Gratwanderung: Auf bewässertem Handlingparcours testen, wann das Ende der Haftreserven erreicht ist. Tatsächlich hat unsere XJ keine Blessuren erleiden müssen

Test Klassik- und Youngtimerreifen für Motorräder

Handlichkeit und Stabilität

Welcher Motorradreifen für Klassiker und Youngtimer hat es wirklich drauf in Sachen Handlichkeit und Stabilität, bei Sonne und auch bei Regen? Acht Reifenpaare in den ­Größen 100/90-18 und 120/90-18 im Test auf einer 1991er-Yamaha XJ 900 F.

Wir geben es offen und ohne Umschweife zu: Ja, dieser Reifentest war mehr als notwendig und seit Langem überfällig. Nur lief uns MOTORRAD-Testern bei der jährlichen Planung immer wieder was dazwischen: Wir müssen dringend die Enduroreifen für die neue GS machen, ist ja Deutschlands Topseller! Wäre nicht die 190er-Dimension für die Supersportler ein Pflichtthema? Für den großen Verschleißtest stehen sechs flammneue Yamaha FJR bereit – ab in den Süden!

Natürlich schieben wir aber ein wenig Schuld an die Reifenhersteller weiter. Prestigeträchtige Supersportreifen, alleskönnende Tourengummis und Neuentwicklungen für die Topseller standen auch auf deren To-do-Liste deutlich weiter oben als neue Reifen für die zahllosen Klassiker und Youngtimer zu entwickeln – sprich für die Motorräder, die Sie, liebe Leser, mit Vorliebe und Verve bewegen.

Natürlich flatterten immer wieder zahlreiche Anfragen ins Haus. Kurz gefasst ließen sich fast alle auf eine Formel bringen: Brauche neue Reifen für meinen ­Oldie. Soll ich wieder zum BT45 greifen, oder gibt es inzwischen was Besseres?

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Foto: Motorrad Classic
Nach unseren Testfahrten auf dem Hochgeschwindigkeitsoval sowie im trickreichen Handlingparcours lässt sich das Feld aller acht Kontrahenten ganz klar in zwei Gruppen einteilen. Klar an der Spitze des kompletten Testfelds behauptet sich die Radialpaarung von Conti. Sie beeindruckt vor allem durch superbes Handling, hohen Grip und Ausbleiben jedweden Shimmy-Effekts. Das diagonale Verfolgerfeld ist dem Radial-Conti aber dicht auf den Fersen. Allen voran der Michelin, der deshalb in der reinen Diagonalwertung auf der Pole Position steht. Bis zu den zwei vierten Plätzen (ContiGo!, Dunlop Streetsmart) ist das Leistungsniveau sehr hoch und auf vergleichbarem Level. Deutlich schwächer dagegen die Leistung der drei Letzten: Avon, Metzeler und Pirelli.
Nach unseren Testfahrten auf dem Hochgeschwindigkeitsoval sowie im trickreichen Handlingparcours lässt sich das Feld aller acht Kontrahenten ganz klar in zwei Gruppen einteilen. Klar an der Spitze des kompletten Testfelds behauptet sich die Radialpaarung von Conti. Sie beeindruckt vor allem durch superbes Handling, hohen Grip und Ausbleiben jedweden Shimmy-Effekts. Das diagonale Verfolgerfeld ist dem Radial-Conti aber dicht auf den Fersen. Allen voran der Michelin, der deshalb in der reinen Diagonalwertung auf der Pole Position steht. Bis zu den zwei vierten Plätzen (ContiGo!, Dunlop Streetsmart) ist das Leistungsniveau sehr hoch und auf vergleichbarem Level. Deutlich schwächer dagegen die Leistung der drei Letzten: Avon, Metzeler und Pirelli.

Auf der Landstrasse und im Alltag

Zweifelsohne hat die Motorradentwicklung seit dem Rollout des legendären Daimler‘schen Reitwagens eine ungeheure Dynamik erfahren. Was die Reifenkonstrukteure immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt hat. Je schneller Motorräder wurden, desto mehr mussten auch die Gummis dem flotten Vorwärtsdrang genügen. Und so standen zunächst vor ­allem diese drei Punkte im Lastenheft der Reifenbauer: Stabilität, Stabilität und nochmals ­Stabilität. Vor allem aber trieben auch die Fahrzeugbauer dieses Anforderungsprofil stark ­voran – und das tun sie zum Teil bis heute. Um etwa ins Erstausrüstungsgeschäft zu kommen, mussten beziehungsweise müssen die Reifenkonstrukteure für manchen Motorrad­hersteller ultrastabile Rundläufer bereithalten. Damit soll vor allem ausgeschlossen werden, dass das Bike bei Highspeed zum schwer kontrollierbaren Pendel wird. Auf der anderen Seite müssen aber auch die vielfältigen Interessen der Motorradfahrer berücksichtigt werden. Und jeder, der mehr Kurven und Kehren als das stumpfe Tempomachen schätzt, wird sein Problem mit solch bockstabilen Gummis haben.

