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Ob die Jeansklamotte wirklich hält, kann man natürlich nur durch eine Sache realistisch testen: einen Sturz. Da kein Redakteur bereit war, sich über ein Dutzend Mal vom Motorrad fallen zu lassen, musste ein Dummy herhalten.

Produkttest: Motorrad-Jeansjacken Spezielle Motorrad-Jeansjacken im Vergleich

Jeans auf dem Motorrad - das ist lässig, das ist locker. Was passiert aber bei einem unfreiwilligen Asphaltkontakt? Kommt man dann mit ein paar blauen Flecken davon? 13 Hosen und fünf Jacken machten für MOTORRAD einen Abflug.

Armer Svenni. Bei Tempo 80 haut es ihn vom Motorrad, die Knie schlagen hart auf, rumms, er versucht sich vergeblich abzustützen, knallt dann mit dem Helmvisier auf den Asphalt, schleift auf dem Bauch ein paar Meter, wird auf die Seite geworfen, Fetzen fliegen, und erst nach einer Rutschpartie von mehr als 25 Metern bleibt er in einer Wolke aus Flusen und Staub regungslos liegen. Die Helfer kommen herbeigelaufen und drehen den Verunfallten auf den Rücken. Svenni hat einen knallharten Job, den sonst keiner machen will. Er ist unbestimmten Alters, zirka 1,75 Meter groß, 90 Kilogramm schwer, eher ein schweigsamer Typ. Svenni ist Crashtest-Dummy. Eine Leihgabe der Dekra und sehr wertvoll für den großen MOTORRAD-Jeanstest, weil Svenni stürzen kann bis zum Abwinken. Normale, lebendige Testfahrer versuchen dies natürlich zu vermeiden. Und Fahrten unter südfranzösischer Sonne, um Passform und Tragekomfort zu überprüfen, sind im Vergleich zu Svennis Einsatz ein Zuckerschlecken. Genau wie die Alltagswertung der Textilien. Im Endeffekt interessiert aber in erster Linie dies: Wie viel Sicherheit bietet die Klamotte beim Sturz? Und ohne Crashtest-Svenni, der von einer vom ADAC entwickelten Motorrad-Abwurfeinrichtung (siehe Foto-Show) in Richtung Asphalt katapultiert wurde, wäre diese Frage kaum zu beantworten. Doch zurück zum Anfang. Warum dieser Test? Nicht nur innerhalb der Redaktion ist das Thema "Jeans auf dem Motorrad" umstritten. Nur zu gerne lässt man mal seine komplette Ausrüstung links liegen und schlüpft mal eben in "my old jeans", um in die City oder zum Baggersee zu cruisen. Stichwort Cruiser: Bestimmte Typen lehnen technische Motorradbekleidung grundsätzlich als unmodisch ab und machen deshalb blau in Sachen Sicherheitsausrüstung. Die Ausstatter bieten mittlerweile jedoch eine Vielzahl an speziellen Motorradjeans mit Protektoren (beziehungsweise Nachrüstmöglichkeiten) und Verstärkungen durch Kevlar (Aramid) als bessere Wahl zur herkömmlichen Modejeans an. Die teuerste Hose im Test, Esquad Strong, kostet inklusive Protektoren beinahe 400 Euro.
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Foto: Lohse
Der Hänger mit Klappmechanismus ist eine Spezialkonstruktion des ADAC.
Der Hänger mit Klappmechanismus ist eine Spezialkonstruktion des ADAC.
Eine stolze Summe, zumal die günstigste, Icon Victory, nur einen Bruchteil dieses Preises teuer, ebenfalls in der Liga der Motorradbekleidung mitspielen möchte, auch wenn sie auf den ersten Blick kaum von einer normalen Jeans zu unterscheiden ist. Und auch bei den vorgestellten Jacken wurden große Unterschiede deutlich - nicht nur beim Preis. Der Käufer hat also zu unterscheiden und zu entscheiden. Deshalb dieser Test, der neben dem Sicherheitsaspekt aber auch andere Fragen klären soll: Wie lässt es sich mit dem blauen Stoff auf Tour gehen, wie einfach sind die Kleidungsstücke in der Handhabung? Stören beim Einkaufen oder dem Altstadtbummel die Protektoren, oder kommt man aufgrund von Materialdoppelungen im Sommer gar ins Schwitzen? Der Coolness-Faktor wurde übrigens ganz bewusst aus der Bewertung ausgeblendet, denn ob ein Schnitt als "baggy" oder "slim-fit", die Waschung als "vintage" oder "raw" gefällt, sollte Geschmackssache bleiben. Die Verarbeitung wiederum gilt als hartes Testkriterium und beeinflusst die Gesamtnote. Noch mal zum Abwurftest (siehe einzelne Ergebnisse bei den Produkten): Er lieferte wichtige Hinweise auf den Schutz beim Sturz, kann jedoch keine schlussendliche Wahrheit liefern. Die Abwürfe erfolgten zwar immer aus 80 km/h an gleicher Stelle, der Dummy fiel und rutschte aber jedes Mal etwas unterschiedlich. Bei der Bewertung vom Abriebmuster und dem Grad der Zerstörung wurde dies dementsprechend berücksichtigt. Genau wie der Sitz der Protektoren, der schon zuvor bei den Fahrtests auf den Prüfstein gestellt wurde. Florian Schueler, Unfallanalytiker von der Universität Heidelberg, unterstreicht gerade diesen Aspekt: "Sind Protektoren vorhanden und bleiben sie beim Sturz auch an der Stelle, wo sie hingehören? Ist das nicht der Fall, fehlt die wichtigste Schutzfunktion."
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Foto: Lohse
Nur die Lederhose zeigte sich vom Sturz relativ unbeeindruckt: Leichte Abriebspuren und eine angerissene Naht.
Nur die Lederhose zeigte sich vom Sturz relativ unbeeindruckt: Leichte Abriebspuren und eine angerissene Naht.
Der Forscher erklärt, warum. So genannte Abrasions-Verletzungen, auf Deutsch: Abschürfungen, seien zwar sehr unangenehm, aber selten lebensgefährlich wie die vielen Verletzungen, die durch Anprallen an Kanten, Pfosten oder Felsen entstünden. Und eben nur geprüfte Protektoren - wohlgemerkt: gut sitzende - böten bei diesem Horrorszenario den besten Schutz. So ganz ohne sind Abschürfungen dennoch nicht. Je nach Beschaffenheit des Asphalts (rau, glatt, Rollsplit usw.) und betroffenen Körperstellen können bei einer Rutschpartie von mehreren Metern zunächst die Haut, dann Muskeln und Gewebe und sogar Arterien und Venen im Mitleidenschaft gezogen werden.

Im Extremfall droht ein starker Blutverlust, und es können sogar Knochen abschleifen. Nicht gerade lecker. Und in der Folge des Unfalls sind, zwar eher selten, Komplikationen bei der Heilung möglich.So etwa beim Gasbrand, einer schweren Wundinfektion. Bestimmte Bakterien der Gattung Clostridium bilden Gifte (Toxine), die das Absterben von Gewebe verbunden mit einer Gasbildung bewirken. Die Toxine schwemmen mit dem Blutstrom aus - innerhalb weniger Stunden kann daraus eine lebensbedrohliche Situation erwachsen. Unfallforscher Schueler warnt deshalb: "Mit normaler Jeans zu fahren, ist wie nackt sein. Der Stoff ist doch sofort durch." Die nach dem MOTORRAD-Abwurftest übel zerfetzte Modejeans für 19,90 Euro gibt Schueler Recht. Daraus allerdings den Schluss zu ziehen, Jeans seien grundsätzlich schlecht, und normale Motorradbekleidung schütze einen vor einer im wahrsten Sinne bösen Abreibung, wäre falsch. Im Test zeigte sich nämlich, dass eine einlagige Motorrad-Textilhose aus eigentlich abriebfestem Cordura (Polyamid) ein katastrophales Ergebnis einfuhr (siehe S.107), und auch eine etwas ergraute Lederkombi sah nach dem Abwurf nicht unbedingt besser aus als die meisten getesteten Jeansjacken und -hosen. Einige der Jeans machten nach dem Crashtest hingegen einen munteren Eindruck und gingen noch als trendige Buxe mit dezentem Loch-Design durch.
Foto: Lohse
Beim Test mit der Billig-Modejeans für 19,90 Euro sollte man besser keinen Sturzschutz erwarten.
Beim Test mit der Billig-Modejeans für 19,90 Euro sollte man besser keinen Sturzschutz erwarten.
Hans-Peter Fleischmann von den Hohenstein Instituten in Bönnigheim (Textil-Forschungseinrichtung) wundert das kaum: "Jeans wurden ursprünglich als Arbeitsbekleidung getragen, müssen also von Haus aus viel wegstecken können." Jeans, genauer gesagt: Denimstoffe (von "Serge de Nîmes", Gewebe aus der französischen Stadt Nîmes) bestehen aus einem so genannten Köpergewebe, das besonders fest ist. Ihre gute Strapazierfähigkeit erhalten sie durch die Verwendung schwerer Garne. "Das ist richtig viel Material", erklärt der Bekleidungsexperte, weist jedoch darauf hin, dass die Qualität nicht nur von der Schwere des Gewebes (in Unzen gemessen) abhängt, sondern maßgeblich von der Güte der Baumwolle. Fleischmann: "Je länger die Fasern, desto bessere Garne lassen sich herstellen. Das Problem: Mit bloßem Auge kann man das kaum erkennen."

