Ausprobiert: Regenrennreifen (Archivversion) Wasser marsch

Vergesst Bungee-Jumping. Der ultimative Kick für Motorradfahrer heißt Regenreifen. Beim nächsten Renntraining werdet ihr Petrus um Regen anflehen, garantiert.

Die Michelin-Nassteststrecke in Ladoux, Frankreich: ein enger Kurs, gespickt mit fiesen Belagwechseln, die von relativ griffigen bis sehr rutschigen Abschnitten reichen. Vor jeder Testsession wässert ein LKW mit zigtausend Liter Wasser die Strecke, um gleichbleibende Bedingungen zu garantieren. Und es ist wie im richtigen Leben, es dauert eine Weile, ehe man sich mit der supersportlichen Suzuki GSX-R 750 an die widrigen Bedingungen gewöhnt. Erstaunlich, was so ein Sportreifen der neuesten Generation auch im Nassen drauf hat. Wegen des gutmütigen Grenzbereichs bereiten kleine Rutscher beinahe Freude. Zu Recht landete der Michelin Pilot Sport ganz weit vorne beim diesjährigen Sportreifentest (MOTORRAD 12/2000).Ob da noch eine Steigerung möglich ist? Und ob. Regenreifen heißt das Zauberwort. Sehen aus wie Enduroreifen, fühlen sich an wie Kaugummi und haben nur einen Zweck: ultimativer Grip trotz patschnasser Strecke. Warum sie das können? Betriebsgeheimnis. Der Reifentechniker verrät nur so viel: Regenreifen verfügen über eine sehr weiche Karkasse, wasserliebende Gummimischungen mit hohem Silica-Anteil und ein ausgeklügeltes Stollenprofil. Die Profilblöcke sollen das Wasser regelrecht schneiden und für eine gute Drainage sorgen. Optimaler Reifendruck: vorne und hinten 2,3 bar, nie weniger. Reifenwärmer brauchen sie im Gegensatz zu Slicks nicht, die optimale Betriebstemperatur von 60 bis 70 Grad erreichen diese Gummis schon nach wenigen Runden. Lebenserwartung des Hinterreifens, weichste käufliche Mischung: rund 100 Rennstreckenkilometer, das härte vordere Pendant sollte deutlich länger halten.Bei abtrocknender Strecke jedoch löst sich so ein Pneu buchstäblich in seine Bestandteile auf, weil ab 90 Grad Reifentemperatur der Vulkanisationsprozess in den einzelnen Profilblöcken erneut beginnt. Wenig verwunderlich also, dass Regenreifen nicht für den Straßenverkehr zugelassen sind. Schon beim Einrollen wächst das Vertrauen in diese Michelin-Pneus dramatisch. Das Tempo steigert sich dementsprechend, im Vergleich zum Pilot Sport werden zum Schluss 20 Sekunden weniger auf der Uhr stehen – Lichtjahre in Sportkreisen. »Nach zwei, drei Runden kannst du richtig Gasgeben«, hatte der Reifentechniker gesagt. Du tust es einfach, ziehst am Gas, wider dem inneren Schweinehund, der lang anerzogenen Aversion gegen tiefe Wasserlachen. Und die Suzuki kennt nur nur eine Richtung: vorwärts, nicht seitwärts. Noch unglaublicher der Grip beim Bremsen, das Heck wird leicht, doch die Suzuki zieht stoisch ihre Bahn. Nur das Hineinbremsen in die Kurven sollte man den Profis überlassen. Zehn Runden und einen einzigen, kleinen Hinterradrutscher später steht fest: Kein Grund mehr für Trübsal, wenn es beim nächsten Renntraining zu schütten beginnt. Regenreifen aufziehen, dieses einzigartige Erlebnis am eigenen Leib erfahren – und die verdutzten Blicke der anderen Trainingspartner genießen. Nähere Informationen erteilt der Michelin-Renndienst, Telefon 06341/595380, oder jeder andere Reifenhersteller, denn auch Avon, Bridgestone, Pirelli, Metzeler und Dunlop haben solche Regentänzer im Angebot.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote