Produkttest: Schuberth C3

Klappe, die Nächste

In Zusammenarbeit mit ihrem Cheftester Michael Schumacher hat Schuberth den Klapphelm C3 entwickelt. MOTORRAD unterzog den Neuen bereits einem ersten großen Praxis- und Labortest.

Foto: mps-Fotostudio
Den C3 gibt es in zwei Schalengrößen und sechs Farben.
Den C3 gibt es in zwei Schalengrößen und sechs Farben.
Über 500000-mal wurden die Vorgänger des C3, Concept und C2, europaweit verkauft. Ein beachtlicher Erfolg, an den das neue Modell nun anknüpfen soll. Insgesamt verfügt der C3 über eine ganze Menge Neuerungen, die MOTORRAD in Anlehnung an die Kriterien aus vorangegangenen Helmtests in einem ersten großen Einzeltest überprüft hat.

Stoßdämpfung/Sicherheit: In enger Anlehnung an die aktuell gültige ECE R 22.05-Norm führte der TÜV Rheinland in Köln im Beisein von MOTORRAD auf dem Fallprüfstand die Stoßdämpfungsmessungen mit dem C3 durch. Wie bereits beim letzten großen Klapphelmtest in MOTORRAD 6/2007 prüften die Experten den C3 im Temperaturbereich von minus 20 Grad Celsius mit dem vorgeschriebenen flachen Amboss. Der Wert für die Beschleunigung darf dabei 275 g nicht überschreiten, der daraus abgeleitete HIC-Wert (Maß für die zu erwartenden Schädel-Hirn-Verletzungen) maximal 2400 betragen. In allen sechs vorgeschriebenen Aufschlagpunkten liegt der Schuberth deutlich im "grünen Bereich".

Passform: Die Helmschale liegt gleichmäßig am Kopf an, schließt im unteren Bereich sauber ab und überzeugt außerdem durch eine großflächige Führung im Wangenbereich. Erst nach mehrstündiger Testfahrt waren ganz leichte Druckstellen am Hinterkopf und an der Stirn zu spüren.

Handhabung: Endlich ist sie da – die zentrale Kinnteilbedienung. Bei den Vorgängern noch seitlich am Helm angeordnet und bei aufgesetztem Helm kaum zu finden, überzeugt die mittig im Kinnteil sitzende Schiebetaste. Obwohl sie recht klein ausfällt, lässt sie sich mit Handschuhen exakt bedienen. Ähnliches gilt für den praktischen Ratschen-Verschluss des Kinnriemens. Auf- und Absetzen des C3 klappt nur mit geöffnetem Kinnteil, dafür aber ohne "heiße Ohren".

Aerodynamik und Akustik: Selbst bei gefahrenen Test-Geschwindigkeiten um 200 km/h liegt der Helm absolut neutral im Wind und überrascht mit auffallend niedrigen Nackenkräften – sogar beim Kopfdrehen. Das Geräuschniveau ist für einen Klapphelm einzigartig niedrig.
Anzeige
Foto: Hertneck
Schuberth arbeitete mit Cheftester Michael Schumacher zusammen am C3 Klapphelm.
Schuberth arbeitete mit Cheftester Michael Schumacher zusammen am C3 Klapphelm.
Belüftung und Tastenbedienung: Auch in diesem Kriterium gibt es wenig zu meckern. Die Kopfbelüftung liegt zwar nicht ganz auf dem Niveau der Schuberth-Integralhelme S1 oder R1, bei Klapphelmen sind die Belüftungsqualitäten des C3 jedoch unerreicht.

Visier: Die unter diesem Oberbegriff zusammengefassten Kriterien gehören zur Paradedisziplin des Schuberth. Der werkzeuglose Visierwechsel funktioniert nach ein wenig Übung wie von selbst, Bedienung und neuerdings eine Arretierung überzeugen ebenfalls. Außerdem sorgt eine Pinlock-Scheibe für Beschlagfreiheit, diese schränkt jedoch das Sichtfeld ein wenig ein.

Brilleneignung: ein entscheidendes Kriterium für den Kauf eines Klapphelms. Beim C3 flutschen die Bügel nahezu perfekt hinter die Ohren. Auch kann er mit ein wenig Übung bei aufgesetzter Brille auf- und abgesetzt werden Verarbeitung: Außer einem etwas großen Spaltmaß zwischen beweglichem Kinnteil und Helmschale gibt’s rein gar nichts auszusetzen. Qualität auf höchstem Niveau.

Gewicht: In Größe L (58/59) bringt der C3 nach MOTORRAD-Messungen lediglich 1526 Gramm auf die Waage – für einen Klapphelm mit integrierter Sonnenblende ist das sensationell wenig.

Fazit: Saubere Arbeit, lieber Michael Schumacher. Offensichtlich hat Schuberth viele Anregungen, die im April 2005 auf der Ferrari-Serviette festgehalten wurden, umgesetzt. Der neue C3 ist wesentlich moderner, kompakter und noch praxisgerechter als seine Vorgänger. Aerodynamik, Akustik und Gewicht suchen im Klapphelmsegment ihresgleichen – der Kaufpreis allerdings ebenso.

Fazit

Foto: mps-Fotostudio
Der Schubert C3 hat seine Klappe gerne weit offen.
Der Schubert C3 hat seine Klappe gerne weit offen.
Plus
+ Gute Passform, straffer Sitz
+ sehr kuschelig
+ leichtgängiges Kinnteil
+ funktionelle Belüftung
+ top Aerodynamik
+ angenehm leise
+ zugfrei, Visier beschlagfrei
+ Sonnenblende
+ gute Stoßdämpfung

Minus
- Pinlock-Scheibe schränkt Sichtfeld ein
- Belüftungsschieber nicht beschriftet
- große Spaltmaße

Fazit
Der aktuell sicherlich leiseste Klapphelm auf dem Markt, der nicht nur mit sehr guter Belüftung, praxisgerechter Handhabung und tollen Stoßdämpfungswerten überzeugt, sondern auch perfekt im Wind liegt und vergleichsweise leicht ausfällt. Den C3 gibt es in sechs unterschiedlichen Farbstellungen. Einziger Wermutstropfen: der happige Preis.

Die Mitbewerber

Um den Titel "bester Klapphelm" streiten sich mehrere Modelle. Neben dem C3 stellen wir hier die drei aussichtsreichsten Kandidaten aus den letzten Helmtests von MOTORRAD vor.
Foto: mps-Fotostudio
Der Shoei Multitec verdiente sich beim MOTORRAD-Test ein
Der Shoei Multitec verdiente sich beim MOTORRAD-Test ein "Sehr gut".
BMW Systemhelm 5
Glänzt durch hochwertige Verarbeitung, tolle Passform und kuscheligen Innenraum, ist angenehm leise und besitzt eine gut spürbare Belüftung, deren Bedientasten jedoch haken. Verfügt über einen klasse Kinnteilverschluss, hatte im Test (MOTORRAD 6/2007) aber Schwächen bei der Stoßdämpfung.

Anbieter: BMW Motorrad, Telefon 0180/5001972, www.bmw-motorrad.de
Preis: ab 450 Euro

Urteil: gut


Nolan N 103
Nachfolger des N 102, der mit einem dritten Platz im Test 2007 aufgrund des guten Preis-Leistungs-Verhältnisses Kauftipp war. Der N 103 besitzt eine integrierte Sonnenblende. In einem ausgiebigen Praxistest ohne Laborprüfung (MOTORRAD 16/2008) konnte er bis auf wenige Abstriche überzeugen.

Anbieter: Nolangroup Deutschland, Telefon 07159/93160, www.nolangroup.de
Preis: ab 329,95 Euro

Urteil: gut


Shoei Multitec
Testsieger im 2007er-Klapphelmtest. Sehr kompakt gebaut, ähnelt eher einem sportlichen Integralhelm. Sammelt vor allem bei Passform, Belüftung, Aerodynamik, Visier, Brilleneignung und Verarbeitung Punkte. Dürfte unterm Strich der härteste Konkurrent des C3 sein.

Anbieter: Shoei Europa, Telefon 0211/1754360, www.shoei-europe.com.
Preis: ab 419 Euro

Urteil: sehr gut

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote