Produkttest Integralhelme MOTORRAD testete Integralhelme um 200 Euro

Da hat Väterchen Frost sich aber verrechnet: Von dem coolen Typen lassen wir uns doch den Helmtest nicht verderben. Wir nicht! Wenn auf dem Moped nichts mehr geht, ist eben Fantasie gefragt. Zugluft ist Zugluft, und Windgeräusch bleibt Windgeräusch. Auch im Cabrio.

Foto: Bilski
Ein Blick aufs Aufmacherfoto dieser Geschichte genügt, und schon hat Mister Oberschlau seine Meinung: "Die von MOTORRAD sind alle Weicheier. Die fahren jetzt schon Auto!" Zumindest der zweite Teil dieser Feststellung ist unstrittig. Den Wahrheits-gehalt des ersten Teils stellen "die von MOTORRAD" allerdings vehement in Abrede, denn es gab Sachzwänge: Um dem geneigten Leser zum Saisonbeginn einen Test aktueller Helmmodelle präsentieren zu können, ist eine möglichst zeitnahe Produktion einer solchen Geschichte erforderlich. Konkret: Das Ding musste spätestens Mitte Februar über die Bühne gehen. Mitte Februar 2010 - da war doch was? Richtig: Winter. So richtig Winter. Mit zweistelligen Minusgraden auch tagsüber und mit geschlossener Schneedecke auf allem, was nicht Autobahn heißt.

Elf Helme der Preisklasse um 200 Euro galt es ausführlich Probe zu fahren und dabei Visiere und Belüftungsschieber zu betätigen sowie unter anderem auf Beschlagfreiheit und Geräuschverhalten zu achten. Das Ganze natürlich auch deutlich oberhalb der Autobahn-Richtgeschwindigkeit. Ahnen Sie, wie sensibel ein Motorrad fahrender Helmtester nach zwei, drei Probefahrten bei heftigem Dauerfrost solche Dinge beurteilen kann? Eben. Also ließen sich die MOTORRAD-Zubehöronkels etwas anderes einfallen und trennten das Testprogramm. Für Teil eins ging es in den Windkanal der Polo-Firmenzenrale in Jüchen. In der Box, die übrigens auch jedem potenziellen Kunden für Selbstversuche zur Verfügung steht, sorgt ein großes Gebläse für maximal 120 km/h Gegenwind. Der Fahrer sitzt derweil auf einer Honda CBF 600 S und kann sich unabhängig von störenden Umwelteinflüssen auf alles konzentrieren, was mit Windgeräuschen, Belüftung und aerodynamischem Verhalten zu tun hat. Der zweite Teil des Testprogramms machte die Rückbank eines viersitzigen Cabriolets (Citroën C3 Pluriel, siehe S. 116) zum Ort des Geschehens. Dafür, dass die beiden Testsitzer auch wirklich die volle Packung kalten Gegenwind zu spüren bekamen, sorgte eine liebevoll selbst gebaute Sitzerhöhung - was die auf den Fotos zu sehende, etwas unkonventionelle Sitzposition erklärt.
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Verwirbelungen blieben natürlich trotzdem nicht aus, was die Sache aber durchaus mit dem Verhalten hinter Motorrad-Verkleidungsscheiben vergleichbar machte und was zusammen mit den "klinisch reinen" Ergebnissen aus dem Windkanal ein sehr gutes Bild über das Praxisverhalten der Helme abgab. Die Freiluft-Versuche im Cabrio wurden übrigens bis Tacho 170 gefahren - mehr war mit dem knuffigen Citroën nicht machbar. Was ursprünglich als eine elegante Notlösung gedacht war, entpuppte sich im Laufe des Tests als genialer Schachzug, denn wer sich nicht aufs Fahren konzentrieren muss, hat viel mehr Zeit für intensive Praxisversuche. Brutales Anhauchen des Visiers, ewig langer Schulterblick, extremes An- und Abwinkeln des Helms, intensives Befingern der (meist untauglichen) Belüftungsschieber - als Fahrer unterlässt man solche Übungen im öffentlichen Straßenverkehr lieber, als Cabrio-Rückbanksitzer war das alles locker machbar und erlaubte noch genauere Testaussagen.

