Vergleichstest Sporthelme der Oberklasse Bestens geschützt mit dem richtigen Sporthelm

Dem vorderen Racer tut’s gleich mächtig weh. Der hintere hat mehr Glück. Für glimpfliche Kopflandungen empfiehlt PS einen sicheren Schutz. Im Vergleichstest: 13 sportliche Motorradhelme der Oberliga.

Foto: 2snap

Bamm, kaputt! Nächster Helm. Langsam fährt die Vorrichtung einige Meter senkrecht nach oben und rauscht – zack! – wieder herunter. Der Aufschlag erfolgt auf massives Metall, auch diese Mütze ist hinüber. Was nach fröhlichem Helm-Bashing klingt, hat Methode. Wir sind im Prüflabor des TÜV Rheinland in Köln, Schlagdämpfungs-Test. 13 Kandidaten durchlaufen unter anderem diese Übung, bei der fabrikneues Material im Wert von mehreren Tausend Euro das Zeitliche ­segnet. Sie ist Teil des großen Sporthelm-Vergleichtests und liefert wichtige Ergebnisse.

Vor dem Test stand erst einmal reger E-Mail-Verkehr: Motorradhelme bestellen, Fragenkatalog schicken, Ablauf organisieren. Trotz aller Bemühungen, alle 19 Helm-Hersteller/Importeure ins Boot zu holen, traten drei nicht an: Bell, Blauer und Vemar. Drei weitere (AGV, Scorpion und Suomy) bringen ihre neuen Sporthüte erst etwas später auf den Markt, ein Nachtest ist fest eingeplant. Die Nachzügler durchlaufen dabei dieselbe Prozedur wie die schon heute verfügbaren Motorradhelme.

Zwei von ihnen waren bereits 2012 dabei und mischen dieses Jahr unverändert mit: Schuberth SR1 und Shoei X-Spirit II. Die anderen Hersteller schickten entweder ein anderes Modell (Lazer) oder haben ihr letztjähriges Produkt modifiziert. ­Näheres dazu steht beim jeweiligen Motorradhelm. Bemerkenswert: Die Preisspanne der Helme liegt zwischen 200 Euro (LS2) und rund 850 Euro (Arai).

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Schlagdämpfung

Der PS-Helmtest beim TÜV Rheinland.
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Foto: Volkmar Jacob

Die Schlagprüfung ist eines von zwei Hauptkriterien. Logo, solange man nicht abfliegt, kann einem die Absorption von Kräften egal sein. Prinzipiell genügt dann ein simpler Wetterschutz, im Sommer tut’s gar eine Sonnenbrille zur Abwehr feindlicher ­Mücken. Doch was, wenn es einen doch mal vom Bike zieht? Dann braucht man natürlich größtmöglichen Schutz. Hier herrschen mitunter große Unterschiede zwischen den einzelnen Motorradhelmen. Beim Seitenschlag mit 5,5 m/s liegen die Abweichungen zwischen dem Besten (Marushin) und dem Nachzügler in dieser Disziplin (Kabuto) bei rund 72 Prozent.

In dieser Hinsicht gibt’s für einige Helm-Hersteller also noch viel zu tun. Experten sagen gar, dass das Potenzial selbst bei den Besten noch lange nicht ausgeschöpft ist. Aus diesem Grund sind wir bei der Bewertung recht streng, kein Topf holt bei der Schlagdämpfung die maximalen Zähler. Der Klassenprimus unter den sportlichen Motorradhelmen heißt Marushin und bekommt dafür 24 von 30 möglichen Punkten.

Handhabung und Bedienung

Bei diesem Kriterium achten wir auf die Bedienbarkeit der Helm-Mechanik. Wie einfach lässt sich die Belüftung öffnen und schließen? Wie simpel das Visier ver­riegeln und wieder öffnen? Wie leicht geht ein Visierwechsel vonstatten? Lassen sich Atem- und Windschutz leicht an- und abnehmen? Wie kompliziert ist es, die Polster zum Waschen aus dem Motorradhelm heraus­zunehmen?

Auch hier herrschen teils große Unterschiede zwischen den Modellen. Bei den meisten Motorradhelmen funktioniert ein Visierwechsel völlig problemlos, bei einigen fummelt man sich dagegen den Wolf. Ähnliches gilt für die Arretierung des Visiers im geschlossenen Zustand. Das Kapitel Handhabung/­Bedienung gewinnt der HJC und ergattert 19 von 20 möglichen Punkten. Das Schlusslicht der Wertung bildet der Airoh mit zehn Zählern.

Foto: Volkmar Jacob

Belüftung

Ein wichtiges Ausstattungsmerkmal ist die Belüftung. Speziell bei schweißtreibenden Aktionen wie dem Kringeln auf der Piste lechzt der Pilot nach jeder frischen Brise. Bei der Kinnbelüftung enttäuschen jedoch fast alle Motorradhelme. Meist dringt gar nichts durch die Öffnungen, in zwei Fällen nur ein kaum wahrnehmbares Lüftchen.

Einzige Ausnahme bildet der Shark, der einen spürbaren Luftstrom ins Helminnere führt. Etwas besser sieht’s bei der Versorgung der Stirn und des Oberkopfs aus. Zehn Helme leiten mehr oder weniger erfrischendes Gut an den Denkapparat. Die Nachzügler: Lazer und Premier. Sie fallen mit jeweils einem Punkt durch die Übung, Marushin mit deren zwei.

Sichtfeld

Aufrecht sitzend bieten alle Murmeln ein ausreichendes Sichtfeld. Beim einen oder anderen sieht man zwar den Rand des Beschlagschutzes Pinlock etwas (dazu später mehr), doch wirklich störend ist das nie.

Größere Unterschiede bestehen aber in Rennhaltung. Hier kann nur der Arai überzeugen, der zwischen Pinlock-Kante und oberem Visierabschluss ein kleines Sichtfenster freilässt. Bei allen anderen erschwert eine mehr oder weniger große kante den Blick aus dem Motorradhelm. Auch hier sollten die Hersteller nachbessern.

Foto: Volkmar Jacob

Passform/Trageverhalten

Von der passiven zur aktiven Sicherheit. Dazu zählt auch der Tragekomfort, das zweite Hauptkriterium. Denn was nützt die sicherste Mütze, wenn sie unbequem ist? Nix! Top Helme erkennt man beim Aufsetzen blind. Sie bieten selbst unterschiedlichsten Kopfformen meist einen hervorragenden, passgenauen und definierten Sitz. Dazu fühlt sich das Polster angenehm an und drückt an keiner Stelle. Erfreulicherweise überzeugen in dieser Hinsicht die meisten Motorradhelme. Falls doch mal was zwickt oder zwackt, liefern gute Marken Innenpolster in unterschiedlichen Größen. Wichtig: Beim Kauf unbedingt auf Passgenauigkeit achten. Die Erfahrung lehrt, dass nach einiger Zeit selbst geringste Druckstellen heftiges Kopfweh verursachen können.

Gute Händler erlauben ihren Kunden daher ausgiebige Probefahrten, die nicht unter 45 Minuten ablaufen sollten. Sportfahrer prüfen bei dieser Gelegenheit, ob ihr Kombi-Höcker den Helm in Rennhaltung nach vorn schiebt. Beim späteren Kreiseln ist ein verrutschender Motorradhelm ­extrem nervig – und gefährlich. Glücklicherweise fiel uns bei den Testkandidaten diesbezüglich nichts negativ auf.

Weiterhin sollten Interessenten checken, wie leicht sich ein Hut auf- und absetzen lässt. Mehrfaches Probieren hintereinander entlarvt enge Ein- und Ausstiege, die beim ersten Überstülpen nicht immer gleich erkannt werden. Thema Brillentauglichkeit: Hierzu können wir leider keine allgemeingültigen Empfehlungen geben. Grund: Bei den geprüften Helmgrößen „M“ und „L“ kam es bei den Testern teilweise zu widersprüchlichen Aussagen. Bei einem flutschte die Brille problemlos in den Helm, während sie ein anderer erst gar nicht oder nur sehr schwierig aufsetzen konnte. Hier hilft nur, den Wunschhelm selbst auf Brillentauglichkeit zu checken. Unterm Strich gewinnt beim Kapitel Tragekomfort Arai knapp vor X-Lite und BMW. Die rote Laterne trägt der Kabuto.

