Reifenpanne, was tun?––––– (Archivversion)

Erste Hilfe–––––

Statistisch gesehen gehören Reifenpannen zu den seltenen Ereignissen im Alltag eines Motorradfahrers. Erwischt es ihn dann doch, hhilft aber auch die beste Statistik nicht weiter. Sondern nur gezielte Erste Hilfe.

Freudestrahlend verläßt Reinhard S. mit seinem Motorrad den Hof des Reifenhändlers seines Vertrauens. Gerade hat er sich für rund 450 Mark einen neuen Hinterreifen aufziehen lassen. Keine zehn Kilometer später steht Reinhard S. lauthals fluchend am Straßenrand. Eine Schraube, die sich der nagelneue Reifen eingefangen hat, verschafft ihm die Zwangspause. Pannenhilfe ist angesagt.Ein Anruf bei einer Pannendienst-Organisation ist eine Möglichkeit - macht meist aber nur dann Sinn, wenn man sich auf einer Autobahn oder Schnellstraße befindet. Ansonsten wartet man unter Umständen Stunden auf die Helfer. Können diese den Platten auch nicht beheben, so raten sie in der Regel zu einer Bergung per Abschleppdienst. Und dann wird’s teuer. Selbst bei Abschleppentfernungen unter 20 Kilometern belaufen sich die Kosten auf über 300 Mark.Günstiger und abseits Bundesstraßen oder Autobahnen auch weitaus schneller ist die Selbsthilfe. Wenn nur die Spitze einer Schraube oder eines Nagels ein Loch in die Lauffläche gepiekst hat, leisten Pannensets, die zu Preisen von 10 bis 30 Mark im Zubehörhandel oder an Tankstellen angeboten werden, gute Dienste. Ein bewährtes Mittel ist auch Reifenmilch, die sogar der Automobilhersteller Daimler-Benz optional statt Reserverad unter dem Namen Tirefit im Programm hat.Ebenso sind Flickzeug und Pannenspray bei kleineren Beschädigungen als Erste-Hilfe-Maßnahme vor Ort brauchbar und ermöglichen dem Geschädigten die Fahrt zur nächsten Werkstatt. Als dauerhafte Reparatur darf allerdings keines dieser Mittel angesehen werden. Es kann durchaus sein, daß ein solchermaßen geflickter Reifen noch eine halbe Weltreise übersteht. Es kann aber auch sein, daß er bei der nächsten Fahrt bei 200 km/h auf der Autobahn undicht wird - die Folgen kann sich jeder selbst ausmalen. Nicht umsonst weisen sowohl Reifen- als auch Pannenset-Hersteller darauf hin, daß ein geflickter Mantel oder Schlauch unter allen Umständen schnellstmöglich gegen einen neuen ersetzt werden muß (siehe Kasten Seite 178).Theoretisch kann eine beschädigte Bereifung zwar nach fachmännischer Begutachtung wieder instandgesetzt werden, doch praktisch wird kaum ein Reifendienst die Gewähr übernehmen, da die alleinige Haftung für die Reparatur am Reparaturausführenden hängen bleibt. Bei größeren Beschädigungen wie Schnitten, Rissen oder gar Verletzungen in den Reifenflanken versagen ohnehin alle Reparaturversuche. Ein solchermaßen geschädigter Reifen ist nicht mehr zu retten und gehört auf den Müll.Pannensets ersparen einem in der Regel also nicht den Kauf eines neuen Reifens, aber unter Umständen eine Menge Unannehmlichkeiten. Denn wer mit einem platten Pneu irgendwo in freier Wildbahn liegenbleibt, der weiß diese Art Notbesteck bald zu würdigen. Wer allerdings ein Handy besitzt und nicht gerade mitten in der Wüste eine Reifenpanne hat, der kann damit vielleicht auch seinen Freundeskreis zu einer Hilfsaktion mobilisieren und somit auf die kleinen Pannenhelfer verzichten.
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Reifenpanne: Mittel zur Reparatur (Archivversion) - So sehen’s die Reifenhersteller–––––

Beschädigungen an einem Reifen müssen grundsätzlich von einem Fachmann überprüft werden. Eine Reparatur im Pannenfall kann und darf nur eine Notreparatur darstellen. Generell dürfen nur Beschädigungen im Bereich der Lauffläche repariert werden, und selbst hier gibt es enge Toleranzen. Beschädigungen im Bereich der Reifenflanken sind irreparabel. Der Austausch der beschädigten Decke und/oder des Schlauchs muß unverzüglich erfolgen. Keinesfalls darf ein notdürftig geflickter Reifen weiterverwendet werden, da nie genau gesagt werden kann, wie groß der effektiv entstandene Schaden ist und welche Folgeschädigungen sich daraus ergeben können. Ist der Pneu längere Zeit ohne Luft gefahren worden, kann er durch die Walkarbeit unsichtbar beschädigt worden sein. Eingedrungene Feuchtigkeit kann zu Korrosion an der Karkasse führen und diese schädigen. In der Regel muß von einer Reparatur Abstand genommen werden.Soll ein defekter Reifen dennoch instandgesetzt werden, so ist der Reparaturausführende für alle eventuellen Folgen verantwortlich und haftbar. Der Reifenhersteller lehnt in solch einem Fall jegliche Gewährleistung ab.

