Ausprobiert: Metzeler Sportec M1 Sportreifen (Archivversion)

Flotte Sohlen

Mit dem neuen Sportec wollen die Münchner Reifenbauer verlorene Marktanteile im Sportbereich zurückerobern. Ob’s gelingt?

Bereits bei der Pressevorstellung im Sommer 2001 war die Fachwelt vom Sportec M1 beeindruckt. Allerdings waren die Testmöglichkeiten beschränkt. Keine Vollgasetappen, keine Nassteststrecke. Für MOTORRAD Grund genug, den Sportec M1 als Ehrengast beim Tourenreifen-Test mitlaufen zu lassen. Gleich beim Nässetest macht der Metzeler-Gummi seinen Erfindern alle Ehre. Stolze acht Sekunden knöpft er dem schnellsten Tourenreifen ab und spielt somit auch in bei den aktuellen Sportpneus in der ersten Liga. Noch beeindruckender die Vorstellung auf der Rennstrecke im spanischen Calafat. Auf der Suzuki 1200er-Bandit montiert, haben exponierte Bauteile wie Fußrasten und Auspufftopf keine allzu große Lebensdauer. So viel Grip ist die Bandit nicht gewachsen, profitiert aber vom leichtfüßigen Handling, der haargenauen Lenkpräzision und einer tadellosen Fahrstabilität. Im Vergleich zu den getesteten Tourenreifen einfach noch mal eine ganze Ecke besser, sportlicher, sicherer. Doch in Sachen Grip der Bandit haushoch überlegen. Weshalb ein rabiates Gerät her muss. Etwa die neue Kawasaki ZX-9R, die nebenan in der Box soeben den Top-Test überstanden hat. Schon deshalb eine gute Wahl, weil sich mit der Grünen gleich noch die Frage klären lässt, ob sich der 180/55er-Sportec M1 auch auf einer breiten 6,00-Zoll-Felge wohl fühlt. Schließlich hat Metzeler einige Freigaben in dieser Kombination erteilt. Mit Fug und Recht. Obwohl die serienmäßig montierten Michelin Pilot Sport in 120er- und 190er-Dimension zu den handlichsten Breitreifen gehören, legt der Sportec noch eins drauf. Schon allein aufgrund der Tatsache, dass der Vorderradreifen auf der Kawasaki die Tendenz zum Aufstellen dramatisch reduziert.Und der Grip? Einfach Klasse. Zwar über zehn Millimeter schmaler und somit weniger Auflagefläche als der breitere 190er-Michelin bietend, geht’s mit dem Sportec genauso schräg und mit fast genauso viel Grip beim Beschleunigen voran wie mit den Pilot Sport. Der große Unterschied: Die Kawasaki rast deutlich handlicher um den Kurs, zieht mit geringstem Kraftaufwand die engsten Bögen, bügelt wie angestochen durch die verzwickten Schikanen. Ein Genuss. Doch kein Genuss ohne Reue: Kleine, fasrige Auswaschungen an Profilstellen, die quer zum Kräfteverlauf liegen, sind die Folge der brutalen Power, die den schmalen und handlichen Hinterradreifen malträtieren.Aber sonst: alles im Lot. Denn die typische Null-Grad-Stahlgürtel-Konstruktion auf Vorder- und Hinterrad sorgt auch bei Vollgasetappen und auf welligen Pisten für Ruhe, verhindert lästiges Shimmy und dämpft die bei Big Bikes gefürchteten Ansätze von Kickback. Was will der engagierte Sportsmann mehr? Freigaben? Gibt’s beim Metzeler-Service direkt unter Telefon 089/14908-440.
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Ausprobiert: neuer Michelin Pilot Road Tourenreifen (Archivversion) - On the road again

