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Von der Gewichtung her ist das Nasstest-Kapitel dem Alltags-Landstraßentest nachgeordnet – was viel mit der Realität zu tun hat: Motorräder werden einfach öfter bei idealen (trockenen) Bedingungen genutzt.

No-Name-Reifen 120/70 ZR 17, 180/55 ZR 17 im Test Können die nur günstig?

Sie heißen Nankang, Shinko oder Mitas. Sie kommen aus Taiwan, Südkorea oder Slowenien. Und sie wollen im Geschäft mit pres­tigeträchtigen 180er-Radialreifen für Big Bikes mitmischen. No-Name-Gummis, so die Stammtischparole, können nur günstig. Unser Test klärt: Haben die fünf Exoten tatsächlich ... nix drauf?

No-Name-, Exoten- oder Billigmarken: Egal, mit welchem Label man den dritten Teil unseres Reifentests überschreiben will – in dieser Geschichte geht es in erster Linie um das große Geld. Und dazu noch ein wenig um Globalisierung, Wachstum, neue Märkte, Verdrängung… Schauen wir uns dazu aber erst den Markt für Motorradreifen in Deutschland an. Hier haben sich das sogenannte Ersatzgeschäft (was nach der Erstbereifung auf die Felgen wandert) die sechs bekannten Premiummarken sauber aufgeteilt.

Nach Erhebungen des Branchenmagazins „Neue Reifenzeitung“ (www.reifenpresse.de) teilen sich knapp 70 Prozent des Markts zu fast gleichen Teilen Bridgestone, Metzeler und Michelin auf. Die restlichen 30 Prozent werden von Conti, Dunlop und Pirelli bestimmt. Andere Hersteller sind nahezu bedeutungslos. Nach den Zahlen des Bundesverbands Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk setzen die großen Sechs pro Jahr rund 1,3 Millionen Motorradreifen ab. In den letzten zehn Jahren haben dabei vor allem zwei Segmente ein deutliches Plus hinlegen können. Mit jeweils 350.000 Reifen pro Jahr sind besonders die Sport- sowie die Touren(sport-)reifen in Radialbauweise gefragt. Tourensportliche Diagonalreifen stehen mit knapp 200.000 Reifen pro Jahr mit deutlichem Abstand auf Platz drei.

Foto: Lohse
Super-Grid-Girls, aber auch ein Super-Grip? Dieses Mal sind fünf No-Name-Reifen im Alltagstest.
Super-Grid-Girls, aber auch ein Super-Grip? Dieses Mal sind fünf No-Name-Reifen im Alltagstest.

Die Musik spielt also mit geschätzten 60 bis 80 Millionen Euro Umsatz pro Jahr bei den Radial-Touren- und Sportreifen. Wer hier mitmischen will, muss diese zudem in den gefragten Größen anbieten: Die Dimensionen 120/70 ZR 17 und 180/55 ZR 17 kommen laut Europool, einer Institution, in der die Verkäufe der Hersteller an den Reifenhandel erfasst werden, auf über 30 Prozent. Und von diesem Kuchen wollen sich nun auch die Hersteller aus diesem Test ein saftiges Stück herausschneiden. Wer aber steckt nun genau dahinter?

Diese Informationen sind selbst für Brancheninsider zum Teil schwer zu beschaffen. Wie zum Beispiel die Antwort auf die Frage, wer oder was sich hinter der Marke Full Bore USA verbirgt. In Deutschland wird das Label über Delticom, einem der größten Internet-Reifenhändler mit Sitz in Hannover vertrieben (www.motorradreifendirekt.de). Auf Rückfrage ist zu erfahren, dass die Marke dem Reifenvertrieb „Motoman“ aus den USA gehört. 2008 wurde dort ein Sport-Radialreifen (der M-1 aus unserem Test) für den US-Markt vorgestellt, später folgten Gummis für Chopper, Cruiser und Tourer. Wer aber zeigt sich für die Entwicklung und Produktion verantwortlich? Nebulös heißt es dazu bei Delticom, dass die ­Reifen von japanischen Ingenieuren mitent­wickelt werden. Auf der Seitenwand unserer Testreifen findet sich aber der Verweis auf die Herstellung in Südkorea. Eine erneute Nachfrage stellt klar, was auch schon vermutet wurde: Die Full Bore-Reifen kommen von Shinko, einem weiteren Testteilnehmer, und basieren im wesentlichen auf dem Know-how des südkoreanischen Reifenherstellers. Wer aber ist Shinko?

Shinko und Maxxis technisch alt

Bei unserer Einkaufstour ist uns von denen ein besonders alter Fisch ins Netz gegangen. Das Profil „F/R009RR“ weist zwar ein aktuelles 2013er-Produktionsdatum auf, doch in seiner Grundform ist der Radialreifen rund 20 Jahre alt, wie uns der deutsche Vertriebsmann Alfred Schenk (www.shinkoreifen.de) bestätigt. Damit erklärt sich das japanische Know-how, auf das ebenfalls bei Shinko hingewiesen wird. 1994 hat Shinko die Produktion der japanischen Yokohama-Motorradreifen inklusive der Technologie und Werkzeuge übernommen. Bei vielen Shinkos stand also ursprünglich Yokohama auf der Seitenwand. Shinko selbst, die 1946 mit der Produktion von Fahrradreifen in Japan begonnen haben, gehören heute zur südkoreanischen Shin Hung-Gruppe, die seit 1979 Motorradreifen produziert. In der Branche hat sich Shinko einen Ruf in der Herstellung von Diagonalreifen erarbeitet. Weshalb man auch Auftragsarbeiten von Premiummarken übernimmt: So kommt ein Teil der legendären Conti TKC 80-Reifen aus den Shinko-Werken Südkoreas.

Komplett anders stellt sich die Lage bei den zwei weiteren Asien-Reifen aus diesem Test dar. Hinter Maxxis verbirgt sich CST, das Kürzel für „Cheng Shin Taiwan“, seit 1967 im Geschäft. Maxxis ist in erster Linie der Name, mit dem man sich für das Europa- und USA-Geschäft mehr Zugkraft verspricht. Bei den Global Playern ist CST/Maxxis nicht unbedeutend. 2012 erreichte die Gruppe nach den Informationen der „Neuen Reifenzeitung“ mit 3,4 Milliarden Euro Umsatz Platz neun im Ranking der größten Unternehmen in der Reifenbranche. Das meiste Geld wird allerdings mit Pkw- und Anhängerreifen erzielt, Motorradreifen tragen nur einen Bruchteil bei. Dass man auf diese weniger Wert legt, beweist auch der Testreifen: Der Supermaxx ist technisch über zehn Jahre alt!

Hightech bei Nankang und Mitas

Ganz anders das zweite Taiwan-Gummi vom Hersteller Nankang mit Sitz in Taipeh: Dessen Roadiac wurde erst 2010 vorgestellt und ist deren erster echter Motorradreifen. In der Hauptsache werden bei Nankang mit rund 2700 Mitarbeitern jährlich zirka 13 Millionen Autoreifen produziert. Mit der Zweikomponenten-Mischung setzt man beim Roadiac und neuem Schwestermodell Sportiac durchaus auf Hightech, um sich künftig bei Bikern einen Namen zu machen.

Den hat Mitas bereits. Seit Jahrzehnten kennt vor allem die Speedway-Szene die Marke. Sie gehört zur tschechischen ČSG-Gruppe, die einen Großteil des Umsatzes (2011: 430 Mio. Euro) mit Treckerreifen macht. 2012 hat man den slowenischen Hersteller Savatech übernommen und setzt nun unter Mitas-Beflaggung die dort begonnene Entwicklung von Radialreifen fort. Mit erstem Erfolg, wie dieser Test zeigt.

Foto: MRD
Um dieses nachvollziehen zu können, haben wir auch die Werte des Tourenreifen-Testsiegers mit abgebildet.
Um dieses nachvollziehen zu können, haben wir auch die Werte des Tourenreifen-Testsiegers mit abgebildet.

Landstraße, Autobahn und Nässe

Grundsätzlich lässt sich in diesem Kapitel klar ablesen, welche gewaltigen Entwicklungssprünge moderne Motorradreifen in den letzten zwei Jahrzehnten gemacht haben. Um dieses nachvollziehen zu können, haben wir auch die Werte des Tourenreifen-Testsiegers (Heft 11) mit abgebildet. Relativ leicht ist es demnach, einen Radialreifen auch für PS-starke Motorräder zu bauen, der einfach nur geradeaus läuft. Aber wer will mit seinem Bike immer stur voranbolzen? In dem Augenblick, wo dem Reifen gleichzeitig mehr Dynamik abverlangt wird, beginnen die Schwierigkeiten. Stabilität behalten, gleichzeitig aber an Agilität zulegen: Wie umsetzen, ohne dass der Reifen kippelig oder nervös wird? Keine Chance für den konzeptionell ältesten Reifen im Test: Der Shinko ist, obwohl unsere Testreifen aus dem Handel im Laufe des vorigen Jahres produziert wurden, eindeutig ein Kind der 90er-Jahre – basiert er doch auf alten Yokohama-Pellen, die seit knapp 20 Jahren nicht mehr angeboten werden! Mäßige Handlichkeit, dürftige Lenkpräzision, Schwächen in Kurven und obendrein wenig Gripreserven. Ihm ist am deutlichsten anzumerken, dass zeitgemäße Reifentechnik mittlerweile in ganz anderen Regionen angekommen ist. Obendrein ist dieses Set gar nicht mal billig zu bekommen. Mit einem Paarpreis von rund 220 Euro rangiert der Shinko auf dem Niveau der Premiummarken.

Fazit

Um Radialreifen zu bauen, die mit modernen Bikes auf kurvenreichen Landstraßen und bei Highspeed auf der Bahn funktionieren, reicht nicht der Aufguss alter Konzepte. Shinko und Full Bore machen keinen Schnitt mehr, Maxxis ist noch akzeptabel. Nankang wagt es mit zeitgemäßer Bicompound-Gummimischung, muss aber noch kräftig dazulernen. Dagegen dicht an der Premiumklasse: die neuen Reifen von Mitas.

Foto: MRD
Hier die Bewertung der Reifen bei Nässe. Ebenfalls dabei: der Michelin Pilot Road 4.
Hier die Bewertung der Reifen bei Nässe. Ebenfalls dabei: der Michelin Pilot Road 4.

No-Name-Reifen bei Nässe

Von der Gewichtung her ist das Nasstest-Kapitel dem Alltags-Landstraßentest nachgeordnet – was viel mit der Realität zu tun hat: Motorräder werden einfach öfter bei idealen (trockenen) Bedingungen genutzt. Für viele Motorradfahrer ist aber die Nassperformance ein entscheidendes, wenn nicht sogar das ausschlaggebende Kaufkriterium. Schließlich will man, dass der Reifen bei widrigen Umständen ein möglichst hohes Sicherheitspolster bietet: viel Grip in Kurven, klares Feedback für die Haftreserven, kurze Wege bei einer Notbremsung. Entsprechend haben viele Premiumanbieter in den letzten zehn Jahren die Entwicklung in diesem Sektor weit vorangetrieben. Ein wichtiger Baustein ist beispielsweise der Einsatz von Silica, einer Kieselsäureverbindung, die das Gummi auch schon bei niedrigen Reifentemperaturen schön geschmeidig macht. Allerdings muss an den Stellschrauben mit Bedacht gedreht werden, damit der Reifen wiederum an warmen, sonnigen Tagen nicht überhitzt und gefährlich wegschmiert – oder einen auffällig starken Verschleiß zeigt. In Teil zwei unserer Reifentest-Serie zeigte Michelins Pilot Road 4 einen fast schon idealen Mix.