Die Entwicklungsschere lässt sich nämlich nicht beliebig weit aufspannen: Jeder Zuwachs an Stabilität kann schnell zu Lasten der Handlichkeit gehen – meist sehr deutlich. Gerade im Klassik-Geschäft sollte man als Reifenentwickler ein feinfühliges Händchen beweisen. Denn zum Teil darf ein gewisser Nachschlag an Stabilität nicht fehlen. So können sich durch gut ­abgestimmte Reifen auch manche modelltypischen Fahrwerksschwächen glattbügeln lassen. Doch Obacht – Wunder sind nicht zu erwarten. Vor allem, wenn Federelemente verschlissen oder Lager ausgelutscht sind, wird auch die noch so stabilste Reifenpaarung keine Ruhe in die Fuhre bringen. Auf der anderen Seite kann ein mehr handlich konfigurierter Reifen einem zähen Geradeausläufer, der förmlich mit Gewalt in jede Kurve geprügelt werden will, eine ­regelrechte Dynamik-Kur verpassen.

Jetzt ist es eigentlich an Ihnen, selbst zu entscheiden. Die nebenstehende Tabelle ist nach unserem bewährten Reifentestschema aufgebaut und umfasst alle relevanten Punkte, die ein Reifen unter Idealbedingungen im Alltag auf Landstraßen und Autobahnen, bei der Feierabendrunde über die Hausstrecke oder auf der Urlaubstour mit Gefährtin und Gepäck erfüllen sollte. Gewisse Kriterien prägen sich je nach Motorradtyp (und Reifen­dimension) natürlich unterschiedlich aus – zum Beispiel, wenn wir die Lenkpräzision, den Shimmy-­Effekt oder das Aufstellmoment beleuchten. Andererseits zeigt ­unsere Erfahrung, dass sich der Grundcharakter eines Reifens je nach Einsatz auf unterschiedlichen Motorradtypen nicht maßgeblich verändern oder gar umkehren wird. Aus einem handlichen Dynamikwunder auf dem einem Bike wird auf einem anderen nicht der sture Geradeausläufer – und umgekehrt. Wenn Sie nun aber je nach Eigenschaft und Art Ihres ­eigenen Schätzchens andere ­Präferenzen setzen, können Sie natürlich die Punkteaufteilung der einzelnen Kritieren neu gewichten und so ganz individuell Ihren ­persönlichen Testfavoriten für den Alltag küren.

Bridgestone BT45

Ja, der BT45. Wie kein Zweiter hat sich der Bridgestone in der Klassikszene etabliert. Fast schon unnahbar wirkt er mit seinen knapp zwei Jahrzehnten, die er auf seinen schwarzen Schultern hat. Nach Rücksprache mit Kollegen, die auch die ein oder andere persönliche Klassik-Erfahrung beisteuern konnten, hat man die Frage schnell geklärt: Der BT45 ist immer noch eine Empfehlung – also beim Reifendealer wie in der Stammkneipe bestellen („Das Übliche...“), aufziehen und weiterfahren. Schlecht sind Sie mit diesem Ratschlag natürlich nicht gefahren, aber es ist immer noch etwas anderes, als wenn man diese Frage akkurat per Testprotokoll abarbeitet. Und genau das liegt jetzt auf den folgenden Seiten vor Ihnen: ein topaktueller Reifentest für die alten und wohlgepflegten Schätzchen in unserer Motorradgemeinde. Wohlan!

Zunächst aber ein Blick auf unsere Fahrzeugwahl. Natürlich ist der Motorradbestand in der Generation Ü20 kaum zu standardisieren. Trotzdem sollte es beim Reifentest aber ein Motorrad sein, das sich einiger Beliebtheit in der Szene erfreut, beziehungsweise als typischer Vertreter einer ganzen Motorradgattung gilt. Dann sollte es aber auch eine weit verbreitete Reifendimension besitzen UND sich möglichst neutral fahren lassen, damit sich Unterschiede der verschiedenen Reifen ohne spezielle Eigenarten klar herauskristallisieren. Damit Vorhang auf für die 1991er-Yamaha XJ 900 F, Typ 4BB, die schließlich im Testfuhrpark von MOTORRAD Classic landete.

Foto: Motorrad Classic
Ähnlich wie bei der vorangegangenen „Trocken-Tabelle“ bleibt auch in unserer Nasstestwertung das Dreiergrüppchen bestehend aus Avon, Metzeler und Pirelli mit deutlichem Abstand hinter der führenden Gruppe. Ganze elf Punkte trennen den „Besten der Letzten“ (Platz 6, Metzeler) vom „Letzten der Besten“ (Platz 5, Bridgestone). Der BT45 wiederum liegt nur fünf Punkte hinter dem besten Diagonalreifen im Test, Dunlops Street­smart. Grundsätzlich schlägt sich diese Viererbande (BT45, ContiGo!, Streetsmart und Pilot Activ) sehr wacker, punktet mit sattem Grip und angenehm gestaltetem Grenzbereich. Vor allem aber macht sich das bereits auf trockenen Straßen auffällig gute Handling bemerkbar, sodass sich diese Gruppe präzise und in engen Radien um nasse Ecken steuern lässt. Hat sich das radiale Conti-Pärchen trocken nur leicht absetzen können, darf man jetzt mit Erstaunen auf die Bilanz im Regen schauen. Satte zwölf Punkte liegt Contis CR vor dem Ersten des Diagonal-Lagers. Was diagonale Gummis schon gut machen – der Rdialreifen kann’s einfach noch besser.
Ähnlich wie bei der vorangegangenen „Trocken-Tabelle“ bleibt auch in unserer Nasstestwertung das Dreiergrüppchen bestehend aus Avon, Metzeler und Pirelli mit deutlichem Abstand hinter der führenden Gruppe. Ganze elf Punkte trennen den „Besten der Letzten“ (Platz 6, Metzeler) vom „Letzten der Besten“ (Platz 5, Bridgestone). Der BT45 wiederum liegt nur fünf Punkte hinter dem besten Diagonalreifen im Test, Dunlops Street­smart. Grundsätzlich schlägt sich diese Viererbande (BT45, ContiGo!, Streetsmart und Pilot Activ) sehr wacker, punktet mit sattem Grip und angenehm gestaltetem Grenzbereich. Vor allem aber macht sich das bereits auf trockenen Straßen auffällig gute Handling bemerkbar, sodass sich diese Gruppe präzise und in engen Radien um nasse Ecken steuern lässt. Hat sich das radiale Conti-Pärchen trocken nur leicht absetzen können, darf man jetzt mit Erstaunen auf die Bilanz im Regen schauen. Satte zwölf Punkte liegt Contis CR vor dem Ersten des Diagonal-Lagers. Was diagonale Gummis schon gut machen – der Rdialreifen kann’s einfach noch besser.

