Vergleichstest: Neun Enduro-Reifen der Dimension 110/80 R 19 und 150/70 R 17 (Archivversion)

Soweit die Stollen tragen

Ob Nordkap oder Westerwald- Enduro-Gummis müssen da durch. Welcher Pneu hat auf der GS von BMW die meisten Reserven?

Die Ansprüche der Enduro-Reisenden sind hoch gesteckt. Eine halbe Weltumrundung mit einer Garnitur sollte schon drin sein, und wenn`s Katzen hagelt, möchte natürlich niemand auf verlässlichen Nassgrip verzichten. Als nette Dreingabe noch eine tadellose Fahrstabilität und klasse Kurvenhandling, das wär`s dann auch schon mit dem Wunschzettel. Wie so oft im Leben ist bei solchen Ansprüchen der Wunsch Vater des Gedankens. Die Überraschung dann im Test: Allzu weit sind einige der modernen Radial-Reifen vom Ideal der eierlegenden Wollmilchsau tatsächlich nicht mehr entfernt. Doch alles schön der Reihe nach. Bis ins südspanische Sevilla und zurück erprobte der Konvoi von MOTORRAD-Lesern mit ihren BMW-Enduros die Abriebfestigkeit der Gummimischungen. Um in möglichst kurzer Zeit auf verläßliche Ergebnisse zu kommen, rauschte die Gruppe der MOTORRAD-Leser mit ihren dicken BMW´s im Eiltempo 6000 Kilometer über Autobahnen und Landstraßen. Durch die konstant hohe Beanspruchung steigen Gummi- und Karkass-Temperaturen am Hinterrad stark an. Und hohe Temperatur in Verbindung mit mechanischer Beanspruchung, also der Kraftübertragung auf die Straße, bedeutet hohen Verschleiß. Die Unterschiede sind denn auch gravierend. Hochgerechnet auf die theoretisch maximale Lebensdauer rennt der Bridgestone Trailwing 152 mit 8200 Kilometern ungefähr halb soweit, wie Pirellis jüngster Spross, der MT 90 Scorpion. Da schafft es selbst der grob profilierte, auf 160 km/h beschränkte M&S Reifen von Conti ein paar Hundert Kilometer weiter als der TW 152. Bei diesen zum Teil überraschend hohen Laufleistungen durfte man gespannt sein, wie die langlebigen Marathon-Gummis den bewässerten Handlingkurs meistern. Dort wird ohne Netz und doppelten Boden die Haftfähigkeit bei Nässe ausgelotet. Mit der schweren BMW R 1150 GS nicht gerade spaßig, aber für einen seriösen Reifentest ein unumgängliches Kriterium. Für eine negative Überraschung sorgte Bridgestones Trailwing 152 in G-Ausführung. Neben den 17 Sekunden Zeitrückstand im Vergleich zum zweitbesten Regentänzer, dem Metzeler EnduroTourance, bestätigte auch der mit Abstand längste Bremsweg (mit ABS ermittelt) von 69,5 Metern aus 100 km/h die unzureichende Nasshaftung der japanischen Enduro-Bereifung (Bestwert 56,9 m). Bildlich gesprochen heißt dies: Wenn die Metzeler Enduro 4-bereifte BMW aus 100 km/h exakt vor dem Hindernis bereits steht, rauscht die Bridgestone TW 101 G/152 G-besohlte Enduro mit immer noch 43 km/h ins Verderben.Um jegliche Eventualitäten auszuschließen, wurde die Prüfung wenige Stunden später bei etwas höheren Asphalttemperaturen wiederholt: keinerlei Besserung in Sicht. Also stülpte die Testmannschaft ein zweites, neues Pärchen auf die Drahtspeichenräder. Schön warmgefahren und von jeglichem glitschigen Trennmitteln befreit, ging es zum dritten Mal ins nasse Unvergnügen. Resultat: Rundenzeiten noch schlechter, und der Dompteur nach zwei akrobatisch gestandenen Ausflügen in die rettende Grünfläche mit den Nerven am Ende. Dazu noch der saudumme Kommentar aus der zweiten Reihe: »Genau, net nur immer melken, die Gummikuh, auch mal auf d` Weide führe, des arme Viech.