Aerodynamik

Wie ruhig liegt ein Helm im Wind? Wie viel Widerstand setzt er frontal und seitlich anströmender Luft entgegen? Um das herauszufinden, schnappten wir und die 13 Motorradhelme und zwei unterschiedliche Mopeds: eins mit Vollverkleidung (Honda CBR 600 F), das andere nackt (Honda NC 700 S).

Mit der Vollverkleideten brannten wir mit rund 200 Sachen über die Bahn. Bei dem Naked Bike schraubten wir zuerst die kleine Verkleidungsscheibe ab und checkten dann die Aerodynamik der Motorradhelme bei Tempo 170. Ergebnis: Airoh und Lazer teilen sich den Lorbeer in dieser Disziplin mit jeweils maximaler Punktzahl, danach folgt ein breites Mittelfeld. Ausreißer nach unten gibt’s keine.

Foto: fact

Geräuschentwicklung

Stille ist etwas Schönes. Das gilt vor allem bei tosendem Wind auf dem Bock. Volle Zähler kassiert hier nur der Shark, dicht gefolgt von Arai, BMW, Schuberth und Shoei.

Obwohl die Motorradhelme angenehm ruhig sind, kommt man bei längerem Vollgas-Braten an Ohrenstöpseln nicht vorbei. Gehör-Einsätze empfehlen wir auch bei niedrigeren Geschwindigkeiten dringend für den Airoh und den Kabuto, die sich als wahre Krachmacher entpuppten.

Gewicht

Bereits einen Gewichtsunterschied von 100 Gramm spüren Piloten deutlich. Zwar gewöhnt man sich mit der Zeit auch an schwere Motorradhelme, doch grundsätzlich gilt: je leichter desto angenehmer. Ein wahres Fliegengewicht ist der Marushin mit rekordverdächtigen 1130 Gramm. Am Tabellenende rangiert der Arai, der satte 1600 Gramm auf die Waage bringt (jeweils Größe M).

Foto: fact

Beschlagneigung

Zehn der 13 Kandidaten verfügen über ein Pinlock-System. Dabei handelt es sich um eine mit Silikon umrandete Folie, die von innen an das Visier angebracht wird. Eine Luftschicht zwischen Folie und Visier verhindert ein Beschlagen sehr effektiv. Lediglich LS2, Shark und Marushin verzichten auf das System. Die beiden Erstgenannten beschlagen zwar recht spät, an das Pinlock reichen sie jedoch bei ­weitem nicht heran. Der Motorradhelm von Marushin beschlägt bereits nach wenigen heftigen Atemzügen.

Ausstattung und Verarbeitung

Lässt sich das Visier feinstufig öffnen oder hat es nur wenige Positionen? Kann es arretiert werden? Punkte gibt’s auch für eine Not-Entriegelung der Wangenpolster. Sie ermöglicht Helfern im Ernstfall die Polster bei aufgesetztem Motorradhelm mit wenigen Handgriffen herauszunehmen. Das erleichtert das Abziehen er­heblich. Nur Airoh, Arai und Shoei ­bieten ein solches System. Bei der Verarbeitung bestehen teils deutliche Unterschiede zwischen Top-Helmen und den einfacheren Exemplaren. Hier nicht an der falschen Stelle sparen! Schließlich soll einem die Mütze nicht gleich um die Ohren fliegen. Vor allem nicht mit einem Bamm!

Foto: fact

Schlagdämpfung und Labortest

Für einheitliche Sicherheits-Standards haben die zuständigen Behörden vor vielen Jahren eine allgemeingültige Prüfnorm festgelegt. Momentan gilt die ECE-R 22.05, die ihren Namen der letzten Korrektur im Februar 2002 verdankt. Das ist lange her. Außerdem schreibt sie noch immer so unsinnige Dinge vor wie beispielsweise einen Schlagdämpfungs-Test mit auf minus 20 Grad herunter-gekühlten Motorradhelmen. Darüber hinaus sieht die ECE-R 22.05 auch einen Schlag auf einen flachen Amboss vor, was Experten für praxisfremd halten.

