Motorradhelm reingen Sanft, aber gründlich putzen und pflegen

Den Schwiegermuttertest ("Da ist ja gar nicht abgestaubt!") muss ein Motorradhelm nicht bestehen. Aber ein sauberes, kratzerfreies Visier trägt immens zur Fahrsicherheit bei. Spätestens bei Gegenverkehr am Abend flucht man nämlich über das Streulicht, das tote Insekten und Visierkratzer erzeugen.

Foto: mps-Fotostudio
Helmschale: Die richtigen Reiniger sind entscheidend.
Helmschale: Die richtigen Reiniger sind entscheidend.

Helmschale reinigen

Die Schale wird mit lauwarmer Seifenlauge und einem weichen Tuch abgerieben. Verzichten Sie auf chemische Reiniger, diese zerstören auf Dauer die Struktur der thermoplastischen Schalen. Anschließend behandeln Sie den Helm mit einem Kunststoffpflegemittel; bei Schalen aus lackiertem Fiberglas, Karbon oder ähnlichen Materialmix hat sich handelsübliche Lackpflege bewährt.

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Foto: mps-Fotostudio
Fliegen und Insekten sind eingeweicht leichter vom Helmvisier zu entfernen.
Fliegen und Insekten sind eingeweicht leichter vom Helmvisier zu entfernen.

Helmvisier reinigen

Insektenreste und anderer Schmutz lassen sich leicht vom Helmvisier entfernen, wenn sie eingeweicht sind. Dafür ein nasses Tuch einige Minuten auf das Visier legen. Anschließend mit klarem Wasser nachspülen. Alternativ: Spezialreiniger. Auf keinen Fall rubbeln, das gibt Kratzer!

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Helmfutter: Leicht mit mildem Feinwaschmittel zu waschen.
Helmfutter: Leicht mit mildem Feinwaschmittel zu waschen.

Helmfutter reinigen

Herausnehmbares Helmfutter macht die Reinigung besonders einfach. Es wird entfernt und anschließend von Hand mit milden Feinwaschmittel gewaschen.

Spätestens beim Wiedereinbau der Polster ist derjenige im Vorteil, der sich beim Ausbau die Reihenfolge und die Anordnung der Teile gut eingeprägt oder sogar fotografiert hat. Das sollte zwar auch in der Bedienungsanleitung des Helms stehen - aber erstens: Wo ist die, wenn man sie braucht? Und zweitens: Ja, sollte ...

Eingeklebtes Helmfutter kann auf zwei Arten behandelt werden. entweder mit Schwamm und milder Seifenlösung oder mit einem Helmpolster­reiniger aus der Sprühdose. In jedem Fall die Rückstände gründlich aus dem Polster herauswaschen oder -drücken.

Foto: mps-Fotostudio
Schmierstoffe wie Vaseline oder Silikonöl tun der Visiermechanik gut.
Schmierstoffe wie Vaseline oder Silikonöl tun der Visiermechanik gut.

Visiermechanik pflegen

Die Visiermechanik flutscht besser, wenn sie vor dem Anbau des Visiers mit Vaseline oder Silikonöl geschmiert wird. Keinesfalls mineralisches Öl verwenden, da es Kunststoff angreift und spröde macht.

Foto: Dr. Wack GmbH
Hartmut Hauber, Leitung Anwendungstechnik  bei der Dr. O.K. Wack Chemie GmbH.
Hartmut Hauber, Leitung Anwendungstechnik bei der Dr. O.K. Wack Chemie GmbH.

Helmpflege: Fragen an den Profi

Welche unterschiedlichen Oberflächen sind von einer Rundum-Helmpflege betroffen?
Bei der Helmschale in der Regel Lack; beim Visier Kunststoff, unter anderem Polycarbonat, das oftmals mit speziellen Beschichtungen versehen ist. Beim Futter haben wir es mit Textil und Schaumstoff zu tun; der Helmkern besteht aus Styropor.

Was sind typische Verschmutzungen?
Im Außenbereich Insekten, Straßenstaub und andere Verschmutzungen wie Dieselruß. Im Innenbereich Schweiß, Hautabrieb und Rückstände von Haar- und Hautkosmetika.

Welche Mittel eignen sich wogegen, und wovon sollte man die Finger lassen?
Ungeeignet sind z. B. Spülmittel, Haushaltsreiniger und Glasreiniger mit anionischen Tensiden. Sie können die Beschichtungen der Visiere angreifen oder auch Spannungsrisskorrosion am Kunststoff verursachen. Nur Spezialprodukte sind so abgestimmt, dass Sie auch hartnäckige Insektenreste schnell lösen, die Beschichtungen nicht an­greifen und keine Spannungsrisskorrosion verursachen. Bei der Pflege von Pinlock-Visieren ist besondere Vorsicht nötig, da deren Beschichtung extrem kratzempfindlich ist und nur mit speziell getesteten Tüchern gereinigt werden kann.

Für das Futter eignen sich Haushaltsreiniger kaum, weil sie meist auf Fettlösekraft optimiert sind. Außerdem müssen sie mühsam mit viel Wasser wieder aus dem Polster entfernt werden; Rückstände sind unangenehm klebrig. Spezielle Helmpolster-Reiniger sind auf die Schmutzart optimiert und lassen sich einfach wieder entfernen. Außerdem enthalten sie oft – wie unser S100 Helmpolster-Reiniger – eine Komponente, die unangenehme Gerüche nicht nur kurzzeitig überdeckt, sondern dauerhaft entfernt.

Welche Anwendungsfehler machen Motorradfahrer beim Helmpflegen Ihrer Erfahrung nach häufig?
Vor allem das Futter wird oftmals gar nicht oder zu selten gereinigt. Und wenn, dann wird nach der Maßgabe "viel hilft viel" zu viel Reiniger verwendet und danach nur unvollständig wieder entfernt. Ein Helmpolster-Reiniger darf nicht nur oberflächlich abgewischt, sondern muss zusammen mit dem Schmutz entfernt werden: Mit einem nassen Tuch oder Schwamm so lange nachwischen, bis sich kein Schaum mehr bildet.

Bei beschichteten Visieren mit leichten Vorschäden können Reiniger die Beschichtung unterwandern und ablösen. Es entsteht der Eindruck, der Reiniger habe die Beschichtung angegriffen. Tatsächlich erfüllt er seine Aufgabe, nämlich die auf der Oberfläche befindlichen Schichten zu unterwandern. Der Reiniger unterscheidet dabei nicht zwischen Schmutz und Anti-Fog-Beschichtung.

Ähnliches passiert bei älteren Helmen, wenn die Verklebung von Textilfutter und Schaumstoff gealtert ist: Durch die Bewegung beim Reinigen des Polsters kann sich die Verklebung lösen. Auch hier kann wieder der falsche Eindruck entstehen, der Helmpolsterreiniger sei daran schuld.

Dass man Helmschalen mit Mattlack nicht poliert oder wachst, dürfte sich weitgehend herumgesprochen haben.

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