Vergleichstest Klapphelme

Open-Air-Vorstellung

Die Beliebtheit von Klapphelmen steigt ständig, ebenso das Angebot. Für knapp 80 Euro oder stolze 450 Euro ist man dabei. MOTORRAD präsentiert zwölf Kandidaten, die sich in einem aufwendigen Labor- und Praxistest beweisen mussten.

Foto: Bilski
Die Beliebtheit der Klapphelme steigt ständig, ebenso das Angebot. MOTORRAD testet zwölf Helme im Labor und in der Praxis.
Die Beliebtheit der Klapphelme steigt ständig, ebenso das Angebot. MOTORRAD testet zwölf Helme im Labor und in der Praxis.
Nirgendwo sonst werden so viele Klapphelme verkauft wie in Deutschland. Hierzulande lassen sich die Motorradfahrer offenbar besonders gern von praktischen Lösungen überzeugen. Vor allem Brillenträger schätzen das hochklappbare Kinnteil, das das Einfädeln der Bügel erleichtert. Aber auch all jene, die nicht bei jedem kurzen Stop unterwegs (egal, ob Pinkel- oder Vesperpause, Tankunterbrechung oder Brötchen holen beim Bäcker) den Helm absetzen, doch dennoch etwas frische Luft genießen möchten.
Frischluft ist auch das Stichwort für alle, die im Sommer an der Ampel oder im Stau stehen und zum Abkühlen das Kinnteil hochklappen. Sobald wieder gefahren wird, gehört die Kinnlade allerdings geschlossen. Sonst erhöht sich die Verletzungsgefahr immens. Nicht nur wegen des dann ungeschützten Gesichts, sondern vor allem wegen der Gefahr, dass sich die Klappe bei einem Sturz irgendwo verhakt. Bei zugeklapptem Helm ist der Unfallschutz genau so hoch wie bei einem Integralhelm. Auch gelten dieselben Stoßdämpfungsgrenzwerte für die ECE-Homologation.
Deren Überprüfung war eines der vielen Testkriterien, denen MOTORRAD die zwölf Kandidaten von Airoh, Bayard, BMW, Held, HJC, Ixs, Lazer, Nexo, Nolan, Schuberth, Shoei und Vemar unterzog, und zwar beim TÜV Rheinland in Köln (siehe Kasten auf Seite 79). Zur Beurteilung der passiven Sicherheit gehörte außerdem die Ausführung der Kinnteilverriegelung: Billige Plastikschieber taugen weit weniger als massive Metallösen und metallene Verriegelungsmechanismen. Insgesamt entfallen 20 von 100 Punkten auf den Prüfpunkt Stoßdämpfung/Sicherheit. Die weiteren Zähler gab es für nachfolgend aufgeführten Kriterien.
Passform (max. 20 Punkte): Mehrere Tester bewerteten das Trageverhalten der Kandidaten und überprüften sie auf druckstellenfreie Passform, straffen Sitz, vor allem an den Wangen, den Kuschelfaktor des Innenraums sowie die Kinnriemenlage und -polsterung. Den besten Eindruck hinterließ der Shoei. Den Japanern gelingt es bei fast allen ihren Modellen, nahezu perfekt sitzende Helme zu fertigen. Wenig gelungen hingegen die Passform des Held, Nexo und Vemar.
Handhabung (max. 15 Punkte): Wie gut lässt sich das Kinnteil öffnen und schließen, wie funktionell ist die Tastenbedienung? Außerdem zählen die Kinnriemenbedienung sowie der Komfort beim Auf-und Absetzen des Helms zur Handhabung. Volle Punktzahl bekam in diesen Kriterien nur der Nolan.
Aerodynamik und Akustik (max. 10 Punkte): Bei Testfahrten auf der Autobahn bewerteten die MOTORRAD-Tester die Luftwiderstandskräfte bei 150 km/h sowohl bei Geradeausfahrt als auch beim Drehen des Kopfs zum Spurwechsel. Hinzu kam die Bewertung des Geräuschpegels während der Fahrt. Den Titel „Leisester Klapphelm“ darf ganz klar der Schuberth für sich beanspruchen. Dafür entwickelt er etwas höhere Luftwiderstandskräfte als Kandidaten mit kleinerer Außenschale wie beispielsweise Held oder Shoei.