Nässe Test

Wenn es so etwas wie den Quantensprung in der Motorradreifen-Entwicklung gibt, dann hat sich dieser in der Ausarbeitung der Nassperformance vollzogen. Um es mit einem Satz zu sagen: Es ist unglaublich, wie sicher moderne Motorradreifen bei Regen geworden sind. Haftung in Schräglage, beim Beschleunigen und vor allem: beim Bremsen! Moderne Bikes mit ABS-Bremse haben so manchem Notankern bei Nässe schon gehörig den Schrecken nehmen können.

In unseren Reifentests konnten wir aber darüber hinaus feststellen, dass sich bei einer Voll­bremsung aus 100 km/h je nach Reifen nochmals deutliche Unterschiede in der zurückgelegten Wegstrecke messen ließen. Klassik- und Youngtimer-Fahrer, bei denen ein ABS eher die Ausnahme als die Regel ist, sollten deshalb ein besonderes Augenmerk auf dieses Wertungskapitel legen  – selbst wenn für sie eine Fahrt im Regen eher selten vorkommt.

Vor allem aber zeigt unser Nasstest sehr eindrucksvoll, wie sich die Reifen in den letzten 15 Jahren weiterentwickelt haben. Dies ist vor allem auf den Einsatz von Silica zurückzuführen, das der Gummimischung anstelle von Ruß beigemischt wird. Diese hydrophile Kieselsäure-Verbindung sorgt dafür, dass sich der Reifen auch bei widrigen Bedingungen geschmeidig mit der Asphaltoberfläche verzahnen kann. Der Haftungsvorteil macht sich nicht nur in Kurven ­bemerkbar. Auch beim Bremsen kann sich mehr Grip aufbauen – mit der Folge, dass sich der Anhalteweg entscheidend verkürzt. Mangels ABS bei unserer Test-Yamaha haben wir auf ­einen direkten Vergleich der Bremswege (Vollbremsung aus 100 km/h) verzichten müssen ­(obwohl dieses Procedere eigentlich zum Standard bei den MOTORRAD-Reifentests gehört). Allerdings lieferten der Mix aus Data Recording und Rundenzeit auf unserer Teststrecke sowie auch das berühmte Popometer genügend Hinweise darauf, wie es um die nutzbaren Haft­reserven aller acht Testpaare bestellt ist. Entscheidend ist dabei natürlich auch, wie die Reifenentwickler den Grenzbereich gestaltet haben – sprich, wie sich das Ende der Fahnenstange ankündigt. Ist der Grenzbereich sehr schmal gehalten (der Übergang von Grip zum Rutschen oder Durchdrehen erfolgt sehr abrupt und spontan), lässt sich kaum eine präzise Linie wählen und damit auch keine konstant schnelle Rundenzeit fahren.

Vorbereitung des Reifentest-Motorrads

Bevor es aber ans Testen ging, musste MOTORRAD-Chefschrauber Gerry Wagner dem Reihenvierer noch eine kleine Frischzellenkur verpassen. Denn die zögerliche Gasannahme und dürftiger Rundlauf würden genauso wie das leicht ausgehärtete Fahrwerk reproduzierbare Ergebnisse torpedieren – das aber ist das erklärte Ziel eines jeden Reifentests. Also ab mit der Vergaserbatterie ins Ultraschallbad und anschließend sauber synchronisiert. Im Louis-Sortiment fanden sich passende Wirth-Gabelfedern, mit denen Wagner die Front samt frischer Ölbefüllung wieder knackig abstimmen konnte. MOTORRAD-Kollege Thomas Schmieder hatte von seiner privaten XJ noch einen Satz ungenutzter Koni-Federbeine in der Garage liegen, womit nun das Heck auch wieder fein ansprach.

Lagerseitig war die Yamaha Gott sei Dank im unbedenklichen Zustand. Damit war sichergestellt: Wenn es wackelt, rührt oder flattert, kommt es vom Reifen. Punkt. Kommen wir gleich zu der Einschränkung, die Sie auch im Kasten „Testkriterien“ oben rechts neben dem Sternchen lesen: „Die gekennzeichneten Abschnitte sind auf Motorräder übertragbar, die eine ähnliche Geometrie wie die Yamaha XJ 900 F (4BB) besitzen.“ Das stimmt schon so, heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass sich die getesteten Reifen auf anderen Motorrädern jetzt komplett anders verhalten. Vielmehr ist es so, dass sich die ein oder andere Eigenart des Reifens (ob nun im positiven oder negativen Sinne) auf anderen Motorrädern in ab­geschwächter oder auch stärkerer Form ausprägen wird.

Reifenfreigaben

Deshalb können Sie sich auch als Nicht-XJ-Fahrer die Testergebnisse genauestens zu Gemüte führen. Wie es zum ­Beispiel um die Haftreserven bei Nässe bestellt ist, das ist – so unsere langjährige Testerfahrung – fast schon eine allgemein gültige Aussage.

Ohnehin sollten Sie vor dem Umbe­reifen auf Ihre Wunschpaarung nach der entsprechenden Freigabe schauen. Inzwischen geht das per Internet bequem von Zuhause aus. Und auch die Recherche nach dem eigenen Motorradtyp ist in den Datenbanken der jeweiligen Reifenhersteller ein Klacks beziehungsweise ein Klick. Natürlich wird es für so manches Motorrad keine Frei­gabe für den Wunschreifen aus diesem Vergleichstest geben. Das hat auch meist einen Grund. Möglicherweise einen profanen: Aufgrund zu geringer Verbreitung stand dieses Motorradmodell bei den Freigabefahrten noch nicht auf der Prioritätenliste. Möglicherweise aber auch einen schwerwiegenden: Bei Testfahrten hat genau dieser Reifentyp solche Probleme bereitet, dass man keine Freigabe erteilen wollte. Für Sie heißt das aber in jedem Fall: Scheuen Sie sich nicht, per Telefon oder E-Mail bei den Reifenherstellern nachzufragen.

Im Regelfall haben Sie ziemlich schnell Kontakt zu einem fachkundigen Techniker aufgebaut, der Ihnen einen handfesten Tipp geben kann. Indem er Ihnen zum Beispiel dabei hilft, dass Sie für Ihren Exoten eine Einzelabnahme des Wunschreifens bekommen (kostet mit gutem TÜV-Kontakt auch nicht die Welt), oder dass er Ihnen plausibel darlegen kann, warum genau dieser Reifen auf Ihrem Motorrad nicht funktioniert. Und Ihnen eine Alternative empfehlen kann – zum Beispiel ­eine Sonderspezifikation.

Die Testkandidaten

Was hat abschließend in unserem Test funktioniert? Rollen wir das Feld nach dem Alter der Kandidaten auf und be­ginnen mit dem eingangs erwähnten Bridge­stone BT45, der bereits seit 1998 in Japan immer wieder frisch aufgebacken wird. Unser Test hätte für den Dauerläufer ins Auge gehen und ihn eventuell ein Jahr vor dem zwanzigjährigen Betriebsjubiläum in Rente schicken können. Aber Pustekuchen. Der 45er hakt alle Testkapitel ohne Fehl und Tadel ab. Was die Vermutung nahe­legt, dass ihm im Laufe der Jahre immer wieder die ein oder andere „stille Überarbeitung“ gegönnt wurde, die man nicht an die große Glocke hängen wollte. Ob es tatsächlich so ist? Es bleibt ein ­Fragezeichen, unsere japanischen Quellen hüllen sich in Schweigen. Aus Fernost geht es nach Italien zu Pirelli und dem Sport Demon, der aber tatsächlich in ­Brasilien gefertigt wird. Die Testbilanz des  seit 2002 erhältlichen Diagonalreifens fällt mau aus. Einziger Lichtblick: die satte Geradeauslaufstabilität.

Damit rüber nach England zu Avon, die 2004 den Roadrider herausgebracht haben. Auf ihm kämpft man gegen Shimmy, hadert am störrischem Kaltlauf und verzweifelt am dürftigen Grip. Ist das eine Frage des Alters? Mitnichten. Der Michelin Pilot Activ ist konzeptionell genauso alt, zeigt aber, dass man nach 13 Jahren noch lange nicht unter „ferner liefen“ einsortiert werden muss. Ganz im Gegenteil: Der Franzose, der in Tschechien aus der Backform rollt, geht sogar mit dem Kauftipp nach Hause! Dank seiner Dynamik entscheidet er das Rennen unter den Diagonalreifen im Test schließlich für sich.

2008 heißt es in Hannover „Go!“, und der ContiGo! erscheint. So gesehen ein noch sehr junger Vertreter der Zunft, der vorne gut mitspielen kann. Vor allem bei Nässe weiß der Go! zu überzeugen. Noch viel mehr hat uns allerdings ein anderes Conti-Produkt überzeugt: 2012 und 2013 erscheinen mit dem Road Attack 2 CR (für Classic Racer) und Classic Attack die ersten echten Radialreifen in dem bislang rein diagonal geprägten Oldie-Markt. Die Testergebnisse – vor allem bei Nässe – lassen bei uns keine Frage offen: Dem radialen Reifenkonzept gehört die Zukunft – auch in der Old- und Youngtimerszene!