Im dritten Teil dies Praxistest wurde dann aber wieder das bewährte Programm gefahren und die jeweils in den Größen M, L und XL vorrätigen Helme beim Trockentest ausführlich gequält. Die vier Redakteure des Ratgeber-Ressorts setzen die Helme kräftig auf und ab, klappten Visiere, amüsierten sich mit Verschlüssen und prüften die Brillentauglichkeit. Futter und Polster ging es ans Eingemachte, Sichtfeld, Passform - nichts blieb ungeprüft.
Fast nichts, denn im Unterschied zu einem ganz großen Helmtest mit Laborversuchen (den es mit der Helm-Oberklasse voraussichtlich in MOTORRAD 14/2010 geben wird) verzichtet MOTORRAD bei einem Praxistest auf die Prüfung der Schlagdämpfungswerte. Die getesteten Helme sind alle erfolgreich nach der aktuellen Helmnorm ECE-R 22.05 geprüft und stammen ausnahmslos aus seriösen Quellen mit nachvollziehbaren Beschaffungswegen. Die aktuelle ECE-Norm wurde bei zurückliegenden MOTORRAD-Tests bereits von Helmen der 100-Euro-Klasse erfüllt, was aber nur wenig über die tatsächliche Praxistauglichkeit eines Helms aussagt. Die wird neben der als selbstverständlich vorausgesetzten, weil durch das ECE-Etikett garantierten passiven Sicherheit (also der Stoßdämpfung) vor allem durch die aktive Sicherheit bestimmt. Und von der gibt es in der 200-Euro-Klasse viel Positives zu berichten. Schaffte beim Billighelm-Test (MOTORRAD 19/2009) der beste Helm gerade mal ein "befriedigend" und waren Probleme bei Passform, Trageverhalten und Visierqualität die Regel und nicht die Ausnahme, so gibt es in der (unteren) Helm-Mittelklasse durchweg ordentliche Ware fürs Geld. In der 200er-Liga haben die Hersteller bereits ausreichend Spielraum, um ausgereifte und gut ausgestattete Produkte liefern zu können, müssen aber noch nicht die hohen Entwicklungs- und Marketingkosten der Spitzenmodelle umlegen. Wer möglichst viel Helm für wenig Geld sucht und nicht einen bestimmten Markennamen zur Imagepflege benötigt, bekommt in der 200-Euro-Klasse ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis geboten.

Was bei diesem Test im Windkanal, auf der Cabrio-Rückbank und im MOTORRAD-Konferenzraum herauskam, ist der untenstehenden Tabelle und den Produktkästen zu entnehmen. Dass es bei den ganz persönlichen Favoriten durchaus feine Unterschiede gibt, sehen Sie hier oben auf der Seite. Bei einer Sache waren sich die Helmtester aber völlig einig: Die Nummer mit dem Auto hatte absolut nichts Weich-ei-Mäßiges. Glauben Sie nicht? Egal, ab minus fünf Grad fahren "die von MOTORRAD" auch wieder Motorrad. Versprochen!
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Das Making-of-Video des Helmtests


Foto: mps-Fotostudio

HJC FG-15

Anbieter: HJC,Tel. 02131/523560, www.hjc-helmets.de

Preis: 199,99 Euro (Dekor 229,99 bis 249,99 Euro)

Größen: XXS bis XXXL

Gewicht: 1500/1520 Gramm (Herstellerangabe/XL gewogen)

Farben: Weiß; Schwarz-, Silber-, Anthrazitmetallic; Mattschwarz; sechs Dekore in div. Farbkombinationen

Helmschale: Fiberglas/Aramid-Verbund

Verschluß: Steckschloss

Herstellungsland: Korea; ECE-Prüfzeichen: E 1 (Deutschland)

Ersatzvisiere: klar/getönt/verspiegelt 39,95/39,95/49,95 Euro

Ausstattung: Atemluftabweiser, Windabweiser am Kinn, Antibeschlag-Visier mit Pinlock-Vorbereitung, Wangenpolster und Futter herausnehmbar, Helmbeutel

Plus:
Sehr bequemes Auf- und Absetzen; umschließt den Kopf perfekt, engt aber nicht ein - hervorragende Passform; liegt absolut neutral im Wind; nahezu zugfrei, niedriges Geräuschniveau; Belüftungsschieber gut bedienbar, wirksame Kopfbelüftung; Visierwechsel extrem einfach; gute Brillentauglichkeit; Innenausstattung sehr leicht ein- und auszubauen; sehr gute Verarbeitung.