Fazit

Im direkten Vergleich der fünf Testkandidaten zeigt auch hier der konzep­tionell recht junge Mitas Sport Force die beste Performance. Allerdings trennen ihn immerhin ganze 15 Punkte vom Tourenreifen-Testsieger aus Teil zwei unseres Reifentests. Es ist also noch reichlich Ausbaupotenzial vorhanden. Shinko und Full Bore sind dagegen auch im Regen nicht mehr auf der Höhe der Zeit.

Foto: mps-Fotostudio
Den 4. Platz macht der Full Bore USA M-1 Street Sport. Selbst bei Idealbedingungen bleibt die Performance des Full Bore mit seiner trägen Art, wenig Feedback und deut­licher Shimmy-Neigung dürftig. Bei Regen sackt das Herz sofort in die Hose.
Den 4. Platz macht der Full Bore USA M-1 Street Sport. Selbst bei Idealbedingungen bleibt die Performance des Full Bore mit seiner trägen Art, wenig Feedback und deut­licher Shimmy-Neigung dürftig. Bei Regen sackt das Herz sofort in die Hose.

Full Bore USA M-1 Street Sport

Gewicht: vorn 4,3 kg, hinten 6,7 kg
Herstellungsland: Südkorea
Infos/Freigaben: Delticom, Tel. 0 18 05/26 22 68, www.delti.com
Kaufpreis: 58,60/82,40 Euro (vorn/hinten) bei www.motorradreifendirekt.de

Bewertung

Landstraße/Autobahn: (103 Punkte, Platz 4)
Auch wenn der Full Bore nicht zu den handlichen Reifen gehört, fährt er sich gegenüber dem Shinko aus gleicher Fertigungsstätte spürbar besser. Dazu kommt eine bessere Rückmeldung, sodass sich im Vergleich zum Shinko eher ein Gefühl für das Haftpotenzial in Kurven einstellt. Aber im Vergleich zu bekannten Premiumreifen fehlt es an Rückmeldung und Agilität. Besonders stört ein ausgeprägtes Shimmy – sowohl bei Geradeausfahrt wie auch in Schräglage. Achtung: Mit ihrer W-Kennzeichnung ohne Klammer sind der Full Bore wie auch der Shinko nur bis 270 km/h zugelassen.

Nasstest: (56 Punkte, Platz 5)
Der Full Bore bietet zwar eine bessere Rückmeldung und gibt sich handlicher als der Shinko, rutscht dafür aber beim Beschleunigen und in Schräglage deutlich früher. Weshalb sich in keiner Situation Vertrauen für die tatsächlichen Haft-
reserven einstellen mag. Dies schlägt sich auch mit der langsamsten Rundenzeit und dem geringsten Kurventempo in den Messwerten nieder. Nur beim Bremsen aus 100 km/h steht er etwas schneller als der Shinko.

Fazit

Selbst bei Idealbedingungen bleibt die Performance des Full Bore mit seiner trägen Art, wenig Feedback und deut­licher Shimmy-Neigung dürftig. Bei Regen sackt das Herz sofort in die Hose.

MOTORRAD-Urteil: Platz 4, mit 159 Punkten

Foto: mps-Fotostudio
Auf dem 2. Platz landet der Maxxis Supermaxx Radial. Der Supermaxx erntet am Ende des Tages trotz Platz zwei auch nur ein „bedingt empfehlenswert“: Ist die Straße trocken, bleibt er noch akzeptabel. Aber bei Nässe geht mittlerweile viel mehr.
Auf dem 2. Platz landet der Maxxis Supermaxx Radial. Der Supermaxx erntet am Ende des Tages trotz Platz zwei auch nur ein „bedingt empfehlenswert“: Ist die Straße trocken, bleibt er noch akzeptabel. Aber bei Nässe geht mittlerweile viel mehr.

