Produkttest: Integralhelme bis 80 Euro Ganz billige Nummer?

Lohnt sich der Griff zum absoluten Billighelm? MOTORRAD ging neun Discountangeboten an die Wäsche.

Sehr geehrter Statistik-Freund und Liebhaber der gepflegten Stoßdämpfungswerte-Tabelle, Sie müssen jetzt ganz tapfer sein: Auf den folgenden Seiten verraten wir Ihnen nicht, welcher HIC-Wert am Scheitel des dritten Testmusters von links gemessen wurde oder wie hoch der Kinn-Beschleunigungswert des schicken blauen Kopfschutzes ist. Wir haben diese und viele andere zum Prüfprogramm der aktuellen europäischen Norm für Motorradhelme, der ECE-R 22.05, gehörenden Daten schlicht und einfach nicht ermittelt. So, jetzt ist es raus! Diese vermeintlich unverzeihliche Nachlässigkeit hat zwei ganz handfeste Gründe.



Erstens: Vor knapp einem Jahr hat MOTORRAD in der 100-Euro-Klasse das ganz große Stoßdämpfungs-Programm gefahren. Mit dem Ergebnis, dass praktisch alle Helme die Grenzwerte locker erfüllten. Der letzte große, preisunabhängige Stoßdämpfungs-Vergleichstest kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Mehr noch: Die Billigheimer standen den Premium-Modellen bei der Stoßdämpfung (also der passiven Sicherheit) praktisch in nichts nach, unterschritten zum Teil sogar deren Werte. Arai-Mann Jörg Breitenfeld bringt es auf den Punkt: „Einen Helm zu bauen, der nur eine ECE-Prüfung besteht, ist einfach und billig.“

Womit wir bei Zweitens wären: Neben der höchstoffiziell per ECE-Normerfüllung abgesegneten passiven Sicherheit spielt die aktive Sicherheit eine ganz entscheidende Rolle. Und die wird von ganz handfesten Kriterien bestimmt, die sich am besten in der Praxis überprüfen lassen. Wie funktioniert die Belüftung? Ist das Gesichtsfeld ausreichend groß? Wie schwer ist der Helm? Stimmen Ausstattung und Tragekomfort, damit sich der Fahrer wohl fühlt und auf Dauer fit bleibt?

 

Um diese und noch viele weitere Punkte geht es in diesem Praxistest, der sich mit neun Helmen der untersten Preiskategorie beschäftigt. Alle neun Helme sind erfolgreich nach der aktuellen Helmnorm ECE-R 22.05 geprüft, und alle Helme stammen aus seriösen Quellen, ihr Beschaffungsweg lässt sich also nachvollziehen. Der beginnt ausnahmslos in Fernost, genauer gesagt in China oder Taiwan. Die Helmschalen sind alle in Spritzgussmaschinen hergestellt worden. Diese sogenannten Thermoplaste sind sehr günstig in der Produktion, denn ihre Herstellung erfolgt weitgehend automatisiert, und ihre Produktionszeit ist sehr kurz, was wiederum hohe Stückzahlen erlaubt. Das einzige, was bei der Produktion von Thermoplasten richtig viel Geld kostet, ist die Spritzgussform. Doch die ist eine einmalige Anschaffung, die sich über die Stückzahl sehr schnell amortisiert.

 

Womit wir beim Preis-Geheimnis der hier getesteten Billighelme wären. Neben der günstigen Produktion und dem Direkteinkauf sind es vor allem die fehlenden Entwicklungskosten, die den Preis niedrig halten. Große Zubehörhändler wie Louis oder Polo suchen sich bei den Helmherstellern eine bestehende Grundform aus, die dann nur noch in Details (Lüftungsschieber, Innenausstattung, Helmschloss etc.) modifiziert werden muss, damit ein „neuer“ Helm entsteht. Dieses Baukastensystem macht die Kampfpreise erst möglich. Dass aber bei der vermeintlich einfachen Konfektionierung noch eine ganze Menge falsch gemacht werden kann, zeigt unser Praxistest.

 

Doch bevor wir zu den Ergebnissen kommen, ein paar Worte zur Testdurchfürhrung: Von jedem Helmmodell landeten drei Exemplare in den Größen M, L und XL in der MOTORRAD-Redaktion. Nach der Bestandsaufnahme (Gewicht, Ausstattung, Verarbeitungsqualität) standen die Trockenübungen auf dem Programm. Vier Redakteure setzten auf und ab, klappten Visiere, spannten Kinnriemen und verriegelten Schlösser, bis die Ohren blutig, Nasen wund und Hälse geschwollen waren. Zwei mehr oder weniger Freiwillige aus diesem Kreis (einer davon Brillenträger) gingen am darauffolgenden Tag auf Fahrversuchs-Tour. Damit keine verkleidungsbedingten Verwirbelungen die Eindrücke trüben konnten, wurden die Nacktdarsteller KTM 990 Supermoto und eine Suzuki Gladius 650 gesattelt. Eine Autobahnraststätte diente als Basislager. In einer großen Schleife ging es dann für längere Zeit mit jeweils 100, 130 und 180 km/h über die Bahn. Ein Stück Landstraßen- und Innerorts-Verkehr brachte Erkenntnisse übers Sichtfeld und die Visier-Belüftungsstellungen. Nach jedem Turn landeten die Fahreindrücke dann sofort in Messprotokollen. Zurück in der Redaktion wurden bei der Abschlussbesprechung die Fahreindrücke zusammengefasst und noch offene Fragen („Warum schließt dieses verdammte Visier nicht richtig? Warum hat dieser Belüftungsschieber keine Funktion“) geklärt.

 

Bleibt unterm Strich ein durchwachsenes Ergebnis: Zwei Helme (Bayard und Probiker) hinterlassen einen ordentlichen Eindruck. Wer nicht gerade einen Supersportler fährt oder als Kilometerfresser stundenlang über die Autobahn tourt, macht mit den beiden Billigheimern wenig verkehrt – wenn er unbedingt auf den Euro schauen will/muss. Das Test-Mittelfeld kann nur bedingt empfohlen werden, doch sparsame Wenig- oder Langsamfahrer werden auch hier fündig. Dass drei Kandidaten massiv schwächelten, überrascht nicht wirklich. Die aktuelle Prüfnorm ECE-R 22.05 erfüllen aber auch sie.

Anzeige

Wertungskriterien

Passform und Trageverhalten (30 Punkte): Knackiger, druckstellenfreier Sitz, Brillentauglichkeit, Sichtfeldgröße und die (Kuschel-)Qualität des Futters wurden hier bewertet. Die Innenausstattung der meisten Testkandidaten machte einen erstaunlich hochwertigen Eindruck, doch bei der Passform trennte sich dann die Spreu vom Weizen.

Aerodynamik (10 Punkte): Wie ruhig liegt der Helm auch bei höherer Geschwindigkeit im Wind? Was rührt sich beim Schulterblick? Und vor allem: Ist nerviger Auftrieb ein Thema? Die meisten Billighelme sind für Geschwindigkeiten über 130 km/h nur sehr bedingt geeignet. In diesem Kriterium zeigt sich sehr deutlich, warum Arai, Shoei und Co. ein Vielfaches kosten.

Akustik (10 Punkte): Richtig leise geht‘s in keinem der getesten Helme zu. Die zum Teil sehr billig gemachten und planlos montierten Belüftungsschieber, die oftmals nicht sauber schließenden Visiere und meist fehlende Windabweiser am Kinn fordern ihren Tribut.

