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Grundlagen: Alles über Helme Motorradhelme richtig kaufen

Zuallererst muss ein Helm schützen und sich angenehm tragen. Auch soll er gut aussehen und zum Motorrad passen. Welcher Helm gehört auf welches Bike? Und welche Vor- und Nachteile hat er? Was muss beim Helmkauf beachtet werden und was ist die richtige Helmpflege? 2Räder klärt auf.

Foto: mps-Fotostudio

Was beim Helmkauf zu beachten ist

Wer mit seinem Motorradhelm  glücklich werden möchte, der sollte beim Erwerb gewissenhaft vorgehen. Das A und O ist die Passform, denn nur wenn der Kopfschutz richtig sitzt, lässt es sich unbeschwert fahren. Zu enge Helme oder Druckstellen verringern das Wohlgefühl und damit die Konzentrations­fähigkeit dramatisch. Zu große Helme können bei hohem Tempo und bei Stürzen verrutschen, was das Verletzungsrisiko erhöht. Am besten nimmt man sich also viel Zeit und kauft im Fachhandel, um die in Frage kommenden Modelle in aller Ruhe ausprobieren zu können.

1 Anprobe
Passform und Größen der Helme fallen unterschiedlich aus. Vorsicht bei Helmen mit dicker Polsterung, da sich diese mit der Zeit setzen kann. Nicht nur deshalb den Helm bei der Anprobe wenigstens 15 Minuten auf dem Kopf lassen.

Foto: Archiv

2 Passform
Wenn sich im Stirnbereich zwei Finger zwischen Helm und Kopf stecken lassen, ist der Helm eindeutig zu groß. Das gilt auch dann, wenn sich der Helm mit geschlossenem Kinnriemen vom Kopf ziehen oder stark verdrehen lässt.

3 Grösse
Der gemessene Kopfumfang an der dicksten Stelle auf Höhe einer Linie Stirn-Hinterkopf dient nur als grober Richtwert. Helmgrößen werden üblicherweise in Buchstaben oder Zentimetern angegeben: XS (53/54), S (55/56), M (57/58), L (59/60), XL (61/62), XXL (63/64).

Foto: Archiv

4 Brillentauglichkeit
Nicht nur Träger von Korrekturbrillen, auch alle, die gern mit Sonnenbrille fahren, sollten zur Anprobe unbedingt ihre Gläser mitbringen. Denn nicht alle Helme bieten ausreichend Platz für die Bügel. Oder die Bügelkanäle liegen so ungeschickt, dass die Brille entweder nicht auf der Nase sitzt oder drückt.


5 Helmnorm
Nur Helme mit eingenähtem ECE-Sticker kaufen. Dieser sitzt üblicherweise am Kinnriemen und gewährleistet, dass der Helm den Mindestanforderungen für den Einsatz auf dem Motorrad entspricht. Aktuell gültig ist die ECE-R 22.05. Bei Unklarheiten zur Norm den Verkäufer fragen.


6 Preise
Wer nicht das neueste Design haben muss, kann eine Menge Geld sparen. Replika-Varianten bekannter Rennfahrer kosten nicht selten weit über 100 Euro mehr als unifarbene, ansonsten völlig baugleiche Modelle. Besonders günstig kommt man am Saisonende an hoch­wertige Auslaufware.


7 Probefahrt
Am allerbesten ist es, den Helm auf dem eigenen Motorrad Probe zu fahren, um Aero-dynamik, Geräuschentwicklung, Visierbedienung, Sichtfeld und weitere praxisrelevante Kriterien zu testen. Berichte von anderen sind zwar gut, eigene Erfahrungen jedoch erheblich besser.


8 Sturmhaube
Wer häufig mit Sturmhaube, Atemmaske oder Ohrstöpseln fährt, sollte dies bereits bei der Anprobe berücksichtigen. Vor allem wärmende Sturmhauben tragen ordentlich auf und führen nicht selten dazu, dass der Helm eine Nummer größer gekauft werden muss.

Foto: Archiv

9 Verschluss
Ob der Helm mit Klickverschluss, Ratsche (Foto)oder Doppel-D-Ringen gesichert wird, ist Geschmackssache. Für Ratsche und Doppel-D spricht, dass sie bei jedem Schließvorgang optimal angepasst werden. Da sich der Kinnriemen mit der Zeit weitet, muss ein Klickschloss entsprechend nachjustiert werden, sonst sitzt der Helm zu locker und kann sich abstreifen lassen.


10 Zubehör
Ersatzteile wie ein dunkles Visier oder ein Pinlock-Innen­visier gleich dazu kaufen. Außerdem Preise für Ersatzvisiere erfragen. Die Spannen zwischen den Helmherstellern sind teilweise sehr groß (zirka 20 bis über 100 Euro!) und könnten für die Kaufentscheidung eine Rolle spielen.

