahlen. Lohnt sich diese Investition? Neun Racinghelme im PS-Test.

Helmtest Lager PS_09_2010_66 (jpg)

Insgesamt neun Helme mussten durch den Vergleich auf Landstraße und Rennstrecke. Am Ende wurde die standfestigkeit im Crashtest auf die Probe gestellt.  

Foto: Jahn  

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Hochpreisige Sporthelme bilden inzwischen einen recht umfangreichen Markt. Allein in den vergangenen zwei Jahren brachten mit AGV, Shoei und Arai drei Hersteller Topmodelle jenseits der 500-Euro-Grenze auf den Markt. Sind diese Edelschalen ihr Geld wert, oder sollten Hobbyracer ihr Geld besser in einen günstigeren Helm investieren? Schließlich ließen sich vom Rest des Budgets ein  Paar Stiefel, eine Rennverkleidung oder ein neuer Satz Reifen kaufen.
PS wollte es wissen und lud alle Hersteller ein, ihren besten Racing-Helm ins Rennen zu schicken. BMW, Marushin, Schuberth, Shark, Uvex und X-Lite machten mit. HJC sagte aufgrund der großen Preisspanne des Testfelds von 239 Euro (Marushin) bis 769 Euro (Arai) ab.
Um allen Ansprüchen gerecht zu werden, splittete PS das Testprozedere in drei Teile, die am Schluß zu einem Ergebnis zusammengeführt wurden: Im ersten Teil testeten zwei GSX-R-750-Piloten die Helme zwei Tage lang auf der Rennstrecke, im zweiten Teil wurden auf einer Kawasaki Z 1000 die Landstraßenqualitäten ermittelt. Die Testpiloten bewerteten jeden Helm in den Kategorien Passform/Tragekomfort, Aerodynamik, Akustik, Belüftung, Sichtfeld, Gewicht und Handhabung. Parallel dazu prüfte der TÜV Rheinland im dritten Teil ein weiteres Modell jedes Testkandidaten auf seine Stoßdämpfungswerte.

PASSFORM
Gerade bei langer, intensiver Belastung wie auf der Rennstrecke spielen Passform und Tragekomfort eines Helms eine entscheidende Rolle. Druckstellen oder ein zu lockerer Sitz stören die Konzentration. Entsprechend hoch fällt die Gewichtung dieser Kategorie in der Gesamt-Punktewertung aus.
Auf Anhieb perfekt sitzen die Modelle von Arai und Shoei. Dank des weichen Innenfutters werden die beiden Japaner auch bei längerer Fahrzeit nicht unbequem und eignen sich aufgrund des satten Sitzes zudem perfekt für schnelle Runden auf der Rennstrecke. Auch der X-Lite passt perfekt, sein Innenfutter fühlt sich nach einiger Zeit allerdings leicht kratzig an. Das Innenfutter des AGV fühlt sich bereits unmittelbar nach dem Aufsetzen kratzig an. Zudem sitzt der italienische Helm deutlich zu stramm und drückt bereits nach wenigen Runden extrem an der Stirn. Marushins 999 RS sitzt insgesamt etwas besser, hier stören eher das ebenfalls kratzige Innenfutter sowie die etwas unangenehme Form im Ohrenbereich. Einen Sonderfall bildet der Schuberth: Eigentlich ein sehr bequemer Helm mit wunderbar weichem Innenfutter, fällt er in Größe M zu groß aus und liegt deshalb nur punktuell am Pilotenkopf an.

PS Helmtest Rennstrecke Suzuki GSX-R 750

Helmtest auf der Rennstrecke.  

Foto: jkuenstle.de  

AERODYNAMIK
Interessanterweise lässt das Helmgewicht keine Rückschlüsse auf die Aerodynamik zu. So liegt der schwerste Helm, der RX-7 GP, am besten im Fahrtwind. X-Lites X-802 hinterlässt ebenfalls einen sehr guten Eindruck und fühlt sich während der Fahrt sehr leicht und kompakt an. Ähnliches gilt auch für das Modell von Shoei. Neben dem Auftrieb fließt auch der Kraftaufwand bei Kopfdrehungen in die Aerodynamik-Wertung mit ein, eine Eigenschaft, mit der vor allem die recht klobigen Helme von Schuberth und BMW einige Probleme haben und so wichtige Punkte verlieren. Der mit deutlichem Abstand leichteste Helm von Marushin kann aerodynamisch ebenfalls nicht voll überzeugen und landet nur knapp vor dem schweren Schuberth.