Michelin setzt auch im Touren-Segment auf eine neue Produktlinie und bringt den Pilot Road auf die Straße. MOTORRAD hat in getestet.
Nach dem nicht besonders glanzvollen Ergebnis des Michelin Macadam 100 im Reifentest kommt der brandaktuelle Nachfolger gerade recht. Michelin verlässt sich dabei wie bereits beim bewährten Pilot Sport auf die völlig neue Karkasskonstruktion und Gummimischung. Eine komplett neue Produktlinie im Tourenbereich sozusagen, für die Michelin neben hoher Verschleißfestigkeit einen enormen Zuwachs an Kurvenstabilität und Haftung verspricht. Wo die Qualitäten des Pilot Road tatsächlich liegen, musste er im Rahmen der Versuchsfahrten zum aktuellen Reifentest beweisen. An hochwertigen Referenz-Reifen bestand also kein Mangel. Teil eins: die Nässe. Neun Sekunden schneller als der Macadam 100 und knapp vier Sekunden vor dem Pirelli MTR 23/24, legte der Pilot Road fast schon Sportreifen-Qualitäten an den Tag. Aber nicht nur die erstaunliche Rundenzeit, auch der locker-leicht zu beherrschende Grenzbereich und eine bestechend sichere Haftung am Vorderrad machen endgültig Schluss mit den weniger imposanten Nässeeigenschaften der alten Macadam 90- und 100-Baureihe. Weitere Pluspunkte auf dem nassen Geläuf: die zielgenaue Lenkpräzision und eine hervorragende Traktion beim Beschleunigen. Unterm Strich hat der neue Pilot Road beim Nässetest in allen Kriterien die Nase vor den Mitbewerbern aus dem Reifen-Vergleichstest. Und das sollte auch beim zweiten Teil, den Vergleichsfahrten auf dem trockenen Rheinring bei Colmar, so bleiben. Zwar ist auch der neue Michelin-Tourengummi nichts für ehrgeizige Rennstreckenheizer, beweist sich auf der Suzuki 1200 Bandit jedoch als sichere Nummer für ganz flotte Schräglagen. Schön stabil in Kurven und Schräglagen aller Art, ohne Schaukelbewegungen beim Rausbeschleunigen, aber mit erkennbar klarem Grenzbereich an der Rutschgrenze und ordentlicher Lenkpräzision, stellt er den Vorgänger Macadam 100 klar in den Schatten und etabliert sich bei den Touren-Pneus in der ersten Liga. Auf ein Minimum reduziert: das lästige Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage, womit das prima Handling des Pilot Road auch beim Einlenken auf der Bremse nicht gestört wird. Das Zugeständnis an eine gute Eigendämpfung und die erstaunlich hohe Fahrstabilität bei Topspeed machen sich beim sportlich zackigem Umlegen in mächtige Schräglagen bemerkbar. Hier fehlt dem Pilot Road die souveräne Präzision und Rückmeldung reinrassiger Sport-Reifen. Wie sich der neue Michelin im Dauerversuch bewährt? Diese Frage beantwortet MOTORRAD, sobald der Pilot Road auf der einer der Dauertestmaschinen bis zu Verschleißgrenze abgerubbelt ist. Alle anderen Fragen dagegen, zum Beispiel über Freigaben oder lieferbare Größen, beantwortet die Michelin-Niederlassung in Karlsruhe unter Telefon 0721-530-1238.

Ausprobiert: neue Avon Sport- und Tourenreifen (Archivversion) - Reifen von der Insel