Belüftung (10 Punkte): Ein einziges Trauerspiel. Keine einzige Belüftungsbohrung erfüllte ihre Aufgabe. Ob die Schieber geöffnet oder geschlossen waren, spielte in der Praxis keine Rolle. Frische Luft gab‘s trotzdem jede Menge. Nur leider meist ungewollt, denn fiese Zugluft hatte bei den meisten Testkandidaten freien Zugang. Oft ist ein nicht sauber schließendes Visier der Übeltäter. Beim Thema Belüftung merkt man deutlich, dass viele Billighelme keine stimmigen Gesamtentwicklungen sind, sondern Baukastentenprodukte, bei denen die Funktion eher Glückssache ist.

Handhabung (15 Punkte): Auf- und Absetzen, Kinnriemen-, Schloss- und Visierbedienung sowie der Visierwechsel wurden bewertet. Bedauerlich, dass der Helm mit dem pfiffigsten Kinnriemenverschluss (Rocc Schuriken) für dessen unglückliche Platzierung Federn lassen musste.

Verarbeitung/Ausstattung (15 Punkte): Die Schalen der Billigelme haben meist ein erstaunlich gutes Oberflächen-Finish, aber bei der Einpassung der Anbauteile und bei der erwähnten Visier-Problematik merkt man dann doch sehr schnell, dass gespart werden musste. Herausnehmbare und waschbare Innenausstattungen sind in dieser Klasse noch längst kein Standard – wie schön, dass der Testsieger Bayard zu den löblichen Ausnahmen gehört.

Gewicht (10 Punkte): Je leichter, desto besser, aber sensationell leichte Helme dürfen in dieser Preisliga nicht erwartet werden, denn gewichtsmindernde Werkstoffe (z. B. Kohlefaser) sind für die hier gefragten Kalkulationen zu teuer.

Anzeige
Foto: Archiv

Bayard SP-40

Anbieter: MotoPort, Tel. 04451/915200, www.motoport.de

Preis: 79 Euro

Größen: XS bis XXL

Gewicht: 1580 +/– 50/1580 Gramm (Herstellerangabe/XL gewogen)

Farben: Schwarz, Mattschwarz

Helmschale: Polycarbonat

Herstellungsland: Taiwan; ECE-Prüfzeichen: E 13 (Luxemburg)

Ersatzvisiere: klar/getönt/verspiegelt 24,95/24,95/29,95 Euro

Ausstattung: herausnehmbares Futter, herausnehmbare Wangenpolster, Atemluftabweiser, Windabweiser am Kinn, Helmbeutel

Plus:
Gute Ausstattung; leichtes Aufsetzen; sehr angenehmes Futter; Visierwechsel sehr einfach; gute Brillentauglichkeit; liegt auch bei hohen Geschwindigkeiten ruhig im Wind, kein störender Auftrieb; gut wirksamer Windabweiser am Kinn; weitgehend zugfrei; moderate Windgeräusche; klare Visierrastung

Minus:
Eng geschnitten, daher beim Absetzen an den Ohren etwas  „hakig“; Helmschloss fummelig; Kinnriemen-Polsterung etwas zu kurz; Kinnteil liegt sehr dicht am Kopf, Atemluftabweiser stößt ggf. an die Nase; Kunststoffrahmen sehr kratzempfindlich; unterer Belüftungsschieber bei L-Größe abgebrochen (Verarbeitungsmangel); Visier-Belüftungsstellung zu weit; Belüftungsschieber ohne Funktion

Fazit

Wirkt unscheinbar, bietet aber nicht nur für Billighelm-Verhältnisse eine ordentliche Vorstellung . Als einer der wenigen Kandidaten für höhere Geschwindigkeiten geeignet. Alltagshelm für Sparwütige oder guter Zweithelm. Preis/Leistung stimmen.

MOTORRAD-Urteil: befriedigend

Foto: Archiv

FM F38

Anbieter: Niemann + Frey, Tel. 02151/55540, www.niemann-frey.de

Preis: 79 Euro

Größen: XS bis XXL

Gewicht: 1350/1424 Gramm (Herstellerangabe/XL gewogen)

Farben: Schwarz; Blau-, Rot-, Anthrazit-Dekor

Helmschale: ABS

Herstellungsland: China; ECE-Prüfzeichen: E 13 (Luxemburg)

Ersatzvisiere: klar/getönt/verspiegelt 13,90/13,90/19,90 Euro

Ausstattung: herausnehmbares Futter, herausnehmbare

Wangenpolster, Atemluftabweiser, Reflexfolien, Helmbeutel

Plus:
Gute Ausstattung; Futter lässt sich sehr einfach herausnehmen und wieder einsetzen, Visierwechsel einfach; relativ leichtes Auf- und Absetzen; sehr gute Brillentauglichkeit; Helmschloss leicht zu bedienen; Kinnriemen-Polsterung ausreichend lang; gute Passform für eher schmale Köpfe

Minus:
Futter kratzig; Kinnteil und Atemluftabweiser dicht am Kopf; Visierrastung schwammig, Öffnen aus Nullstellung schwergängig, Belüftungsstellung zu weit; Belüftungsschieber ohne Funktion; starker Auftrieb ab 130 km/h, empfindlich beim Kopfdrehen; Geräuschniveau relativ hoch; im Gesichtsbereich etwas zugig; etwas grobe Verarbeitung

Fazit:
Kein Helm für Menschen, die häufiger auf der Autobahn unterwegs sind. Der guten Ausstattung stehen Schwächen bei Visierbedienung und Aerodynamik gegenüber. Im Inneren geht‘s für Billighelm-Verhältnisse noch einigermaßen erträglich zu.

MOTORRAD-Urteil: ausreichend

Foto: Archiv

Germot GM 205

Anbieter: Germot, Tel. 06103/459100, www.germot.de

Preis: 69,90 Euro

Größen: XS bis XXL (3 Modelle auch in XXS)

Gewicht: 1400 +/- 50/1462 Gramm (Herstellerangabe/XL gewogen)

Farben: Weiß/Silber-Rot, -Blau; Schwarz/Silber-Rot, -Blau, -Gelb, -Orange, -Grau, -Grün

Helmschale: ABS/Polycarbonat-Mix

Herstellungsland: China; ECE-Prüfzeichen: E 13 (Luxemburg)

Ersatzvisiere: klar/getönt/verspiegelt 19,90/19,90/24,90 Euro

Ausstattung: Atemluftabweiser, Helmbeutel

Plus:
Sehr leichtes Auf- und Absetzen; Visierwechsel einfach; Helmschloss leicht zu bedienen; Kinnriemen-Polsterung noch ausreichend lang; große, exakt rastende Belüftungsschieber; klare Visierrastung; praxisgerechte Belüftungsstellung; liegt auch bei höheren Geschwindigkeiten noch befriedigend im Wind; Geräuschniveau okay

Minus:
Futter wirkt etwas plastikmäßig und müffelt nach Chemie; etwas eingeschränkte Brillentauglichkeit; drückt und scheuert etwas an
Stirn und Oberkopf; Belüftungsschieber ohne Funktion; über 120 km/h starke Zugluft auf Nase und Augen (nicht übers Visier, sondern von unten)

Fazit:
Wirkt beim ersten Befingern und Aufsetzen durchaus wertig und sympathisch, doch die Passform-Schwächen und vor allem die ungewollte „Dauerbelüftung“ kosten Punkte. Nichts für die große, schnelle Tour, für Kurzstrecken aber überlegenswert.