Minus:

Visierrastung etwas grob (nur vierfach); Kinnriemen-Polsterung etwas zu kurz; Kinnbelüftung praktisch wirkungslos; zum Teil etwas üppige Dekor-Aufpreise.

Fazit:
Wer 200-Euro-Helme immer noch für "billig" im Sinne von "billig gemacht" hält, sollte sich den FG-15 gönnen - und dann Abbitte leisten. Der Koreaner überzeugt auch sehr kritische Geister, der Testsieg fällt eindeutig aus. Eigentlich gibt's nur einen echten Verbesserungswunsch: Doppel-D-Verschluss.

MOTORRAD-Urteil: Sehr gutMOTORRAD-Testsieger
Foto: mps-Fotostudio

HJC IS-16

Anbieter: HJC, Tel. 02131/523560, www.hjc-helmets.de

Preis: 189,99 Euro (Dekor 219,99 bis 229,99 Euro)

Größen: XS bis XXL

Gewicht: 1600/1640 Gramm (Herstellerangabe/XL gewogen)

Farben: Mattschwarz; Silber-, Schwarzmetallic; sieben Dekore in div. Farbkombinationen
Helmschale: Polycarbonat

Verschluß: Steckschloss

Herstellungsland: Korea; ECE-Prüfzeichen: E 1 (Deutschland)

Ersatzvisiere: klar/getönt/verspiegelt 39,95/39,95/49,95 Euro

Ausstattung: Atemluftabweiser, Windabweiser am Kinn, Antibeschlag-Visier mit Pinlock-Vorbereitung, Sonnenblende, Wangenpolster und Futter herausnehmbar, Helmbeutel

Plus:
Noch bequemer Ein- und Ausstieg (aber enger als beim FG-15); knackiger Sitz, gute Passform; liegt neutral im Wind; absolut zugfrei; sehr angenehmes Futter; praxisgerecht zu bedienende Sonnenblende; extrem einfacher Visierwechsel; sehr gute Brillentauglichkeit; sehr gute Verarbeitung.

Minus:
Etwas höheres Geräuschniveau als beim FG-15; Belüftungsschieber viel zu klein und mit nur mäßiger Funktion (nur etwas an der Stirn); empfindliche Oberfläche bei matter Lackierung; zum Teil etwas üppige Dekor-Aufpreise.

Fazit:
Reinschlüpfen, wohl fühlen - das gilt mit leichten Einschränkungen beim Auf- und Absetzen auch für das thermoplastische Schwestermodell des Testsiegers. Als Bonbon gibt es obendrauf eine gut zu bediendende Sonnenblende. Der IS-16 bestätigt, auf welch hohem Niveau HJC mittlerweile fertigt.

MOTORRAD-Urteil: Gut
Foto: mps-Fotostudio

IXS HX 400

Anbieter: Hostettler, Tel. 07631/18040, www.ixs.de

Preis: 219,90 Euro

Größen: XS bis XXXL

Gewicht: 1390 ± 50/1420 Gramm (Herstellerangabe/XL gewogen)

Farben: Schwarz Mattschwarz

Helmschale: Carbon/Kevlar/Fiberglas-Verbund

Verschluß: Doppel-D

Herstellungsland: Korea; ECE-Prüfzeichen: E 1 (Deutschland)

Ersatzvisiere: klar/getönt/verspiegelt 27,50/27,50/52,50 Euro

Ausstattung: Atemluftabweiser, Windabweiser am Kinn, Visier mit Pinlock-Scheibe, Wangenpolster und Futter herausnehmbar, Helmbeutel

Plus:
Sehr bequemes Auf- und Absetzen; fühlt sich leicht an; feine Visierrastung; gute Ausstattung; gute Brillentauglichkeit.

Minus:
Passform unbefriedigend, Kinnraum und Wangenpolster zu kurz, drückt an der Stirn; sehr windempfindlich, wackelt ab 120 km/h; ab 60 km/h penetrante Pfeifgeräusche; starke Zugluft von unten, besonders unangenehm auf den Augen; Futter etwas synthetisch-kratzig; Visier verwindet sich beim Öffnen und ist nicht weit genug zu öffnen; Pinlock-Scheibe liegt nicht sauber an, daher Beschlagneigung im unteren Bereich; Visierwechsel relativ leicht, gefährdet aber Fingernagel; Belüftungsschieber ohne Funktion.

Fazit:
Sieht sehr schick aus und wirkt nach dem bequemen Aufsetzten luftig-leicht. Doch von Kilometer zu Kilometer zeigen sich immer mehr Detailschwächen: mäßige Aerodynamik, hohes Geräuschniveau, verbesserungswürdige Passform und Visier-Mängel - in der 200er-Klasse gibt es viel, viel Besseres.

MOTORRAD-Urteil: Ausreichend
Foto: mps-Fotostudio

KBC Magnum

Anbieter: Held, Tel. 08321/66460, www.held.de

Preis: 219 Euro (Dekor 249 Euro)

Größen: XXS bis XXL

Gewicht: 1500 ± 50/1686 Gramm (Herstellerangabe/XL gewogen)

Farben: Schwarz, Schwarz/Weiß/Rot-Dekor, Schwarz/Weiß/Gold-Dekor, Mugello-Dekor (im Bild)

Helmschale: Fiberglas/Carbon/Kevlar

Verschluß: Doppel-D

Herstellungsland: China; ECE-Prüfzeichen: E 4 (Niederlande)

Ersatzvisiere: klar/getönt/verspiegelt 27,95/27,95/29,95 Euro

Ausstattung: Atemluftabweiser, Windabweiser am Kinn, Visier mit Pinlock-Vorbereitung, Wangenpolster und Futter herausnehmbar, Helmbeutel

Plus:
Bequemes Auf- und Absetzen; liegt netral im Wind; Augenbereich bleibt zugfrei.

Minus:
Kinnriemen liegt sehr weit hinten und drückt; mäßige Passform, wirkt einengend und drückt an der Stirn; Futter sehr synthetisch, wirkt etwas wie "Kunstleder"; Visier verwindet sich beim Öffnen, Belüftungsstellung viel zu weit; Visier-Abbau etwas fummelig (Einbau dafür leicht); Belüftungsschieber viel zu klein und ohne Funktion; nicht brillentauglich; Ver-arbeitung durchwachsen (Spaltmaße, Visier mit Grat-Rückständen).

Fazit:
In der 100-Euro-Klasse hätte es vermutlich für eine ordentliche Mittelfeld-Platzierung gereicht. In der stark besetzten 200-Euro-Liga bleibt nur der vorletzte Platz, denn der KBC schwächelt in vielen Bereichen. Nichts Dramatisches, aber praxisgerecht gemachte Details sehen einfach anders aus.

MOTORRAD-Urteil: Ausreichend
Foto: mps-Fotostudio

Marushin 888 RS

Anbieter: JF Motorsport, Tel. 06002/91030, www.jfmotorsport.de

Preis: 169 Euro (Dekor 179 Euro)

Größen: XS bis XXL

Gewicht: 1350 ± 50/1376 Gramm (Hersteller-angabe/XL gewogen)

Farben: Mattschwarz, vier Dekore in div. Farbkombinationen

Helmschale: Fiberglas

Verschluß: Doppel-D

Herstellungsland: China; ECE-Prüfzeichen: E 13 (Luxemburg)

Ersatzvisiere: klar/getönt/verspiegelt 29,90/29,90/29,90 Euro

Ausstattung: Atemluftabweiser, Windabweiser am Kinn, Antibeschlag-Visier, Wangenpolster und Futter herausnehmbar, Helmbeutel

Plus:
Sehr bequemes Auf- und Absetzen; wirkt sehr leicht, sitzt bequem und völlig druckfrei; ordentliche Passform; liegt neutral im Wind; Augenbereich zugfrei; sehr großes Sichtfeld; gute Brillentauglichkeit; extrem einfacher Visierwechsel; gute Verarbeitung.

Minus:
Kinnriemen liegt relativ weit hinten und drückt ggf. am Kehlkopf; ab 100 km/h etwas überdurchschnittliches Geräuschniveau; Visierrastung unpräzise; Belüftungsschieber zwar groß, aber ohne Funktion; Kinnriemen zu lang (Flattern); Futter etwas zu synthetisch und etwas zu weich; Wangenpolster beim Ausbau bruchgefährdet.

Fazit:
Eine Helm-Anprobe ist natürlich immer angeraten, beim Marushin aber ganz besonders. Er sitzt am Nacken eher frei (gut für Sportfahrer), doch daher ist der Kinnriemen relativ weit hinten platziert (schlecht für Dickhälse). Wer damit keine Probleme hat, bekommt einen leichten und bequemen Helm.

