Reifenempfehlung für Kawasaki ZX-6R (Archivversion)

Das schwarze Mehr

Kawasakis 600er Brenner hat die Halbzeit im MOTORRAD-Langstreckentest hinter sich. Genug Zeit zu erproben, mit welcher der aktuellen Reifenpaarungen die ZX-6R am besten fährt.

»Keine besonderen Vorkommnisse« sind im Fahrtenbuch der Kawasaki bis Kilometerstand 30 000 verzeichnet. Was nicht heißt, daß es nichts zu meckern gab. So mußten die Bremsscheiben nach 14 000 Kilometern ersetzt werden, um das lästige Rubbeln abzustellen. Und der Kupplungszug riß bei Kilometerstand 20 150. Helle Freude bereitete dagegen der bärenstarke Motor, der selbst hubraumverwöhnte Touren-Spezies durch seinen satten Durchzug und seine Laufkultur überzeugte.Doch weil der Sportler hin und wieder beherzt um die Rennpiste gedroschen wurde, notierten die Heizer immer wieder heftiges Gabelflattern. Mit White-Power-Federn und modifizierten Dämpfungs-Teilen bestückt, reduzierte sich das Phänomen deutlich, völlig beseitigt ist es aber nicht. MOTORRAD wird weiterhin Ursachenforschung betreiben, da sich nach letzten Erkenntnissen eine ganze Reihe von ZX-6R-Fahrern im Sporteinsatz mit diesem Problem herumschlagen. Die Ergebnisse werden umgehend nachgereicht. Kawasaki-Piloten, die auf der Suche nach neuen Sohlen sind, erfahren dagegen schon jetzt, ob sich der eine oder andere Kritikpunkt am Fahrverhalten mit anderen Reifen abschwächen oder gar beseitigen läßt. Sechs Pärchen mußten zeigen, wie sie sich mit dem agilen Fahrwerk vertragen. Nicht bewertet wurden Verschleißverhalten und Naßhaftung, da beides nur in einem extrem aufwendigen Testverfahren zuverlässig ermittelt werden kann. Kästen unten:Reifenbezeichnungen von links nach rechtsBridgestone BT 50F/BT 50Dunlop D 204F/D 204 Sportmax IIMetzeler ME Z 1 Front/ME Z 1Michelin Macadam 90 XPirelli MTR 01/MTR 02Michelin TX 15/25, TX 15/25 Race
Anzeige

Bridgestone BT 50 (Archivversion)

Mit den sereinmäßigen Reifen bestückt, richtet sich die Kawasaki beim Bremsen in Schräglage vehement auf. Auch in puncto Handling und Zielgenauigkeit auf welligem Asphalt fehlt dem etwas teigigen Bridgestone-Pärchen der letzte Schliff. Mit perfekter Fahrstabilität meistert es dafür Vollgas-Passagen und unterbindet das nicht ungefährliche Lenkerschlagen der ZX-6R schon im Ansatz. Die durchweg befriedigende Haftung wird nur auf holprigen Flickstellen durch die fehlende Eigendämpfung gestört. Für den sportlichen Einsatz empfiehlt es sich deshalb, den Luftdruck von 2,5/2,9 bar auf 2,3/2,5 bar abzusenken.Fazit: Gute Fahrstabilität, akzeptable Haftung, aber Schwächen im Lenk- und Kurvenverhalten.

Dunlop D 204 (Archivversion)

Aufgrund des sehr gewöhnungsbedürftigen Eigenlenkverhaltens und deutlichem Aufstellen beim Bremsen in Kurven, kann der Dunlop D 204 Sportmax II nicht überzeugen. Enge Kurven und verzwicktes Geschlängel erfordern viel Konzentration, um eine saubere Linie beizubehalten. Man hat das Gefühl, daß das Hinterrad nur unwillig dem Vorderrad folgt. Beim Thema Haftung hinkt der Sportmax II.den serienmäßigen Bridgestone-Gummis etwas hinterher, wobei auch der Dunlop Radial-Reifen mit dem hohen Luftdruck von 2,5/2,9 bar auf holrigen Pisten schnell den Halt verliert und beim Beschleunigen aus Kurven zu stempeln beginnt. Fazit: Ein Reifen, der nicht mit dem sensiblen Lenkverhalten der sportlichen Kawasaki ZX-6R harmoniert.

Metzeler ME Z 1 (Archivversion)

Draufsitzen und wohlfühlen - mit den Metzeler ME Z 1-Stahlgürtelreifen gelingt alles besser. Enge Serpentinen, schnelle, wellige Biegungen, die ME Z 1 meistern Kurven aller Art zielgenau, federleicht und fahrstabil. Eine hervorragend, beherrschbare Haftung im Grenzbereich, komfortable Eigendämpfung und tadelloser Geradeauslauf zählem zuu den weiteren Qualitäten. Auf der Landstraße wie auf der Rennpiste vermitteln die ME Z 1-Reifen ein sattes, sehr direktes Fahrgefühl. Lediglich das Bremsen in Schräglage quittiert die ZX-6R mit leichtem, aber gut kontrollierbarem Aufstellmoment. Fazit: Ein Reifen mit präzisem Lenkverhalten, gutem Handling und sportlichem Grip. Das beste Fahrwerks-Tuning für die ZX-6R.

Michelin TX 25 (Archivversion)

Die viel zu flexible Karkasse am Michelin TX 25- Hinterradreifen macht aus dem stabilen ZX-6R-Chassis bei flottem Tempo ein Schaukelpferd. Speziell beim Beschleunigen in Kurven walkt der Reifen übermäßig stark, baut wenig Grip auf und vermiest das an sich gute und leichtfüßige Lenkverhalten des Vorderradreifens. Ganz anders dagegen die sportliche Michelin-«Race«-Ausführung mit stabilisierendem Diagonalgürtel, die ohne weitere Freigabe-Bescheinigung anstatt des normalen TX 15/25 montiert werden kann. Sie überrascht mit der besten, fast schon slickartigen Haftung, hoher Kurvenstabilität und tadellosem Handling. Fazit: Der Michelin TX 15/25 ist nur in der »Race«-Ausführung zu empfehlen.

Michelin Macadam 90 X (Archivversion)

Als sportlicher Tourenreifen mit bekannt hoher Laufleistung macht der Michelin Macadam 90 X die Schwächen des TX 15/25 im Landstraßenbetrieb wett. Leichtes Handling, sehr geringes Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage, gutem Fahrkomfort und befriedigende Kurvenstabilität zeichnen den Macadam 90 X als wirklich guten Straßenreifen aus. Die Haftung, speziell bei heißem Reifen liegt etwas unter der des Bridgestone BT 50. Nur bei kurvigen Vollgas-Passagen mit Bodenwellen kommt das Fahrzeugheck mit dem Michelin Macadam 90 X in leichte Rührbewegungen.Fazit: Handlich, komfortabel und mit ausreichender Haftung eine Empfehlung für den weniger sportlichen Langstrecken-Einsatz.

Pirelli MTR (Archivversion)

Pirellis MTR 01/02 Dragon setzt den Metzeler-Qualitäten in puncto Sportlichkeit noch eins drauf. Mit messerscharfer Lenkpräzision pfeilt der Dragon um Kurven und Biegungen aller Art und vermittelt vom ersten Meter an ein souveränes Fahrgefühl, das im sportlichen Einsatz mit der hervorragenden Haftung bereits in normaler Gummmimischung und dem leichtfüßigen Handling seine Bestätigung findet. Mehr Haftung gibt´s nur bei den Michelin-«Race« Gummis. Trotz aller Sportlichkeit läßt es der Dragon MTR 01/02 an Eigendämpfung und Komfort nicht fehlen. Etwas unsicher torkelt er dafür über ausgefahrene Langsrillen und Trennfugen. Fazit: Für den sportlich orientierten Fahrer mit die beste Empfehlung.

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote