Praxistest Schubert S1-Helm S-Kultur

Auf der Intermot präsentiert Schuberth den neuen Integralhelm S1. MOTORRAD konnte bereits einige Vorserien-Helme exklusiv testen.

Im Vergleich mit den bisherigen Motorradhelmen von Schuberth wirkt das Design des Oberklasse-Modells S1 erfrischend modern und schnittig. Besonders der aus aerodynamischen Gründen kantig geformte Hinterkopf und die drei obenliegenden, großen Lufthutzen fallen auf. Ungewöhnlich klein erscheint der Einstieg – doch der optische Eindruck täuscht. Der untere Polsterabschluss bildet zwar einen engen Ring, gibt jedoch beim An- und Ausziehen des Helms nach. Außerdem ist er sehr weich geraten und schont Wangen, Nase und Ohren des Trägers. Nach dem Aufsetzen schmiegt sich das Polster an den Hals und sorgt dadurch für ein angenehm gedämpftes Geräuschniveau.
Der an den Testhelmen verwendete Drucktasten-Schnellverschluss erweist sich als Kritikpunkt Nummer eins. Das Nachstellen der Gurtlänge - wenn beispielsweise mit Halstuch oder Sturmhaube gefahren wird - ist extrem aufwendig. Außerdem drückt der kantige Verschluss unangenehm auf den Kehlkopf. Immerhin rastet die Metallzunge gut ein und lässt sich leicht wieder öffnen. Auf Vorschlag von MOTORRAD entschied sich Schuberth spontan, den S1 alternativ mit einem Doppel-D-Verschluss anzubieten.
Bei den Testfahrten auf Autobahn, Landstraße und in der Stadt erfreut der relativ niedrige Geräuschpegel im Inneren. Zwar kann es je nach Kopfhaltung, Visierstellung und Geschwindigkeit zu Pfeifgeräuschen kommen, doch hält sich deren Lautstärke in Grenzen.
Besonders gut gelang die Aerodynamik des S1. Selbst weit jenseits von 200 km/h liegt der Helm gut im Wind und entwickelt keinerlei Auftrieb. Ähnlich positiv überrascht die Kopfbelüftung, die bereits ab 30 km/h spürbar die Kopfhaut kühlt. Dank des zentralen Spoilers, der gleichzeitig als Schiebetaste fungiert, überzeugt auch die Bedienung.
Ob die Visierbelüftung ebenfalls so gut arbeitet, ließ sich während des Tests nicht überprüfen, da sich das Visier als absolut beschlagfrei erwies. Überzeugen konnte auch der schnelle und einfache Visierwechsel sowie die exakte Rastung der Scheibe. Nur ein Nippel oder eine Kante zur Bedienung fehlt bislang – auch hier wird Schuberth eine Alternative anbieten.
Die integrierte Sonnenblende, die sich bei Bedarf mittels großem Schieber auf der linken Seite herunterklappen lässt, leistet bei Fahrten gegen die tiefstehende Sonne oder allgemein bei hellen Lichtverhältnissen gute Dienste. Dafür treibt die Blende samt Mechanik das Helmgewicht in die Höhe und erfordert im Stirnbreich eine um zirka einen Zentimeter weitere Außenschale.
Insgesamt hinterließ der Schuberth S1 einen guten ersten Eindruck, den er mit einem Doppel-D-Verschluss und einem kleinen Hebel am Visier noch weiter untermauert hätte. Einige Kollegen bemängelten zwar leichte Druckstellen an der Stirn, aber genormte Köpfe gibt’s eben immer noch nicht. Weshalb MOTORRAD grundsätzlich vor dem Helmkauf eine ausgiebige Anprobe empfiehlt.

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