Maxxis Supermaxx Radial

Gewicht: vorn 4,3 kg, hinten 6,7 kg
Herstellungsland: Taiwan
Infos/Freigaben: Maxxis International, Tel. 0 48 21/8 90 60, www.maxxis.de
Kaufpreis: 76,60/97,70 Euro (vorn/hinten) bei www.motorradreifendirekt.de

Bewertung

Landstraße/Autobahn: (118 Punkte, Platz 2)
Der Maxxis gefällt zunächst durch sein vergleichsweise leichtes Einlenkverhalten, weshalb er sich deutlich handlicher als die Konkurrenten von Shinko und Full Bore gibt. Allerdings mangelt es an der Neutralität: Bei hohen Schräglagen fühlt sich der Supermaxx schnell kippelig an. Insgesamt vermittelt der Taiwan-Reifen anders als die Koreaner ein besseres Feedback für seine Haftreserven, weshalb sich die CB 1000 R in beachtlichen Schräglagen durch Kurven steuern lässt. Allerdings fehlt es an der nötigen Kurvenstabilität bei zügigem Tempo. Das Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage ist zwar spürbar, fällt aber deutlich geringer als bei Shinko oder Full Bore aus.

Nasstest: (76 Punkte, Platz 2)
Auch im Regen kann sich der Maxxis mit seinem breiter gestalteten Grenzbereich und Vorteilen
bei der Handlichkeit und Rückmeldung etwas von den Konkurrenten Shinko, Full Bore und Nankang absetzen. Dennoch klafft zum Besten im Test (Mitas Sport Force) eine deutliche Lücke auf, was sich auch aus den Messwerten ablesen lässt:
minus 10 km/h beim Beschleunigen aus Kurven!

Fazit

Der Supermaxx erntet am Ende des Tages trotz Platz zwei auch nur ein „bedingt empfehlenswert“: Ist die Straße trocken, bleibt er noch akzeptabel. Aber bei Nässe geht mittlerweile viel mehr.

MOTORRAD-Urteil: Platz 2 mit 194 Punkten

Foto: mps-Fotostudio
Sieger ist der Mitas Sport Force. Handlich, sportlich, günstig: Der Mitas Sport Force fährt sich deutlich anders als die Konkurrenz im Test. Und auch bei Regen geht er nicht vorzeitig in die Knie. Für rund 150 Euro ein gutes Set.
Sieger ist der Mitas Sport Force. Handlich, sportlich, günstig: Der Mitas Sport Force fährt sich deutlich anders als die Konkurrenz im Test. Und auch bei Regen geht er nicht vorzeitig in die Knie. Für rund 150 Euro ein gutes Set.

Mitas Sport Force

Gewicht: vorn 4,8 kg, hinten 6,7 kg
Herstellungsland: Slowenien
Infos/Freigaben: Mitas, Tel. 05 11/93 61 76 60, www.mitas-tyres.com
Kaufpreis: 69,70/83,90 Euro (vorn/hinten) bei www.motorradreifendirekt.de

Bewertung

Landstraße/Autobahn: (129 Punkte, Platz 1)
Auf der Landstraße überzeugt der Mitas Sport Force mit erstaunlich guten Fahreigenschaften, indem er sich sportlich und leichtfüßig einlenken lässt und auch bei hohen Schräglagen sehr neu­tral bleibt. Zudem vermittelt er bereits auf den ersten Metern eine ausgesprochen gute Rückmeldung für seine Haftreserven. Diese sind mehr als ausreichend, um auch mal extrem schräg ums Eck biegen zu können. Mit der sehr guten Lenkpräzi­sion kann der Mitas spielerisch auf Kurs gehalten werden. In diesen Punkten rangiert er schon auf dem Niveau bekannter Premiummarken und kann sogar bei den besten aus dem Tourenreifentest (Conti Road Attack 2 Evo, Michelin Pilot Road 4) mithalten.

