Im Test Sportreifen der Dimension 120/70 ZR 17 und 190/50 ZR 17 (Archivversion)

Breitensport

Starke Sportler brauchen starke Reifen. Sieben aktuelle Sport-Pneus auf der Kawasaki ZX-9R getestet..

Die etablierten Reifenhersteller bekommen Konkurrenz. Neben Avon, die ihre englischen Gummis noch nicht so recht auf dem deutschen Markt platzieren konnten, meldet auch Continental im Sportlerbereich Ansprüche an und lockt die Heizerfraktion mit dem neuen Force Max.Kein leichtes Spiel für die beiden Reifenproduzenten, zumal Markführer Bridgestone den BT 012 in bewährter SS-Mischung nachlegt. Dunlop packt ebenfalls eins drauf. Der D 207 wird durch den D 208 ersetzt, der nicht nur im Profil an den erfolgreichen GP-Renngummi angelehnt sein soll – verspricht die Werbekampagne. Brandneu aus Italien: der Pirelli Diablo, Nachfolger der Dragon-Baureihe.Was die Neuen tatsächlich können, probierte MOTORRAD mit der Kawasaki ZX-9R, der die Probanden auf die Felgen gezogen wurden. Dabei diente die Kawasaki schlicht als Testwerkzeug für die Standardversionen der 2003er-Reifen ohne Sonderkennung, die deshalb nicht immer eine Freigabe auf der Neuner haben. Beispielsweise ist der neue Dunlop D 208 für die ZX-9R bislang nur in der »M«-Version zugelassen, die neben der Standardvariante ebenfalls getestet wurde.Ein Übertragung der Testergebnisse auf andere Sportmaschinen ist in der Tendenz durchaus möglich. Ein Reifen, der auf der Kawasaki keinen Grip aufbaut, wird auch auf einer Yamaha YZF-R1 nicht zum Superkleber. Diese Erkenntnis trifft auf Eigenschaften wie Handling oder Kurvenstabilität ebenfalls zu. Selbstverständlich gilt das Testergebnis nur für die Dimensionen 120/70 ZR 17 und 190/50 ZR 17 in Verbindung mit 3.50 beziehungsweise 6.0 Zoll breiten Felgen. Denn auf schmale 5.50-Zoll-Felgen aufgezogen, verschlechtert sich das Fahrverhalten mancher 190er-Pneus dramatisch. Im Gegensatz zum großen Enduro-Reifenvergleich mit der BMW F 650 GS beschränkte sich dieser Test wegen des enormen Testaufwandes auf die Funktion bei trockener Straße. Verschleiß- und Nassfahrverhalten wurden nicht ermittelt. Das testprozedere: Gefahren wurde auf der spanischen Rennstrecke von Calafat, die durch das verwinkelte Streckenlayout und einen sehr welligen Belag mit unterschiedlichen Reibwerten hohe Ansprüche an Eigendämpfung, Kurvenstabilität, Handling und Lenkpräzision stellt. Innerhalb der zehn Testrunden wurde das Tempo kontinuierlich gesteigert, um auszuloten, ab welcher Beanspruchung die Reifen an Kurvenstabilität oder Haftung abbauen. Um möglichst praxisgerechte Ergebnisse zu erzielen, wurde in den ersten Runden die Sitzhaltung im konservativen Stil beibehalten. Also locker aufrecht, ohne Hanging-off und Gewichtsverlagerung.Warum? Weil der Großteil der Sportfahrer genau so auf kurvigen Landstraßen unterwegs ist und engagiertes Hanging-off manche Reifen in Sachen Handling, Einlenkverhalten und Kurvenstabilität beeinflußt. Lediglich die letzten zwei Runden wurden mit maximalen Kurvenspeed und hartem Beschleunigen an der Rutschgrenze absolviert. Wobei die Performance einiger Probanden durchaus ein überraschend zackiges Tempo erlaubt, ohne dass der Gummi bei hohen Temperaturen mit hinterhältigen Slides ausgestiegen wäre.Somit konnte das Fahrverhalten der Reifen realistisch auf Beanspruchung durch flottes Landstraßen- sowie forciertes Rennstreckentempo hin überprüft werden. Auf einem Rundkurs im spanischen Hinterland, der aus extrem anspruchsvollen, kurvigen Straßen bestand, gespickt mit engen Kehren und welligem Streckenbelag, wurden die Ergebnisse der Rennstrecke unter praxisgerechten Bedingungen gegengeprüft wurden. Wer auf der Rennpiste von einem Reifen noch mehr erwartet, noch mehr Schräglage fordert, noch brutaler am Kabel zieht, und das rundenlang, der sollte sich an den renntauglichen Pneus orientieren, die auf Seite 196 abgehandelt werden.
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Avon (Archivversion) - Azaro AV 49/50 SP

DatenReifentyp vorn Azaro AV 49 SP Sporthinten Azarao AV 50 SP Sport Gewicht: vorn 4,1 kg, hinten 5,7 kgBreite: vorn 120 mm, hinten 198 mmBewertungDer Azaro SP Sport ist einer von drei neuen Avon-Reifentypen und gedacht für den flotten, sportlichen Landstraßenfahrer ohne Rennambitionen. Und tatsächlich glänzt das Azaro-Pärchen mit bestem Handling, sehr leichtfüßigem Einlenken und neutralem Kurvenverhalten, bei dem sich gleichmäßige und sehr enge Bögen auf den Asphalt zaubern lassen. Sieht man vom ausgeprägten Aufstellmoment ab, gibt es beim zügigen Umrunden der Rennpiste nichts zu meckern. Geht’s allerdings zur Sache, verliert der AV 49/50 deutlich seine Performance, rutscht beim Beschleunigen kontrollierbar, jedoch früher als die etablierte Konkurrenz. Zudem beginnt der Hinterreifen beim Beschleunigen zu Pumpen und stempelt bei harten Fahrbahnkanten in Schräglage aus der Spur. Positiv: Der aktuelle Avon AV 49 weist im Gegensatz zu den Testreifen der Saison 2002 nur ein sehr geringes Shimmy (Lenkerflattern) auf. Fazit Der preisgünstige Avon passt für störrische Big Bikes wegen seiner Handlichkeit bei zügigen Ausfahrten auf Landstraßen prima. Wer mehr Haftung verlangt, muss auf die klebrigeren Avon-Mischungen, den Azaro Pro-Series oder Pro-Extreme zurückgreifen.

Bridgestone (Archivversion) - BT 012 SS

DatenReifentyp vorn Battlax BT 012F Radial SS-Typ hinten Battlax BT 012R Radial SS-Typ Gewicht vorn 4,2 kg, hinten 6,1 kgBreite vorn 116 mm, hinten 189 mmBewertungDer lang erwartete Nachfolger des legendären BT 56 SS-Typ verfügt über sehr ähnlich Tugenden wie sein Vorgänger. Ohne Macken und Hinterhältigkeiten saust der neue SS-Typ um den Kurs, lässt sich auf engen Bögen messerscharf um die Ecken biegen, dämpft harte Stöße prima ab und bietet fürs zackige Kurventänzchen ausreichend viel Grip. Erst bei harschem Tempo erreicht der BT 012 seine Haftgrenze, die er durch deutliches Auslenken des Hinterrades mit Pumpbewegungen klar und auch für weniger geübte Rennstrecken-Heizer unmissverständlich ankündigt. Handlichkeit und Kurvenstabilität bauen bei Renntempo etwas ab, bleiben jedoch in allen Lagen berechenbar. Das spürbare Aufstellmoment und die etwas unpräzise Rückmeldung vom Vorderrad gehören zu den kleinen Mängeln des japanischen Sportpneus. Fazit Fahrneutral, mit guter Haftung und einem breit gesteckten Grenzbereich, empfiehlt sich der Bridgestone BT 012 SS als vielseitiger Allrounder für Straße und gelegentliche Rennstreckeneinsätze.

Continental (Archivversion) - Conti Force Max

DatenReifentypvorn Conti Force Maxhinten Conti Force Max Gewicht vorn 4,5 kg, hinten 6,6 kgBreite vorn 122 mm, hinten 192 mmBewertungDie norddeutschen Reifenbauer tun sich im Segment sportlicher Radialreifen schwer. Der aktuelle Conti Force Max ist bedingt durch das unhandliche und störrische Lenkverhalten des Vorderreifens keine Empfehlung für sportliche Bikes mit der Reifendimension 120/70 ZR 17. Selbst im Landstraßentest bei gemäßigtem Tempo ärgert der Conti durch ein sehr störrisches Lenkverhalten, das dem Kurvenspaß mit der Kawasaki ZX-9R ein Ende setzt. Auf der Rennstrecke gesellte sich in deftigen Schräglagen zur schwammigen Lenkung eine ausgeprägte Tendenz zu weiten Kurvenradien, die es fast unmöglich machte, die tatsächlichen Haftungsreserven des 190er-Reifens auf dem Hinterrad auszuloten. FazitDa müssen die Hannoveraner noch mal ran. In der jetzigen Spezifikation kann der Conti in keiner Weise überzeugen und muss dringend überarbeitet werden. Bis dahin gilt: Finger weg vom Force Max.