Der Test zeigte außerdem, dass Materialdoppelungen beim Abrieb eine entscheidende Rolle spielen. Resümee: Feste, dicke Denim-Stoffe, überstehen bei guter Verarbeitung selbst derbe Stürze vergleichsweise gut. Während einer Rutschphase aus rund 100 km/h kann an der Kleidung durch Reibhitze punktuell eine Temperatur von über 200 Grad Celsius entstehen, bei der Kunstfasern aus Polyamid und Polyester zu sich in die Haut brennenden Rückständen verschmelzen. Baumwollfasern hingegen verflocken dabei wie abfackelndes Papier - lösen sich gleichsam in Luft auf -, und die im Idealfall unterlegten Gewebe aus Aramidfasern verkohlen erst ab rund 400 Grad. Im Ernstfall würden die Verletzungen dann wohl geringer ausfallen als bei vielen preislich vergleichbaren Motorrad-Textilanzügen ohne zusätzlichen Kevlarschutz. Motorrad-Jeansbekleidung kann jedoch nicht eine eng sitzende, hochwertige Lederkombi ersetzen. Und auch körpernah geschnittene Highend-Textilkombis mit vielen Einstellmöglichkeiten, Materialdoppelungen und an Sturzzonen sehr abriebfesten Geweben wie Cordura 1000 oder Schoeller dynatec beziehungsweise Lederbesatz werden von den "Blaumännern" wohl ebenfalls nicht übertrumpft. Motorrad-Jeanshosen und -jacken sind und bleiben ein Kompromiss. Gerade im Sommer jedoch ein ziemlich guter, weil man nicht verschwitzt und überhitzt unterwegs ist - der aktiven Sicherheit des Fahrers tut das sicherlich gut. Svenni wurde trotz vollen Körpereinsatzes für seine Verhältnisse übrigens gesund und munter wieder in die Kiste gepackt. Nach mehr als 20 Bodenkontakten auf hartem Flugfeld-Asphalt blieben nur ein paar Kratzer zurück. Wohl überflüssig zu erwähnen, dass man, selbst mit besten Motorradjeans bekleidet, derartige Schlitterpartien besser Profis mit ersetzbarer Gummihaut überlassen sollte.

Fazit des Jackentests:
Bei den Jacken ergattert die vielseitige, extrem luftige Lindstrands die Krone - absolut hochsommertauglich! Die Vanucci punktet, wie schon als Hose, durch eine sehr nachahmenswert gute Preis-Leistung.

 

Zu den Tests der Motorradjeans geht's hier lang:

Meinungen der MOTORRAD-Crew

Foto: Archiv
Jeans und Motor-Zweirad? Ich sage: na logisch! Natürlich müssen Helm und gute Motorradhandschuhe sein. Ansonsten trage ich normale, feste Schuhe, eine wetterfeste Jacke und ohne Bedenken auch Jeans, am liebsten ohne störende Protektoren. Damit und mit der Regenkombi im Helmfach, fühle ich mich für alle Anforderungen meines persönlichen Zweirad-Alltags ausreichend gerüstet. Ich kann dazu stehen, weil ich ausschließlich mit niedrigen Geschwindigkeiten in der Stadt unterwegs bin. Eine komplette Motorradausrüstung sehe ich dafür als absolut überdimensioniert an.
Foto: Archiv
Auf Reisen nutze ich normalerweise Textilkombis mit Membran, seltener auch mal eine Tourenhaut aus Leder. Es gibt aber Touren, bei denen eine Hose für alles reichen soll, weil man mit extrem wenig Gepäck reisen muss. So war ich kürzlich in Vietnam mit einem Leihmotorrad unterwegs: fast 100 Prozent Luftfeuchtigkeit, brennende Sonne, staubige Schotterstraßen. Meine Protektoren-Jeans funktionierte dort einwandfrei und gab zusätzlich abends im Restaurant eine gute Figur ab. Ich finde, spezielle Motorradjeans sind eine wirklich gute Alternative.
Foto: Archiv
Ich gestehe: Ich fahre gern und häufig mit Jeans auf dem Motorrad. Das ist praktisch, bequem und cool. Zum Beispiel, wenn ich im Sommer den nicht allzu langen Weg zur Arbeit fahre. Oder wenn ich am Sonntagmorgen gemütlich mit dem Cruiser übers platte Land spazieren fahre. Aber ich muss auch zugeben: Ich würde ungern mit Jeans stürzen. Deshalb ziehe ich lieber eine komplette Kombi an, wenn ich mit sportlicheren Maschinen oder zum Testen unterwegs bin, weil dabei ein erhöhtes Sturzrisiko besteht. Bis jetzt hat diese Trennung funktioniert - meistens.
Foto: Archiv
Fürs Hockeyspielen wähle ich Vollmontur mit Protektoren und Helm, genauso will ich auf dem Motorrad auch nur die beste Schutzkleidung tragen. Da gehören Jeans sicherlich nicht dazu, Protektoren und Kevlarverstärkungen hin oder her. Meistens kann man solche Hosen und Jacken ja nicht mal koppeln - das finde ich ein Unding! Bei unseren Trainings stellen wir höchste Sicherheitsanforderungen an die Kleidung, und selbst bei Stürzen aus niedrigen Geschwindigkeiten hat sich gezeigt, dass dies auch notwendig ist, um Verletzungen möglichst zu vermeiden.

So testet MOTORRAD (Video)

Auf einen Cappuccino ins Straßencafé schlurfen, Schaufensterbummeln in der City. So kann ein netter Tag im Leben eines Produkttesters aussehen - sofern er alle Dinge im Motorrad-Jeansdress erledigt und seine Eindrücke (zu Hautklima, Zugänglichkeit und Größe von Taschen etc.) akribisch für den Bewertungsbereich "Praxis: Gehen" protokolliert. Für den Bereich "Praxis: Fahren" ging es schon vor Frühlingsanfang an die Côte d'Azur. Dort wurden neben Passform und Tragekomfort auch der Sitz der Protektoren sowie die Tourentauglichkeit bei flottem Landstraßentempo auf den Prüfstein gestellt - zwar bei reichlich Sonne, aber maximal 18 Grad Celsius. Etwas verfroren beurteilten die Tester anschließend die Qualität und Verarbeitung von Stoffen und Nähten. Richtig ans Eingemachte ging es beim Crashtest auf dem Flugfeld in Neuhausen ob Eck, einem abgesperrten Testgelände, um den Hosen und Jacken in Sachen Sicherheit auf den Zahn zu fühlen. Ruprecht Müller, Ingenieur am ADAC-Technikzentrum in Landsberg am Lech, hat für solche Zwecke eigens einen Anhänger mit Abwurfmechanismus entwickelt. Ein fest installiertes Schrottmotorrad kann per Seilzug so gekippt werden, dass am definierten Abwurfpunkt ein Sturz simuliert wird. Ein vom Dekra Crashtest Center in Neumünster zur Verfügung gestellter Hybrid-3-Dummy, pro Durchlauf jeweils bekleidet mit einem der Testmuster in passender Konfektionsgröße, saß auf dem Motorrad und wurde aus 80 km/h auf den Asphalt des Flugfeldes geschleudert.
Foto: mps-Fotostudio

IXS Sheridan

Anbieter: IXS, Telefon 07631/18040 www.ixs.de
Preis: 219,90 Euro*
Farben: Blau
Größen: S bis 3XL (Damen: DS bis DXL)

Praxis Fahren:
Der Kragen ist sehr eng geschnitten. Trägt man darunter einen Halswärmer, selbst wenn dieser nur dünn aufträgt, lässt sich der Kragen nicht mehr gut verschließen. Unter dem Denim-Oberstoff liegt lediglich ein luftiges Netzfutter - für Temperaturen unter 20 Grad reicht die Isolation bei Landstraßentempo nicht aus. Die Protektoren sitzen in Fahrhaltung gut.

Praxis Gehen:
Die klassisch geschnittene Jeansjacke fällt in der Fußgängerzone nicht als Motorradjacke auf, und kleine Nettigkeiten wie ein Handyfach oder gut zugängliche und sicher verschließbare Taschen (Druckknöpfe und Reißverschlüsse) tragen zum guten Alltagsnutzen bei. Der Tragekomfort ist durchschnittlich.

Sicherheit:
Tipptop sitzende CE-Protektoren, ein Fach für einen Rückenprotektor sowie Aramidverstärkungen an Sturzzonen bringen neben der guten Crashtest-Bilanz (Gummihaut unversehrt) viele Pluspunkte.

Verarbeitung/Ausstattung:
Tadellose Verarbeitung und ordentliche Ausstattung sind gut, eine zusätzliche Innenjacke wäre bei dem Preis noch besser.

Fazit:
Summertime-Blue - die vergleichsweise eng sitzende Blaue aus der Schweiz ist bei praller Sonne genial zum lässigen Cruisen. Für die flotte Tour ist sie jedoch zu einfach gestrickt. Modisch gesehen alte Schule - sympathisch!

MOTORRAD-Urteil: Gut *inklusivs CE-Protektoren wie beim Testmuster
Foto: mps-Fotostudio

Lindstrands Dundee

Anbieter: Jofama, Telefon 0561/470835 www.jofama.se
Preis: 219,00 Euro*
Farben: Blau
Größen: XS bis 3XL

Praxis Fahren:
Formidabler Schnitt - körpernah und trotzdem komfortabel. Dazu durchdachte Weitenverstellungen und ein hochsommertaugliches Konzept mit einer herausnehmbaren, windbrechenden Kapuzenweste, die das großflächige, effizient fahrtwinddurchlässige Meshgewebe abdeckt, wenn die Sonne nicht genug einheizt. Etwas nervig: Die Kapuzenbändel trommeln gegen den Helm.

Praxis Gehen:
Gute Belüftung, hoher Tragekomfort, auch wenn die Jacke im Vergleich zu den klassischeren Jeansjacken etwas schwer aufträgt. Sinnvoll angeordnete Taschen erhöhen die Praxistauglichkeit.

Sicherheit:
Ein beinahe 20 Zentimeter langer Riss am Ellenbogen, mehrere Löcher im Denim, den Cordura-Einsätzen und den verstärkenden Hi-Art-Materialdoppelungen. Der gute Sitz der dickwandigen CE-Protektoren hat nach dem Abwurf jedoch die Haut und Knochen des Dummys gerettet. Rückenprotektor nachrüstbar, Jacke koppelbar.

Verarbeitung/Ausstattung:
Der Material- und Ausstattungs-Mix ist clever arrangiert und prima verarbeitet.

Fazit:
Die fesche, moderne Schwedin punktet sich durch ihre Vielseitigkeit nach ganz vorn. Die extremen Belüftungsmöglichkeiten kombiniert mit cleverer Innenweste bringen enorme Vorteile im Hochsommer. Ein tolles Gesamtpaket.

MOTORRAD-Urteil: Sehr gut

MOTORRAD-Testsieger *inklusivs CE-Protektoren wie beim Testmuster
Foto: mps-Fotostudio

Mottowear Zivil

Anbieter: Core Industries, Telefon 0234/79621381, www.coreindustries.de
Preis: 249,00 Euro*
Farben: Blau
Größen: S bis XL

Praxis Fahren:

Die nur mit Klettstreifen angebrachten Schulterprotektoren verrutschen leicht beim Anziehen, und auch in Fahrt sitzen sie nicht ideal. Der Schnitt ist insgesamt nicht besonders gelungen. In den viel zu weiten Kragen pfeift es ab 80 km/h mächtig rein, in die zu engen Ärmel kommt man mit dickerem Pulli gar nicht erst hinein. Der Denimstoff ist etwas labberig und beginnt bei höherem Landstraßentempo zu flattern. Schwacher Auftritt.

Praxis Gehen:
Entledigt man sich der Protektoren, sitzt die Jacke locker und lässig für den Stadtbummel. Fünf per Reißverschluss verschließbare, nicht besonders gut zugängliche Taschen und ein offenes Handyfach (untauglich) sind nur Mittelmaß.

Sicherheit:
Wegen CE-Protektoren-Vollausstattung (Schultern, Ellenbogen, Rücken) und zumindest etwas Aramid-Verstärkung an den Ellenbogen hat die Mottowear den Crashtest halbwegs gut überstanden. Allerdings war die Rutschphase eher kurz.

Verarbeitung/Ausstattung:
Bei diesem Preis könnte man eine bessere Ausstattung und Verarbeitung erwarten.

Fazit:
Die teuerste Jacke im Test hat das schlechteste Ergebnis eingefahren. Motorradfahren macht mit der Jeans aus Polen nämlich aufgrund von Mängeln in der Passform und Einbußen beim Tragekomfort nicht wirklich Spaß.

MOTORRAD-Urteil: Befriedigend *inklusivs CE-Protektoren wie beim Testmuster
Foto: mps-Fotostudio

Polo Drive Nevada

Anbieter: Polo, Telefon 02165/8440200, www.polo-motorrad.de
Preis: 109,95 Euro*
Farben: Schwarz
Größen: M bis XXL

Praxis Fahren:
Das Jacken-Pendant zur Nevada-Hose macht am Oberkörper keine schlechte Figur. Die Membran hält gut den Fahrtwind ab und schützt trotz des dünnen Materials einigermaßen vor Auskühlung. Längere Touren damit sollte man dennoch besser für den Sommer planen. Tragekomfort und Passform sind gut.

Praxis Gehen:
Bei hochsommerlichen Temperaturen geht der Membran schnell die Puste aus, so dass man die Jacke lieber über dem Arm geworfen trägt, um nicht zu schwitzen. Unter 20 Grad ist die Nevada aber eine gute Begleiterin für Exkursionen per pedes - vor allem, wenn es regnen sollte.

Sicherheit:
Die Protektoren können an den Schultern leicht verrutschen. Nach dem Abwurf enstanden nach kurzer Rutschpartie kleinere Löcher (mit Verschmelzungen von Kunstfasern) an den Ärmeln und zwei Nähte rissen. Gut: Nachrüstmöglichkeit für einen Rückenprotektor.

Verarbeitung/Ausstattung:
Besonders solide wirkt die Jacke nicht, aber die Ausstattung mit Membran und ordentlichen CE-Protektoren bringt Pluspunkte.

Fazit:
Ein sensationeller Preis. Dafür gibt es eine wirklich ganz anständige Sommerjacke mit einigermaßen passablem Schutz vor Wind und Wetter, die zumindest durch die Protektorenausstattung ein Mindestmaß an Sicherheit bietet.

MOTORRAD-Urteil: Gut
Foto: mps-Fotostudio

Vanucci Estivo

Anbieter: Louis, Telefon 040/73419360 www.louis.de
Preis: 159,95 Euro*
Farben: Blau
Größen: 46 bis 62 (Damen: 34 bis 46)

Praxis Fahren:
Der harmonische Schnitt gefällt auf Anhieb, und die Protektoren an Schultern und Ellenbogen sitzen gut und bequem. Die eingeknüpfte Kapuzenjacke aus dünnem Mikrofleece wärmt einigermaßen, wenn die Sonne sich mal nicht zeigt. Gute Sommerjacke.

Praxis Gehen:
Vier große, durch Knöpfe oder Reißverschlüsse verschließbare Außentaschen sowie zwei Taschen und ein Handyfach in der Innenjacke bieten voll alltagstauglichen Stauraum. Innen- und Außenjacke eignen sich gleichermaßen für den Stadtbummel oder einen Ausflug ins Nachtleben.

Sicherheit:
Das Aramid-Mischgewebe als Zusatzschutz wurde nur spärlich eingesetzt (nur unter den Protektoren). Beim Crashtest kleinere Löcher im Denim, den besten Schutz boten die gut sitzenden Protektoren.

Verarbeitung/Ausstattung:
Die Jeansjacke ist trotz etwas liebloser Nähte akzeptabel verarbeitet, aber an großflächigen Verstärkungen wurde gespart (siehe auch Punkt Sicherheit). Etwas mau.

Fazit:
Die Kombination aus klassischer Jeansjacke, guten Protektoren und einer feschen, praktischen Kapuzen-Innenjacke kommt speziell an warmen Tagen gut an. Dieses Paket zu diesem Preis ist eine Empfehlung wert.

MOTORRAD-Urteil: Gut

MOTORRAD-Kauftipp *inklusivs CE-Protektoren wie beim Testmuster

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