Thermokombis im Vergleich

Für Winterfahrten mit dem Motorrad sind Thermokombis wärmstens zu empfehlen. Fünf Modelle im Vergleich.

Stahlblauer Himmel, klare Luft und trockene Straßen – da kommt so mancher Motorradfahrer selbst in der kalten Jahreszeit auf Touren. Ohne wärmende Bekleidung können Winterfahrten jedoch schnell zur Zitterpartie werden.
Eine Lederkombi ist aus Sicherheitsgründen zwar die beste Wahl, aber auf Dauer kann sie den Fahrer nicht vor dem Auskühlen bewahren, auch wenn er darunter dicke Ski-Unterwäsche trägt. Der Grund ist der enge Schnitt der Lederhaut, der den Aufbau eines wärmenden Luftpolsters verhindert. Eine darüber getragene, weite Thermokombi kann mit ihrem dicken Futter erwärmte Luft viel besser isolieren und so den Träger mollig warm halten – theoretisch jedenfalls.
Damit die Sache mit dem Luftpolster auch in der Praxis funktioniert, sollte man bereits bei der Anprobe alle Einsatzbedingungen durchspielen. Dies bedeutet, dass sowohl mit Lederkombi als auch in normaler Straßenkleidung – wegen der Bequemlichkeit auf Kurzstrecken trotz Sicherheitsbedenken häufig die Realität – ein in etwa gleich großes Luftpolster gewährleistet sein sollte. Was sich zunächst widersprüchlich anhört, gelingt jedoch ganz passabel bei Anzügen, die mit Protektoren ausgestattet sind. Mit Straßenklamotten darunter bleiben die Schützer drin und verhindern so übermäßiges Flattern; zieht man die Warmhaltepelle über eine Lederkombi, nimmt man sämtliche Protektoren heraus und hat, zumindest annähernd, wieder das gleiche Luftpolster.
Beim MOTORRAD-Vergleichstest der fünf Thermokombis zwischen 200 und 400 Mark wurde ebenfalls so verfahren, sofern sie mit Protektoren ausgestattet waren. Für den Test der Wärme-Isolation, der mit gewichtigen 40 Prozent in das Endurteil einging, mussten dem Fahrer bei feuchter Witterung und Temperaturen um fünf Grad Celsius Jeans, ein dünner Pullover sowie ein Halswärmer genügen, um die Unterschiede auf einer Strecke von 100 Autobahnkilometern aufzuspüren. Diese wurden auf einer Yamaha XJR 1200 mit einer Geschwindigkeit von 120 bis 160 km/h absolviert.
Als wärmster Anzug profilierte sich der Difi Husky, gefolgt von Hein Gericke Rondane und Polo Thermoboy. Letztere bewegen sich in Sachen Wärme-Isolierung und Passform prinzipiell auf einem ähnlich hohen Niveau wie der Husky, verlieren aber wertvolle Punkte wegen des kurzen und ungefütterten Latzes.
Wie mit einer unglücklichen Passform Isolations-Potential verschenkt wird, verdeutlicht der Held-Anzug: Vorn ist der Thermic sehr großzügig geschnitten, während Ärmel und Rücken verhältnismäßig knapp ausfallen. Die Kombi bläht sich ziemlich auf und kann deswegen kein wärmendes Luftpolster ausbilden. Noch gravierender ist dieser Effekt beim Hein Gericke Steam, der sehr weit ausfällt und stark flattert.
In der Praxiswertung, die ein Drittel zum Urteil beiträgt, liegt der Rondane vorn. Der Neuling sammelt bis auf den etwas beschwerlichen Einstieg mit Stiefeln fleißig Punkte bei der Beurteilung von Passform, Tragekomfort, Verarbeitung und Flatterneigung. Besonders gut gelöst sind beim Rondane Details wie die zugfreien Armabschlüsse mit Neoprenbündchen oder der abnehmbare Thermokragen, der sich bis übers Kinn ziehen lässt und den Hals prima schützt.
Die wärmste Kombi nützt jedoch nichts, wenn sie bereits bei einem kurzen Regenschauer kapituliert. Deshalb fließen auch die Ergebnisse der Wasserdichtigkeits-Prüfung mit 30 Prozent in die Endwertung ein. Souverän hielten der Thermoboy und der Rondane dem dreiminütigen, scharfen Wasserstrahl stand, während das Husky-Testexemplar in diesem Testkriterium wegen leichten Wassereintritts die Chance auf einen Spitzenplatz verspielte.
Den besten Eindruck hinterlässt letztlich der Rondane, dicht gefolgt vom Thermoboy. Doch auch der Husky garantiert, zumindest bei trockenem Wetter, dass künftige Winterfahrten nicht zur Zitterpartie verkommen.
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Polo Modell: Thermoboy