«Auch Pirellis Dauerläufer MT 90 Scorpion musste unter diesen Umständen Federn lassen, denn bei der Rutschpartie kostete ihn seine harte, widerstandsfähige Gummi-Mixtur Grip und damit wertvolle Punkte. Überraschend wacker zog sich der Conti TKC 80 Twinduro aus der Patsche. Mit tadellosen Rundenzeiten driftete der einzige geländetaugliche Grobstöller um den Parcours. Die dritte Etappe führte das bayerische Reisemobil auf scheinbar abwegiges Terrain: die Rennstrecke. Nur dort lassen sich verlässlich und mit überschaubarem Risiko Haftgrenze und Kurvenverhalten ausloten. Vor allem dann, wenn die Piste eher einer Achterbahn mit Landstraßencharakter als einer Grand Prix-Strecke ähnelt. Ledenon, am Rande der südfranzösischen Cevennen gelegen, hat alle Gemeinheiten parat, um auch die letzten Schwächen der Probanden ans Licht zu zerren. Die Kurvenhaftung auf holprigen Streckenpassagen beispielsweise. Ein Problem, das in erster Linie mit den konstruktionsbedingten Eigenheiten der BMW in Verbindung zu bringen ist. Der schwere Kardanantrieb dürfte Ursache dafür sein, dass speziell Reifen mit einer geringen Eigendämpfung beim Überfahren von Flickstellen und Querrillen urplötzlich bei heftig stempelndem Hinterrad den Grip verlieren. Speziell der Dunlop Trailmax reagierte dabei mit heftigen Rutschern. Versuche mit weniger Luftdruck brachten nur marginale Besserung. Erst mit dem Gewicht des Testsozius beladen, blieb der Dunlop ruhig und mit verlässlicher Traktion. Ein Zeichen dafür, dass die hohen ungefederten Massen in Verbindung mit der hydraulischen Dämpfung ausschlaggebend sind für dieses Phänomen. Nicht anders zu erwarten war das relativ bescheidene Abschneiden des Gelände-orientieren Conti, der in schnell gefahrenen Kurven deutlich instabiler daherkommt als die Straßenpneus. Trotzdem erstaunte der M&S-Reifen mit immer noch flotten Kurvengeschwingkeiten. Für gezügelte Überland-Touren mit anschließender Wüstendurchquerung ist der TKC 80 dennoch die beste und einzige Wahl, da die feinprofilierten Mitbewerber nicht annähernd an seine unglaublich gute Traktion auf Sand, Schlamm und losem Schotter herankommen.Eine weitere Prüfung stellte sich in Sachen Soziusstabilität, für ein Reise-Krad von nicht unerheblicher Bedeutung. Natürlich presste die Test-Crew dazu den höheren, von BMW empfohlenen Druck in die Reifen (von 2,2.auf 2,5 vorn und von 2,5 auf 2,9 bar hinten) Klarer Sieger in der Wertung mit Sozius: der altbewährte Michelin T 66 X, der trotz seiner enorm weichen Seitenwand mit guter Kurvenstabilität dem Duo flotte Schräglagen zugesteht. Ausgerechnet in dieser Disziplin leistet sich leider der Metzeler Tourance seinen einzigen signifikanten Ausrutscher und verlangt mit Sozius beladen nach gezügeltem Kurventempo. Wer`s brennen läßt, findet sich fröhlich schunkelnd auf der Außenbahn wieder. Doch mit solchen Sperenzchen steht der Tourance nicht allein.Fast nur Gutes ist von der vierten und letzten Versuchsreihe zu vermelden: der Stabilitätsprüfung. Vollgas über Betonplatten und Brückenabsätze, Bodenwellen und Längsrillen, einfach alles, was sich im Alltag so in den Weg stellt. Die Überraschung: Der Conti TKC 80 pendelte bei zulässigen 160 km/h (Geschwindigkeitszuordnung Q) nur ansatzweise, auch illegal eingeschobene Vollgasversuche mit bis zu 210 km/h brachten ihn nicht sonderlich aus der Ruhe. Prima.Bemerkenswert stabil und sicher auch Michelin T 66 X und Metzeler Tourance, die selbst einen schwungvoll geturnten Felgaufschwung am Lenker ohne Kontrollverlust wegstecken.Volle Punkte für alle wurden in Sachen Shimmy, dem Lenkerflattern, vergeben. In der getesteten Bauart und Dimension zeigt sich eine erfreuliche Unempfindlichkeit gegen die lästigen Resonanzschwingungen im Lenksystem.Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass moderne Gummimischungen den Spagat zwischen erstaunlich hoher Laufleistung und sicherer Haftung bravourös beherrschen. Was immer noch nicht gelingt, ist die Kombination aus erstklassigen Asphaltqualitäten und gelandetauglicher Traktion. Nur gut, dass wenigsten Continental mit dem TKC 80 die Nische nutzt und dank viel Entwicklungsaufwand auch Reise-Enduristen mit großkalibrigen Maschinen am Geschmack von Freiheit und Abenteuer schnuppern läßt.
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Bridgestone Trailwing 101/152 Radial G (Archivversion)

Daten: Hersteller/Importeur Bridgestone/Firestone Deutschland GmbH, 61325 Bad HomburgKundendienst Telefon 06172/408-255, Internet-Adresse http://www.bridgestone.de/motorrad/ ReifentypVorn Trailwing 101 Radial GHinten Trailwing 152 Radial GDimensionVorn 110/80 R 19 59 HHinten 150/70 R 17 69 HPreis vorn/hinten191 Mark/292 MarkBewertung:Kurvenverhalten: 97 PunkteMit befriedigenden Ergebnissen in Sachen Haftung, Lenkpräzision und Handling reiht sich der Trailwing »G« im Mittelfeld ein. Auf holprigem Belag und mit Sozius beladen verliert der japanische Pneu jedoch den Anschluss zur Führungsriege.Naßfahrverhalten: 52 PunkteAuf nasser Fahrbahn ist Schluss mit lustig, denn die ungenügende Kurvenhaftung und der enorm lange Bremsweg sind für eine Reise-Enduro nicht tragbar. Fahrstabilität: 58 Punkte In dieser Disziplin lässt der Bridgestone nichts anbrennen und positioniert sich mit geringem Abstand zur Spitze im vorderen MittelfeldWirtschaftlichkeit/Verschleiß: 60 PunkteObwohl auf geringen Verschleiß getrimmt, bringt es die japanische Garnitur nicht allzu weit. Der günstige Preis sichert dem Trailwing auch hier einen Platz im Mittelfeld. Fazit:Durchschnittliche Fahreigenschaften, ein relativ hoher Verschleiß und die unakzeptable Nasshaftung lassen dem Bridgestone in G-Version keine Chance gegenüber der starken Konkurrenz.

Bridgestone Trailwing 101/152 (Archivversion)

Daten: Hersteller/Importeur Bridgestone/Firestone Deutschland GmbH, 61325 Bad HomburgKundendienst Telefon 06172/408-255 Internet-Adresse http://www.bridgestone.de/motorrad/ReifentypVorn Trailwing 101 Radial Hinten Trailwing 152 Radial DimensionVorn 110/80 R 19 59 HHinten 150/70 R 17 69 HPreis vorn/hinten191 Mark/292 MarkBewertung:Kurvenverhalten: 85 PunkteDas gröbere Profil mit den weichen »Stollen« ist Hauptursache für die nur ausreichenden Ergebnisse in Kurvenstabilität, Haftung und Lenkpräzision. Zudem stellt sich der TW 101/152 beim Bremsen in Kurven vehement auf. Nassfahrverhalten: 75 PunkteGegenüber der »G«-Version aus gleichem Hause umrundet der Trailwing den Nässeparcours wesentlich schneller, verfügt über deutlich mehr Grip hinten, rutscht jedoch unangenehm übers Vorderrad. Fahrstabilität: 56 Punkte Ganz leichte Schwächen bei Bodenwellen in hoher Geschwindigkeit, alle andere Kriterien meistert der Bridgestone mit befriedigendem ErgebnisWirtschaftlichkeit/Verschleiß: 55 PunkteAuch der günstige Preis macht den hohen Verschleiß nicht wett, der Trailwing ist mit theoretisch 8200 Kilometern Laufleistung als erster platt.Fazit:Diese Variante des Bridgestone Trailwing 101/152 krankt am hohen Verschleiß und nur ausreichenden Fahreigenschaften. Dafür klappt`s bei Nässe recht ordentlich.