MOTORRAD-Urteil: befriedigend

Foto: Archiv

Held Apache

Anbieter: Held, Tel. 08321/66460, www.held.de

Preis: 79,95 Euro

Größen: XS bis XXL

Gewicht: 1400 +/- 50/1464 Gramm (Herstellerangabe/XL gewogen)

Weiß/Schwarz, Schwarz/Weiß, Schwarz/Rot

Helmschale: ABS

Herstellungsland: China; ECE-Prüfzeichen: E 13 (Luxemburg)

Ersatzvisiere: klar/getönt/verspiegelt 14,95/14,95/15,95 Euro

Ausstattung: Atemluftabweiser, Helmbeutel

Plus:
Sehr leichtes Auf- und Absetzen; Visierwechsel einfach; Helmschloss einfach zu bedienen; Kinnriemen-Polsterung noch ausreichend lang; guter Tragekomfort; hochwertige Lackierung; klare Visierrastung; befriedigende Brillentauglichkeit; exakt rastende Belüftungsschieber; liegt auch bei höheren Geschwindigkeiten neutral im Wind, kein Auftrieb

Minus:
Belüftungsschieber ohne Funktion; extrem zugig, die Visier-Oberkante schließt nicht sauber, bei Kopfdrehung ist die Zugluft ab 120 km/h nahezu unerträglich;  drückt leicht an der Stirn; Geräuschniveau etwas zu hoch

Fazit:
Der mit dem Germot-Helm sehr wahrscheinlich eng verwandte Held Apache verdirbt sich durch die schlechte Visier-Abdichtung ein deutlich besseres Ergebnis. Zugempfindliche Fahrer werden damit bereits auf der Landstraße echte Probleme haben.

MOTORRAD-Urteil: befriedigend

Foto: Archiv

MTR S-6

Anbieter: Louis, Tel. 040/73419360, www.louis.de

Preis: 49,95 Euro (Dekor 59,95 Euro)

Größen: XS bis XL

Gewicht: 1450 +/- 50/1550 Gramm (Herstellerangabe/XL gewogen)

Farben: Schwarzmetallic, Silbermetallic, Weiß/Blau-Dekor, Weiß/Anthrazit-Dekor, Schwarz/Anthrazit-Dekor

Helmschale: ABS

Herstellungsland: Taiwan; ECE-Prüfzeichen: E 13 (Luxemburg)

Ersatzvisiere: klar/getönt 19,95/24,95 Euro

Ausstattung: (sehr einfacher) Helmbeutel

Plus:
Relativ leichtes Auf- und Absetzen; gutes Platzangebot vorm Kinn; sehr niedriger Preis

Minus:
Visierwechsel aufwendig; Helmschloss etwas fummelig zu bedienen, Kinnriemenpolsterung zu kurz, Kinnriemen schlecht plaziert; Belüftungsschieber fummelig zu bedienen und ohne Funktion; nur eingeschränkt brillentauglich; Visierrastung ungenau, Belüftungsstellung zu weit; Geräuschniveau hoch, in sportlicher Sitzposition sehr hoch; mittelstarker Auftrieb; ab 120 km/h sehr zugig, Schulterblick dann fast unmöglich, Visier dichtet nicht ab; Sichtfeld eher klein, Passform unbefriedigend, drückt stark am Hinterkopf

Fazit:
Dieser Helm ist billig, nicht preiswert. Der S-6 ist völlig zu Recht ein Auslaufmodell und wird zeitweise ab 29,95 Euro verramscht. Für Mofaroller-Fahrer mag das ein interessantes Angebot sein, Motorradfahrer sollten aber lieber die Finger davon lassen.

MOTORRAD-Urteil: mangelhaft

Foto: Archiv

Nexo Laguna II/Monaco

Anbieter: Polo, Tel. 0180/5225785, www.polo-motorrad.de

Preis: 49,95 Euro (als Dekor-Version „Monaco“ 79,95 Euro)

Größen: XS bis XXL

Gewicht: 1400 +/- 50/1534 Gramm (Herstellerangabe/XL gewogen)

Farben: Schwarz; Rot-, Blau-, Silber-Dekor

Helmschale: Polycarbonat

Herstellungsland: China; ECE-Prüfzeichen: E 11 (Großbrit.)

