Textiljacken der Preisklasse um 400 Mark Der Blinker und dein Kumpel bricht &#150; <br>aber unser Treffen nicht

Der Blinker und dein Kumpel bricht –
aber unser Treffen nicht

Batman bringt so schnell nichts aus der Fassung. Selbst die kalten Wassermassen, die an diesem Januartag auf ihn einprasseln, erträgt er mit Gleichmut – wie auch seinen Spitznamen. Denn Batman heißt eigentlich Peter und ist
als Edel-Hiwi bei MOTORRAD der Mann für gewisse Stunden.
Diesmal sind es genau zwei Stunden und vierzig Minuten, die er in der Nasszelle des ADAC-Technikzentrums in Landsberg auf einer KTM abzusitzen hat. In Zyklen von jeweils zwanzig Minuten müssen acht Textiljacken der Preisklasse um 400 Mark für die Dichtigkeitsprüfung einem per Windturbine erzeugten Wasserschwall trotzen. Diese simulierte Regenfahrt mit rund 60 km/h sollten die mit Funktionsmembranen ausgestatteten Teilnehmer des MOTORRAD-Vergleichstests eigentlich problemlos meistern, schließlich werden sie ausnahmslos als wasserdicht und atmungsaktiv verkauft. Doch die Realität ergibt ein anderes Bild: Lediglich Spyke und MQP hielten dicht, die anderen
sechs Pellen straften ihre Werbetexter mit
teilweise heftigem Wassereintritt Lügen.
Diese Jacken wurden in der Beurteilung abgewertet und kamen über ein »bedingt empfehlenswert« nicht hinaus.
Doch auch die beiden Regenmeister konnten nicht restlos überzeugen. Bei der MQP missfielen angesichts des Preises der nicht besonders hochwertig wirkende Look sowie der feingliedrige Reißverschluss, der wenig robust erscheint. Die Gigant von Spyke sorgte mit den nicht
abgedeckten Außentaschen und dem nicht eng genug schließbaren Kragen (ebenfalls bei Büse, Ixs und Modeka) für Stirnrunzeln. Mit praxisfremden DetaiIs warteten aber auch andere Jacken des Testfeldes auf: So beispielsweise die Exemplare von Büse, Difi, Ixs und Schuh, deren Saum entweder gar nicht oder nur unzureichend verstellt werden kann und somit der Rückenpartie keinen Schutz vor Zugluft bei hohem Tempo bietet. Ebenfalls nicht durchdacht sind schwache Klettverschlüsse wie bei Schuh und
Dieter Braun (Kragen) oder nur grob verstellbare Ärmelbündchen mittels zweier Druckknöpfe (Ixs).
Besonders ärgerlich ist jedoch die unbefriedigende Passform einiger Modelle (Büse, Dieter Braun, Modeka, Schuh), die zwar im Stand eine gute Figur machen, aber deren Schnitt die Bedürfnisse eines auf dem Motorrad sitzenden Fahrers nicht berücksichtigt. Die Ärmel fallen zu kurz aus und sind überdies im Ellbogenbereich zu eng gehalten. Außerdem spannt die Jacke an den Schultern, während sie sich im Brustbereich aufbläht. Da stellt sich zwangsläufig die Frage, ob die Produktmanager ihre Modelle jemals unter Alltagsbedingungen getestet haben.
Im Vergleich zum Testsieger der
Jacken bis 200 Mark aus MOTORRAD 6/1999, der mittlerweile nicht mehr
angebotenen »Takai Course« von Hein
Gericke, können die hier angetretenen und zum Teil mehr als doppelt so teuren Exemplare mit Funktionsmembrane hinsichtlich Praxistauglichkeit, Ausstattung, Passform und Tragekomfort keine signifikanten Vorteile verbuchen. Wo in der
Einsteiger-Klasse weniger widerstandsfähige Materialien wie beispielsweise
Nylon vorherrschen, kommen in der Preisregion um 400 Mark allerdings häufiger Cordura oder andere abriebfeste Kunstfasergeflechte zum Einsatz.
Alles in allem hinterließen die acht
getesteten Jacken ein wenig überzeugendes Bild. Batman wird also bald wieder
einige Stunden in der Nasszelle verbringen müssen. Mal sehen, ob das Resultat beim nächsten Test besser ausfällt.
M

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