Modell: Thermoboy
Größen: S bis XXLPreis: 349 Mark (Größen S und M), 379 Mark (L bis XXL)Farben: SchwarzMaterial: Obermaterial Nylon, PU- und Silikonbeschichtet; Innenfutter Nylon; Isolierung AcrylAusstattung: Zwei Außentaschen an Brust und Oberschenkel; eine Innentaschen; Armabschluss mit Reißverschluss, Strickbündchen und Klettriegel, Beinabschluss mit Reißverschluss und Klettriegel; gepolsterter Kragen mit Klettriegel; Materialdopplung und CE-Protektoren an Schulter, Ellbogen und Knie; Schaumeinsatz an Rücken; Webpelz an Gesäß und Knie; umlaufender Taillengurt mit Schnellverschluss; reflektierendes Material an Schultern und RückenPraxistest: Ein- und Ausstieg mit Stiefeln sehr schwierig; gute Passform mit körpernahem Schnitt an Beinen und Gesäß sowie etwas weiterem Oberkörper; Ärmel und Beine richtig bemessen; sehr guter Tragekomfort; mit Lederkombi kann es eng werden; geringe Flatterneigung; dicht schließender Kragen; gute Verarbeitung; griffsympathisches ObermaterialIsolierung: Knie und Gesäß dank Webpelzeinlagen mollig warm; Wärmeisolation an Oberkörper wegen kurzem, ungefüttertem Front-Latz nur befriedigendWasserdichtigkeit: Sehr gutFazit: Sehr bequemer, prima sitzender und wasserdichter Anzug, der Knie und Gesäß mollig warm hält, aber im Oberkörperbereich nur eine durchschnittliche Wärme-Isolation bietetMOTORRAD-Urteil: Sehr empfehlenswert

Held Modell: Thermic

Modell: Thermic
Größen: S bis XXXLPreis: 299 MarkFarben: Schwarz/Grau, Material: Obermaterial beschichtetes Oxford-Nylon; Alu-ThermofutterAusstattung: Zwei Brusttaschen, eine Oberschenkeltasche; zwei Innentaschen; Armabschluss mit Strickbündchen und Klettriegel, Beinabschluss mit Reißverschluss und Klettriegel; gepolsterter Kragen mit Klettriegel; Protektorentaschen an Rücken, Schultern, Ellbogen und Knien; Weitenverstellung an Oberarmen; Verstärkungen an Ellbogen und Knie; Taillengurt mit Schnellverschluss, Gummizug im Rücken; Schultern und Rücken mit ReflexpaspelPraxistest: Ein-und Ausstieg mit Stiefeln etwas erschwert; unbefriedigende Passform, Rücken und Ärmel zu kurz, vorn hingegen deutlich zu weit; Tragekomfort ebenfalls eingeschränkt, da sich Kombi stark aufbläht und Ärmel nach oben gezogen werden; Strickbündchen in den Ärmeln sitzen zu weit oben; hoher, dicht schließbarer Kragen; Beine lang genug; ordentliche VerarbeitungIsolierung: Wegen relativ dünnem Futter und starkem Aufblähen der Kombi gerade noch befriedigend; Überlappung an Brust fällt zu knapp ausWasserdichtigkeit: Relativ starker Wassereinbruch im Bereich des SchrittsFazit: Ordentlich verarbeitete, nur durchschnittlich isolierende Thermokombi mit unbefriedigender Passform und Schwächen im Nässe-TestMOTORRAD-Urteil: Bedingt Empfehlenswert

Difi Motoline Husky

Modell: Motoline Husky
Größen: S bis XXXLPreis: 299,90 MarkFarben: Schwarz, Schwarz/BordeauxMaterial: Obermaterial Taslan; Innenfutter Nylon; Isolierung FiberfillAusstattung: Zwei Brusttaschen, eine Oberschenkeltasche, eine Innentasche; Armabschluss mit Strickbündchen und Gummizug, Beinabschluss mit Reißverschluss und Klettriegel; gepolsterter Kragen mit Druckknöpfen; Protektorentaschen an Rücken, Schultern, Ellbogen und Knie; Fleece-Einsatz an Ellbogen und Knie; gefütterter Brustlatz; Taillengurt mit Schnellverschluss, Gummizug im Rücken; Schultern mit ReflexbesatzPraxistest: Enger Beinschnitt erschwert Ein-und Ausstieg mit Stiefeln; gute Passform mit körpernahen Schnitt und langen Ärmeln und Beinen; mit Lederkombi kann es jedoch eng werden; angenehmer Tragekomfort mit geringer Flatterneigung; Armabschluss mit zu weitem, nicht verstellbarem Gummizug begünstigt Zugluft; gute VerarbeitungIsolierung: Sehr gute Wärme-Isolierung, insbesondere vorn durch den mehrfach überlappenden, dick gefütterten BrustlatzWasserdichtigkeit: Wassereintritt an Längsnaht links in Höhe der Hüfte; eine Brusttasche leicht feuchtFazit: Gut verarbeitete, prima sitzende Thermokombi mit der besten Wärme-Isolierung im Test, aber leichten Schwächen im Nässe-TestMOTORRAD-Urteil: Empfehlenswert

Zweiteiler -

Zweiteilige Textilanzüge mit Funtionsmembran werden - im Gegensatz zu Thermokombis – für ein breites Einsatzspektrum mit zum Teil gegensätzlichen Anforderungen konzipiert. Als Allrounder sollen sie den Fahrer nicht nur vor Wind und Wetter schützen, sondern auch im Hochsommer für ein noch erträgliches Klima sorgen. Gefragt ist außerdem ein enger, körpernaher Schnitt, der die Protektoren auch bei herausgenommenem Innenfutter an den richtigen Stellen fixiert und hohe Geschwindigkeiten ohne übermäßiges Flattern ermöglicht. Wer den Zweiteiler auch bei Minusgraden benutzen will, sollte beim Kauf nicht nur auf ein dickes Thermofutter achten, sondern Jacke und Hose gleich mit warmer Unterbekleidung anprobieren und dabei noch den Raum für das zur Wärme-Isolation unabdingbare Luftpolster mit einkalkulieren. Kältebrücken am Übergang zur Jacke lassen sich durch Hosen mit einem weit nach oben reichenden Latz vermeiden.

Hein Gericke Modell: Steam

Modell: Steam
Größen: M bis XXLPreis: 199,90 MarkFarben: Schwarz/RotMaterial: Obermaterial Polyamid; Innenfutter Polyamid; Isolierung PolyesterAusstattung: Je eine Außen- und Innentasche; Armabschluss mit Gummizug, Beinabschluss mit Reißverschluss und Gummizug; gepolsterter Kragen mit Klettriegel; Protektorentaschen an Rücken, Schultern, Ellbogen und Knien; umlaufender Taillengurt mit Schnellverschluss; reflektierendes Material an Schultern, Beinen und RückenPraxistest: Leichter Ein- und Ausstieg mit Stiefeln dank durchgängigem Diagonalreißverschluss; Ärmel und Beine lang genug; Tragekomfort durch starke Flatterneigung der sehr weit geschnittenen Kombi beeinträchtigt; Ärmel zieht es bei höheren Geschwindigkeiten nach oben; genügend Platz und annehmbare Passform über einer Lederkombi; dicht schließender Kragen; durchschnittliche Verarbeitung; plastikhafte Anmutung des ObermaterialsIsolierung: Starkes Flattern verhindert die Bildung eines wärmenden Luftpolsters; Rücken und Arme kühlen rasch ausWasserdichtigkeit: Starker Wassereinbruch an linker Hüfte sowie geringer Wassereintritt an Längsnaht des linken KniesFazit: Sehr weit geschnittene, nicht wasserdichte Thermokombi einfacher Machart, die nur über einer Lederkombi getragen als Kälteschutz taugt MOTORRAD-Urteil: Bedingt empfehlenswert

Hein Gericke Modell: Rondane

Modell: Rondane
Größen: S bis XXLPreis: 399,90 MarkFarben: Navy Material: Obermaterial Polyamid mit Cordura-Verstärkung; Innenfutter Polyamid; Isolierung PolyesterAusstattung: Zwei Oberschenkeltaschen, zwei Innentaschen; Armabschluss mit Neoprenbündchen und Klettriegel, Beinabschluss mit Innenstulpe, Reißverschluss und Klettriegel; gepolsterter Kragen mit Weitenverstellung per Klettriegel; abnehmbarer Thermokragen; Webpelzeinsätze an Schultern, Knien und Gesäß; CE-Protektoren an Schulter, Ellbogen und Knie; Protektorentasche an Rücken; Taillengurt mit Schnellverschluss, Gummizug im Rücken; Schultern mit ReflexpaspelPraxistest: Ein- und Ausstieg mit Stiefeln etwas fummelig; trotz relativ weitem Schnitt an Gesäß und Oberkörper gute Passform, Ärmel und Beine lang genug; genügend Platz für Lederkombi; sehr guter Tragekomfort; geringe Flatterneigung; hervorragend gegen Zugluft dichtende Neoprenbündchen; mit Thermokragen sehr guter Windschutz bis hoch zum Kinn; gute VerarbeitungIsolierung: Prima Isolierung an Gesäß, Schultern und Knien; auf Dauer leichte Auskühlung im Brustbereich wegen kurzem, ungefüttertem Latz Wasserdichtigkeit: Sehr gutFazit: Gut verarbeitete, bequeme und wasserdichte Thermokombi mit sehr guter Ausstattung und dem besten Schutz vor Zugluft, aber nur durchschnittlicher Wärme-Isolierung im BrustbereichMOTORRAD-Urteil: Sehr Empfehlenswert

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