Vergleichstest Enduro-Reifen (Archivversion)

Drei-Wetter-Haft

Ob’s regnet, schneit oder die Sonne brennt: Enduristen sind gerne unterwegs. Und dementsprechend hoch sind die Anforderungen an die Bereifung. Sechs Reifen-Paarungen für die BMW F 650 GS im Test.

Vorbei die Zeiten, als man Enduristen noch Reifen verkaufen konnte frei nach dem Motto »Hauptsache rund und schwarz«. Das galt vielleicht vor zwanzig Jahren, aber die Ansprüche der Kundschaft wuchsen mit dem Gewicht und der Leistung ihrer Motorräder. Zudem wechselte das Einsatzgebiet, es verschob sich ganz klar in Richtung Straße. Niemand würde heute ernsthaft daran denken, mit einer großen Reiseenduro vom Schlage einer Suzuki DL 1000 V-Strom in unwegsames Gelände vorzustoßen. Brummer wie die V-Strom leisten heute an die 100 PS, sind gar in der Höchstgeschwindigkeit sanft eingebremst, weil sie sonst mit satt über 200 Sachen auf der Autobahn unterwegs wären. Und das mit Sozius samt reichlich Gepäck, der Sonne im Süden schnellstmöglich entgegen. Außerdem gilt es auf dem Weg dahin noch schwungvoll einige Pässe rauf und runter räubern. Da sind Reifen mit ausgewogenen Eigenschaften gefragt.Die beliebte BMW F 650 GS bringt es mit ihrem putzmunteren Einzylinder auf knapp 50 PS und immerhin 170 km/h Spitzengeschwindigkeit. Werte, die zügige Autobahnetappen durchaus ermöglichen. Daneben verfügt die BMW über eine Menge weiterer Talente, die sie zu einem hervorragenden Allrounder machen. Der tägliche Weg zur Arbeit, eine schnelle Runde über die bevorzugte Hausstrecke oder die große Urlaubstour: Die F 650 GS ist für alles zu haben, und ihr Motto lautet dabei: »Je kurviger, desto lieber«.Diesem Credo entsprechend, startete eine illustre Testmannschaft zur Verschleißfahrt (siehe auch Kasten Seite 176), dem ersten Teil des diesjährigen Enduro-Reifentests. Auf dem Fahrplan standen schwerpunktmäßig verwinkelte Landstraßen und einige wenige Autobahnetappen (siehe auch Seite 178). Ergebnis: 4608 Kilometer, die sehr interessante Unterschiede zutage förderten. Striktes Fahren im Konvoi unter identischen Verhältnissen und turnusmäßger Wechsel der Motorräder garantierten dabei für alle Reifen einheitliche Testbedingungen. Als echter Langläufer kristallisierte sich der Avon Distanzia, eine Neuvorstellung der Engländer, heraus, dicht gefolgt vom grobstolligen und seit vielen Jahren bewährten Continental TKC 80, der seinen neuen Bruder Conti Escape damit klar in den Schatten stellte.Ein Novum beim MOTORRAD-Reifentest: Die Verschleißfahrten, genauer Kurvenorgien im ligurischen Apeninn, setzten einigen vorderen Pneus an den Schultern gewaltig zu. Der Bridgestone TW 101 befand sich an der Verschleißgrenze, Metzeler Tourance und Michelin Anakee hatte sie, erkennbar an deutlichen Auswaschungen an den Flanken, unterschritten. Bei einer Polizeikontrolle würden die Beamten aller Voraussicht nach ein Auge zudrücken. Da jedoch die Straßenverkehrsordnung mindestens 1,6 Millimeter Profiltiefe über 75 Prozent der Lauffläche vorschreibt, entschied sich MOTORRAD, den Verschleiß der Vorderreifen in die Wertung einzubeziehen.Seit jeher ein wichtiges Kriterium beim Reifenvergleich: die Preise, die MOTORRAD als Durchschnittswerte aus den Angeboten mehrerer Reifen- und Motorradhändler ermittelte. Wobei die enormen Unterschiede diesmal besonders ins Auge fielen. Und zwar durch die Bank. Am auffälligsten waren die Differenzen beim Metzeler Tourance mit 29 Prozent und beim Continental TKC 80 mit unglaublichen 43 Prozent Unterschied. Ein Zeichen dafür, wie hart der Wettbewerb auf dem Reifenmarkt ist, verschärft durch das wachsende Angebot im Internet. Schwere Zeiten für den viel zitierten kleinen Motorradhändler um die