Dunlop (Archivversion) - D 208 (M)

DatenReifentyp Vorn Sportmax Radial D 208 F (M)Hinten Sportmax Radial D 208 (M)Gewicht vorn 4,6 kg, hinten 6,1 kgBreite vorn 122 mm, hinten 192 mmBewertung Bei flottem Landstraßentempo ist der D 208 im Element, lenkt federleicht ein, findet in allen Kurvenkombinationen sauber die angepeilte Linie und bleibt in Schräglage stabil und sicher. Leider ändert sich dieser angenehme Charakter, sobald man der Kawasaki die Sporen gibt. In extremen Schräglagen verlässt die Maschine die angestrebte Ideallinie, wird unhandlicher und hat beim Überfahren von Bodenwellen die Tendenz zum Stempeln, neudeutsch Chattering. Mit dem D 208 in der für die Kawasaki vorgeschriebenen M-Version ist die Eigendämpfung bei Bodenwellen spürbar besser, bei den anderen Kriterien verändert sich dagegen nur wenig. Fazit Ein harmonischer Straßensportreifen mit positivem Einfluss auf Handlichkeit und Lenkpräzision. Für den supersportlichen Ritt auf der Rennpiste fehlt es jedoch an Kurvenstabilität und Haftung.

Metzeler (Archivversion) - Sportec M-1

DatenReifentypvorn Sportec M-1hinten Sportec M-1Gewicht vorn 4,0 kg, hinten 5,8 kgBreite vorn 120 mm, hinten 194 mmBewertung Der Münchner Sportreifen mit Stahlgürtelkonstruktion macht es dem Fahrer schwer, ein gezügeltes Tempo beizubehalten. Vom ersten Meter an ein klasse Gefühl, fräst die Kawasaki mit diesem Gummi eine blitzsaubere Linie in den Asphalt. Kaum spürbar das Aufstellmoment, mit präziser Lenkung und tadelloser Kurvenstabilität macht der Sportec seinem Namen alle Ehre. Geht’s zur Sache, ist der Metzeler mit sattem Grip, berechenbarem Grenzbereich und hoher Stabilität noch lange nicht am Ende. Lediglich am Kurvenausgang und in schnellen Wechselkurven muss er bei der wilden Hatz mit gezieltem Krafteinsatz auf die enge Linie gezwungen werden. Fazit Ein toller Sportreifen für alle Fälle. Als Landstraßenfeger taugt der Sportec ebenso wie zur strammen Jagd über die Rennpiste. Wem das Haftungspotenzial nicht genügt, dem hilft nur noch der Metzeler Rennsport weiter.

Michelin (Archivversion)

DatenReifentypvorn Pilot Sport »E«hinten Pilot SportGewicht vorn 4,0 kg, hinten 5,8 kgBreite vorn 115 mm, hinten 197 mmBewertungDurch die Verwendung des Vorderreifens in E-Spezifikation legt das Michelin-Duo in Sachen Aufstellmoment und Einlenkverhalten gewaltig zu und lässt sich ohne nennenswerten Widerstand in die Kurven dirigieren. In kaltem Zustand noch etwas kippelig und unsicher, feuert der aufgewärmte Pilot Sport tadellos um die verzwickte Rennpiste. Einen Tick handlicher als der Metzeler, mit fast ebenbürtig hohen Haftungsreserven, taugt derMichelin auch zum engagierten Ritt über die Piste, verlangt bei den enormen Schräglagen ähnlich wie der Metzeler jedoch eine stramme Hand, um die Radien wie gewünscht hin zu zirkeln. Am Grenzbereich angelangt, kündigen die Michelin-Gummis mit leichten Unruhen und einem deutlich spürbaren Auslenken der Hinterhand vom Ende der Fahnenstange.Fazit Dank des überarbeiteten Vordereifens, ist die sportliche Michelin-Paarung bedenkenlos für die Landstraße und bedingt auch zur Rennstreckenhatz geeignet.

Pirelli (Archivversion) - Diablo

DatenReifentypvorn Diablohinten DiabloGewicht vorn 4,1 kg, hinten 5,8 kgBreite vorn 120 mm, hinten 192 mmBewertung:Der brandneue Pirelli Diablo setzt in vielen Kriterien den Maßstab. Kurvenstabilität in allen (Schräg-)Lagen, Handlichkeit und Haftung, hier ist der Diablo mit leichtem Abstand zur Konkurrenz Chef im Ring. Bei dezentem Landstraßentempo stört höchstens die etwas steife Karkasse den Abrollkomfort. Dafür wetzt der Pirelli in teuflischen Schräglagen um die Ecken und glänzt selbst nach vielen Runden und bei hohen Reifentemperaturen mit tadelloser Kurvenstabilität und souveräner Haftung. Erfreulich auch das geringe Aufstellmoment und die glasklare Rückmeldung des Vorderreifens. Fazit Pirelli knüpft mit dem Diablo nahtlos an den hohen Standard der Dragon-Evo-Baureihe an. Ein waschechter Sportreifen, der auch für zackiges Rennstreckenwetzen gerüstet ist.

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