Foto: mps-Fotostudio

Helme richtig pflegen

Die Schale bekommt eine Abreibung mit Schwammtuch und lauwarmer Seifenlauge. Verzichten Sie auf chemische Reiniger, diese zerstören auf Dauer die Struktur der thermoplastischen Schalen. Anschließend behandeln Sie den Helm mit einem Kunststoffpflegemittel; bei Schalen aus lackiertem Fiberglas, Karbon oder ähnlichen Materialmix hat sich handelsübliche Lackpflege bewährt.

Foto: mps-Fotostudio

Das Visier ist mit hartnäckigen Insektenresten übersät. Diese lassen sich leichter entfernen, wenn sie eingeweicht sind. Dafür ein nasses Tuch einige Minuten auf das Visier legen. Anschließend mit klarem Wasser nachspülen. Alternativ: Spezialreiniger.

Foto: mps-Fotostudio

Herausnehmbares Helmfutter macht die Reinigung besonders einfach. Es wird entfernt und anschließend von Hand mit milden Feinwaschmittel gewaschen.

Foto: mps-Fotostudio

Fest verklebtes Innenfutter kann auf zwei Arten behandelt werden. Entweder Sie reinigen es mit einem Schwamm und einer milden Seifenlösung oder Sie nutzen einen Helmpolster­reiniger aus der Sprühdose. In jedem Fall: Rückstände der Reiniger gründlich aus dem Polster herauswaschen oder -drücken.

Foto: mps-Fotostudio

Die Visiermechanik flutscht besser, wenn Sie vor dem Anbau des Visiers mit Vaseline oder Silikonöl geschmiert wird. Keinesfalls Öl verwenden, da es Kunststoff angreift und spröde macht.

Foto: Dr. Wack GmbH

Helmpflege: Fragen an den Profi

Welche unterschiedlichen Oberflächen sind von einer Rundum-Helmpflege betroffen?
Bei der Helmschale in der Regel Lack; beim Visier Kunststoff, unter anderem Polycarbonat, das oftmals mit speziellen Beschichtungen versehen ist. Beim Futter haben wir es mit Textil und Schaumstoff zu tun; der Helmkern besteht aus Styropor.

Was sind typische Verschmutzungen?
Im Außenbereich Insekten, Straßenstaub und andere Verschmutzungen wie Dieselruß. Im Innenbereich Schweiß, Hautabrieb und Rückstände von Haar- und Hautkosmetika.

Welche Mittel eignen sich wogegen, und wovon sollte man die Finger lassen?
Ungeeignet sind z. B. Spülmittel, Haushaltsreiniger und Glasreiniger mit anionischen Tensiden. Sie können die Beschichtungen
der Visiere angreifen oder auch Spannungsrisskorrosion am Kunststoff verursachen. Nur Spezialprodukte sind so abgestimmt, dass Sie auch hartnäckige Insektenreste schnell lösen, die Beschichtungen nicht an­greifen und keine Spannungsrisskorrosion verursachen. Bei der Pflege von Pinlock-Visieren ist besondere Vorsicht nötig, da deren Beschichtung extrem kratzempfindlich ist und nur mit speziell getesteten Tüchern gereinigt werden kann.

Für das Futter eignen sich Haushaltsreiniger kaum, weil sie meist auf Fettlösekraft optimiert sind. Außerdem müssen sie mühsam mit viel Wasser wieder aus dem Polster entfernt werden; Rückstände sind unangenehm klebrig. Spezielle Helmpolster-Reiniger sind auf die Schmutzart optimiert und lassen sich einfach wieder entfernen. Außerdem enthalten sie oft – wie unser S 100 Helmpolster-Reiniger – eine Komponente, die unangenehme Gerüche nicht nur kurzzeitig überdeckt, sondern dauerhaft entfernt.

Welche Anwendungsfehler machen Motorradfahrer beim Helmpflegen Ihrer Erfahrung nach häufig?
Vor allem das Futter wird oftmals gar nicht oder zu selten gereinigt. Und wenn, dann wird nach der Maßgabe „viel hilft viel“ zu viel Reiniger verwendet und danach nur unvollständig wieder entfernt. Ein Helmpolster-Reiniger darf nicht nur oberflächlich abgewischt, sondern muss zusammen mit dem Schmutz entfernt werden: Mit einem nassen Tuch oder Schwamm so lange nachwischen, bis sich kein Schaum mehr bildet.

Bei beschichteten Visieren mit leichten Vorschäden können Reiniger die Beschichtung unterwandern und ablösen. Es entsteht der Eindruck, der Reiniger habe die Beschichtung angegriffen. Tatsächlich erfüllt er seine Aufgabe, nämlich die auf der Oberfläche befindlichen Schichten zu unterwandern. Der Reiniger unterscheidet dabei nicht zwischen Schmutz und Anti-Fog-Beschichtung. Ähnliches passiert bei älteren Helmen, wenn die Verklebung von Textilfutter und Schaumstoff gealtert ist: Durch die Bewegung beim Reinigen des Polsters kann sich die Verklebung lösen. Auch hier kann wieder der falsche Eindruck entstehen, der Helmpolsterreiniger sei daran schuld. Dass man Helmschalen mit Mattlack nicht poliert oder wachst, dürfte sich weitgehend herumgesprochen haben.

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