Daher haben die Kollegen von MOTORRAD zusammen mit den Spezialisten Peter Schaudt vom TÜV Rheinland und dem Unfallforscher Florian Schueler 2009 ein anderes Prüfverfahren entwickelt, nach dem auch PS testet. Das Verfahren sieht einen Schlagtest bei Raumtemperatur vor. Außerdem kommt statt des flachen Ambosses ein Leitplankenpfosten („Sigma-Pfosten“) zum Einsatz. Auf einheitlich ausgerichtete Motorradhelme markieren die Prüfer Punkte, auf die der Helm später auf den Pfosten donnert – je einmal links und rechts.

Für die rechte Seite wird der Motorradhelm auf 7,5 m/s beschleunigt, was exakt 27 km/h entspricht. Auf der linken Seite liegen 5,5 m/s (rund 20 km/h) an. Der mit Mess-Elektronik ausgestattete Norm-Dummy zeichnet die Daten auf.

Um zwei Werte geht es: Beschleunigung „g“ und „Head Injury Criterion“ (HIC). Letztgenannter berücksichtigt außer der reinen Aufprallenergie auch die Dauer der Krafteinwirkung. „Der HIC gilt nicht als bio-mechanisches Schutzkriterium, sondern dient lediglich der Vergleichbarkeit“, sagt Schueler. Für den Test addierten wir jeweils getrennt sowohl die g- als auch die HIC-Werte und verteilen Zähler nach einem Punkteschlüssel. Nicht in die Bewertung fließt ein Kinnschlag auf den Kantenamboss ein. Grund: Die Kräfte nimmt nicht nur der Motorradhelm selbst auf, sondern auch der Kinnriemen. Dort misst der Prüfkopf aber nicht und so lassen sich die Messungen nicht vergleichen. Zur Orientierung haben wir die Werte dennoch notiert.

Die Schlagdämpfung mit dem Sigma-Pfosten ist umstritten. Denn das Teil hat zwei Kanten, auf die der Motorradhelm trotz größter Sorgfalt bei der Ausrichtung nacheinander und nicht gleichzeitig aufschlägt. Dadurch könnten die Messwerte verfälscht werden. Darüber wird in Fachkreisen momentan heiß diskutiert. Die Erfahrung zeigt aber, dass in Vergleichstests immer die gleichen Kandidaten gut oder eben weniger gut abschneiden. Übrigens: Laut Unfallforscher Florian Schueler ist für ­einen behelmten Kopf nicht der Aufprall auf einen festen Gegenstand wie zum Beispiel eine Mauer der Worst-Case. Schlimmere Hirnverletzungen entstehen, wenn der Kopf auf einen luftgefüllten Reifen stößt. Grund ist der gefürchtete Rückstoß-Effekt („Rebound“).

Laut und radikal - der Sporthelm-Vergleichstest von PS.
Foto: fact

Sharp-Prüfverfahren

Motorradhelme, die in Deutschland im Laden liegen, sind in der Regel nach ECE-Norm geprüft und homologiert – sonst gibt es keine E-Nummer und der Helm ist im Straßenverkehr nicht zugelassen. Das gilt auch für die Helme im PS-Test. Daneben gibt es noch ein zweites Helmsiegel, das vor allem in Großbritannien verbreitet ist: Das „Safety Helmet Assessment and Rating Program“, kurz SHARP. Seit 2007 erteilt ein nach eigenen Angaben unabhängiges Institut in Manchester das Prüfzeichen in Zusammenarbeit mit dem britischen Verkehrsministerium.

Der größte Unterschied zum ECE-Zertifikat ist, dass bei SHARP zwischen null und fünf Sterne vergeben werden. Die getesteten Motorradhelme werden also nicht nur für tauglich oder untauglich befunden, sondern auch qualitativ eingestuft. So will man „Motorradfahrern eine unabhängige und objektive Entscheidungshilfe“ bieten und „die unterschiedliche Sicherheits-Performance“ der getesteten Helme aufdecken, wie es auf der SHARP-Webseite heißt.