Ecke.Den Beweis, dass sich gute Laufleistung und toller Grip bei Nässe nicht zwangsläufig ausschließen, trat der Conti TKC 80 hernach im zweiten Teil des Tests an, gefahren auf der Nassteststrecke im Contidrom bei Hannover, die aufgrund einer konstanten Bewässerung hervorragende Bedingungen für diesen Balanceakt bietet. Außerdem verfügt die winkelige Strecke über sehr unterschiedliche Asphaltbeschaffenheit, die von sehr rutschigen bis hin zu griffigen Stellen reicht. Von Heimvorteil für Conti kann aber keine Rede sein, auch wenn der grobstollige TKC, der zudem schon etliche Jährchen auf dem Buckel hat, mit den besten seiner Zunft toll mithalten kann. Die Ernüchterung für Conti folgt auf dem Fuße: Der jüngst vorgestellte Escape legte nämlich die mit Abstand schlechtesten Rundenzeiten hin. Dabei narrte der Escape sogar das toll agierende ABS der BMW, weil der Grip am Vorderrad an einigen Stellen so gering ausfiel, dass es einklappen wollte, noch bevor die elektronische Hilfe regelnd eingreifen konnte. Ähnlich tückisch gab sich das mit dem Bridgestone TW 101 bereifte Vorderrad. Er lieferte bei Nässe ebenfalls keine überzeugende Vorstellung ab, wohingegen der hintere TW 152-Pneu gut mithielt. Traumnoten verdiente sich der Michelin Anakee, der erste Enduro-Reifen mit einem überdurchschnittlich hohen Silika-Anteil. Die französische Neuvorstellung übertrumpft sogar den bisherigen Regenkönig, den Metzeler Tourance. Die Michelin bauen selbst bei hohem Wasserstand und rutschigem Untergrund so viel Grip auf, dass selbst abgebrühte Testfahrer im ersten Moment ungläubig staunen. Der Metzeler wiederum darf für sich in Anspruch nehmen, über den angenehmsten, weil breitesten Grenzbereich zu verfügen. Bei Nässe ein nicht zu verachtender Vorteil. Ein kleiner, nicht ganz ernst gemeinter Einschub sei erlaubt. Fazit des Nasstests: Michelin baut für die Endurozunft quasi einen Regenrennreifen. Die Franzosen sollte unbedingt Warnaufkleber verteilen mit der Aufschrift: »Vorsicht, Anakee drauf, bei Regen bitte nicht folgen«, damit sich andere Motorradfahrer nicht ins Unglück stürzen.Zurück zum bierernsten Testprozedere, willkommen beim Funktionstest auf trockener Piste. Die Teststrecke: Pole Mecanique im südfranzösischen Alés. Eine neuer Kurs mit allem, was es für einen Reifentest braucht. Schnelle Bögen wechseln mit trickreichen Kurvenkombinationen, teils hängende Kurven und ausgefurchter Asphalt stellen hohe Anforderungen an das Haftungsvermögen und Feedback der Reifen. Nach der Gegengerade, lang genug um die kurz übersetzte F 650 GS im letzten Gang an ihr Drehzahllimit zu bringen, folgt ein hartes Bremsmanöver auf sehr welligem Asphalt. Ideale Bedingungen, um die Bremsstabilität zu testen. Und wieder setzt sich der Michelin Anakee gekonnt in Szene, überzeugt mit einer tollen Lenkpräzision und hervorragendem Handling. Die Haftungsreserven der besten Testkandidaten (Avon, Metzeler und Michelin) lassen sich mit der BMW F 650 GS gar nicht voll ausschöpfen. Dafür fehlt es dem Einzylinder schlichtweg an Schräglagenfreiheit, nach der Fußraste graben sich alsbald deren Aufnahme und der Hauptständer in den Asphalt und mahnen zur Vorsicht. Außerdem verfügt die Funduro über zu wenig Leistung, um Hinterreifen mit dieser guten Haftung ernsthaft in Verlegenheit zu bringen.Das Fazit: Man darf den Reifenentwicklern gratulieren. Was vor Jahren noch als undenkbar galt, ist heute bei Topreifen Standard: nämlich tollen Nassgrip, souveräne Trockenhaftung und gute Lauflaufleistung in einem Reifen zu bündeln. Metzeler und Michelin sind ganz nah dran. An der Quadratur des Kreises.
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Avon (Archivversion) - Distanzia AM 43/44

Reifentypvorn Distanzia AM 43hinten Distanzia AM 44Dimensionvorn 100/90-19 57 Hhinten 130/80- R 17 65 HPreis vorn/hinten76,65 Euro/102,58 EuroBewertungKurvenverhaltenDer Distanzia überzeugt mit einer tollen Handlichkeit, fährt neutral, präzise und baut im Trockenen sehr guten, fein kontrollierbaren Grip auf. Noch mehr Kurvenspaß steht nur die Schräglagenfreiheit der BMW entgegen. Ebenfalls positiv: Beim Bremsen in Kurven ist nur ein geringes Aufstellmoment spürbar. FahrstabilitätAuch hier liefern die englischen Pneus eine tadellose Vorstellung ab. Selbst auf welligen Pisten zieht die GS gelassen ihre Bahn. NassfahrverhaltenHier bietet der Distanzia solide Hausmannkost – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Haftung ist durchschnittlich, die BMW rutscht gleichmäßig über beide Räder, die Haftgrenze kündigt sich gutmütig an.Wirtschaftlichkeit/VerschleißDer Distanzia rechtfertig seinen im Vergleich hohen Preis mit der besten Laufleistung dieses Tests – und distanziert einige seiner Konkurrenten im wahrsten Sinne des Wortes. Ein echter Marathon-Pneu. FazitTolle Vorstellung im Trockenen, Sieger bei der Laufleistung. Dafür nimmt man die durchschnittliche Vorstellung im Nassen gerne in Kauf. Glückwunsch, Avon! Der haftstarke Distanzia macht seinem Name alle Ehre.

Bridgestone (Archivversion) - Trailwing 101/152

Reifentypvorn Trailwing 101 hinten Trailwing 152 RadialDimensionvorn 100/90 19 57 Hhinten 130/80 R 17 65 HPreis vorn/hinten70,59 Euro/102,97 EuroBewertungKurvenverhaltenWegen seiner relativ groben Profilierung fährt sich der Trailwing etwas träger und nicht besonders zielgenau, die Stabilität in Kurven ist deshalb ebenfalls nur befriedigend. Ebenfalls nur guter Durchschnitt: der Grip. Seine Grenzen zeigt der Bridgestone jedoch gutmütig auf. Das relativ starke Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage stört vor allem bei flotter Gangart.NassfahrverhaltenHier überzeugt das Hinterrad mit guter Haftung und Rückmeldung. Leider kann der vordere Pneu das Niveau seines hinteren Kollegen nicht halten, er ist schlichtweg überfordert, zudem ist dessen Grenzbereich enger gesteckt, der Grip reißt in Extremsituationen, auch und gerade bei einer Vollbremsung, ohne große Vorankündigung ab. Wirtschaftlichkeit/VerschleißPreislich liegt der angegraute Bridgestone im Mittelfeld, aber mit seinem überdurchschnittlich hohen Verschleiß bleibt ihm in dieser Wertung nur die rote Laterne.FazitDer Bridgestone Trailwing 101/152 ist in die Jahre gekommen, was der Test gnadenlos zu Tage fördert. Die erfolgverwöhnten Japaner arbeiten jedoch mit Hochdruck an einem Nachfolger.

Continental (Archivversion) - Escape

Reifentypvorn Conti Escapehinten Conti EscapeDimensionvorn 100/90 19 57 Hhinten 130/80 17 65 HPreis vorn/hinten72,78 Euro/ 87,42 EuroBewertungKurvenverhaltenIm Trockenen zeigt sich der Newcomer aus Hannover in seinem Element. Der Escape überzeugt mit solider Haftung, guter Lenkpräzision und sehr geringem Aufstellmoment beim Hineinbremsen in Schräglage. Für Richtungswechsel braucht es allerdings einen beherzten Zug am Lenker, das Handling ist nur durchschnittlich.NassfahrverhaltenNicht gerade die Domäne des Escape. Sein Grip in den Fluten hält sich in sehr überschaubaren Grenzen. Zum Glück zeigt der Conti sein Limit gut erkennbar auf, zudem bietet das Vorderrad etwas mehr Haftungsreserven. Beschleunigen in Schräglage ist bei Nässe nicht möglich. Außerdem verfügt das Vorderrad auf rutschigen Stellen über wenig Grip. Noch bevor das ABS der BMW regeln kann, klappt es ein.FahrstabilitätHier haben die Conti-Techniker ihre Hausaufgaben besser gemacht, der Escape liefert eine grundsolide Vorstellung ab. Wirtschaftlichkeit/VerschleißDie nur durchschnittliche Laufleistung kompensiert der Escape mit seinem günstigen Preis. FazitWer einen preiswerten Reifen mit tadellosem Fahrverhalten bei trockener Fahrbahn sucht, sollte den Escape in die engere Wahl ziehen. Bei nasser Fahrbahn sind die Reserven des Escape allerdings sehr begrenzt. Von einem modernen Enduroreifen darf in dieser Disziplin mehr erwartet werden.

