27.02.2007 Von: Holger Hertneck
Erschienen in: 06/ 2007 MOTORRAD

Vergleichstest Klapphelme Open-Air-Vorstellung

Die Beliebtheit von Klapphelmen steigt ständig, ebenso das Angebot. Für knapp 80 Euro oder stolze 450 Euro ist man dabei. MOTORRAD präsentiert zwölf Kandidaten, die sich in einem aufwendigen Labor- und Praxistest beweisen mussten.

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Die Beliebtheit der Klapphelme steigt ständig, ebenso das Angebot. MOTORRAD testet zwölf Helme im Labor und in der Praxis.  

Foto: Bilski  

Nirgendwo sonst werden so viele Klapphelme verkauft wie in Deutschland. Hierzulande lassen sich die Motorradfahrer offenbar besonders gern von praktischen Lösungen überzeugen. Vor allem Brillenträger schätzen das hochklappbare Kinnteil, das das Einfädeln der Bügel erleichtert. Aber auch all jene, die nicht bei jedem kurzen Stop unterwegs (egal, ob Pinkel- oder Vesperpause, Tankunterbrechung oder Brötchen holen beim Bäcker) den Helm absetzen, doch dennoch etwas frische Luft genießen möchten.
Frischluft ist auch das Stichwort für alle, die im Sommer an der Ampel oder im Stau stehen und zum Abkühlen das Kinnteil hochklappen. Sobald wieder gefahren wird, gehört die Kinnlade allerdings geschlossen. Sonst erhöht sich die Verletzungsgefahr immens. Nicht nur wegen des dann ungeschützten Gesichts, sondern vor allem wegen der Gefahr, dass sich die Klappe bei einem Sturz irgendwo verhakt. Bei zugeklapptem Helm ist der Unfallschutz genau so hoch wie bei einem Integralhelm. Auch gelten dieselben Stoßdämpfungsgrenzwerte für die ECE-Homologation.
Deren Überprüfung war eines der vielen Testkriterien, denen MOTORRAD die zwölf Kandidaten von Airoh, Bayard, BMW, Held, HJC, Ixs, Lazer, Nexo, Nolan, Schuberth, Shoei und Vemar unterzog, und zwar beim TÜV Rheinland in Köln (siehe Kasten auf Seite 79). Zur Beurteilung der passiven Sicherheit gehörte außerdem die Ausführung der Kinnteilverriegelung: Billige Plastikschieber taugen weit weniger als massive Metallösen und metallene Verriegelungsmechanismen. Insgesamt entfallen 20 von 100 Punkten auf den Prüfpunkt Stoßdämpfung/Sicherheit. Die weiteren Zähler gab es für nachfolgend aufgeführten Kriterien.
Passform (max. 20 Punkte): Mehrere Tester bewerteten das Trageverhalten der Kandidaten und überprüften sie auf druckstellenfreie Passform, straffen Sitz, vor allem an den Wangen, den Kuschelfaktor des Innenraums sowie die Kinnriemenlage und -polsterung. Den besten Eindruck hinterließ der Shoei. Den Japanern gelingt es bei fast allen ihren Modellen, nahezu perfekt sitzende Helme zu fertigen. Wenig gelungen hingegen die Passform des Held, Nexo und Vemar.
Handhabung (max. 15 Punkte): Wie gut lässt sich das Kinnteil öffnen und schließen, wie funktionell ist die Tastenbedienung? Außerdem zählen die Kinnriemenbedienung sowie der Komfort beim Auf-und Absetzen des Helms zur Handhabung. Volle Punktzahl bekam in diesen Kriterien nur der Nolan.
Aerodynamik und Akustik (max. 10 Punkte): Bei Testfahrten auf der Autobahn bewerteten die MOTORRAD-Tester die Luftwiderstandskräfte bei 150 km/h sowohl bei Geradeausfahrt als auch beim Drehen des Kopfs zum Spurwechsel. Hinzu kam die Bewertung des Geräuschpegels während der Fahrt. Den Titel „Leisester Klapphelm“ darf ganz klar der Schuberth für sich beanspruchen. Dafür entwickelt er etwas höhere Luftwiderstandskräfte als Kandidaten mit kleinerer Außenschale wie beispielsweise Held oder Shoei.
Belüftung und Tastenbedienung (max. 10 Punkte): Ebenfalls im Fahrbetrieb untersuchte MOTORRAD Funktion und Bedienbarkeit der Belüftungseinrichtungen. Auf die in der Praxis besonders wichtige Kopfbelüftung entfielen allein fünf der insgesamt zehn zu vergebenden Punkte. Die restlichen fünf verteilten sich auf die Funktion der Kinn-/Visierbelüftung und die Tastenbedienung. Letztere zeigt erst mit Handschuhen ihr wahres Gesicht. Oft sind die Schieber während der Fahrt kaum zu ertasten oder extrem hakig. Wie es praxisgerecht funktioniert, zeigen HJC, Nolan und Schuberth, wobei der Schuberth außerdem noch zusammen mit BMW die am deutlichsten spürbare Belüftung bietet.
Visier (max. 10 Punkte): Unter diesem Oberbegriff bewertet MOTORRAD die Antibeschlageigenschaften, den Wechsel, die Bedienung, Rastung und Arretiermöglichkeiten des Visiers sowie das Sichtfeld. Darüber hinaus entfallen zwei der zehn möglichen Punkte auf eventuell vorhandene Sonneblenden. In die Helmschale integrierte Modelle bieten Airoh, HJC und Schuberth, eine von außen aufgesteckte Blende der Nolan.
Brilleneigung (max. 5 Punkte): einer der Hauptgründe, weshalb sich viele Motorradfahrer für einen Klapphelm entscheiden. Doch was nutzt es, wenn die Brillenbügel selbst bei geöffnetem Kinnteil nur mit Mühe hinter den Ohren verschwinden. Viel zu enge Platzverhältnisse herrschen in diesem Punkt bei Ixs und Vemar. Problemlos flutschen die Bügel bei BMW, Nolan und Shoei unter den Helm.
Verarbeitung (max. 5 Punkte): Wulstige Nahtstellen am Innenfutter, große Spaltmaße am Kinnteil und wenig passgenaue Kunststoffteile führen zu Abzügen. Wenn sich wie beim Nexo bereits beim ersten Auszippen des Innenfutters die Klebeverbindungen zur Helmschale lösen, hinterlässt das ebenfalls keinen positiven Eindruck. Tadellos verarbeitet präsentieren sich hingegen die Helme von BMW, Schuberth und Shoei. Knapp dahinter rangieren HJC und Nolan.
Gewicht (max. 5 Punkte): bauartbedingt einer der kritischsten Punkte der Klapphelm-Fraktion. Die gesamte Kinnteilmechanik bringt im Vergleich mit Integralhelmen etliche zusätzliche Gramm auf die Waage. Auch die Sonnenblenden bei einigen Modellen erhöhen das Gewicht. Wünschenswert wären Klapphelme unter 1500 Gramm, doch da liegen selbst die leichtesten Testkandidaten Airoh und Shoei noch drüber. Mit über 1800 Gramm sind die Vertreter von Held, HJC, Nexo und Nolan von diesem Ziel weit entfernt.
Fazit: Einige der getesteten Klapphelme sind in puncto Trageverhalten auf Augenhöhe mit vergleichbaren Integral-Modellen. Sie hinken lediglich beim Gewicht noch etwas hinterher. Den besten Gesamteindruck im vorliegenden Test hinterließ der für einen Klapphelm erstaunlich sportliche Shoei-Multitec, gefolgt von Schuberth, Nolan, BMW und HJC – alles Kandidaten, die gleichzeitig zu den teuersten Helmen im Vergleich gehören. Das zeigt deutlich, dass es nicht empfehlenswert ist, beim Klapphelmkauf zu sparen.


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