Ersatzvisiere: klar/getönt/verspiegelt 24,95/29,95/29,95 Euro

Ausstattung: Atemluftabweiser, Helmbeutel

Plus:
Sehr leichtes Auf- und Absetzen; angenehmes Futter; befriedigende Brillentauglichkeit, Visierwechsel einfach; Helmschloss leicht zu bedienen; klare Visierrastung; gutes Sichtfeld

Minus:
Kinnriemen-Polsterung viel zu kurz; unbefriedigende Passform, drückt an Stirn, Oberkopf und  teilweise an der Schläfe; Kinnteil sehr nah am Kopf; ab 120 km/h hohes Geräuschniveau, Helm liegt sehr unruhig im Wind und „wandert“, Kinnriemen drückt auf Kehlkopf; starke Zugluft bei höheren Geschwindigkeiten; Visier-Belüftungsstellung zu weit; Belüftungsschieber ohne Funktion

Fazit:
Schwache Aerodynamik, sehr zugig und Schwächen bei der Passform - der Nexo kann nicht wirklich überzeugen. Seine unglücklich geformte Helmschale dürfte das Hauptübel sein. Da kann auch die ordentliche Machart nichts mehr rausreißen.

MOTORRAD-Urteil: mangelhaft

Foto: Archiv

Probiker X7

Anbieter: Louis, Tel. 040/73419360, www.louis.de

Preis: 69,95 Euro (Dekor 79,95 Euro)

Größen: XS bis XL

Gewicht: 1490 +/- 50/1558 Gramm (Herstellerangabe/XL gewogen)

Farben: Schwarzmetallic, Schwarz/Anthrazit-Dekor, Weiß/Schwarz-Dekor

Helmschale: ABS

Herstellungsland: Taiwan; ECE-Prüfzeichen: E 13 (Luxemburg)

Ersatzvisiere: klar/getönt/verspiegelt 19,95/24,95/29,95 Euro

Ausstattung: Atemluftabweiser, Windabweiser am Kinn, (sehr einfacher) Helmbeutel

Plus:
Leichtes Aufsetzen; sehr angenehmes Futter; Visierwechsel einfach; sehr gute Brillentauglichkeit; sehr gute Visierrastung; gut wirksamer Windabweiser am Kinn; ordentliche Passform; befriedigendes Geräuschniveau; luftig, aber nicht zugig; Dekor und Lackierung gut gemacht

Minus:
Helmschloss etwas fummelig zu bedienen, Kinnriemenpolsterung zu kurz; Absetzen durch enge Ohreinbettung etwas störrisch; bis 140 km/h neutral im Wind, darüber aber deutlicher Auftrieb und viel Unruhe, z. B. beim Schulterblick; relativ kleines Sichtfeld; Belüftungschieber ohne Funktion

Fazit:
Wirkt wertig, sitzt knackig und bietet bis über Autobahn-Richtgeschwindigkeit eine sehr ordentliche Vorstellung. Für die Heizer-Fraktion ist er eher nichts, aber die Sehr-Schnellfahrer werden in dieser Preisklasse ohnehin kaum fündig.

MOTORRAD-Urteil: befriedigend

Foto: Archiv

Rocc Schuriken

Anbieter: Büse, Tel. 02471/12690, www.buese.com

Preis: 79,95 Euro

Größen: XS bis XL (Anthrazit-Dekor auch XXL)

Gewicht: 1500 +/- 50/1574 Gramm (Herstellerangabe/XL gewogen)

Farben: Anthrazit-, Grün-, Rot-, Rosa-, Blau-Dekor

Helmschale: ABS
Herstellungsland: China; ECE-Prüfzeichen: E 1 (Deutschland)

Ersatzvisiere: klar/getönt/verspiegelt 19,95/19,95/24,95 Euro

Ausstattung: teilweise herausnehmbares Futter, herausnehmbare Wangenpolster, Atemluftabweiser, Helmbeutel

