Reifenberatung Suzuki GSF 600 Bandit (Archivversion)

Rundschau

Für die Suzuki 600 Bandit gibt´s mittlerweile Reifenfreigaben en masse: MOTORRAD nahm fünf davon unter die Lupe.

Nach nunmehr neun Monaten und knapp 25 000 Kilometern hat die Langstrecken-Bandit von MOTORRAD die Hälfte ihres Marathonlaufs hinter sich. Zwar war nicht alles eitel Sonnenschein, was die 600er bis dato lieferte, doch große Ausfälle gab´s noch keine. Es sind eher Kleinigkeiten, die das Leben mit der sympathischen GSF komplizieren. Zum Beispiel das Startverhalten: bei kalter Witterung katastrophal. Und die Blinkergehäuse: permanent von Hochwasser geflutet. Außerdem schlug nach 10 000 Kilometern ein Gabeldichtring leck.Als Nervtöter macht sich dieser Tage das inzwischen bös hakende Getriebe einen Namen: Wenn morgens der erste Gang reinkracht, hängt die Nachbarschaft an den Fenstern. Richtigen Ärger bereitet indessen nur das miese Zentralfederbein, das schon seit Kilometerstand 5000 eher als Luftpumpe denn Stoßdämpfer fungiert. Mittels Nachrüst-Kit will MOTORRAD diesen Schwachpunkt beseitigen. Ob´s funktioniert, lesen Sie demnächst unter der Rubrik Nachgehakt.Vorgefühlt haben wir schon mal in Sachen Reifen und von den freigegebenen Paarungen fünf einem ausgiebigen Testprogramm unterzogen. Gewiß, der Rest kommt auch noch dran, doch es geht halt nicht immer alles in einem Rutsch.
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Bridgestone (Archivversion)

Ein knallharter Typ: Der Bridgestone Exedra, Serienpneu der MOTORRAD-Testmaschine, ist ein durch und durch durchschnittlicher Reifen. Es gibt nichts, was er besonders gut kann, und nur ein Thema, das er überhaupt nicht beherrscht: die Eigendämpfung. So holpert er trampelhaft über Flickensträßchen, außerdem geht dort seine ansonsten ordentliche Zielgenauigkeit flöten. Handling, Stabilität und Aufstellmoment rangieren unter den Begriffen befriedigend bis ausreichend, der Geradeauslauf verdient die Note zwei minus. Beim Herausbeschleunigen aus Kurven verliert der Exedra zwar ziemlich zeitig seine volle Haftfähigkeit, allerdings ohne Heimtücke: Man weiß stets, woran man ist. Ähnlich fair benimmt sich das japanische Gummipärchen auf nasser Fahrbahn - schliddert konstant, aber gut kontrollierbar.

Dunlop (Archivversion)

Welch ein Jammer: Da ist dieser Dunlop so ein klasse Reifen, brilliert in puncto Zielgenauigkeit, verleiht der Bandit ein traumhaftes Handling, heimst in Sachen Kurvenstabilität, Haftung und Komfort ein Sternchen nach dem anderen ein. Beim Bremsen in Schräglage macht er keinerlei Zicken, und das Schönste: Bei Nässe rollt er dahin, als sei er mit Saugnäpfen bestückt. Bis die Dunlopschen Sohlen zu rutschen beginnen - das dauert, und wenn´s so weit ist, läßt sich die Maschine noch lange vorm ultimativen Ausrutscher bewahren. Wunderbar. Doch leider, leider produzieren diese Super-Pneus zwischen 60 und 80 km/h ein fürchterliches Lenkerflattern. MOTORRAD wollte nach den Rennstrecken-Testfahrten wissen, ob dieses Symptom zur chronischen Krankheit ausartet und zog die Paarung zu Hause noch einmal auf. Ergebnis: Das Gezappel wird mit jedem Kilometer schlimmer.

Metzeler (Archivversion)

Ziemlich zwielichtig: Bei den Testfahrten auf der Rennstrecke im französischen Ledenon war der Metzeler zweiter Proband hinter dem Bridgestone. Im direkten Vergleich mit den Japan-Pneus schnitten die bayerischen Gummis ausgezeichnet ab. Wesentlich handlicher und komfortabler, gegenüber Spurrillen noch unempfindlicher, insgesamt stabiler und obendrein einen Tick zielgenauer, vermitteln die Münchner mehr Freude am Fahren, schaffen eine wesentlich direktere Verbindung zwischen Mensch, Maschine und Asphalt. Unglücklicherweise jedoch nur bis zu einer gewissen Schräglage, da dem ME Z 2 die fiese Eigenart anhaftet, urplötzlich Grip vermissen zu lassen. Diese Gemeinheit zieht er auf trockener wie nasser Straße durch, während sich der Vorderreifen (ME Z 1 Front) tadellos benimmt. So fand der Metzeler trotz seiner Vorzüge gegenüber dem Exedra später doch noch seinen Meister.

Michelin (Archivversion)

Die reinste Software: Es gibt Reifen, die nicht unumwunden als gut zu bezeichnen sind und dennoch jede Menge Spaß bringen. Der Macadam 90 X ist einer davon. Komfortbetont verwöhnt er durch sänftenartiges Fahrverhalten, dämpft jeden noch so hartgesottenen Faltenwurf drittklassiger Straßenbeläge nieder. Bei schneller Gangart hapert´s allerdings an der Stabilität: Ab 160 km/h wird der Geradeauslauf von Rührbewegungen begleitet, in Kurven beginnt die Bandit weit früher unterhaltsam zu schunkeln. Unterhaltsam, weil die Schaukelbewegungen niemals ernsthafte Züge annehmen und weder Zielgenauigkeit noch Handling Wünsche offen lassen. So bereitet der engagierte Umgang mit den weichherzigen, haftfreudigen Michelins pures Vergnügen. Doch bei Nässe hört der Spaß auf: Erstens vermittelt der Vorderreifen kein gutes Gefühl, zweitens geht der Grip auf gemeine Art in Schlupf über.

Pirelli (Archivversion)

Hier kommt der Meister: Der Pirelli, einziger Pneu in diesem Quintet, der vorn die Größe 110/80 statt 110/70 aufweist, schneidet bei dieser Reifenempfehlung am besten ab, da er keine auffälligen Schwächen zeigt, dafür aber einige Stärken zu bieten hat. Zum Beispiel die tadellose Lenkpräzision bei nahezu perfekter Kurvenstabilität. Hinzu kommen eine gehörige Portion Grip und Komfort. Zu den allerhandlichsten gehört der MTR nicht, außerdem zeigt er sich gegenüber Spurrillen ein wenig empfindlich. Beim Geradeauslauf schneidet er auch nicht unbedingt am besten ab, dennoch verblassen diese kleinen Unzulänglichkeiten, da die Pirelli bestückte Bandit insgesamt ein sehr harmonisches Gangbild abgibt - sowohl im Trockenen als auch bei Regen. Etwas mehr Naßhaftung hinten schadete freilich nicht.

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