AKUSTIK
Im Gegensatz zu Helmen, die für die Landstraße konzipiert sind, spielt das Innengeräusch bei Racinghelmen wegen der zusätzlich verwendeten Ohrstöpsel eine untergeordnete Rolle, weshalb in der PS-Gesamtwertung entsprechend nur maximal fünf Punkte dafür vergeben wurden. Schuberth und BMW zeigen sich davon unbeeindruckt akustisch in Topform und er-
reichen die volle Punktzahl, während das Modell von X-Lite auch auf der Landstraße nach Ohrenstöpseln schreit.

BELÜFTUNG
Neben der reinen Kühlleistung spielt in dieser Kategorie auch die Bedienung der Knöpfchen und Schieber eine Rolle - ein Thema, mit dem fast alle Testkandidaten Probleme haben. Lediglich BMW, Schuberth und Arai ermöglichen dank großer Klappen (Schuberth und BMW) oder gut ertastbarer Knöpfe (Arai) eine intuitive Bedienung. Das System von Shark dient als Negativbeispiel: Die Bedienungsknöpfe sind winzig, arbeiten an Kinn, Stirn und Hinterkopf jeweils nach einem anderen Prinzip und machen eine gezielte Einstellung während der Fahrt nahezu unmöglich.

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Die Kühlleistung der Testkandidaten unterscheidet sich ebenfalls stark: während Schuberth und BMW förmlich die Haare unterm Helm wehen lassen, ist bei Marushin von der Kopfbelüftung fast nichts zu spüren. AGV, Shoei und X-Lite erzielen eine gute Kühlleistung, erreichen aber nicht ganz das Niveau der beiden deutschen Helme von Schuberth und BMW. Arai und Uvex hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck. Bei beiden Helmen funktioniert die Gesichtsbelüftung tadellos, die Kopfbelüftungen dürften allerdings bei hohen Temperaturen etwas stärker ausfallen.

SICHTFELD
Das Sichtfeld spielt auf der Rennstrecke eine wichtige Rolle. Ärgerlich, wenn, wie im Falle des AGV, die Helmkante und ein roter Schriftzug im Innenfutter den Blick nach vorn stören. Der Rest des Testfeldes zeigt, wie es besser geht und glänzt mit großem Sichtfeld. Abzüge gibt es lediglich für die ab Werk angebrachten Pinlock-Visiere bei Schuberth und BMW, die bei tiefer Kopfhaltung stören. Erfreulich: Alle Testhelme blieben während des schweißtreibenden Rennstreckentests komplett beschlagfrei.

HANDHABUNG
Neben der reinen Performance machen auch einige andere Eigenschaften einen guten Helm aus: Brilleneignung, Doppel-D-Verschluss, Visierbedienung. In allen drei Eigenschaften überzeugen die Testmodelle von Arai, Shoei und Uvex. Auch der X-802 gefällt, bei ihm stört bei geöffnetem Zustand im Alltag allerdings die etwas tiefe Visierkante. Größere Abzüge gibt es für die Modelle von AGV, BMW und Marushin. Grund dafür ist bei allen drei Kandidaten der extrem fummelig zu bedienende Doppel-D-Verschluss. Besonders das Lockern des Kinnriemens gerät zum echten Geduldsspiel. Gute Nachrichten dagegen für alle Brillenträger: Abgesehen von leichten Einschränkungen bei AGV, Shark und Marushin war das Einfädeln der Brillenbügel bei allen Modellen problemlos möglich.
Bezüglich der Ausstattung sind sich die Testkandidaten recht ähnlich, außer dem S1 Pro. Der Schuberth besitzt als einziges Modell eine Sonnenblende - ein für die Rennstrecke überflüssiges Extra, das zudem aufs Gewicht drückt.


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