Und doch bleibt die Frage: Wann zieht die Konkurrenz nach? Für Dunlop, die 2013 den Streetsmart herausgebracht haben, wird es bei diesem Ergebnis (dritter Platz im Vergleichstest) noch nicht akut sein. Viel mehr allerdings für Metzeler: Der Sportec Klassik ist erst seit 2015 auf dem Markt. Doch nach diesem Test will man nicht wirklich glauben, dass es sich bei dem Klassik (der wie Pirellis Sport ­Demon in Brasilien produziert wird) auch konstruktiv um die jüngste Paarung unter den Kandidaten handelt. So oder so: Wir sind sicher, dass wir uns schon bald mit ­einem neuen Test zurückmelden werden. Versprochen!

So testet MOTORRAD Classic

Der Reifentest unserer Schwesterzeitschrift MOTORRAD ist inzwischen weltweit ein führender Maßstab in der Beurteilung von Motorradreifen geworden. Für diesen Test von Klassik- und Youngtimerreifen in der Dimension 100/90-18 M/C 56H (vorn) und 120/90-18 M/C 65V (hinten) für eine Yamaha XJ 900 F (Typ 4BB) waren diese Prüfpunkte entscheidend:

Kaltlauf …
… beschreibt den Charakter des Reifens vor Erreichen der optimalen Betriebstemperatur (ca. 40 bis 50 Grad Celsius).
Handlichkeit …
… bewertet die Lenkkraft, um die Maschine in Schräglage zu bringen und sie in Wechselkurven auf Linie zu halten.
Grenzbereichverhalten* …
…steht für die Beherrschbarkeit des Reifens am Limit. Tests auf nasser und trockener Fahrbahn.
Haftung/Beschleunigen* …
… bezeichnet die Seitenführung und Kraftübertragung in unterschiedlich schnellen Kurven (nass/trocken).
Haftung/Schräglage* …
…ist die Seitenführung in maximaler Schräglage auf nassem und trockenem Asphalt. Eine Gratwanderung, die nur auf abgesperrter Strecke möglich ist.
Lenkpräzision* …
… in unterschiedlich schnellen Pas­sagen mit komplizierten Kurven­radien. Beschreibt, ob das Motorrad dem gewünschten Kurs folgt oder ob deutliche Linienkorrekturen erforderlich sind.
Kurvenstabilität …
… testet das Aufschaukeln in (Wechsel-)Kurven und bei Bodenwellen. Wird u.a. in großer Schräglage beim Beschleunigen getestet.
Geradeauslaufstabilität …
… bei Highspeed. Bleibt das Motorrad stabil auf Kurs, oder stört Pendeln die Fahrt?
Shimmy …
… steht für das Lenkerflattern, das meist zwischen Tempo 50 und 100 und häufiger bei kalten als warmgefahrenen Reifen auftritt.
Aufstellmoment …
… bezeichnet das Aufrichten beim Bremsen in Schräglage. Diese Re­aktion muss mit einer Gegenkraft (Drücken) am kurven­inneren Len­ker­ende ausgeglichen werden.
Fülldruck im Test
2,4 bar vorne, 2,9 bar hinten.

Reifen im Test

Avon Roadrider (Diagonal)

Gewicht: vorn 5,0 kg, hinten 6,6 kg
Herstellungsland: England
DOT-Nummern (v/h): 27/16 und 09/16
Infos/Freigaben: Cooper Tire & Rubber ­Company Deutschland, Tel. 01 71/6 54 97 26, www.avonreifen.de/motorrad

Bewertung

Landstraße/Alltag: (101 Punkte, Platz 8)
Im kalten Zustand bleibt das Gefühl für die ­Haftung im neuen sowie angefahrenen Zustand sehr verhalten. Dazu stellt sich auch noch schnell ein ausgeprägtes Shimmy ein. Diese Form des Lenkerflatterns bleibt – wenn auch weniger stark ausgeprägt – im warmgefahrenen Zustand präsent, nimmt bei bewusster Anregung aber deutlich zu. Bei Bodenwellen fällt der ­Engländer durch seine geringe Eigendämpfung auf, beim Geradeauslauf nerven eine leichte ­Unruhe sowie die Anfälligkeit für Längsrillen. In kurvigem Geläuf bleibt er insgesamt sehr träge.  

Nasstest: (55 Punkte, Platz 8)
Auch bei Regen stellt sich kein gutes Gefühl für die Haftreserven ein. Der Grenzbereich ist zu schmal gestaltet, weshalb der Grip sehr früh und überraschend abreißt. Insgesamt müssen Kurven mit weiten Bögen umfahren werden.  

Fazit: Der Diagonalreifen aus England kann auf unserer Test-XJ nicht überzeugen. Unruhig, unkomfortabel, wenig Feedback, träge und auch noch wasserscheu. Das macht weder beim flotten Reisen noch bei schwungvollen Landstraßenpartien wirklich Spaß. 