Continental TKC 80 M+S Twinduro (Archivversion)

Daten: Hersteller/Importeur Continental AGKundendienst Telefon 0511/93801 Internet-Adresse http://www.conti.de/2wheel/indexm.htmlReifentypVorn TKC 80 M+S Twinduro Hinten TKC 80 M+S TwinduroDimensionVorn 110/80 B 19 59 QHinten 150/70 B 17 69 QPreis vorn/hinten189 Mark/292 MarkBewertung:Kurvenverhalten: 69 PunkteBedingt durch die grobstollige Profilgestaltung fällt der Conti im Kurventest deutlich ab, bleibt aber in allen Schräglagen kontrollierbar und gutmütig. Nassfahrverhalten: 95 PunkteNicht ganz so sicher wie die feinprofilierten Straßenreifen, aber exakt so schnell, planscht der Conti durch die Fluten. Alle Achtung, wer hätte das gedacht.Fahrstabilität: 41 PunkteWacker hält der TKC 80 selbst auf der Autobahnhatz mit, pendelt bei der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h nur ansatzweise.Wirtschaftlichkeit/Verschleiß: 58 PunkteMit zehn Millimeter Anfangs-Profiltiefe steckt der Conti den starken Abrieb gelassen weg, zudem ist der Twinduro das preisgünstigste Angebot im Test.Fazit:Für gemischte Schotter-Sand-Asphalt-Touren ist der Conti Twinduro die beste Lösung, zumal er auch Straßenetappen tadellos bewältigt und sich in Sachen Verschleiß gut aus der Affäre zieht.

Dunlop Trailmax D 604 (Archivversion)

Daten: Hersteller/Importeur SP-Reifenwerke GmbH, 63450 HanauKundendienst Telefon 06181/681930 Internet Adresse http://www.dunlop-tires.com/ReifentypVorn Trailmax Radial D 604 F Hinten Trailmax Radial D 604 DimensionVorn 110/80 R 19 59 HHinten 150/70 R 17 69 HPreis vorn/hinten204 Mark/324 MarkBewertung:Kurvenverhalten: 104 PunkteDie durchschnittlichen Lenk- und Kurveneigenschaften werden getrübt durch einen deutlichen, abrupten Haftungsverlust in Schräglage auf holprigem Aspahlt.Naßfahrverhalten: 109 PunkteGriffig, griffig, dieser Gummi. Nicht nur in Kurven, auch auf der Bremse kann sich die Besatzung der Groß-Enduro auf den Dunlop Trailmax verlassen. Fahrstabilität: 51 PunkteIm Hochgeschwindigekeitsbereich reagiert der D 604 nervös auf Bodenwellen und schlechten Straßenbelag, legt jedoch den zweitkürzesten Bremsweg aufs Parkett.Wirtschaftlichkeit/Verschleiß: 62 PunkteEin relativ hoher Preis dämpft die Freude am guten Verschleißverhalten des Dunlop D 604 Hinterradreifens.Fazit:Schwächen bei Vollgasfahrten auf der Autobahn kompensiert der Dunlop mit astreiner Nasshaftung. In der Summe aller Eigenschaften landet er auf Platz vier.

Metzeler Enduro 4 (Archivversion)

Daten: Hersteller/Importeur Metzeler Reifen GmbH, 80992 MünchenKundendienst Telefon 089/149008-440 Internet-Adresse http://www.metzeler.de/ReifentypVorn Enduro 4 Radial MBSHinten Enduro 4 Steel RadialDimensionVorn 110/80 R 19 59 HHinten 150/70 R 17 69 HPreis vorn/hinten194 Mark/296 MarkBewertung:Kurvenverhalten: 117 PunkteAußer auf Holperstellen in Schräglage mischt der Enduro 4 in allen Sparten kräftig vorne mit. Auch mit Sozius beladen bringt ihn nichts aus der Spur.Nassfahrverhalten: 114 PunkteDem soliden, sehr sicheren Grip des Vorderradpneus verdankt der Enduro 4 die höchste Punktzahl und den kürzesten Bremsweg bei Nässe. Fahrstabilität: 53 PunkteEtwas bockelig und nervös reagiert der Enduro 4 beim Überfahren von Querrillen und schlechtem Fahrbahnbelag. Bei hohen Geschwindigkeiten beginnt er leicht zu pendeln.Wirtschaftlichkeit/Verschleiß: 64 PunkteGünstig im Einkauf und mit durchschnittlich hoher Laufleistung ist der Enduro 4 auch aus wirtschaftlicher Sicht ganz vorn dabei. Fazit:Viel Sicherheit bei Nässe, gute Kurvenstabilität auch mit Zuladung und ein erstaunliches Preis-Leistungsverhältnis hieven den Enduro 4 punktemäßig auf den dritten Platz.

Metzeler Tourance (Archivversion)

Daten: Hersteller/Importeur Metzeler Reifen GmbH, 80992 MünchenKundendienst Telefon 089/149008-440 Internet-Adresse http://www.metzeler.de/ReifentypVorn Tourance FrontHinten Tourance Steel RadialDimensionVorn 110/80 R 19 59 HHinten 150/70 R 17 69 HPreis vorn/hinten183 Mark/289 MarkBewertung:Kurvenverhalten: 119 PunkteDie einzige Schwäche des Tourance liegt in der unbefriedigenden Kurvenstabilität mit Sozius, die das Duett zu dezentem Kurvenschwingen ermahnt. Alles andere ist im absolut grünen Bereich.Nassfahrverhalten: 112 PunkteSchnell, sicher, verlässlich. Der Tourance beweist, dass sich Abriebfestigkeit und vorzügliche Nasshaftung nicht unbedingt im Wege stehen müssen. Ein ganz dickes Lob nach München.Fahrstabilität: 62 PunkteSehr solide meistert der Tourance die Vollgasprüfung, drängelt sich mit geschmeidigem Abrollkomfort und dem kürzesten Bremsweg in der Punktewertung ganz weit nach vorn.Wirtschaftlichkeit/Verschleiß: 75 PunkteWer die Mark zweimal umdreht, muss nicht lange nachdenken. Der Metzeler Tourance ist Weltmeister im Sparen.Fazit:Abgesehen von den Schwächen in der Kurvenstabilität mit Sozius, beherrscht der Tourance einfach alles. Nässe, Autobahn, Kurvenwetzen, Dauerlauf - einfach eine Klasse für sich.

Michelin T 66 X (Archivversion)

Daten: Hersteller/Importeur Michelin Reifenwerke KGaA, 76185 KarlsruheKundendienst Telefon 0721/530-1238 Internet-Adresse http://www.michelin .com/us/eng/home.htmReifentypVorn T 66 XHinten T 66 XDimensionVorn 110/80 R 19 59 HHinten 150/70 R 17 69 HPreis vorn/hinten252 Mark/328 MarkBewertung:Kurvenverhalten: 131 PunkteKein Pneu rauscht so tadellos um die Teststrecke wie der Michelin T 66 X. Ob solo, mit Sozius, über Flickstellen und Querrillen - der Michelin meistert die Aufgabe unbeeindruckt und leichtfüßig.Nassfahrverhalten: 87 PunkteHier gibt es Nachholbedarf für die Franzosen. Zwar leicht beherrschbar, ohne List und Tücke, aber mit zu wenig Kurvengrip und Traktion, verliert der T 66 X auf dem nassen Geläuf den Anschluss.Fahrstabilität: 66 PunkteUnd gleich noch mal: Sieger nach Punkten. Bombenstabil, sicher, komfortabel. Keiner brettert so souverän über die Bahn wie der Michelin T 66 X.Wirtschaftlichkeit/Verschleiß: 65 PunkteSeinem Ruf als Dauerläufer wird der T 66 zwar gerecht, doch die aktuelle Konkurrenz ist noch besser - und vor allem billiger. Fazit:Die Stärken des Michelin liegen in der grandiosen Fahrstabilität, dem tadellosen Kurvenverhalten und der guten Laufleistung. Doch bei Nässe kommt der Michelin T 66 ins Schleudern.