Belüftung und Tastenbedienung (max. 10 Punkte): Ebenfalls im Fahrbetrieb untersuchte MOTORRAD Funktion und Bedienbarkeit der Belüftungseinrichtungen. Auf die in der Praxis besonders wichtige Kopfbelüftung entfielen allein fünf der insgesamt zehn zu vergebenden Punkte. Die restlichen fünf verteilten sich auf die Funktion der Kinn-/Visierbelüftung und die Tastenbedienung. Letztere zeigt erst mit Handschuhen ihr wahres Gesicht. Oft sind die Schieber während der Fahrt kaum zu ertasten oder extrem hakig. Wie es praxisgerecht funktioniert, zeigen HJC, Nolan und Schuberth, wobei der Schuberth außerdem noch zusammen mit BMW die am deutlichsten spürbare Belüftung bietet.
Visier (max. 10 Punkte): Unter diesem Oberbegriff bewertet MOTORRAD die Antibeschlageigenschaften, den Wechsel, die Bedienung, Rastung und Arretiermöglichkeiten des Visiers sowie das Sichtfeld. Darüber hinaus entfallen zwei der zehn möglichen Punkte auf eventuell vorhandene Sonneblenden. In die Helmschale integrierte Modelle bieten Airoh, HJC und Schuberth, eine von außen aufgesteckte Blende der Nolan.
Brilleneigung (max. 5 Punkte): einer der Hauptgründe, weshalb sich viele Motorradfahrer für einen Klapphelm entscheiden. Doch was nutzt es, wenn die Brillenbügel selbst bei geöffnetem Kinnteil nur mit Mühe hinter den Ohren verschwinden. Viel zu enge Platzverhältnisse herrschen in diesem Punkt bei Ixs und Vemar. Problemlos flutschen die Bügel bei BMW, Nolan und Shoei unter den Helm.
Verarbeitung (max. 5 Punkte): Wulstige Nahtstellen am Innenfutter, große Spaltmaße am Kinnteil und wenig passgenaue Kunststoffteile führen zu Abzügen. Wenn sich wie beim Nexo bereits beim ersten Auszippen des Innenfutters die Klebeverbindungen zur Helmschale lösen, hinterlässt das ebenfalls keinen positiven Eindruck. Tadellos verarbeitet präsentieren sich hingegen die Helme von BMW, Schuberth und Shoei. Knapp dahinter rangieren HJC und Nolan.
Gewicht (max. 5 Punkte): bauartbedingt einer der kritischsten Punkte der Klapphelm-Fraktion. Die gesamte Kinnteilmechanik bringt im Vergleich mit Integralhelmen etliche zusätzliche Gramm auf die Waage. Auch die Sonnenblenden bei einigen Modellen erhöhen das Gewicht. Wünschenswert wären Klapphelme unter 1500 Gramm, doch da liegen selbst die leichtesten Testkandidaten Airoh und Shoei noch drüber. Mit über 1800 Gramm sind die Vertreter von Held, HJC, Nexo und Nolan von diesem Ziel weit entfernt.
Fazit: Einige der getesteten Klapphelme sind in puncto Trageverhalten auf Augenhöhe mit vergleichbaren Integral-Modellen. Sie hinken lediglich beim Gewicht noch etwas hinterher. Den besten Gesamteindruck im vorliegenden Test hinterließ der für einen Klapphelm erstaunlich sportliche Shoei-Multitec, gefolgt von Schuberth, Nolan, BMW und HJC – alles Kandidaten, die gleichzeitig zu den teuersten Helmen im Vergleich gehören. Das zeigt deutlich, dass es nicht empfehlenswert ist, beim Klapphelmkauf zu sparen.
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Nexo Tourstar

Nexo Tourstar
Anbieter: Polo Expressversand, Telefon 0211/9796699, www.polo-motorrad.de; Preis: ab 79,95 Euro; Größen: XS bis XL; Farben: Bordeau-Metallic, Schwarz, Silber-Metallic
Plus Angenehm auf- und abzusetzen (auch bei geschlossenem Kinnteil möglich); Kinnbelüftung sehr gut spürbar; sehr guter Visierwechsel
Minus Kinnriemen ungenügend gepolstert; scharfkantiger Öffnungsschieber liegt am Kinn an; Kinnteil öffnen und schließen hakig; Kopfbelüftung nicht spürbar; Zugluft im Gesicht; Visier beschlägt; Bedienleiste am Visier zu klein; für Brillenträger wenig geeignet; mäßig verarbeitet; sehr schwer; Kinnteilverschluss aus Kunststoff
Fazit Zwar besteht der mit Abstand preisgünstigste Testhelm die Stoßdämpfungsprüfung, doch das war’s auch schon weitgehend mit den positiven Eigenschaften. Unbefriedigende Passform, hohes Gewicht und bereits im Neuzustand sich lösende Verklebungen zeugen von mangelnder Verarbeitung

mangelhaft

IXS HX 335

IXS HX 335
Anbieter: Hostettler, Telefon 07631/18040, www.ixs.com; Preis: 259,90 Euro; Größen: XS bis XXL; Farben: Schwarz, Silber, Weiß
Plus Liegt gleichmäßig am Kopf an; Freiraum am Kinn; kuschelig weich; straffer Sitz; Kinnteil leichtgängig zu öffnen und zu schließen; angenehm auf- und abzusetzen (auch mit geschlossenem Kinnteil möglich); relativ leise; Visier beschlagfrei; sehr guter Visierwechsel; gute Stoßdämpfung
Minus Belüftung nicht spürbar; zu klein geratene Pinlock-Doppelscheibe schränkt Sichtfeld ein; für Brillenträger wenig geeignet; Kinnteilverschluss aus Kunststoff
Fazit Nahezu baugleich mit dem FP-60 von Bayard, wartet der Ixs beispielsweise mit einem anderen Innenfutter und einem beschlagfreien Pinlock-Doppelvisier auf, was ihm in der Summe ein besseres Ergebnis beschert
befriedigend

Lazer Grandville GL

Lazer Grandville GL
Anbieter: Büse, Telefon 02471/12690, www.buesemx.co; Preis: 199,95 Euro; Größen: XS bis XL; Farben: Schwarz, Silber; Dekor Silber-Schwarz
Plus Sehr kuschelig; angenehm auf- und abzusetzen; Visier beschlagfrei; gute Brilleneignung; gute Stoßdämpfung; Kinnteilverschluss aus Metall
Minus Druckstelle am Kinnriemen; Kinnteil schlecht zu öffnen, da Kinnteil eng und Drucktaste innen angebracht; Belüftung nicht spürbar, außerdem unpraktische Taste für Visierbelüftung; Visierwechsel nicht ohne Münze oder Werkzeug möglich
Fazit Im Labor überzeugte der Grandville GL mit den besten Stoßdämpfungswerten, in der Praxis sorgen vor allem Mängel in der Handhabung und bei der Belüftung für Punktabzüge. Unzeitgemäß: Das mit einer beschlagfreien Pinlock-Doppelscheibe ausgestattete Visier ist geschraubt
BEFRIEDIGEND

HJC FS-Max

HJC FS-Max
Anbieter: HJC Europe Deutschland, Telefon 02131/523560, www.hjc-germany.de; Preis: 289,99 Eur; Größen: XS bis XXL; Farben: Anthrazit, Schwarz, Silber
Plus Liegt gleichmäßig am Kopf an; Freiraum am Kinn; straffer Sitz; Kinnteil leichtgängig zu öffnen und zu schließen; angenehm auf- und abzusetzen; sehr gute Kopfbelüftung und Belüftungstasten; Visier beschlagfrei; perfekter Visierwechselmechanismus; gute Brilleneignung; gut verarbeitet; integrierte Sonnenblende; Kinnteilverschluss aus Metall
Minus Druckstelle am Kinnriemen; leichte Pfeifgeräusche beim Fahren; Visier schließt auf der rechten Seite nur mit Nachdruck; sehr schwer
Fazit Der neuentwickelte FS-Max vom weltgrößten Helmhersteller hat Potenzial und zeigt einige interessante Details, wie die Mechanik der Sonnenblende. Dennoch gilt es noch einiges zu verbessern - allem voran das Helmgewicht zu verringern
gut

Held Sky II

Held Sky II
Anbieter: Held, Telefon 08321/66460, www.held-biker-fashion.de; Preis: ab 115 Euro; Größen: XS bis XL; Farben: Schwarz-Metallic, Silber; Dekor Schwarz-Silber und Silber-Schwarz
Plus Liegt gleichmäßig am Kopf an; Kinnteil gut zu öffnen; angenehm auf- und abzusetzen (auch mit geschlossenem Kinnteil möglich); durch kleine Außenschale geringe Luftwiderstandskräfte; guter Visierwechsel; gute Brilleneignung
Minus Scharfkantiger Öffnungsschieber liegt am Kinn an; Kinnriemen ungenügend gepolstert; zu geringe Führung an den Wangen; Kinnteil schließen, Kinnriemen-Clickschloss und Belüftungstaste an der Stirn hakig zu bedienen; beim Fahren Zugluft im Gesicht; laut; Kopfbelüftung nicht spürbar; Visier beschlägt; zu kleine Bedienleiste am Visier; mäßig verarbeitet; sehr schwer; Schwäche bei Stoßdämpfungsprüfung des Kinnteils; fragwürdiger Kinnteilverschluss aus Kunststoff
Fazit Für nur gut 100 Euro einen gut verarbeiteten, funktionellen Klapphelm anzubieten, ist nahezu unmöglich. Kaum verwunderlich also, dass der Sky II entsprechend schlecht abschneidet
mangelhaft

BMW Systemhelm 5

BMW Systemhelm 5
Anbieter: BMW, Telefon 0180/5001972, www.bmw-motorrad.de; Preis: ab 450 Euro; Größen: 48/49 bis 64/65; Farben: Felsrot metallisierend, Magnesium-Matt-Metallic, Manganblau-metallic, Titansilber-Metallic
Plus Ausreichend Freiraum am Kinn; perfekte Kinnriemenpolsterung; sehr kuscheliges Innenleben; Kinnteil leichtgängig zu öffnen und zu schließen; angenehm auf- und abzusetzen; leise; Belüftung sehr gut spürbar; sehr guter Visierwechsel; Visier beschlagfrei; sehr gute Brilleneignung; sehr gut verarbeitet; stabiler Kinnteilverschluss aus Metall
Minus Drucktaste des Kinnriemen-Clickschlosses halb verdeckt; hakige Belüftungstasten; Sichtfeld durch hohe Wangenteile leicht eingeschränkt; Schwäche bei Stoßdämpfungsprüfung des Kinnteils
Fazit Der teuerste und vielleicht bekannteste Vertreter der getesteten Klapphelme kommt nicht ungeschoren davon. Die Schwäche bei der Kinnteilprüfung, das hohe Gewicht und der verdeckte Clickverschluss passen so gar nicht zum ansonsten top-verarbeiteten und gut belüfteten System 5
gut

Bayard FP-60

Bayard FP-60
Anbieter: Motoport, Telefon 04451/915200, www.motoport.de; Preis: 199 Euro; Größen: XS bis XXL; Farben: Schwarz
Plus Liegt gleichmäßig und druckstellenfrei am Kopf an; viel Freiraum am Kinn; straffer Sitz; Kinnteil leichtgängig zu öffnen und zu schließen; angenehm auf- und abzusetzen (auch mit geschlossenem Kinnteil möglich); relativ leise; sehr guter Visierwechsel
Minus Belüftung nicht spürbar; Visier beschlägt; schlechte Brilleneignung; Kinnteilverschluss aus Kunststoff
Fazit Reinschlüpfen und wohlfühlen – so werden viele empfinden, die sich den FP-60 aufsetzen. Doch die gute Passform wird durch viele kleine Detailmängel in anderen, wichtigen Kriterien getrübt.
Ausreichend

Airoh Mathisse RS

Airoh Mathisse RS
Anbieter: Louis, Telefon 040/73419360, www.louis.de; Preis: ab 199,95 Euro; Größen: XS bis XXL; Farben: Schwarz-Matt; Dekor Schwarz-Orange
Plus Angenehm zu tragen; viel Freiraum am Kinn; kuschelig weich; Kinnteil schließen leichtgängig; praktischer Ratschenverschluss; angenehm auf- und abzusetzen (auch bei geschlossenem Kinnteil möglich); kleine aber leichtgängige Belüftungstaste am Kopf; Visier gut belüftet; stabile Visierrastung; gute Brilleneignung; integrierte Sonnenblende; geringes Gewicht
Minus Zu geringe Führung an den Wangen; Kinnteil öffnen hakig; beim Kopfdrehen Zugluft am Hinterkopf; extrem laut; Kinnbelüftung nicht schließbar; Visier beschlägt; Visierwechsel mit Werkzeug; Schwächen bei der Stoßdämpfung; Kinnteilverschluss aus Kunststoff
Fazit Sein flottes Design passt gut zu einem Naked-Bike oder Streetfighter. Praktisch: die integrierte Sonneblende. Deutliche Schwächen bei der Stoßdämpfung, der Belüftung und beim Visier, werfen den Airoh in der Gesamtwertung jedoch zurück.

Shoei Multitec

Shoei Europa,
Anbieter:Telefon 0211/1754360, www.shoei-europe.com; Preis: ab 399 Euro; Größen: XXS bis XXL; Farben: Anthrazit-Metallic, Blau, Grau, Rot, Schwarz, Schwarz-Matt, Silber, Weiß
Plus Tolle Passform; flach bauender Kinnriemenverschluss (Doppel-D); Kinnteil leichtgängig zu öffnen und zu schließen; geringe Luftwiderstandskräfte; leise; sehr gute Belüftung des Visiers; gute Kopfbelüftung; perfekte Belüftungstaste auf dem Kopf; Visier beschlagfrei; Visierarretierung; sehr guter Visierwechsel; stabile Visierrastung; sehr gute Brilleneignung; sehr gut verarbeitet; geringes Gewicht; gute Stoßdämpfung; stabiler Kinnteilverschluss aus Metall
Minus Freiraum am Kinn etwas knapp; Kinnteilentriegelung mit dicken Handschuhen schlecht zu bedienen; Belüftungstaste Kinnteil hakt; Pinlock-Doppelscheibe schränkt Sicht etwas ein; Bedienleiste am Visier etwas zu klein
Fazit Der sportlichste Vertreter unter den Klapphelmen leistet sich zwar kleine Detailmängel, in keinem Kriterium jedoch eine echte Schwäche. Der verdiente Testsieger dürfte auch viele bisher eingefleischte Integralhelmträger überzeugen
SEHR GUT

Schuberth C2

Schuberth C2
Anbieter: Schuberth, Telefon 0531/380050, www.schuberth.de; Preis: ab 428 Euro; Größen: 52/53 bis 62/63; Farben: Anthrazit-Metallic, Rot, Silber, Schwarz, Schwarz-Matt; Dekor in Anthrazit und Blau
Plus Viel Freiraum am Kinn; Kinnriemen perfekt gepolstert; sehr kuschelig; Kinnteil gut zu schließen; rote Stifte im Fahrersichtfeld warnen bei geöffnetem Kinnteil; angenehm auf- und abzusetzen; sehr gute Belüftung und Tastenbedienung; Visier beschlagfrei; Visierbedienung und -rastung gut; gute Brilleneignung; sehr gut verarbeitet; integrierte Sonnenblende; gute Stoßdämpfung; stabiler Kinnteilverschluss aus Metall
Minus Seitliche Kinnteilentriegelung unpraktisch
Fazit Der Klassiker unter den Klapphelmen kann trotz seines Alters gut mithalten. Überragend in den Kriterien Akustik, Visier und Belüftung, sollte sich Schuberth bei einem möglichen Nachfolger verstärkt um eine zentral angeordnete Kinnteilbedienung und etwas Gewichtsreduzierung kümmern

GUT

Nolan N 102

Nolan N 102
Anbieter: Nolangroup Deutschland, Telefon 07159/93160, www.nolangroup.de; Preis: ab 299,95 Euro; Größen: XS bis XXL; Farben: neun Unifarben und fünf Dekore in insgesamt 16 Farbvarianten
Plus Liegt sauber am Kopf an; sehr kuschelig; Kinnteil sehr leichtgängig zu öffnen und zu schließen; praktischer Ratschenverschluss; angenehm auf- und abzusetzen (auch mit geschlossenem Kinnteil möglich); geringe Luftwiderstandskräfte; gute Kinnbelüftung; prima zu bedienende Belüftungstasten; Visier beschlagfrei; sehr gute Brilleneignung; gut verarbeitet; aufgesetzte Sonnenblende; gute Stoßdämpfung; stabiler Kinnteilverschluss aus Metall
Minus Geringe Wangenführung; zu kleine Bedienleiste am Visier; Bedienung der Sonnenblende; durch Sonnenblende vergleichsweise fummeliger Visierwechsel; sehr schwer
Fazit Als einziger im Testfeld besitzt der N 102 eine polyzentrische Kinnteilmechanik, die in geöffnetem Zustand für eine niedrige Bauhöhe sorgt und einen Kinnteilverschluss, der ungewolltes Öffnen verhindert. Die aufgesteckte Sonnenblende funktioniert zwar ordentlich, ist jedoch nicht so hoch einzustu-fen wie die in den Helm integrierten Modelle

GUT

Verschlusssache

KINNTEIL
Die unterschiedlichen Bauarten verfolgen ein und dasselbe Ziel: das Kinnteil zu entriegeln, damit es geöffnet werden kann. Bis auf Schuberth, der einen seitlichen Schieber besitzt, sitzen sämtliche Druck-, Schiebe- oder Zugmechanismen zentral in der Mitte des Kinnteils. Als besonders praktisch erweisen sich die Zugtasten, wie sie BMW und HJC verwenden. Sie sind nicht nur gut zugänglich sondern lassen das Öffnen zu einem einzigen runden Bewegungsablauf werden. Ungeschickt hingegen, wenn der zum Entriegeln gedachte Druckknopf wie beim Lazer innen am Kinnteil sitzt und sich mit Handschuhen kaum bedienen lässt. Besonders ausgeklügelt: das System von Nolan. Hier müssen zwei gut erreichbare Tasten mit einer Hand zusammengedrückt werden. Ungewolltes Öffen: nahezu ausgeschlossen. Tipp für den Klapphelmkauf: Mindestens zehn mal den Schließ- und Öffnungsmechanismus betätigen, um dessen Bedienfreundlichkeit zu prüfen.
KINNRIEMEN
So schnell Click-Druck oder -Schiebetasten auch bedient sein mögen – sie bergen immer die Gefahr, dass die im Lauf der Zeit etwas gelängten Riemen nicht rechtzeitig nachjustiert werden. Wer ausnahmsweise mal ohne Windkragen oder Schal unterwegs ist zuvor die Riemenlänge nicht neu einstellt, fährt deshalb grundsätzlich mit viel zu lockerem Helm und somit unzureichendem Unfallschutz. Besonders praktisch sind dafür die sogenannten Ratschenverschlüsse, die nach einer einmaligen Grundeinstellung einen mehrere Zentimeter umfassenden Riemenlängenbereich abdecken und darüber hinaus auch während der Fahrt nachgestellt werden können. Das trifft auch auf den Doppel-D-Verschluss zu, den bei den Klapphelmen bisher nur Shoei anbietet. Das Einfädeln beim Anziehen des Helms wird schnell zur Routine und gewährleistet einen allzeit straffen Sitz. Außerdem baut er wesentlich kleiner als Click- oder Ratschenverschlüsse, was unangenehme Druckstellen verhindert.

Stossdämpfung

Eines der wichtigsten Testkriterien, den Unfallschutz, nahm MOTORRAD in Zusammenarbeit mit dem TÜV Rheinland in Köln unter die Lupe
Es klingt paradox, doch Klapphelme müssen sich laut momentan gültiger Prüfnorm ECE-R 22.05 nicht zwingend einer Kinnteilprüfung unterziehen. Wird darauf verzichtet, muss dies am entsprechenden Modell auf dem vorgeschriebenen ECE-Sticker (meist am Kinnriemen angebracht) gekennzeichnet sein. Am Ende der mehrstelligen Prüfnummer steht dann statt einem „P“ für „Kinnteil geprüft“ ein „NP“ für „Kinnteil nicht geprüft“. Die zwölf Testkandidaten weisen alle das wünschenswerte „P“ auf. Folglich zählte bei den durchgeführten Stoßdämpfungsmessungen auf dem Fallprüfstand des TÜV in Köln außer Stirn, linker und rechter Seite, Scheitel und Hinterkopf auch das Kinnteil zu den Prüfpunkten.
Was die Prüfparameter anbelangt, entschied sich MOTORRAD für den Temperaturbereich von minus 20 Grad Celsius sowie den laut ECE vorgeschriebenen flachen Amboss. Bei diesen Bedingungen sind die Anforderungen an die Helme höher als bei der zweiten nach ECE zulässigen Temperatur von 50 Grad Celsius und einem Kantenamboss. Generell prallen die Probanden mit einer Geschwindigkeit von 7,5 m/s (beim Kinnteil 5,5 m/s) auf den Amboss. Der im Helm steckende und mit Sensoren ausgestattete Prüfkopf zeichnet dabei die auftretenden Beschleunigungen auf (Grenzwert laut ECE: 275 g) und leitet sie an einen Rechner weiter. Dieser berechnet daraus den HIC-Wert (Head Injury Criterion; Grenzwert: 2400), ein Maß für die zu erwartenden Schädel-Hirn-Verletzungen.
Die Helmexperten des TÜV prüften die Helme in enger Anlehnung an die ECE. Die ermittelten Daten der Probanden sind in untenstehender Tabelle aufgelistet – inklusive der MOTORRAD-Punktewertung. Das Überschreiten des Beschleunigungs- oder HIC-Grenzwerts an einem einzelnen der insgesamt sechs Prüfpunkte wird grundsätzlich mit jeweils einem Punkt Abzug geahndet.
Zum Gesamteindruck Stoßdämpfung/Sicherheit gehört außerdem die Bewertung des Kinnteilverschlusses vor und nach den Stoßdämpfungsprüfungen. Ein Kinnteil, das sich nach einem Unfall nicht mehr öffnen lässt, ist ein klares Sicherheitsrisiko.

Vemar Dual VXD College

Vemar Dual VXD College
Anbieter: TWS Central Europe, Telefon 07432/220595, www.haveba.de; Preis: 229 Euro; Größen: XXS bis XXL; Farben: Dekor in Gelb, Orange, Rot, Schwarz, Weiß
Plus Sehr straffer Sitz; Kinnteil leichtgängig zu öffnen; geringe Luftwiderstandskräfte; sehr guter Visierwechsel
Minus Druckstellen an Hinterkopf; sehr enger Ein-/Ausstieg; Ratschenverschluss zu nah an Helmpolster – kann sich ungewollt entriegeln; Kinnteil schwergängig zu schließen; Belüftung nicht spürbar außerdem fummelig zu bedienen; Visier beschlägt; für Brillenträger wenig geeignet; Schwäche bei Stoßdämpfungsprüfung des Kinnteils; Kinnteilverschluss aus Kunststoff
Fazit Endlich ein Hersteller, der fröhliche Farben ins Spiel bringt und dem «Graue-Maus-Dasein« der Klapphelme ein Ende bereiten will. Um auch technisch auf die Überholspur zu kommen, muss Vemar jedoch noch hart arbeiten und zahlreiche, zum Teil eklatante Schwächen abstellen

MANGELHAFT

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