Reifenpanne - was tun? (Archivversion) - Flickzeug

Wer Schlauchreifen fährt, kann sich im Pannenfall mit Flickzeug behelfen. Damit lassen sich beinahe alle Beschädigungen eines Schlauch flicken, egal ob durch einen Nagel, Dornen und Reifendurchschlag verursacht. Nur bei Löchern im Ventilbereich funktioniert das Flickzeug nicht. Die kleinen Schachteln, die alle zur Reparatur notwendigen Utensilien enthalten, gibt’s im Zubehörhandel und kosten zwischen fünf und zehn Mark. Ähnliche Angebote aus dem Fahrradbereich sind für Motorräder weniger geeignet, da die Flicken zum Abdichten der Löcher deutlich kleiner ausfallen.Die eigentliche Reparatur des Schlauchs ist auch von weniger Geübten leicht auszuführen. Das Abziehen des Mantels verlangt neben dem Mitführen von geeignetem Werkzeug aber einiges an handwerklichem Geschick, um den Schaden nicht noch größer zu machen, als er ohnehin schon ist. Nachdem das Loch lokalisiert wurde, wird die Schlauchfläche rund um den Defekt mit Schleifpapier aufgerauht und mit Vulkanisierlösung bestrichen. Nach einer kurzen Trockenphase der Lösung kann der entsprechende Reparaturflicken aufgebracht und kräftig angedrückt werden.

Reifenpanne - was tun? (Archivversion) - Pannenspray

Sowohl für Schlauch- wie auch für Schlauchlosreifen eignet sich im Pannenfall der Einsatz von sogenannten Pannensprays. Der Zubehörhandel und viele Tankstellen halten die fixen Pannenhelfer zu Preisen von 10 bis 20 Mark bereit. Ist die Beschädigung nicht allzugroß - die Experten sprechen von Lochdurchmessern von maximal zwei bis drei Milimetern -, können die Pannensprays einen Reifen wieder flott machen. Ein Vorteil der Spraydosen: Sie liefern den Druck gleich mit, eine Pumpe ist nicht nötig.Nach dem Entfernen des Fremdkörpers aus dem Reifen wird dieser einfach mittels des Pannensprays wieder aufgepumpt. Ist ausreichend Druck im Pneu vorhanden, raten die Bedienungsanleitungen, sofort mit mäßiger Geschwindigkeit loszufahren, damit sich das Mittel gleichmäßig im Reifen verteilen kann. Die im Pannenspray enthaltenen Partikel stauen sich durch die ausströmende Luft an der defekten Stelle des Mantels beziehungsweise des Schlauchs und verschließen diese. Eine Luftdruckkontrolle bei nächster Gelegenheit gibt Aufschluß über den Erfolg der Reparatur.Der in Folge notwendige Reifenwechsel offenbart dann den Nachteil der Pannensprays: Sie hinterlassen im Reifen und auf der Felge eine ordentliche Sauerei.

Reifenpanne - was tun? (Archivversion) - Pannensets

Eine einfache Möglichkeit, einen defekten Reifen behelfsmäßig zu reparieren, bieten Pannensets. Das Loch im Pneu wird einfach mit einem Gummipfropfen verschlossen. Die Anwendung dieser Pannenhilfe beschränkt sich dadurch allerdings auf Schlauchlosreifen. Das komplette Pannenset inklusive der zum Aufpumpen notwendigen CO2-Patronen ist im Fachhandel für rund 30 Mark erhältlich. Bei BMW-Motorräder gehört solch ein Pannenset inklusive Flickzeug bereits zum Bordwerkzeug. Wer sich aus diesem Angebot bedienen möchte, wird für rund 40 Mark bei jedem BMW-Händler fündig.Zuerst wird der Fremdkörper aus dem Reifen entfernt und dann das Loch mit einer Aale aufgerauht. Anschließend wird der zu reparierende Bereich mit Vulkanisierlösung präpariert und wiederum mit der Aale ein Reparaturstopfen eingezogen. Der überstehende Pfropfen wird gemäß der Reparaturanleitung abgeschnitten und der Reifen mit den CO2-Patronen wieder befüllt. Da die CO2-Füllung leicht flüchtig ist, sollte sie umgehend gegen eine Füllung aus Luft ersetzt werden.

Reifenpanne - was tun? (Archivversion) - Reifenmilch

»Die Milch macht’s«- ein Slogan, der nicht nur für die Lebensmittelindustrie Gültigkeit hat. Reifenmilchprodukte helfen im Pannenfall, können aber auch präventiv zur Vorbeugung gegen die Folgen von Reifenschäden oder gegen schleichende Plattfüße eingesetzt werden. Die Anwendung ist in allen Fällen die gleiche.Nach dem Entfernen des Ventileinsatzes wird über den Ventilschaft die vom Hersteller vorgeschriebene Menge an Reifenmilch in den Reifen gefüllt. Anschließend den Ventileinsatz wieder einschrauben und den Pneu aufpumpen. Beim Fahren verteilt sich die Milch an der Innenseite des Reifens. Erst jetzt, nachdem sich die Reifenmilch gleichmäßig verteilt hat, darf der Fremdkörper aus dem Gummi entfernt werden. Die von der ausströmenden Luft mitgerissenen Partikel der Reifenmilch verhaken sich im Loch und versiegeln es so dauerhaft.Reifenversiegelungsprodukte sind im Motorradzubehörfachhandel für rund 20 Mark oder bei manchen Herstellern nur im Direktbezug (LTP-Laue-Reifenmilch, Telefon 08152/8949) erhältlich. Aber aufgepaßt: Wer keine Luftpumpe dabei hat, der benötigt im Pannenfall CO2-Patronen zum Aufpumpen des platten Reifens. Und die schlagen mit rund 25 Mark zusätzlich zu Buche.

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