»No sports«, Churchills Lebensphilosophie, hat im neuen Programm von Avon nichts verloren. Im Gegenteil, jetzt geben die Briten richtig Gas.
Jahrelang köchelte das Engagement der Engländer im Motorrad-Reifenmarkt auf kleiner Flamme. Chopper-Breitreifen, dazu ein paar klassische Dimensionen, doch für aktuelle Bikes war nichts im Programm zu finden, das der Rede wert war. Damit ist jetzt Schluss. Einen ersten Schuss vor den Bug der etablierten Hersteller feuerten die Engländer mit dem erstaunlich guten Ergebnis des Azaro II im Reifentest von Seite 128 ab. Ende Januar präsentierte Avon im spanischen Valencia die komplett neue Produktpalette im Radialreifen-Bereich. Azaro SP Pro-Series, AV 49/50, nennt sich der neue Sportreifen, der den etablierten Sportpneus ans Leder - pardon: Gummi will. Die schnellsten Heizeisen aus der Supersport-Liga stehen auf der GP-Piste in Spanien zum Test parat. Welches Schweinderl hätten’s denn gerne? Na das mit dem Loch in der Nase, bitt’ schön. Die Honda VTR 1000 SP-1, ein Motorrad, das fahrwerkstechnisch nicht zwingend zur ersten Garde gehört. Den AV 49/50 in 120/70 und 190/50 auf den Felgen, versöhnt der Power-Twin mit einer tadellosen Kurvenstabilität und einem klasse Handling. Zu spät auf der Bremse? Egal, die VTR kreiselt ohne Widerstand auf engster Linie ums Eck, folgt ohne Mucken dem Lenkbefehl aus dem Kommandostand, stellt sich kaum auf. Fiese Hundekurven, verzwackte Schikanen, ganz egal, auf den Avon-Gummis legt die VTR 1000 SP-1 in der Sympathiewertung dermaßen zu, dass der Herr Tester im Schräglagenrausch nicht mehr ablassen will. Was dazu führt, dass der Gummi nach 30 Minuten heißgebrannt, aber mit freundschaftlich klarer Ankündigung und ohne hinterhältige Highsider langsam an Grip verliert. Nur bei derb gerittenen Aktionen keimen auch bei den Avon 49/50-SP-Reifen leichte, jedoch keineswegs bedenkliche Unruhen auf. Unterm Strich: ein klarer Quantensprung für die Avon-Reifen, die sich jetzt nicht mehr vor den etablierten Heizgummis verstecken müssen. Zumal die Preise auch für die neue Reifengeneration deutlich unter denen der Konkurrenz liegen werden. Das trifft auch für die Touren-Pneus, Typ AV 45/46 ST, zu, die im Vergleich zu den Sportreifen nicht ganz so handlich, mit leichter Tendenz zum Übersteuern, aber ebenfalls bestechend viel Grip und einem stabilen Kurvenverhalten auf der Honda VFR für massiv zerspante Fußrasten sorgten. Im Vergleich zum Vorgängermodell AV 35/36 Azaro II. (siehe Test Seite 128) legt der Neue tatsächlich noch eins drauf.Sorgenfalten bereitet allerdings der auf fast allen Maschinen mehr oder weniger starke Shimmy-Effekt des Avon AV 45/46 ST, einem Lenkerflattern zwischen 70 und 90 km/h. Wen das weiter nicht stört, kann sich die aktuellen Freigaben und alle Infos unter der Telefon Nummer 0180-5676766 durchgeben lassen.

Ausprobiert FIM-Enduroreifen (Archivversion) - Al dente

Reifen mit Biss sind für echte Hardenduristen Pflicht. MOTORRAD probierte zwei Modelle von IRC und Mefo auf KTM EXC 400 und 520.
Nicht alle Stollenreifen sind vom internationalen Motorradsportverband FIM für Enduro-Wettbewerbe freigegeben, weil beispielsweise die Stollen zu hoch sind oder die Ausführung des Reifenprofils nicht den Richtlinien entspricht. Zwei vom FIM zugelassene Pärchen von IRC und Mefo fühlte MOTORRAD während einer einwöchigen Enduro-Tour in den italienischen Alpen ausgiebig auf die Zähne. Als Testfahrzeuge dienten die KTM-Sportenduros EXC 400 und EXC 520. Das Gelände bestand zum Großteil aus felsigen Untergründen und Schotterwegen sowie weichen Wald- und Wiesenwegen und Trialpassagen über Felsen. Außerdem gehörten Verbindungsetappen auf Asphalt zum Testterrain.Den insgesamt harmonischeren Eindruck hinterlassen die IRC-Gummis, die auf harten und steinigen Böden sehr viel Grip bieten. Dank stabiler Stollen kann man die KTM auch auf der Straße flott bewegen, wenngleich der Hinterreifen bei Schräglage im Übergang zu den äußeren Stollenreihen zum Wegrubbeln neigt. Auf weichen Waldböden greifen die Stollen nicht brillant, aber ausreichend, erst bei tiefen Böden oder Schlamm ist es mit dem Vortrieb vorbei.Auf diesem Untergrund haben die Mefo-Pneus klare Vorteile. Vor allem der Hinterreifen verbeißt sich regelrecht in weiche Böden. Bevor der hier an seine Grenzen stößt, streicht der Vorderreifen die Segel. Während die Mefo Schotterstrecken noch mit Anstand meistern, liegen ihnen felsige Passagen nicht - auch Asphaltkontakt sollten Enduristen meiden, da die Paarung kein zielgnaues Fahren aufgrund starken Pendelns zulässt.Wer seine Enduro also überwiegend über feste, steinige Böden scheucht, ist mit den IRC-Sohlen besser bedient. Je weicher der Untergrund, desto mehr kommen die Mefo in Fahrt. In puncto Lebensdauer liegen beide Paarungen mit jeweils rund 1000 Kilometern für die Hinterreifen gleichauf.

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