MOTORRAD-Urteil: Gut
Foto: mps-Fotostudio

Nexo Carbon Comfort

Anbieter: Polo, Tel. 0180/5225785, www.polo-motorrad.de

Preis: 199,95 Euro (Dauerangebot, Katalogpreis 299,95 Euro)

Größen: XS bis XXL

Gewicht: 1250 ± 50/1354 Gramm (Herstellerangabe/XL gewogen)

Farbe: Schwarz (Carbon)

Helmschale: Carbon

Verschluß: Doppel-D

Herstellungsland: China; ECE-Prüfzeichen: E 9 (Spanien)

Ersatzvisiere: klar/getönt/verspiegelt 19,95/24,95/24,95 Euro

Ausstattung: Atemluftabweiser, Windabweiser am Kinn, Visier mit Pinlock-Vorbereitung, Sonnenblende, Wangenpolster und Futter herausnehmbar, Helmbeutel

Plus:
Sehr bequemes Auf- und Absetzen; sehr leichtes, angenehmes Tragegefühl; gute Passform; weitgehend zugfrei; einfacher Visierwechsel; Futter- und Polsterwechsel sehr einfach; gute Brillentauglichkeit; sehr attraktiver Dauer-Angebotspreis, günstige Visiere.

Minus:
Etwas windempfindlich, wackelt ab 110 km/h deutlich, unruhig beim Schulterblick; Geräuschniveau eher überdurchschnittlich; Sonnenblende fährt nicht ganz ein, Sichtfeld eingeschränkt; Kinnriemen-Polsterung viel zu kurz; Belüftungsschieber zu klein und nahezu ohne Funktion.

Fazit:
Perfekt ist anders, aber die gefühlte (und gemessene) Leichtigkeit und die gute Passform machen den Carbon-Discounter attraktiv. Sehr zügige Sportfahrer wird die nicht ganz ausgereifte Aerodynamik und das nach oben eingeschränkte Sichtfeld stören, für Muscle-Bike-Piloten ist es aber ein heißer Tipp.

MOTORRAD-Urteil: Gut
Foto: mps-Fotostudio

Nolan N 85

Anbieter: Nolan, Tel. 07159/93160, www.nolangroup.de.de

Preis: 189,95 Euro (Special; Dekor 249,95 bis 299,95 Euro)

Größen: XS bis XXL

Gewicht: 1400-1580/1594 Gramm (Herstellerangabe/XL gewogen)

Farben: Schwarz (N 85 Special); Silber, Weiß, Mattschwarz (je 234,95 Euro), sieben Dekore in div. Farbkombinationen

Helmschale: Lexan

Verschluß: Ratsche

Herstellungsland: Italien; ECE-Prüfzeichen: E 3 (Italien)

Ersatzvisiere: klar/getönt/verspiegelt 36,95/36,95/50,95 Euro

Ausstattung: Windabweiser am Kinn, Visier mit Pinlock-Scheibe (Special nur Vorbereitung), Sonnenblende, Wangenpolster und Futter herausnehmbar (Special nur Oberkopf), Helmbeutel

Plus:
Sehr gutes Ratschenschloss; satter, gleichmäßiger Sitz, gute Passform; Futter und Polsterung sehr angenehm; liegt neutral im Wind, zugfrei; geringes Geräuschniveau; extrem einfacher Visierwechsel; praxisgerechte, gut definierte Visierrastung; brillentauglich.

Minus:
Auf- und Absetzten etwas mühsam; Belüftungsschieber zu klein und schwergängig, Kinnteil-Belüftung wirkungslos; matte Oberfläche sehr schmutzempfindlich; Basis-Modell etwas mager ausgestattet, Dekor-Aufpreise recht heftig.

Fazit:
Passt wie ein Turnschuh, da lohnt sich auch die Mühe beim Auf- und Absetzen. Viele absolut praxisgerechte Details machen deutlich, dass hier Entwickler mit sehr viel Helm-Know-how am Werke waren. Die gute Aerodynamik und die Zug-freiheit machen den N 85 auch für Vollgas-Junkies interessant.