Wertung: 156 Punkte

Platz 8

Bridgestone Battlax BT45 (Diagonal)

Gewicht: vorn 4,1 kg, hinten 6,2 kg
Herstellungsland: Japan
DOT-Nummern (v/h): 16/16 und 26/16
Infos/Freigaben: Bridgestone Deutschland, Tel. 0 61 72/40 81 73, www.bridgestone-mc.de

Bewertung

Landstraße/Alltag: (126 Punkte, Platz 3)
Auf den ersten Kilometern hat auch der BT45 ­eine leichte Shimmyneigung, die aber warm­gefahren rasch verschwindet. Eine besondere Stärke des Japaners ist sein stabiler Gerade­auslauf, wobei Metzeler und Dunlop die Nase ­allerdings noch etwas weiter vorn haben. Reichlich Pluspunkte sammelt der BT45 auf kurvigen Strecken, wo er seine gute Handlichkeit ausspielen kann. Im Vergleich zur Diagonal-Konkurrenz bleibt der Bridgestone exakt auf dem angepeilten Kurs und lässt sich präsise ums Eck steuern. Das Aufstellmoment beim Bremsen in Schräg­lage bleibt insgesamt tolerierbar.

Nasstest: (74 Punkte, Platz 5)
Bei Regen zeigt sich im Vergleich zu den teils deutlich jüngeren Konkurrenten im Test, dass der BT45 in die Jahre gekommen ist: schmaler Grenzbereich, wenig Traktion beim Beschleunigen und eine nur mäßige Rückmeldung.

Fazit: Unser Oldie im Test schlägt sich ­wacker. Bei Schönwetter auf der Landstraße zeigt der BT45 eindrucksvoll, dass er immer noch up to date ist. Nur bei Nässe knickt der Japaner leicht ein – da kann man in­zwischen deutlich mehr Leistung erwarten.

Wertung: 200 Punkte

Platz 4

Continental ContiGo! (Diagonal)

Gewicht: vorn 4,6 kg, hinten 6,0 kg
Herstellungsland: Südkorea
DOT-Nummern (v/h): 16/15 und 44/15
Infos/Freigaben: Continental Reifen, Tel. 05 11/9 38 01, www.conti-moto.de

Bewertung

Landstraße/Alltag: (122 Punkte, Platz 4)
In Sachen Stabilität heißt es beim Conti schon auf den ersten Metern Go! Selbst im kalten ­Zustand bleibt der nervige Shimmy-Effekt aus, und auch die Geradeauslaufstabilität kann ­überzeugen – im Vergleich zum BT45 gibt sich der Go! allerdings eine Spur nervöser. Auch beim Komfort kann er mit guter Eigendämpfung auf holprigen Wegstrecken überzeugen. Dank seiner Handlichkeit und des guten Feedbacks für seine Gripreserven lässt sich die Conti-bereifte ­Yamaha souverän durch kurviges Geläuf ­steuern. Das Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage ist allerdings deutlich spürbar. 

Nasstest: (78 Punkte, Platz 3)
Trort seines etwas schmaler gestalteten Grenzbereichs vermittelt der Go! eine klasse Rück­meldung für seine satten Haftreserven. Gepaart mit guter Handlichkeit macht der Conti deshalb auch bei Schlechtwetter Spaß.

Fazit: Der Diagonalreifen der Hannoveraner Reifenbäcker gefällt durch seine ausgewogene Machart. In Sachen Stabilität ist er ganz vorne mit dabei, dazu punktet er mit Grip und Komfort. Vor allem aber macht er auch bei Regen nicht schlapp.

Wertung: 200 Punkte

Platz 4

Dunlop Arrowmax Streetsmart (Diagonal)

Gewicht: vorn 5,0 kg, hinten 6,6 kg
Herstellungsland: Frankreich
DOT-Nummern (v/h): 27/16 und 09/16
Infos/Freigaben: Goodyear-Dunlop Tires ­Germany, Tel. 0 61 81/68 01, www.dunlop.de

Bewertung

Landstraße/Alltag: (122 Punkte, Platz 4)
Lenkerflattern? Negativ! Schon ab den ersten Metern gefällt der Streetsmart auf der XJ durch seine unerschütterliche Ruhe. Selbst wenn bisweilen Stöße bei Fahrbahnabsätzen an den ­Fahrer durchgereicht werden, macht der Dunlop auch in der Komfortwertung einen guten Job und punktet mit insgesamt satter Eigendämpfung. Während die Geradeauslaufstabilität noch vorbildlich ist, müssen dagegen kleine Abstriche beim Handling in Kauf genommen werden. Fürs engagierte Streetsurfen gibt sich der Streetsmart  etwas zu träge. Das Aufstellmoment beim ­Bremsen in Schräglage ist dagegen tolerierbar.    

Nasstest: (79 Punkte, Platz 2)
Trotz seines etwas trägen Grundcharakters punktet der Dunlop auf nasser Strecke durch breiten Grenzbereich, klasse Rückmeldung ­sowie satten Grip beim Beschleunigen und in Schräglage. Bester Diagonalreifen bei Regen!

Fazit: Vor allem mit seiner überzeugenden Vorstellung auf nassem Parkett sichert sich der Streetsmart den beachtlichen dritten Platz im Test. Wer einen tollen Regenreifen sucht, darf gern zum Dunlop greifen. Sein Manko: die Tendenz zur Trägheit. 

Wertung: 201 Punkte

Platz 3

Metzeler Sportec Klassik (Diagonal)

Gewicht: vorn 5,1 kg, hinten 6,7 kg
Herstellungsland: Brasilien
DOT-Nummern (v/h): 21/15 und 17/15
Infos/Freigaben: Pirelli Deutschland, Tel. 0 89/14 90 83 02, www.metzelermoto.de

Bewertung

Landstraße/Alltag: (111 Punkte, Platz 6)
Im kalten Zustand fällt der Klassik gleich durch einen ausgeprägten Shimmy-Effekt auf. Warmgefahren nimmt das Lenkerflattern zwar deutlich ab, allerdings klingt es bei bewusster Anregung deutlich langsamer ab als bei der Konkurrenz. Beim Geradeauslauf kann der Metzeler noch überzeugen, viele andere Punkte bleiben aber zu unbefriedigend. Seine Handlichkeit ist zu träge, sein Feedback für die vorhandenen Haftreserven zu trocken. Entsprechend unsicher, wie es um den Maximalgrip bestellt ist, tastet man sich um die Kurven. Auch der deutliche Aufstellimpuls beim Bremsen in Schräglage stört.  

Nasstest: (63 Punkte, Platz 6)
Beim Beschleunigen dreht der Hinterreifen schon reichlich früh durch, und auch in Schräg­lage sind die Haftreserven zu schnell aufgebraucht. Sein schmaler Grenzbereich lässt bei Regen kein gutes Gefühl aufkommen.

Fazit: Obwohl der Metzeler erst seit kurzer Zeit erhältlich ist, zeigt er sich besonders im Vergleich zur ebenso jungen Konkurrenz nicht wirklich auf der Höhe der Zeit. Auf der Landstraße bleibt er zu farblos, und im ­Nassen gerät er schnell ins Hintertreffen. 

Wertung: 174 Punkte

Platz 6

Michelin Pilot Activ (Diagonal)

Gewicht: vorn 4,9 kg, hinten 6,6 kg
Herstellungsland: Tschechien
DOT-Nummern (v/h): 18/16 und 19/16
Infos/Freigaben: Michelin Reifenwerke, Tel. 0 7 21/53 00, motorrad.michelin.de

Bewertung

Landstraße/Alltag: (128 Punkte, Platz 2)
Egal, ob im kalten Zustand oder warmgefahren – der Pilot Activ zeigt keinerlei Tendenz zum Lenkerflattern, selbst wenn man den Shimmy-­Effekt bewusst provoziert. Auch in Sachen Eigendämpfung gibt sich der Michelin keine Blöße, Schläge beim Überfahren von Querrillen werden komfortabel glattgebügelt. Seine Paradedisziplin ist die flotte Fahrt durch kurvenreiches Revier, wo er sich neutral wie präzise ums Eck steuern lässt. Ebenfalls top: seine prima Rückmeldung, sodass sich beim Piloten schnell ein sicheres ­Gefühl für die Gripreserven einstellt. Lediglich beim Geradeauslauf wirkt er etwas zu nervös.  

Nasstest: (76 Punkte, Platz 4)
Auf regennassen Straßen überzeugt der Michelin weiterhin durch seine Handlichkeit, auch das Grippolster in Kurven ist ausreichend. Im ­direkten Vergleich bleibt das Niveau bei Nässe aber unterhalb vom Klassenprimus Dunlop.

Fazit: Der Name ist Programm. Wie kein ­anderer Diagonalreifen lässt sich der handliche Pilot Activ ums Eck steuern – ein Gummi für die Sportsfreunde in der Oldie-Liga. Bei Nässe nicht ganz top, aber abschütteln lässt er sich auch dort noch lange nicht.

Wertung: 204 Punkte

Platz 2

Pirelli Sport Demon (Diagonal)

Gewicht: vorn 5,2 kg, hinten 6,5 kg
Herstellungsland: Brasilien
DOT-Nummern (v/h): 46/14 und 15/16
Infos/Freigaben: Pirelli Deutschland, Tel. 0 61 63/7 10, www.pirellimoto.de

Bewertung

Landstraße/Alltag: (106 Punkte, Platz 7)
Wenn man es provoziert, muss man auch beim Pirelli ein starkes Shimmy in Kauf nehmen. Ohne Anregung bleibt es aber ruhig, weshalb sich der Sport Demon in diesem Kapitel doch etwas vom ähnlich weit hinten platzieren Avon Roadrider absetzen kann. Mit trägem Einlenkverhalten, schlechter Rückmeldung, wenig Gripreserven, spontanen Rutschern beim schnellen Abwinkeln und spürbarem Aufstellmoment kann die Pirelli-bereifte XJ aber nicht zu den besseren Reifen im Test aufschließen. Nur beim Geradeauslauf punktet der Sport Demon mit satter Stabilität.   

Nasstest: (61 Punkte, Platz 7)
Wenn schon unter Idealbedingungen das Grippolster schnell aufgezehrt ist, lassen sich bei Nässe auch keine Wunder mehr erwarten. Bilanz im Regen: weite Bögen in Kurven, frühzeitiges Durchdrehen beim Beschleunigen, schmaler Grenzbereich, wenig Feedback.

Fazit: Einer der dienstältesten Reifen in ­diesem Test kann keine Akzente mehr ­setzen. Auf der Test-Yamaha verliert der Pirelli durch seinen trägen Grundcharakter und schwachen Grip reichlich Punkte. Auch die Regenperformance ist sehr schwach. 

Wertung: 167 Punkte

Platz 7

Continental Road Attack 2 CR/Classic Attack (Radial)

Gewicht: vorn 4,7 kg, hinten 6,5 kg
Herstellungsland: Deutschland
DOT-Nummern (v/h): 23/16 und 36/16
Infos/Freigaben: Continental Reifen, Tel. 05 11/9 38 01, www.conti-moto.de

Bewertung

Landstraße/Alltag: (133 Punkte, Platz 1)
Erwartungsgemäß kann der einzige Radialreifen in diesem Test den Diagonalreifen in Sachen ­Geradeauslaufstabilität nicht ganz das Wasser reichen. Damit ist aber auch der einzige Kritikpunkt genannt. Shimmy ist für diese Conti-­Paarung ein Fremdwort. Selbst wenn man es hartnäckig ­provoziert, bleibt das Lenkerschlagen im kalten sowie warmen Zustand aus. Zu seiner vollen Größe läuft die CR-Version des Road ­Attack 2 (vorn), beziehungsweise der Classic­Attack ­(hinten) bei sportlicher Gangart auf ­kurvenreichen Land­straßen auf: extrem handlich, tolles Feedback, viel Grip und hoher Komfort!

Nasstest: (91 Punkte, Platz 1)
Bei Regen fährt die Radial-bereifte Yamaha das Diagonalfeld förmlich in Grund und Boden. Die Haftreserven beim Beschleunigen sowie in Schräglage sind gigantisch, dazu punktet dieser Conti mit 1a-Handlichkeit und sattem Feedback.

Fazit: Ein mutiger Schritt, nun das Radialreifen-Konzept auch im Klassik-Lager zu etablieren. Der Blick auf die Punktebilanz zeigt aber: Es ist der richtige Schritt! In ­Sachen Sportlichkeit und Sicherheit (vor allem bei Nässe) gibt es nichts Besseres.

Wertung: 224 Punkte

Platz 1

Foto: Motorrad Classic

Endwertung

Der König ist tot, es lebe der König... Über viele Jahre galt Bridgestones BT45 als DER Reifen für unsere angegrauten Schätzchen. Was hat sich daran geändert? Auf jeden Fall muss man den Japanern neidlos anerkennen, dass sie mit dem Diagonalreifen, der konstruktiv immerhin auch Youngtimer-Reife hat, weiterhin einen heißen Gummi aus ihrer Backstube rollen. Der BT45 kann sich punktgleich mit Contis Go! im vorderen Testfeld platzieren. Beide Reifen gefallen als gut ­gemachte Allrounder. Der Abstand zur Front ist hauchdünn, nur wenige Punkte trennt sie von der Spitzengruppe.

Der dritte Platz geht an einen Jüngling im ­Testfeld. Dunlops Streetsmart ist erst seit vier Jahren erhältlich, tut aber alten Bikes wie unserer Yamaha XJ 900 F richtig gut. Vor allem punktet er auf nassem Terrain, wo er das Krönchen als bester Diagonalreifen bei Regen holen kann.

Michelins Pilot Activ schließlich präsentiert sich als bester Diagonalreifen im Test und ist deshalb unser Kauftipp für die sportlichen Kurvenräuber der Oldieszene, denen ein Radialreifen (noch) zu revolutionär erscheint. Nicht wirklich in Szene setzen können sich Avon, Metzeler und Pirelli. Sie werden der führenden Gruppe in keinem Abschnitt gefährlich. Ein Update ist angesagt – und dürfte zumindest bei Metzeler/Pirelli in nicht allzu ferner Zukunft liegen.

Stichwort Zukunft: Die hat sich in diesem Test eindrucksvoll durch das bislang einmalige Radialkonzept von Conti gezeigt. Modernste Reifentechnik, adaptiert für Klassik- und Youngtimer, ist kein Wunsch mehr, sondern tatsächlich Wirklichkeit geworden. In ­diesem Test steht Contis radiales CR/ClassicAttack-Set ganz oben an der Spitze.

Reifenkunde: Diagonal oder radial?

Auf den ersten Blick ist ein Reifen erst einmal schwarz und rund, daran hat sich eigentlich wenig geändert, seitdem der britische Tierarzt John Boyd Dunlop 1888 das Patent für Luftreifen angemeldet hat. Natürlich will jeder Hersteller mit einem individuellen Profilbild auf sich aufmerksam machen. Doch das ist eigentlich eher schmückendes Beiwerk. Entscheidend sind vor allem die Art und Zusammensetzung der Gummimischung sowie die eigentliche Reifenkonstruktion. Um diese tatsächlich zu erkennen, müsste man die Oberflächen förmlich mit einem Röntgenblick durchdringen können. Dann wiederum würde sich zeigen, dass die Reifenpalette für die Klassik- und Youngtimerszene unabhängig vom Hersteller bislang ziemlich einheitlich aufgebaut war, indem fast ausnahmslos Diagonal- oder Diagonal-Gürtelreifen zum Einsatz kamen. Seit den 1990er-Jahren sind dagegen Radialreifen das Maß der Dinge, wenn es um die Bereifung neuer Motorräder geht. Vor allem konnte nur so Stabilität bei immer höherem Topspeed geboten werden.

Mehr dazu: Bebilderte Erklärungen in der Fotoshow.

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