Plus:
Gute Ausstattung; sehr leichtes Auf- und Absetzen; sehr angenehmes Futter; Visierwechsel einfach; sehr leicht zu bedienender Ratschenverschluss; gutes Platzangebot am Kinnteil; Geräuschniveau okay

Minus:
Kinnriemen sitzt sehr weit hinten und kann auf Kehlkopf drücken; Kinnriemen-Polsterung zu kurz; starker Druck auf Schläfen; nicht brillentauglich; ungenaue Visierrastung, wirkt wie ausgeleiert; ab 150 km/h starker Auftrieb, dann sehr unruhig und verstärkter Druck auf Kehlkopf; ab 130 km/h starke Zugluft auf Augen, Visier dichtet nicht vernünftig ab, Schulterblick stark erschwert, ab 150 km/h zieht‘s unerträglich; Belüftungsschieber ohne Funktion

Fazit:
Die Basis stimmt eigentlich, aber der (im Hinblick auf Abstreifversuche?) sehr weit zurück versetzt montierte Kinnriemen
und die Detailmängel rund ums Visier lassen den mit einem eindrucksvollen Dekor versehenen Schuriken zurückfallen.

MOTORRAD-Urteil: ausreichend

Foto: Archiv

Soar Concord Evo

Anbieter: DHG Knauer, Tel. 06263/42020, www.soareurope.com

Preis: 79 Euro

Größen: XS bis XXL

Gewicht: 1350-1450/1514 Gramm (Herstellerangabe/XL gewogen)

Farben: Schwarzmetallic; Silber-, Blau, Rot-Dekor

Helmschale: Polycarbonat

Herstellungsland: China; ECE-Prüfzeichen: E 9 (Spanien)

Ersatzvisiere: klar/getönt/verspiegelt 19,95/19,95/24,95 Euro

Ausstattung: herausnehmbares Futter, herausnehmbare Wangenpolster, Atemluftabweiser, (sehr einfacher) Helmbeutel

Plus
Gute Ausstattung; angenehmes Futter; Visierwechsel sehr einfach; sehr leichtes Auf- und Absetzen; Kinnriemen-Ende gesichert; befriedigende Brillentauglichkeit; klare Visierrastung

Minus:
Kinnriemen-Polsterung zu kurz; Visier-Belüftungsstellung viel zu weit; starker Auftrieb bereits ab 100 km/h, wackelt stark, sehr unruhig; ab 120 km/h starker Zug direkt auf die Augen, Schulterblick nahezu unmöglich (Fahrversuch musste unterbrochen werden); teilweise nachlässige Verarbeitung (Spaltmaße); fällt extrem groß aus (L für XL-Kopf immer noch zu groß), Passform sehr unbefriedigend; Visier-Belüftungsstellung zu weit

Fazit:
Der dritte große Verlierer dieses Vergleichs. Beim ersten Befingern wirkt der Helm durchaus wertig, aber bereits auf den
ersten Landstraßenkilometern versagt er nahezu auf ganzer Linie, obwohl er in Sachen Ausstattung kein  Sparmodell ist.

MOTORRAD-Urteil: mangelhaft

Das sagen Profis über Billighelme

Das Thema Billighelme ist wie gemacht für knackige Statements der Branchenkenner. MOTORRAD musste nicht lange bitten, um von Jörg Breitenfeld, einem der wichtigsten Auslandsvertreter des japanischen Premium-Helmherstellers Arai, von Kay Blanke, seit 22 (!) Jahren „Mister Universal“ beim Hamburger Zubehöranbieter Detlev Louis, und von Polo-Helmexperte Stefan Micklich, vormals in leitender Funktion bei Shoei und Schuberth, klare Stellungnahmen zu bekommen. Drei Profis,  zwei Meinungen - und obendrauf gibt‘s die in 18 Jahren Redakteurstätigkeit gewachsene Einschätzung von MOTORRAD-Mann Klaus Herder.
Foto: Arai

"Die aktuelle Helmnorm ECE-R 22.05 ist nur als Mindeststandard zu verstehen."

Jedem, der einen Helm für 39,95 Euro beim Discounter kauft, muss eigentlich klar sein, dass er damit keine Qualität erwirbt. Die Helmnorm ECE-R 22.05 ist nur als Mindeststandard zu verstehen und nicht als Qualitätsmerkmal. Die ECE misst keine Sicherheitsreserven eines Helmes. Einen Helm zu bauen, der nur eine ECE-Prüfung besteht, ist einfach und billig. Einen Helm zu bauen, der wirklich in einem realen Unfallgeschehen effektiv schützt, nicht. Der ganze Bereich des After-sales-Service fließt in die Kalkulation unserer Helme ein. Arai bietet zum Beispiel Ersatzteile für mindestens zehn Jahre zum Nachkauf an. Versuchen Sie das mal zehn Wochen nach dem Kauf eines Billighelms beim Discounter.
Foto: Polo

"Ein Zwischenhändler schlägt mindestens 30 Prozent auf seinen Einkaufspreis drauf."

Viele hersteller von sogenannten „Markenhelmen“ kritisieren oft völlig grundlos Helme, die preiswerter sind als ihre eigenen Produkte. Es wird suggeriert, dass diese Helme ihren Preisvorteil über Einsparungen bei der Sicherheit erlangen. Das ist absurd. Viele Tests haben bewiesen, dass unsere Nexo-Helme nicht nur die Grenzwerte der ECE-R 22-05 einhalten, sondern diese teils deutlich unterschreiten. Fast alle hier verkauften „Markenhelme“ werden über einem Importeur oder über eine Vertriebsgesellschaft angeboten. Ein Zwischenhändler schlägt mindestens 30 Prozent auf seinen Einkaufspreis auf. Durch den Direkteinkauf beim Hersteller umgehen wir diese Kosten komplett.
Foto: Louis

"Wir verzichten auf Rennsport-Sponsoring und teure Event- und Werbemaßnahmen."

Warum sind unsere Eigenmarken so günstig? Wir kaufen direkt ein und verkaufen ebenso direkt an den Endverbraucher weiter. Es ist nicht immer notwendig, für ein neues Modell komplett neue, sehr teure Formen zu bauen. Weitere Preisvorteile erreichen wir durch hohe Stückzahlen. Außerdem verzichten wir auf Rennsport-Sponsoring und teure Event- und Werbemaßnahmen. Bis ins Letzte im Windkanal ausgefeilte Aerodynamik und -akustik oder immens aufwendige Dekore können wir in den unteren Preisklassen so nicht bieten. Sicherheit aber durchaus, unsere 50-Euro-Helme schnitten bei Schlagdämpfungstests schon besser ab als Premium-Helme, die das Acht- bis Dreizehnfache kosten.
Foto: Herder

"Wie kaufen? Unbedingt Probefahrt mit Passform-Check machen."

Ich habe keinen Shoei-Kopf, aber Arai passt mir wie ein Turnschuh. Wenn‘s für viele Kilometer auf die Autobahn geht und es leise sein soll, ist Schuberth meine Wahl. Vemar und Marushin aus der 200-Euro-Klasse stehen bei mir auch im Diensthelm-Regal. Viele Marken, viele Modelle - eins haben sie gemein: Sie sitzen sehr knackig, lassen meiner Brille ausreichend Platz und werden umgehend ausgetauscht, wenn die Innenausstattung zu „luftig“ geworden ist. Der teuerste Helm hilft beim Unfall wenig, wenn er nicht da bleibt, wo er sein soll. Und ein gut passender Billighelm ist trotzdem Mist, wenn die Zugluft dem Fahrer Tränen in die Augen treibt. Wie kaufen? Unbedingt Probefahrt mit Passform-Check machen.

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote