Praxistest: Integralhelme bis 100 Euro EURO-VISION

Clint Eastwood trug einen 100-Dollar-Hut. Warum sollten Sie nicht einen 100-Euro-Helm tragen? 14 Billigheimer im Vergleich.

Wer die knieschleifenden Gebückten als Maßstab nimmt, könnte meinen, die Helm-Welt bestehe nur aus Arai, Shoei und Co. Gibt es überhaupt ein Helm-Leben unter 250 Euro? Und ob, fast jeder der namhaften Anbieter hat sogar mehrere Modelle für unter 100 Euro im Programm. Und diese Niedrigpreis-Helme gehören nicht zu den Ladenhütern.
Das Angebot ist da, die Nachfrage ebenfalls – was bislang fehlte, war ein aktueller und ausführlicher Vergleich. MOTORRAD endschied sich für einen Praxistest. Um ein Mindestmaß an Sicherheit zu gewährleisten, lautete die wichtigste Vorgabe bei der Testmuster-Beschaffung, dass der Helm erfolgreich eine der Prüfnormen ECE 22.04 oder 22.05 absolviert hat. Bis Ende 2001 konnten Helme noch nach 22.04 homologiert werden. Der Verkauf dieser Helme ist noch bis Mitte 2003 zulässig. Nach 22.05 wird seit Anfang 2001 geprüft. Beim für die Stoßdämpfungs-Beurteilung wichtigen Falltest, gibt es zwischen den beiden Normen praktisch keinen Unterschied. Die aktuellere ECE 22.05 sieht aber zum Beispiel zusätzliche Dämpfungs-Prüfungen des Kinnteils vor und stellt bei der Prüfung der optischen Qualität des Visiers andere Ansprüche. Ein 04er-Helm muss deeshalb jedoch nicht schlechter als ein 05er sein. Der Zeitpunkt der Markteinführung ist meist verantwortlich dafür, ob nach 22.04 oder 22.05 geprüft wurde. Welche Norm ein Helm erfüllt, verraten die beiden ersten Ziffern (04 oder 05) der achtstelligen Prüfnummer. Und die steht auf einem Sticker, der meist am Kinnriemen festgenäht ist.
Die beiden anderen Testvorgaben lauteten, dass es sich um einen reinen Integralhelm, also keinen Klapphelm und keinen »Streetfighter-Helm« mit angesetztem Kinnteil handeln sollte und dass der Endverbraucher-Preis des getesteten Helm unter 100 Euro liegt. Das muss nochmals betont werden, denn einige der getesteten Helme kosten in anderer Farbe und mit einem anderen Dekor deutlich über 100 Euro. Für die niedrigen Preise gibt es drei Gründe. Erstens haben alle Helme eine Schale aus thermoplastischem, das heißt im Spritzgussverfahren hergestellten Werkstoff. Diese Fertigungsmethode erlaubt bei sehr hohen Stückzahlen sehr günstige Preise. Zweitens ist die Ausstattung meist puristisch, besonders die Visiermechanik ist oft sehr simpel ausgeführt. Und drittens sind die Helmschalen gar nicht oder sehr einfach lackiert und Dekore meist nur aufgeklebt.
Ausführliche Fahrversuche standen im Mittelpunkt des Tests. Von jedem Helm wurden die Größen M und XL geprüft. Zwei Testfahrer fuhren jeden Helm für jeweils 30 Minuten auf einer Aprilia ETV 1000 Caponord und auf einer BMW R 1150 R. Die Fahrversuche fanden überwiegend im Bereich von 120 bis 140 km/h statt, für jeweils zehn Minuten ging es aber auch zwischen 160 und 180 km/h zur Sache. Unterm Strich gab‘s eine breite Streuung. Immerhin sechs Kandidaten verdienten sich ein »empfehlenswert«. Die Modelle von Caberg, Nolan und Vemar spielen dabei qualitätsmäßig bereits in einer höhreren Liga, der Schwarze Krauser verdiente sich durch sein besonders gutes Preis-Leistungs-Verhältnis den begehrten MOTORRAD-Tipp.

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