Pirelli MT 90 (Archivversion)

Daten: Hersteller/Importeur Pirelli Motorrad-Reifen, 80974 MünchenKundendienst Telefon 089/14908-350 Internet-Adresse http://www.pirelli-moto.com/ReifentypVorn MT 90 Front Scorpion S/T Hinten MT 90 Scorpion S/TDimensionVorn 110/80 R 19 59 HHinten 150/70 R 17 69 H Preis vorn/hinten220 Mark/345 MarkBewertung:Kurvenverhalten: 112 Punkte Die hohe Kurvenstabilität mit Sozius erkauft sich der MT 90 mit erheblichem Haftungsverlust bei holpriger Strecke, meistert jedoch alle anderen Kriterien mit durchweg guten Noten. Nassfahrverhalten: 75 PunkteHart an der Grenze der Zumutbarkeit schleudert der Scorpion mit der zweitschlechtesten Rundenzeit und einem langen Bremsweg knapp am Skandal vorbei.Fahrstabilität: 58 PunkteAuf hohem Niveau und ohne signifikante Außreißer bringt der Pirelli diese Prüfung hinter sich. Wirtschaftlichkeit/Verschleiß 72: Der Langläufer im Test. Auf einen Ersatzreifen kann man bei dem neuen Pirelli MT 90 gut und gern verzichten. Eine halbe Weltumrundung ist locker drin, da macht der hohe Preis den Kohl auch nicht mehr fett. Fazit:Für Langstreckenfahrer heißt es abwägen: Ist die enorme Laufleistung wirklich alles, oder sollte auch die Nasshaftung eine Rolle spielen? Die Entscheidung wird dadurch erleichtert, dass der MT 90 in Sachen Kurvenverhalten und Fahrstabilität zuverlässig mitspielt.

Pirelli MT 80 (Archivversion)

Daten: Hersteller/Importeur Pirelli Motorrad-Reifen, 80974 MünchenKundendienst Telefon 089/14908-350 Internet-Adresse http://www.pirelli-moto.com/ReifentypVorn MT 80 R Hinten MT 80 RSDimensionVorn 110/80 R 19 59 HHinten 150/70 R 17 69 H Preis vorn/hinten220 Mark/345 MarkBewertung:Kurvenverhalten: 106 Punkte Bis auf die instabile Kurvenlage mit Sozius rennt der Pirelli MT 80 ohne nennenswerte Mängel und mit ausreichender Haftung um den Testkurs.Nassfahrverhalten: 94 PunkteRundenzeiten und Punktekonto liegen ebenso im Mittelfeld wie der Bremsweg.Fahrstabilität: 51 PunkteVollgaspassagen mit Bodenwellen quittiert der etwas unkomfortable Pirelli mit Unruhen um die Lenkachse, neigt zum Pendeln bei Luftturbulenzen und Bodenwellen.Wirtschaftlichkeit/Verschleiß: Da der MT 80 durch den MT 90 Scorpion abgelöst wird, verzichtete MOTORRAD auf die aufwendige und kostenintensive Verschleißmessung.Fazit:Ein durchschnittlicher Enduro-Reifen ohne gravierende Mängel, der durch den neuen, auf Laufleistung getrimmten MT 90 Scorpion ersetzt wird.

So testet MOTORRAD (Archivversion)