MOTORRAD-Urteil: Sehr gut MOTORRAD-Kauftipp
Foto: mps-Fotostudio

Scorpion EXO-750

Anbieter: Louis, Tel. 040/73419360, www.louis.de

Preis: 219,95 Euro (Dekor 239,95)

Größen: XS bis XXL

Gewicht: 1550 ± 50/1576 Gramm (Herstellerangabe/XL gewogen)

Farben: Schwarz, Mattschwarz, Schwarz/Weiß-Dekor

Helmschale: Fiberglas/Kevlar

Verschluß: Doppel-D

Herstellungsland: China; ECE-Prüfzeichen: E 9 (Spanien)

Ersatzvisiere: klar/getönt/verspiegelt 39,95/39,95/49,95 Euro

Ausstattung: Atemluftabweiser, Windabweiser am Kinn, Antibeschlag-Visier, aufpumpbare Wangenpolster, Wangenpolster und Futter herausnehmbar, Helmbeutel

Plus:
Kinnriemen-Polsterung ausreichend lang; Visierwechsel extrem einfach; Stirnbelüftung funktioniert gut; nur minimal Zugluft von unten, Augen bleiben zugfrei.

Minus:
Sehr enger Einstieg, Auf- und Absetzen sehr unbequem; sitzt supereng, die aufpumpbaren Wangenpolster sind eher überflüssig; Passform trotzdem eher mäßig; Visier öffnet nicht weit genug, Belüftungsstellung aber viel zu weit; Futter etwas synthetisch-kratzig; Kinnteil-Belüftung wirkungslos; Wiedereinbau der Wangenpolster recht fummelig; nur sehr bedingt brillentauglich; stinkt im Neuzustand.

Fazit:
Die Pumpfunktion ist ein nettes Spielzeug, aber nicht wirklich notwendig. Schlankere Schädel passen auch so rein, Dickköpfe haben mit und ohne Pumpe ziemlich sicher massive Passformprobleme. In Sachen Aerodynamik und Geräusch-niveau erlaubt sich der Helm keine größeren Schwächen.

MOTORRAD-Urteil: Befriedigend
Foto: mps-Fotostudio

Shark S 900

Anbieter: Shark, Tel. 04108/458000, www.shark-helmets.com

Preis: 199,95 Euro (Dekor 219,95 bis 249,95 Euro)

Größen: XS bis XL

Gewicht: 1490 ± 50/1532 Gramm (Herstellerangabe/XL gewogen)

Farben: Schwarz, Silber; vier Dekore in div. Farbkombinationen; zweifarbige und nachleuchtende Ausführungen

Helmschale: Polycarbonat

Verschluß: Ratsche

Herstellungsland: Portugal; ECE-Prüfz.: E 11 (Großbritannien)

Ersatzvisiere: klar/getönt/verspiegelt 57,95/57,95/68,95 Euro

Ausstattung: Atemluftabweiser, Windabweiser am Kinn, Antibeschlag-Visier, Sonnen-blende, Wangenpolster und Futter herausnehmbar, Helmbeutel

Plus:
Bequemes Auf- und Absetzen; sater, gleichmäßiger Sitz, nichts drückt - gelungene Passform; verwindungssteifes Visier mit strammer Rastung; sehr einfacher Visierwechsel, gute Brillentauglichkeit; gute Ausstattung und Verarbeitung.

Minus:
Ab 100 km/h etwas lauter als die besseren Modelle, ab 120 km/h leichte Unruhe beim Schulterblick; Belüftungsschieber zu klein und ohne Funktion; etwas Zugluft von unten; Visier-Belüftungsstellung zu weit; Belüftungsschieber viel zu klein und ohne Funktion.

Fazit:
Sitzt knackig, wirkt sehr wertig, ist gut ausgestattet. Fahrer mit Mike-Krüger-Nase sollten aber unbedingt vor dem Kauf die integrierte Sonnenblende ausprobieren. Das Teil funktioniert mit der Dynamik einer Guillotine. Normalrüssler stört allenfalls das etwas höhere Geräuschniveau.

MOTORRAD-Urteil: Gut
Foto: mps-Fotostudio

Uvex Boss 525

Anbieter: Uvex, Tel. 0911/97740, www.uvex-sports.de

Preis: 229,95 Euro (Dekor 249,95)

Größen: XS bis XXL

Gewicht: 1350 ± 50/1412 Gramm (Herstellerangabe/XL gewogen)

Farben: Schwarz; Weiß/Schwarz-, Weiß/Rot-, Weiß/Blau-, Schwarz/Anthrazit-Dekor

Helmschale: ABS

Verschluß: Ratsche, einteilig

Herstellungsland: Deutschland; ECE-Prüfz.: E 1 (Deutschland)

Ersatzvisiere: klar/getönt/verspiegelt 59,95/59,95/69,95 Euro

Ausstattung: Windabweiser am Kinn, Antibeschlag-Visier, Wangenpolster und Futter herausnehmbar, Helmbeutel

Plus:
Kinnriemen gut gepolstert und einfach zu bedienen; gute Aerodynamik; niedriges Geräuschniveau; angenehmes Futter; absolut dichtes und beschlagfreies Visier; große Belüftungsschieber.

Minus:
Größenangaben stimmen nicht, fällt viel zu klein aus; Auf- und Absetzen erschwert, da die Helmschale nicht an Kinnriemen auseinandergezogen werden kann; zu üppige Wangenpolsterung drückt das Gesicht zusammen; Visier öffnet nicht weit genug, Belüftungsstellung zu weit; relativ viel Zugluft von unten, im Augenbereich leicht zugig; nicht brillentauglich.

Fazit:
Man liebt oder man hasst den Boss. Der "dauergeschlossene" Kinnriemen und die üppige Polsterung machen das Auf- und Absetzten zur Qual, doch wer sich daran gewöhnt hat (was nicht jedem gelingen wird), freut sich besonders bei hohem Tempo über den leisen und aerodynamisch gelungenen Helm.

MOTORRAD-Urteil: Befriedigend
Foto: mps-Fotostudio

Vemar Vssev Midas

Anbieter: TWS, Tel. 07432/220595, www.vemarhelmets.com

Preis: 189 Euro

Größen: XXS bis XL;

Gewicht: 1450 ± 50/1496 Gramm (Herstellerangabe/XL gewogen);

Farben: Schwarzmetallic, Mattschwarz;Weiß-, Schwarz-, Silber-, Grün-, Orange-Dekor

Helmschale: Fiberglas

Verschluß: Ratsche

Herstellungsland: China; ECE-Prüfzeichen: E 3 (Italien)

Ersatzvisiere: klar/getönt/verspiegelt 46/46/46 Euro

Ausstattung: Atemluftabweiser, Antibeschlag-Visier, Wangenpolster und Futter herausnehmbar, Helmbeutel

Plus:
Helmschloss gut zu bedienen; befriedigende Aerodynamik; Visier schließt gut ab; akzeptables Geräuschniveau; ordentliche Lackierung; faire Preisgestaltung (Einheitspreise für Dekore und Visiere).

Minus:
Unbequemes Auf- und Absetzen; sehr unbefriedigende Passform, überall "zu kurz" (Kinnteil, unterer Abschluss); Futter unangenehm glitschig; Kinnriemen-Polsterung zu kurz; Visier-Belüftungsstellung zu weit; Belüftungsschieber ohne Funktion; Zugluft von unten und auch leicht über den Augen; stark eingeschränkte Brillentauglichkeit; Visierwechsel nur mit Werkzeug möglich (Schlüssel liegt bei); eher magere Ausstattung.

Fazit:
Vor 30 Jahren wäre das ein durchaus ordentlicher Helm gewesen, aber die massiven Passform-Schwächen sorgen dafür, dass der chinesische Italiener nicht mehr zeitgemäß ist. Drei von vier Testern wählten den Vemar zum klaren Test-Verlierer, aber vielleicht gibt es da draußen doch den Kopf, der passt.

MOTORRAD-Urteil: Ausreichend
Zeichnung: Archiv

Fazit

So wünscht sich das der Helmtester: klare Ergebnisse und ein weit gespreiztes Testfeld. Die beiden HJC-Modelle bilden zusammen mit dem Nolan das Spitzentrio. Shark, Marushin und Nexo stellen mit klarem Abstand das gute, ebenfalls kaufwürdige Mittelfeld. Dahinter wird die Luft schon mächtig dünn, aber wenn (Sonderangebots-)Preis und vor allem die Passform auf dem eigenem Kopf stimmen, kann auch einer der fünf am Testfeldende platzierten Helme zum ganz privaten Favoriten werden, denn einen Totalausfall gibt es nicht zu beklagen. Speziell der Uvex hat eine Anprobe-Chance verdient.

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