Textilkombis zwischen 630 und 1000 Euro

12 Adventure-Kombis im Test

12 Textilkombis zwischen 630 und 1000 Euro wurden in einem Textilkombi-Test in MOTORRAD 7/2017 getestet, bewertet und miteinander verglichen: Alpinestars Valparaiso 2 Drystar, Büse ADV Pro STX, Dainese Sandstorm/Galvestone, Hein Gericke Tuareg Travel Mate, Held Hakuna/Matata II, IXS Montevideo 2/Caracas 2, Modeka Kolumbus, Pharao 2.0, Rev'it Horizon 2, Scott Dual Raid DP, Spidi 4Season und Vanucci Okovango II.

Eine gute Nachricht zum Textilkombi-Test gleich zu Anfang: Einen richtigen Fehlgriff leistet man sich mit keinem der getesteten Kandidaten. Manche Textilkombi orientiert sich sehr an möglichen Geländeritten und zeigt Schwächen bei längeren, schnellen Autobahnetappen. Gerade solche Etappen sind aber mit Reiseenduros, die inzwischen 150 PS und mehr leisten, auch nichts Besonders mehr. Der beste Kompromiss ist also gesucht; eine Textilkombi für alle Anforderungen, die bezahlbar bleibt. Wir haben das Preislimit für die hier getesteten Textilkombis bei 1000 Euro festgelegt.

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Qualitativ muss sich keine der getesteten Textilkombis verstecken; in Passform und Wetterschutz liegen einige auf Top-Niveau. Bei der Sicherheitsausstattung besitzen alle Textilkombis mindestens CE-Protektoren an Schultern, Ellenbogen und Knien, die sich im Idealfall gegen Verrutschen fixieren lassen. Einige verfügen zudem über Schützer an Rücken und Hüften; Nachrüstmöglichkeiten bieten alle. Materialverstärkungen beim Oberstoff, die besonders bei Stürzen auf Asphalt zur Geltung kommen, erhöhen das Gewicht einer Textilkombi und verringern ihren Tragekomfort bei Offroad-Action. Es bleibt eine Ermessenssache des Bekleidungstechnikers, wo er den Schwerpunkt setzt.

Schwierigere Kapitel sind Wetterschutz und Klimatisierung, denn bei Abenteuerreisen liegen Unterkühlung und Überhitzung manchmal nur wenige Kilometer oder Minuten auseinander. Die meisten Textilkombis setzen auf herausnehmbare Membranen. Vorteil: Regenschutz raus, und Luft kommt an den Fahrer ran. Nachteil: Das ist umständlich. Außerdem saugt sich der nicht regendichte Oberstoff bei Nässe voll und trocknet nur langsam.

Foto: Dentges
Textilkombi im Fahrtest
Textilkombi im Fahrtest

So testete MOTORRAD den Tragekomfort der Textilkombis

Auf losem Grund ist stehendes Fahren mehr Regel als Ausnahme. Gerade dann muss eine Textilkombi optimalen Tragekomfort bieten. Bereits bei unter 20 °C schwitzt ein Motorradfahrer bald, wenn er ein über 200 kg schweres Motorrad Maschine durchs Gelände manövriert. Offroad­fahren ist Sport; wer sitzen bleibt, kommt nicht weit.

Eine Textilkombi sollte also auch im Stehen beste Bewegungsfreiheit bieten und an keiner Stelle spannen. Auf reinen Straßenbetrieb ausgelegte Textilkombis spannen häufig und besonders im Rückenbereich. Im Sitzen dürfen Jacke und Hose der Textilkombi keine Falten bilden. Ärmel und Hosenbeine der Textilkombi sollten so geschnitten sind, dass sie in die Ursprungspositionen zurückrutschen. Gleiches gilt für die Protektoren, welche die Gelenke, egal in welcher Fahrhaltung, gut umschließen sollten.

Ein griffiger Besatz am Innenbein der Textilkombi hilft, das Motorrad mit den Knien besser zu führen. Obligatorisch sollten großzügige Belüftungen im Brust- und Rückenbereich der Textilkombi sein, idealerweise auch an den Armen und Beinen, um den Fahrer vor Überhitzung zu schützen.

Foto: Dentges
Textilkombi im Nässetest
Textilkombi im Nässetest

So testete MOTORRAD Wetterschutz und Sicherheit der Textilkombis

Zusätzlich zu Fahrtests auf Asphalt und im Gelände spielte der Nässe im Textilkombi-Test eine große Rolle, denn bei unterschiedlichen Membran-Konstruktionen können sich schnell mal Lücken auftun. Wasser kriecht in jede Ecke. Leider auch dorthin, wo man es als Motorradfahrer definitiv nicht gebrauchen kann: auf die Haut, während des MOTORRAD-Nässetests etwa bei der Scott-Textilkombi. Die ist mit einer herausnehmbaren, laminierten Membranjacke versehen, doch an der Verbindung zwischen Ober- und Unterteil kroch nach wenigen Minuten Wasser herein.

Für den Textilkombi-Test hatten wir starken Gewitterregen etwa bei Tempo 100 nachgestellt. Diese harte Prüfung absolvierte die Mehrzahl der Textilkombis problemlos. Außer Kälte- und Regenschutz (durch Membranen, Inserts, Thermofutter) waren auch Belüftungsmöglichkeiten der Textilkombis für das Testkriterium "Wetterschutz/Klimatisierung" relevant. Mit 35 Prozent Anteil an der Gesamtnote wurde diesem Kriterium die höchste Bedeutung zugemessen, weil Abenteuer-Fahrer in der Regel eine Textilkombi für alle Klimabedingungen suchen.

Beim Punkt "Sicherheit" stellten sich erkennbare Unterschiede heraus: Auf einem Fallprüfstand ermittelte MOTORRAD die Restkraftwerte der Protektoren, prüfte bei Fahrtests deren Sitz und untersuchte das Obermaterial der Textilkombis inklusive etwaiger Verstärkungen.

Passform und Tragekomfort der Textilkombis konnten die MOTORRAD-Tester auf kurvenreichen Strecken in der ­Provence/Frankreich bei frühlingshaftem, sonnigem Klima erproben und detailliert protokollieren. Außerdem ging man mit allen Textilanzügen noch einmal auf penible Tuchfühlung, um Ausstattung und Verarbeitung genau zu beurteilen.

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