Schlag- und Rutschtests sollen zudem einen realen Unfallvorgang besser nachstellen. Anders als bei der ECE-Norm werden mehrere unterschiedliche Folgeschläge auf den Motorradhelm abgegeben und der Abrieb auf Asphalt simuliert. Die Vergabe von Sternen hat sich SHARP offensichtlich bei der europäischen Crashtest-Wertung für Neuwagen abgeschaut. Anders als dort ist bei SHARP aber unklar, wie die Sterne-­Wertung genau zustande kommt. Kritiker werfen dem Programm daher vor, unrealistische Ergebnisse zu liefern. Material-Forscher der Universität Birmingham haben sich das Verfahren im Rahmen einer Studie genauer angesehen, mit vernichtendem Ergebnis: SHARP basiert demnach „auf einem unseriösen Mechanik-Modell“ und den verwendeten Aufprall-Tests liegt eine „Miss-Interpretation“ der Unfallstatis­tiken zugrunde. Daher sei es um 300 Prozent wahrscheinlicher als in der Realität, dass in der SHARP-Simulation eine tödliche Verletzung berechnet wird. Juristisch betrachtet ist das Siegel ohnehin ohne Wert: In der EU zählt alleine die ECE-Zertifizierung.

Foto: mps-Fotostudio

Airoh GP 500 Drive

Kontakt
Jopa Racing Products,
7468 DJ-Enter (NL),
Tel. 00 31/5 47 38 27 17
www.jopa.nl

Preis
ab 479,95 Euro

Gewicht
1260 g (M)

Größen
XS–XL

Herstellungsland
Italien

Material Außenschale
Karbon-Kevlar

Ein Motorradhelm der Extreme und Gegensätze. Auf der Habenseite stehen Tragekomfort, Passform, Gewicht und Aerodynamik. Bei der Geräuschentwicklung bildet er dagegen das Schlusslicht. Das rührt auch daher, dass sich der Windschutz auf der Unterseite des Kinns nicht anbringen ließ.

Auch beim Schlagdämpfungs-Test und dem Kapitel Hand­habung/Bedienung überzeugt der GP 500 weniger: Visier mit nur drei Rastern, fummelige Wechselmechanik, Visierverriegelung schwer bedienbar, zu kleine Stirnbelüftungs-Schieber. Macht unterm Strich Rang elf für den Italiener.

PS-Urteil: gut-befriedigend

Foto: mps-Fotostudio

Arai RX-7 GP

Kontakt
Jopa Racing Products,
7468 DJ-Enter (NL),
Tel. 00 31/5 47 38 27 17
www.jopa.nl

Preis
ab 479,95 Euro

Gewicht
1260 g (M)

Größen
XS–XL

Herstellungsland
Italien

Material Außenschale
Karbon-Kevlar

Der teuerste und schwerste Motorradhelm liefert nur mäßige Schlagdämpfungswerte. Mit ein Grund ist die Philosophie einer harten Außenschale, die ein Durchdringen von Gegenständen verhindern soll. Einer besseren Platzierung stehen zudem die kleinen Bedienknöpfe der Belüftung und der etwas gewöhnungsbedürftige Visierwechsel entgegen.

Außerdem verbesserungswürdig: Kinnbelüftung und die eher punktuelle Luftzufuhr am Oberkopf. Ansonsten überzeugt der RX-7 GP auf der ganzen Linie, vor allem bei den Kapiteln Passform/Trageverhalten und Sichtfeld ist er spitze: Platz fünf.

PS-Urteil: gut

Foto: mps-Fotostudio

BMW Race

Kontakt
BMW Motorrad,
80809 München,
Tel. 0 89/1 25 01 62 00
www.bmw-motorrad.de

Preis
580 Euro

Gewicht
1480 g (M)

Größen
52–63

Herstellungsland
Spanien

Material Außenschale
GFK, Kohlefaser-verstärkt

Der Newcomer 2013 belegt bei seinem Einstand gleich einen Platz unter den Top Five. Bis auf einen etwas engen Ein- und Ausstieg glänzt er vor allem mit einer superben Passform und dem hohen Tragekomfort. Bei den sonstigen Kriterien punktet der Motorradhelm von BMW fleißig, setzt aber nirgends eine Bestmarke. Etwas mehr hätten wir von den Schlagdämpfungswerten erwartet – hier landet er nur im Mittelfeld.

Kleine Unzulänglichkeit: Die Pinlock-Stifte des Visiers streifen beim Öffnen/Schließen an der Gummidichtung. Und die untere Belüftung leitet den Luftstrom statt ans Kinn nach oben zur Stirn.

PS-Urteil: gut

Foto: mps-Fotostudio

HJC R-PHA 10 Plus

Kontakt
HJC Deutschland,
41468 Neuss,
Tel. 0 21 31/5 23 56 15
www.hjc-germany.com

Preis
ab 369,99 Euro

Gewicht
1360 g (M)

Größen
XXS–XXL

Herstellungsland
Südkorea

Material Außenschale
GFK/Karbon-Kevlar-Verbund

Für 2013 wurde der R-PHA überarbeitet und trägt nun zusätzlich ein „Plus“ im Namen. Obwohl sie modifiziert wurde, leitet die Kinnbelüftung nicht den zartesten Windhauch ins Innere. Auch bei der Schlag-Absorption hat sich nichts getan, der HJC landet hier im hinteren Mittelfeld der getesteten Motorradhelme.

Etwas besser sieht es in den Disziplinen Geräuschentwicklung, Gewicht, Sichtfeld und Aerodynamik aus. Der Tragekomfort und die Passgenauigkeit sind guter Durchschnitt. Die größte Stärke des HJC liegt in der Bedienbarkeit, wo er fast die volle Punktzahl abräumt. Fairer Preis, der bei 370 Euro beginnt.

PS-Urteil: gut - befriedigend

Foto: mps-Fotostudio

Kabuto FF5V

Kontakt
Kabuto Europe,
2491 BR Den Haag (NL),
Tel. 00 31/7 03 20 40 14
www.kabuto-europe.com

Preis
ab 449,90 Euro

Gewicht
1430 g (M)

Größen
XS–XXL

Herstellungsland
China

Material Außenschale
GFK

Der Kabuto FF5V verliert diesen Test. Vor allem bei der Schlagdämpfung lässt er viele Punkte liegen und trägt die rote Laterne. Auch beim Kapitel Passform/Tragekomfort überzeugt der Motorradhelm aus China nicht, weil er an der oberen seitlichen Kopfpartie deutlich drückt. Dazu bietet das Futter wenig Komfort und der Ausstieg ist recht mühsam.

Weiteren Punktabzug gibt’s aufgrund des eingeschränkten Sichtfelds und der recht hohen Geräuschentwicklung. Zudem ist die Kinnbelüftung ohne Funktion, immerhin gelangt genügend Frischluft zum Oberkopf. Größtes Plus: Pinlock-Visier.

PS-Urteil: befriedigend - ausreichend

Foto: mps-Fotostudio

Lazer Osprey Hypersport

Kontakt
Cima Lazer,
86517 Wehringen,
Tel. 0 82 34/90 23 63
www.cima-lazer.de

Preis
ab 289 Euro

Gewicht
1360g (M)

Größen
53–64

Herstellungsland
China

Material Außenschale
Karbon

Letztes Jahr war Lazer noch mit der sportlicheren Mütze Kite Carbon Light dabei, diesmal schickte der Importeur den Osprey Hypersport. Ein Highlight setzt der Lazer bei der Aerodynamik, wo er gemeinsam mit dem Airoh die Spitze markiert. Und bei der Schlagdämpfung erzielt er immerhin die drittbesten Werte.

Mehr als Rang acht in der Endplatzierung ist dennoch nicht drin. Grund: Der Motorradhelm drückt seitlich zwischen Schläfe und Wange etwas, und die komplette Belüftung ist ohne Funktion. Außerdem lässt sich das Visier nicht arretieren und die Sicht ist vor allem in Rennhaltung sehr eingeschränkt.

PS-Urteil: gut - befriedigend

Foto: mps-Fotostudio

LS2 FF 396 CR1 Carbon

Kontakt
LS2 Germany,
26316 Varel,
Tel. 0 44 51/9 60 29 80
www.ls2helmets.com

Preis
ab 199,90 Euro

Gewicht
1340 g (M)

Größen
53–64

Herstellungsland
China

Material Außenschale
Karbon

Ein Karbonhelm für 200 Euro? LS2 macht’s möglich. Allerdings lässt der in China produzierte Pott bei der Verarbeitung einige Federn. Dazu landet er bei der Schlagdämpfungs-Prüfung nur auf dem vorletzten Platz. Weitere Schwächen: nur drei Visierpositionen, hohe Geräuschentwicklung, wirkungslose Kinnbelüftung.

Auch im Kapitel Passform/Tragekomfort kann er nicht voll überzeugen. Zwar lassen sich die Wangenpolster mittels Gummibalg aufblasen, doch die Polster sitzen auch ohne zusätzliche Luft schon recht satt. Größter Vorteil ist zweifelsohne der Preis: ein Motorradhelm für Sparfüchse.

PS-Urteil: befriedigend

Foto: mps-Fotostudio

Marushin 999 RS

Kontakt
Bewa Motorsport,
69427 Mudau,
Tel. 0 62 84/92 09 10
www.bewa-motorsport.de

Preis
ab 279 Euro

Gewicht
1130 g (M)

Größen
53–64

Herstellungsland
China/Japan

Material Außenschale
GFK-Basis

Der Marushin 999 RS ist die Überraschung des Tests: geringstes Gewicht, beste Schlagdämpfungswerte, prima Handhabung, günstiger Preis. Seine Makel: nahezu funktionslose Belüftung, recht hoher Geräuschpegel, etwas kratziges Innenfutter.

Außerdem lässt sich das Visier nicht verriegeln, was den Motorradhelm vor allem für Renneinsätze uninteressant macht. Dazu beschlägt es sehr schnell. Mit nur sechs Punkten Rückstand auf den Zweitplatzierten landet der Topf auf Rang sieben. Belüftung überarbeiten, arretierbares Pinlock-Visier dran, dann mischt er ganz vorne mit.

PS-Urteil: gut

Foto: mps-Fotostudio

Premier Dragon Titanium

Kontakt
Grand Canyon,
49716 Meppen,
Tel. 0 59 31/88 61 63
www.grandcanyonbike.eu

Preis
ab 399 Euro

Gewicht
1390 g (M)

Größen
XS–XXL

Herstellungsland
Italien

Material Außenschale
Karbon-Verbund

Nur Rang zehn für den sehr wertigen italienischen Topf. Die Gründe sind vielfältig. Zum einen drückt das Polster leicht gegen Wangen und seitlichen Oberkopf. Allerdings führt Premier auch andere Polster im Sortiment, möglicherweise schaffen sie Abhilfe.

Fest steht: Bei hohen Geschwindigkeiten in Rennhaltung zieht‘s zum Visier oben rein, außerdem lässt es sich nicht verriegeln. Und die Belüftung ist ohne Funktion. Bei den restlichen Kriterien liegt der Premier im guten Mittelfeld der getesteten Motorradhelme, bei der Schlagdämpfung liefert er gar die fünftbesten Werte. Highlight: sehr hochwertige Verarbeitung.

PS-Urteil: gut - befriedigend

Foto: mps-Fotostudio

Schuberth SR1

Kontakt
Schuberth Holding,
39126 Magdeburg,
Kontakt über Fachhandel
www.schuberth.com

Preis
ab 649 Euro

Gewicht
1330 g (M)

Größen
52–63

Herstellungsland
Deutschland

Material Außenschale
GFK, verstärkt mit Kohlefaser

PS-Teststieger

Erneuter Testsieg nach 2012! Obwohl er nur bei der Beschlagneigung die maximalen Zähler holt, punktet sich der Schuberth SR1 fleißig durch die Bewertungstabelle. Zweifels­ohne ist er der ausgewogenste Motorradhelm des Tests. Für Perfektionisten gibt’s dennoch was zu maunzen: etwas enger Ausstieg, kaum spürbare Kinnbelüftung, in Rennhaltung eingeschränktes Sichtfeld.

Außerdem lässt sich der untere Kinnbelüftungs-Hebel kaum bedienen, wenn der Windschutz aufgesteckt ist. Und trotz der zweitbesten Schlagwerte lässt sich hier bestimmt auch noch etwas herausholen. Dennoch: Der SR1 ist ein Top-Hut!

PS-Urteil: sehr gut - gut

Foto: mps-Fotostudio

Shark Race-R PRO

Kontakt
Shark Helme Deutschland ,
21224 Rosengarten,
Tel. 0 41 08/45 80 00
www.shark-helmets.com

Preis
ab 529,95 Euro

Gewicht
1550 g (M)

Größen
XS–XL

Herstellungsland
Thailand

Material Außenschale
Karbon-Kevlar

Dank des neuen Innenfutters und der leicht geänderten Passform trägt sich der Helm nun sehr angenehm. Sensible Naturen stören sich lediglich am etwas erschwerten Ausstieg. Bei der Geräuschentwicklung holt der Shark die maximale Punktzahl. Bis auf die winzigen Schieber für die Stirnbelüftung brilliert er auch beim Kapitel Handhabung.

Fragen wirft dagegen die Belüftung auf: sagenhafter Luftstrom am Kinn, und zumindest in Größe M auch am Oberkopf. In Größe L kam dort jedoch nichts an. Der Shark hat leider kein Pinlock-Visier, weshalb er mitunter beschlägt. Macht unterm Strich Platz drei.

PS-Urteil: gut

Foto: mps-Fotostudio

Shoei X-Spirit II

Kontakt
Shoei Distribution,
40595 Düsseldorf,
Tel. 02 11/1 75 43 60
www.shoei.de

Preis
ab 699 Euro

Gewicht
1410 g (M)

Größen
XS–XXL

Herstellungsland
Japan

Material Außenschale
GFK

Die schlechte Nachricht gleich am Anfang: Wie 2012 kann der Shoei auch dieses Jahr beim Schlagtest nicht ganz überzeugen. Die Japaner murren etwas wegen der Prüfmethode, doch die Bedingungen sind für alle gleich. Weiterer Kritikpunkt: uneinheitliche Belüftung. Am Kinn kommt in beiden Größen kein Luftstrom an, am Oberkopf gibt’s nur in Größe L eine frische Brise.

Ansonsten gefällt uns der X-Spirit II sehr gut: Passform, Aerodynamik, Geräuschentwicklung, Ausstattung, Verarbeitung – alles vom Feinsten. Ergibt unterm Strich Rang vier für den Motorradhelm aus Japan.

PS-Urteil: gut

Foto: mps-Fotostudio

X-Lite X-802 R

Kontakt
Nolangroup Deutschland ,
71272 Renningen,
Tel. 0 71 59/9 31 60
www.nolangroup.de

Preis
ab 449,50 Euro

Gewicht
1420 g (M)

Größen
XS–XXL

Herstellungsland
Italien

Material Außenschale
GFK/Karbon-Kevlar

PS-Kauftipp

Wie 2012 landet der X-Lite auf Rang zwei. Die Italiener modifizierten ihr Spitzenmodell bei der Polsterung, außerdem gab‘s eine neue Innenschale. Passform, Tragekomfort, Bedienbarkeit und Verarbeitung gehören zur absoluten Spitze. Zum Testsieger Schuberth fehlen ihm dennoch neun Punkte, sieben davon gehen allein aufs Konto der Schlagwertung. Hier gibt’s also noch Verbesserungs-Potenzial. Dennoch ist der X-802 R eine gute Partie, auch, weil die Italiener für den Motorradhelm einen sehr fairen Tarif aufrufen: Mit rund 450 Euro ist er klar der Günstigste unter den Top-Helmen.

PS-Urteil: gut

Foto: mps-Fotostudio

Bewertung und Urteil

Dem Sportfahrer-Ideal kommt der Schuberth SR1 am nächsten. Er leistet sich nirgends eine echte Schwäche und punktet in den meisten Kriterien sehr fleißig: Testsieg! Mit etwas Abstand folgt der vergleichsweise günstige X-Lite X-802 R – ebenfalls ein Top-Motorradhelm, der allerdings beim Schlagtest etwas den Anschluss an die Besten verliert.

Foto: PS

Nur ein Zähler dahinter landet der überarbeitete und ausgewogene Shark Race-R Pro. Hinter ihm folgt ein breites Mittelfeld, das in einzelnen Disziplinen echte Glanzpunkte setzt. Auf den Plätzen: LS2 FF 396 CR1 Carbon – was für ein Name! – und der Kabuto FF5V. Der LS2 kostet nur 200 Euro, da kann man nicht allzu viel erwarten. Anders verhält es sich beim Kabuto: Bei einem Preis von 450 Euro verlangen potenzielle Kunden einfach mehr.

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