Nasstest: (79 Punkte, Platz 1)
Auch auf nassen Straßen kann der Slowenen-Reifen einen deutlichen Vorsprung zu den übrigen Reifen im Test herausfahren. Seine Messwerte liegen sogar auf dem Niveau guter Tourenreifen aus Teil zwei (Heft 11/2014). Seine Vorzüge: breiter Grenzbereich, gutes Feedback für die Haftreserven, überzeugende Bremswerte.

Fazit

Handlich, sportlich, günstig: Der Mitas Sport Force fährt sich deutlich anders als die Konkurrenz im Test. Und auch bei Regen geht er nicht vorzeitig in die Knie. Für rund 150 Euro ein gutes Set.

MOTORRAD-Urteil: Platz 1 mit 208 Punkten

Foto: mps-Fotostudio
Den 3. Platz sichert sich der Nankang Roadiac WF-1. Mit seiner Bicompound-Konstruktion setzt Nankang zwar auf zeitgemäße Reifentechnik, doch in der Praxis lassen sich weder auf trockener noch nasser Straße echte Vorteile herausfahren.
Den 3. Platz sichert sich der Nankang Roadiac WF-1. Mit seiner Bicompound-Konstruktion setzt Nankang zwar auf zeitgemäße Reifentechnik, doch in der Praxis lassen sich weder auf trockener noch nasser Straße echte Vorteile herausfahren.

Nankang Roadiac WF-1

Gewicht: vorn 4,9 kg, hinten 6,9 kg
Herstellungsland: Taiwan
Infos/Freigaben: Delticom, Tel. 0 18 05/26 22 68, www.delti.com
Kaufpreis: 53,00/75,70 Euro (vorn/hinten) bei www.motorradreifendirekt.de

Bewertung

Landstraße/Autobahn: (111 Punkte, Platz 3)
Als einziges Reifenpaar in diesem Test ist der besonders günstige Roadiac (Paarpreis: 128,70 Euro!) vorn und hinten mit jeweils zwei verschiedenen Gummimischungen („Bicompound“) aufgebaut, die für weniger Abrieb (Reifenmitte) und mehr Haftung (Reifenschulter) sorgen sollen. Doch die Abstimmung überzeugt nicht: Insgesamt lenkt der Roadiac etwas zu schwerfällig in Kurven ein, dazu sind leichte Gegenlenkkräfte erforderlich, um das Motorrad auf Kurs zu halten. Beim Bremsen in Schräglage stört ein deutlicher Aufstellimpuls. Die nur mäßige Rückmeldung vermittelt kein sicheres Gefühl für die Haftreserven in Kurven, und die durchwachsene Lenkpräzision vereitelt den sauberen Strich in Kurven.

Nasstest: (66 Punkte, Platz 3)
Die mäßige Handlichkeit und die geringen Haftreserven fordern gerade bei nassem Asphalt ihren Tribut: Bereits in verhaltener Schräglage müssen weite Bögen gefahren werden, um nicht ins Rutschen zu kommen. Insgesamt fällt der Grenzbereich viel zu schmal aus. Nur geradeaus und beim Bremsen erreicht der Roadiac akzeptable Werte.

Fazit

Mit seiner Bicompound-Konstruktion setzt Nankang zwar auf zeitgemäße Reifentechnik, doch in der Praxis lassen sich weder auf trockener noch nasser Straße echte Vorteile herausfahren.

MOTORRAD-Urteil: Platz 3 mit 177 Punkten

Foto: mps-Fotostudio
Den 5. Platz belegt der Shinko F009RR/R009RR. Das Runde will definitiv nicht ums Eckige: Kurvenreiche Strecken bereiten mit dem widerspenstigen Shinko genauso wenig Freude wie die teils glitschige Tour über regennassen Asphalt.
Den 5. Platz belegt der Shinko F009RR/R009RR. Das Runde will definitiv nicht ums Eckige: Kurvenreiche Strecken bereiten mit dem widerspenstigen Shinko genauso wenig Freude wie die teils glitschige Tour über regennassen Asphalt.