Die Auswahl der Testmaschine richtet sich nach der Marktbedeutung Die Redaktion versucht im Wechsel alle Motorrad-Kategorien zu berücksichtigen. MOTORRAD testet auf Landstraßen, unreglementierten Autobahnen, Nasstest-Strecke und einem permanente Rennkurs. Dabei muss ein und dasselbe Reifenpärchen sämtliche Testkriterien durchlaufen. Das heißt: Ein Testreifen muss nach Vollgas-Autobahnfahrt und Rennstreckenprüfung zudem noch in den Nässetest. Auch das Testmotorrad bleibt während der Versuchsfahrten immer dasselbe, um Einflüsse durch die Serienstreung auszuschließen.Bei gravierenden Auffälligkeiten wie ausgeprägtem Pendeln, extrem geringer oder auch extrem guter Haftung und ähnlichem wird ein zweiter Reifensatz zur Gegenprobe aufgezogen. Die Fahreigenschaften jedes Reifens werden umgehend nach den jeweiligen Testfahrten mit Punkten und Kommentar bewertet und beschrieben. Während der Testfahrer die Wertungsbögen ausfüllt, wechselt die Mechaniker-Crew die Räder, um einen möglichst kurzen Zeitabstand zwischen den Testdurchläufen zu garantierten.Bei allen Tests wird streng darauf geachtet, dass die äußeren Umstände, also Temperatur, Streckenzustand und Tankfüllmenge, so weit wie möglich gleich sind. Die beiden ersten Reifensätze, die am Morgen gefahren wurden, kommen am selben Tag nach Testende und meist höheren Asphalt- und Lufttemperaturen noch einmal in einem verkürzten Testumlauf zum Einsatz. Weichen die Rundenzeiten nicht mehr als eine Sekunde von den ersten Zeiten ab, bleiben die ursprünglichen Ergebnisse unangetastet. Als Referenz zu Beginn des Tests wird die Serienbereifung herangezogen. Mit dieser fährt sich der Testfahrer so lange auf der Teststrecke ein, bis er seinen Rhythmus gefunden hat und die Rundenzeiten nur noch um wenige Zehntelsekunden differieren. Das Tempo auf der Rennstrecke wird so gewählt, dass sich der Fahrer nur an drei oder vier Schlüsselstellen am absoluten Limit bewegt. Alle anderen Passagen werden mit einem gewissen Sicherheitspolster gefahren, damit Kondition und Konzentration auf den gesamten Testtag eingeteilt werden können. Ausnahme: die drei gezeiteten Runden. Zirka 120 Runden müssen pro Testtag bewältigt werden. Die erste so schnell und konzentriert wie die letzte. Folgende Kriterien werden zur Gesamtbeurteilung herangezogen.Handlichkeit:Benötigte Lenkkraft, um die Maschine in Schräglage zu bringen oder in Schräglage beziehungsweise auf der gewünschten Linie zu halten.Lenkpräzision: Wird in unterschiedlich schnellen Kurven überprüft und gibt Auskunft darüber, ob das Motorrad dem gewünschten Kurs, der über Lenkkräfte eingegeben wird, folgt oder ob die Linie korrigiert werden muß. Haftung in Kurven:Seitenführung und Beschleunigung in Schräglage auf nasser und trockener Fahrbahn bei schnellen Kurvenfahrten auf einer gesperrten und abgesicherten Teststrecke.Grenzbereichs-Verhalten: Das Grenzbereichs-Verhalten gibt Auskunft über die Beherrschbarkeit des Reifens im Grenzbereich der Haftung auf nasser und trockener Fahrbahn. Beginnt ein Reifen langsam und kontrollierbar zu rutschen wird er besser bewertet, als ein Reifen, der seine Haftung abrupt und ohne »Ankündigung« verliert. Kurvenstabilität:Fahrstabilität bei schneller Kurvenfahrt, in Wechselkurven und bei Bodenwellen.Kurvenstabilität mit Sozius:Fahrstabilität bei zügiger Kurvenfahrt mit einem 90 kg schweren Beifahrer. Der Luftdruck wurde bei diesen Fahrversuchen auf den von BMW empfohlenen Wert angehoben.Aufstellneigung beim Bremsen:Ein mehr oder weniger starkes Lenkmoment beim Bremsen in Schräglage, das das Motorrad aufrichten will und durch eine Gegenkraft am Lenker ausgeglichen werden muss.Stabilität VmaxWird auf unreglementierten Autobahnen mit unterschiedlichen Fahrbahnbelägen überprüft und gibt Auskunft darüber, ob die Maschine im Bereich der Hochgeschwindigkeit zum Pendeln, Aufschaukeln, Lenkerschlagen oder sonstigen Fahrwerksunruhen neigt.Fahrkomfort:Benennt die beim Überfahren von Querrillen oder bei holprigem Fahrbahnbelag notwendige Eigendämpfung der Reifen, die Fahrstabilität und Abrollkomfort beeinflusst. Lenkerflattern (Shimmy) Mehr oder weniger starke Drehschwingung um die Lenkachse im Geschwindigkeitsbereich zwischen 60 und 90 km/h.Beste Rundenzeit: Kürzeste Fahrzeit auf dem jeweiligen Testkurs, auf dem drei von acht Runden mit möglichst hoher Geschwindigkeit gefahren werden.Bremsweg in Metern: Wurde bei der R 1150 GS in jeweils drei Versuchen mit aktiviertem ABS ermittelt. Bei den Bremsversuchen auf nasser Fahrbahn stellte MOTORRAD Unterschiede im Bremsweg aus 100 km/h von bis zu 12,6 Metern fest. Deshalb wurden die Messungen auf nasser Strecke auch in der Wertungstabelle benotet. Sie bestätigen zudem die subjektive Wertung der Nasshaftung.Verschleiß: Die Verschleißmessungen beziehen sich auf den Abrieb am Hinterrad. Gemessen wurde in der am meisten beanspruchten Laufflächenmitte. Um ein Verschleißdiagramm zu erstellen, wird die Profiltiefe alle 500 Kilometer an zwei markierten Stellen vermessen und protokolliert. Preis:Entspricht den durchschnittlichen, von mehreren Reifen- und Motorradhändlern angegebenen Verkaufspreisen inklusive Mehrwertsteuer. Abweichungen nach oben oder unten sind je nach Reifenhändler möglich.