Continental (Archivversion) - TKC 80 M+S Twinduro

Reifentypvorn TKC 80 M+S Twindurohinten TKC 80 M+S TwinduroDimensionvorn 110/80 B 19 59 Mhinten 130/80 17 65 TPreis vorn/hinten94,30 Euro/ 80,87 EuroBewertungKurvenverhaltenDer grobstollige TKC ist der Konkurrenz in Sachen Grip etwas unterlegen. Aber dafür kündigt er seinen Grenzbereich, vor allem den des hinteren Pneus, sehr, sehr gutmütig an. Das Handling ist wegen des breiten Vorderreifens etwas träger, der Conti fährt jedoch überraschend präzise.FahrstabiltätHut ab. Auch diese Übung absolviert der TKC achtbar, lediglich bei Höchstgeschwindigkeit, zulässig sind mit diesem Conti 160 km/h, machen sich leichte Unruhen bemerkbar.NassfahrverhaltenEine echte Überraschung. Der Geländeprofi und der BMW-Single bilden bei Nässe ein quicklebendiges Paar, was die Rundenzeiten eindrucksvoll belegen. Auch hier kündet er mit seinem breiten Grenzbereich Rutscher gutmütig an. Vor allem der tolle Grip am Vorderrad überzeugt. Zusammen mit dem gut kontollierbar rutschenden hinteren Pneu hat der TKC im Regen einen hohen Unterhaltungswert. Wirtschaftlichkeit/VerschleißDer preislich im Mittelfeld angesiedelte TKC verschleißt zwar hinten stark, weist aber auch das größte Anfangsprofil auf. Deshalb, und wegen des langlebigen Vorderreifens landet der Grobstoller im Kriterium Witschaftlichkeit auf dem ersten Platz.FazitWer gelegentlich auf Schotter oder im Gelände unterwegs ist, kommt am Conti TKC 80 nicht vorbei, denn in diesem Punkt ist er seinen Konkurrenten überlegen. Ein langlebiges Allroundgenie, Kultstatus inklusive.

Metzeler (Archivversion) - Tourance

Reifentypvorn Tourance Fronthinten Tourance Steel RadialDimensionvorn 100/90 19 57 Shinten 130/80 R 17 65 SPreis vorn/hinten69,64 Euro/105,20 EuroBewertungKurvenverhaltenEin harmonischer Reifen mit hervorragendem Grip und einem klar definierten, breiten Grenzbereich. Beim Einlenken braucht es beim Metzeler etwas mehr Nachdruck, die Stabilität in Schräglage und seine feine Lenkpräzision überzeugen vollkommen.FahrstabiltätAuch diese Übung absolviert der Tourance ohne Fehl und Tadel. Hervorhebenswert: der vorbildliche Abrollkomfort. Die bayerischen Pneus fahren wie auf Samtpfoten.NassfahrverhaltenIm Regen fühlt sich der Metzeler in seinem Element und vermittelt ein sattes, sicheres Gefühl. Sehr guter Grip und ein tolles Feedback zeichnen ihn aus. Mit dem Tourance verliert Regen seinen Schrecken, im Gegenteil, Fahrten bei Nässe machen sogar mächtig Spaß.Wirtschaftlichkeit/VerschleißDer Tourance gibt sich keine Blöße, wenngleich der vordere Reifen an den SchulternFlanken verschlissen ist. Dank seines ausdauerenden Hinterreifens und des angemessenen Preises hält der Metzeler den Anschluss und sichert sich einen Platz im Mittelfeld.FazitMetzeler baut nach wie vor tolle Enduro-Reifen. Der Tourance ist ein echter Alleskönner, der in jeder Disziplin dieses Tests überzeugt.

Michelin (Archivversion) - Anakee

Reifentypvorn Anakee Fronthinten Anakee RearDimensionvorn 100/90 19 57 Hhinten 130/80 R 17 65 HPreis vorn/hinten73,06 Euro/107,62 EuroBewertungKurvenverhaltenDie Neuvorstellung aus Frankreich liefert ein fulminates Debüt ab. Der Anakee überzeugt mit einem sehr guten Handling und satter Haftung in allen Lebenslagen, die Reserven des Michelin lassen sich auf der BMW gar nicht voll auskosten. Seine Lenkpräzison ist ebenfalls hervorragend, zielgenau und leichtfüssig wieselt der Single auch durch trickreiche Kurvenkombinationen. Der Anakee fühlt sich beinahe wie ein waschechter Sportreifen an.FahrstabiliätTraumhaft solide und stabil. Besonders überzeugend ist die hohe Bremsstabilität.NassfahrverhaltenDer neue Chef in Sachen Regen heißt Michelin Anakee. Auf Top-Niveau zischt der Franzose souverän über die schlüpfrige Teststrecke und enteilt der versammelten Konkurrenz. Der sehr hoch angesiedelte Grenzbereich zeigt sich zuerst am Vorderrad erkennbar an, ist aber nicht so breit, wie der des Metzelers.Wirtschaftlichkeit/VerschleißDer satte Grip bei trockener Piste und die sensationelle Vorstellung bei Nässe fordern ihren Tribut: Wegen des verschlissenen Vorderreifens vorne landet der Michelin in dieser Wertung im Mittelfeld, der Preis für einen Satz Anakee ist angemessen.FazitEin Spitzenreifen für Enduristen, die es gerne schräg treiben – und die sich ihren Fahrspaß auch im Regen partout nicht verderben lassen wollen.Anmerkung: Eine Mischbereifung mit dem älteren Michelin T66 ist zulässig.

Testkriterien (Archivversion)

Die Auswahl der Testmaschine richtet sich nach deren Bedeutung im Markt. Die Redaktion versucht, im Wechsel alle Motorrad-Kategorien zu berücksichtigen.MOTORRAD testet auf Landstraßen, Autobahnen, Nasstest-Strecken und einer permanenten Rennstrecke. Dabei muss ein und dasselbe Reifenpaar sämtliche Testkriterien durchlaufen. Die Reihenfolge bei diesem Test: Nasstest, Stabilitätstest, Funktionstest auf der Rennstrecke bei Trockenheit. Bei gravierenden Auffälligkeiten wie ausgeprägtem Pendeln, extrem geringer oder auch extrem guter Haftung wird im Zweifelsfall ein zweiter Reifensatz zur Gegenprobe aufgezogen.Die Fahreigenschaften jedes Reifens werden unmittelbar nach den jeweiligen Testfahrten mit Punkten und Kommentar bewertet und beschrieben. Währenddessen wechseln die Mechaniker die Räder der Testmaschine, um einen möglichst kurzen Zeitabstand zwischen den einzelnen Testdurchläufen zu gewährleisten. Bei allen Tests wird streng darauf geachtet, dass die äußeren Umstände, also Temperatur, Streckenzustand und die Tankfüllmenge, so weit wie irgendmöglich gleich sind. Die beiden ersten Reifensätze, die am Morgen gefahren wurden, kommen am selben Tag nach Testende und meist höheren Asphalt- und Lufttemperaturen nochmals in einen verkürzten Testumlauf. Weichen die Rundenzeiten um nicht mehr als eine Sekunde ab, bleiben die bisherigen Ergebnisse unkorrigiert.Als Referenz wurde zu Beginn des Tests die Erstbereifung herangezogen. Im Falle der BMW F 650 GS war das der Pirelli MT 80. Mit diesen Reifen fährt sich der Testfahrer so lange auf der Strecke ein, bis er seinen Rhythmus gefunden hat und die Rundenzeiten nur noch um wenige Zehntelsekunden differieren.Das Tempo auf der Rennstrecke wird so gewählt, dass sich der Fahrer nur an einigen markanten Schlüsselstellen am Limit bewegt. Alle anderen Passagen werden mit einem gewissen Sicherheitspolster gefahren, damit Kondition und Konzentration den gesamten Testtag auf dem gelichen Niveau erhalten bleibt. Pro Tag mussten ungefähr 100 Runden bewältigt werden, der erste Turn so schnell und konzentriert wie der letzte. Übertragbarkeit: Eine direkte Übertragbarkeit der Testergebnisse auf andere Motorräder ist nicht möglich. Vor allem dann, wenn das in Betracht kommende Modell über andere Reifendimensionen verfügt, beispielweise ein 18-Zoll-Hinterrad oder ein 21-Zoll-Vorderrad (BMW F 650 GS: 19- und 17-Zoll). Grundsätzlich liefert der Test Tendenzen der Reifen bezüglich Verschleiß, Nass- und Trockenhaftung, Abrollkomfort und Fahrstabilität. Wobei MOTORRAD darauf hinweisen möchte, dass alle genannten Faktoren vom jeweiligen Motorrad, dessen Leistung und von der Fahrwerkeinstellung abhängen. Beispiel: Eine deutlich schwerere und nominell 98 PS starke Suzuki DL 1000 V-Strom stellt in puncto Verschleiß und Haftung höhere Ansprüche an einen Reifen, als der Einzylinder BMW F 650 GS.Die wichtigsten Testkriterien im Überblick:Handlichkeit: Benötigte Lenkkraft, um die Maschine in Schräglage zu bringen oder in Schräglage beziehungsweise auf der gewünschten Linie zu halten.Lenkpräzision: Wird in unterschiedlich schnellen Kurven getestet und gibt Auskunft darüber, ob das Motorrad dem gewünschten Kurs, der über Lenkkräfte vorgegeben wird, folgt oder ob die Linie korrigiert werden muss.Haftung/Kurven: Seitenführung in Schräglage auf nasser und trockener Fahrbahn, getestet wird auf einer abgesperrten und gesicherten Strecke.Haftung/Beschleunigung in Kurven: Seitenführung und Kraftübertragung in unterschiedlich schnellen Kurven, ebenfalls bei Nässe und Trockenheit. Kurvenstabilität: Fahrstabilität bei schneller Kurvenfahrt, in Wechselkurven und bei Bodenwellen.Grenzbereichsverhalten: Gibt Auskunft über die Beherrschbarkeit des Reifens im Grenzbereich der Haftung auf nasser und trockener Strecke.Aufstellneigung: Ein mehr oder weniger starkes Lenkmoment beim Bremsen in Schräglage, welches das Motorrad aufrichten will und durch eine Gegenkraft am Lenker ausgelichen werden muss.Lenkerflattern (Shimmy): Mehr oder weniger starke Drehschwingung der Vorderradaufhängung um die Lenkachse im Geschwindigkeitsbereich zwischen 60 und 90 km/h.Fahrkomfort: Er ergibt sich aus der Eigenfederung und Dämpfung der Reifen beim Überfahren von Querrillen oder bei holperigem Fahrbahnbelag notwendige Eigendämpfung der Reifen, die Fahrstabilität und Abrollkomfort beeinflussen.Preis: Entspricht dem durchschnittlichen, von mehreren Reifen- und Motorradhändlern angegebenen Verkaufspreis inklusive Mehrwertsteuer. Abweichungen nach oben und unten sind je nach Reifenmarke und Händler möglich.

Verschleiß (Archivversion)

Die Verschleißmessungen beziehen sich in diesem Test auf den Abrieb am Hinter- und am Vorderrad, die Punktewertung erfolgte im Verhältnis 2/3 zu 1/3. Gemessen und protokolliert wurde zirka alle 500 Kilometer an mehreren markierten Stellen. Die gesamte Testfahrt führte über 4608 Kilometer von Stuttgart nach Italien und zurück. Der BMW-Konvoi fuhr dabei einheitliches Tempo, die Testmaschinen wurden regelmäßig von durch getauscht. Beachtenswert: der teils sehr hohe Verschleiß am Vorderrad, der auf zügige Geschwindigkeit und sehr kurvenreiche Strecken zurückzuführen ist. Die Vorderreifen von Metzeler Tourance und Michelin Anakee wiesen an den Schultern weniger als die gesetzlich vorgeschriebenen 1,6 Millimeter Restprofil auf zirka 75 Prozent der Laufflächenbreite auf, müssen also vor dem Hinterreifen getauscht werden. Unter dem Strich zeigten sich der Avon Distanzia und der Conti TKC 80 als die langlebigsten Enduro-Reifen des Vergleichs.

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