Übertragbarkeit der Testergebnisse (Archivversion)

Oft reagieren Motorräder unterschiedlich auf ein und dieselbe Bereifung
Einen direkte Übertragbarkeit der Testergebnisse wird durch die spezifischen Konstruktionsmerkmale der BMW R 1150 GS eingeschränkt. Während Verschleiß, Nasshaftung und Lenkeigenschaften auch auf andere Reise-Enduros ohne signifikante Abweichungen übertragen werden können, lässt sich die Wertung Fahrstabilität und Haftung auf trockener Straße mit Querrillen und Flickstellen nur bedingt übernehmen. Der Grund: das durch die längslaufende Kurbelwelle verursachte Kippeln um die Längsachse bei Lastwechseln beziehungsweise das träge Ansprechverhalten der Hinterradfederung durch den schweren Parallver-Kardanantrieb, die auf kurze Stöße unwillig reagiert und bei einigen Reifenkonstruktionen zu einem Stempeln der Hinterhand in Schräglage führt.Bis auf das Kriterium »Haftung auf holprigem Belag« können alle anderen Wertungen auf die BMW-Modelle R 850/R1100 GS tendenziell übertragen werden. Ausnahme: Wegen ihrer längeren Schwinge tritt die R 1150 GS beim Kriterium »Haftung auf holprigem Belag« unter anderen Bedienungen an Die R 1150 GS diente sozusagen als »Messwerkzeug« für die wichtigsten Reifentypen, die auf den BMW-Boxer-Enduros ab Baujahr 1994 (mit Telelever-Vorderradführung) freigegeben sind. Auf keinen Fall dürfen die Ergebnisse auf eine andere Dimension, etwa ein 18-Zoll-Hinterrad anstatt der getesteten 17-Zoll-Größe, oder andere Bauarten (Diagonalreifen) übertragen werden. Folgene Maschinen sind mit der selben Dimension wie die BMW R 850/1100/R1150 GS ausgerüstet:0 Honda XL 1000 V Varadero0 Triumph Tiger 900Welche der Testreifen auf den oben genannten Maschinen zugelassen sind, kann bei einem autorisierten Motorrad-Händler oder den jeweiligen Reifenherstellern ausfindig gemacht werden (Service-Telefon-Nummern und Internet-Adressen im jeweiligen Wertungskasten). Dort können auch Sonderfreigaben oder Unbedenklichkeits-Bescheinigungen angefordert werden.Zu beachten sind auch mögliche Sonderkennungen der Reifentypen. Diese ist neben dem Reifentyp, Beispiel Metzeler Enduro 4, noch die Zusatzkennung »A« bei der Honda Varadero. Dies bedeutet, dass der Reifen in Karkasskonstrukion oder Gummimischung gegenüber dem Serienreifen modifiziert wurde. Auch dann ist eine Übertragbarkeit auf den getesten Enduro 4 ohne »A« nicht möglich.

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