Shinko F009RR/R009RR

Gewicht: vorn 4,7 kg, hinten 7,0 kg
Herstellungsland: Südkorea
Infos/Freigaben: MC Reifenservice, Tel. 0 97 21/50 94 63, www.shinkoreifen.de
Kaufpreis: 84,70/135,90 Euro (vorn/hinten) bei www.motorradreifendirekt.de

Bewertung

Landstraße/Autobahn: (91 Punkte, Platz 5)
Der konzeptionell wohl älteste Reifen im Test ­(basierend auf Yokohama-Reifen aus den 90er-Jahren) zeigt sich auf der Landstraße besonders störrisch. Bereits ab geringen Schräglagen sind deutliche Gegenlenkkräfte erforderlich, um die Honda aus unserem Test auf Kurs zu halten. Weiter stört die geringe Eigendämpfung, wodurch die Rückmeldung allzu trocken ausfällt. Beim Anfahren der neuen Reifen will sich zunächst kein angenehmes Gefühl für die maximal mögliche Kurvenhaftung einstellen. Nur sehr zögerlich tastet man sich deshalb an höhere Schräglagengrade heran. Trotz korrekter Wuchtung störte bereits im Neuzustand ein deutliches Shimmy die Geradeaus- und Kurvenfahrt. Ebenso nervig: der starke Aufstell-
impuls beim Bremsen in Schräglage.

Nasstest: (58 Punkte, Platz 4)
Wer nur geradeaus fährt, könnte mit dem Grip des Shinko noch leben. Aber wehe, es kommt eine Kurve! Die Haftreserven sind nicht nur schnell aufgebraucht, durch das mangelhafte Feedback stellt sich auch kein sicheres Gefühl fürs Limit ein. Auch die Bremswerte überzeugen überhaupt nicht.

Fazit

Das Runde will definitiv nicht ums Eckige: Kurvenreiche Strecken bereiten mit dem widerspenstigen Shinko genauso wenig Freude wie die teils glitschige Tour über regennassen Asphalt.

MOTORRAD-Urteil: Platz 5 mit 149 Punkten

Foto: Jahn
Ja, wo heizen sie denn? Temperatur­check für stets gleiche Konditionen.
Ja, wo heizen sie denn? Temperatur­check für stets gleiche Konditionen.

So testet MOTORRAD

Basismotorrad für den Test dieser No-Name-Radialreifen war wie in Teil zwei des Rei­fentests (Heft 11) eine Honda CB 1000 R. Alle Reifen aus diesem Test wurden im Februar 2014 zu den oben angegebenen Preisen über den Onlineshop von Delticom bestellt.

Handlichkeit
Benötigte Lenkkraft, um die Maschine in Schräglage zu bringen oder sie in langsamen/schnellen Wechselkurven auf Linie zu halten.

Kurvenstabilität/Sozius
Stabilität in (Wechsel-)Kurven und bei Bodenwellen. Wird in unterschiedlichen Modi (solo/mit Sozius) in großer Schräglage beim Beschleunigen getestet, wobei sich die Reifen regelrecht aufschaukeln können.

Lenkpräzision
Test in unterschiedlich schnellen Passagen mit komplizierten Kurvenradien. Gibt Auskunft darüber, ob das Motorrad dem gewünschten Kurs folgt, der über die Lenkkräfte vorgegeben wird, oder ob deutliche Linienkorrekturen erforderlich sind.

Geradeauslaufstabilität
Highspeed auf der Autobahn. Bleibt das Motorrad stabil auf Kurs oder stört Pendeln die Fahrt?

Haftung in Schräglage
Seitenführung in maximaler Schräglage auf nassem und trockenem Asphalt. Eine Gratwanderung, die nur auf abgesperrter Strecke möglich ist.

Aufstellmoment

Beim Bremsen in Schräglage richtet sich das Motorrad je nach Verzögerung und Reifenkontur unterschiedlich auf. Diese Reaktion muss mit einer Gegenkraft am kurveninneren Lenker­ende ausgeglichen werden.

Haftung beim Beschleunigen
Seitenführung und Kraftübertragung in unterschiedlich schnellen Kurven. Wird ebenfalls bei Nässe und Trockenheit getestet.

Grenzbereichverhalten
Beherrschbarkeit des Reifens im Grenzbereich der Haftung. Der Test wird sowohl auf nasser wie auch auf trockener Strecke durchgeführt.

Fülldruck im Test
2,5 bar vorn, 2,9 bar hinten.

Foto: MRD

Endwertung und Fazit

Knapp 60 Punkte trennen Ers­ten und Letzten. Das zeigt, dass man das Feld der sogenannten No-Name-Radialreifen nicht pauschal aburteilen kann. Mitas beweist mit dem jungen Sport Force, dass man durchaus an die Qualität der bekannten Profile von Bridgestone bis Pirelli heranreichen kann. Full Bore und Shinko dagegen konservieren abgehangene Reifentechnik aus den 90er-Jahren.

Foto: mps-Fotostudio
Nankang Sportiac WF-2: kommt demnächst als 190er.
Nankang Sportiac WF-2: kommt demnächst als 190er.

Vorabversion Nankang Sportiac WF-2

Mit dem Erstling Roadiac ist für Nankang noch lange nicht Schluss. Auch bei den PS-starken Supersportlern will man künftig mitmischen. Im Rahmen unserer Tests stand uns eine Vorabversion des Sportiac WF-2 in der Dimension 120/70 und 190/55 ZR 17 zur Verfügung, die wir auf der BMW HP4 analog zu den Sport­reifen in Teil eins (Heft 10) testen konnten. Anders als das touristische Schwestermodell Roadiac lenkt der Sportiac, der ebenfalls als Bicompound-Reifen aufgebaut ist, leichter ein und fährt sich deutlich neutraler. Auch das Gefühl für die Haftreserven stellt sich nun etwas schneller ein. Bei Nässe kann er sich ebenfalls vom Roadiac absetzen, allerdings setzt der früh einsetzende Grenzbereich allzu schnell ein Limit. Bevor der Sportiac aber in den Handel kommt, hat Nankang noch weitere Über-arbeitungen angekündigt.

Foto: Jahn
Risiko: Wer Reifen zu günstig einkauft, riskiert teure Folgekosten.
Risiko: Wer Reifen zu günstig einkauft, riskiert teure Folgekosten.

Premium zum Discount-Tarif

Geldsparen beim Reifenkauf ist nicht einfach. Da es von den Herstellern keine „Unverbindliche Preisempfehlung“ gibt, kalkuliert jeder Händler – im echten Laden oder Onlineshop – anders. Wer beim Sparen nicht auf Premiummarken verzichten will, sollte die sogenannte „Secondline“ der Hersteller ins Auge fassen.

Bridgestone

Vor-Vorgänger des aktuellen Tourenreifen T 30 ist bei der japanischen Reifenmarke der BT 021. In den MOTORRAD-Tests überzeugte er vor allem durch seine handliche Art gepaart mit guter Kurvenstabilität. Weniger gefällt allerdings seine eher durchwachsene Qualität bei Nässe.
Preisbeispiel: Bridgestone BT 021 in 120/70 ZR 17 und 180/55 ZR 17 für 171,98 Euro bei www.mopedreifen.de

Continental

Der brandneue Road Attack 2 Evo wurde in der letzten Ausgabe mit dem Landstraßentipp ausgezeichnet. Und auch die Ur-Version des Road Attack zeigte sich in unseren Tests handlich, präzise und mit ordentlich Haftung gesegnet. Sein Manko: der auffällig hohe Verschleiß.
Preisbeispiel: Conti Road Attack in 120/70 ZR 17 und 180/55 ZR 17 für 181,50 Euro bei www.reifendiscount.de

Dunlop

Vor fünf Jahren läutete der Roadsmart die neue Tourenreifen-Ära bei Dunlop ein. Mit Erfolg: 2009 gewann der Roadsmart zusammen mit den Michelin Pilot Road 2 den MOTORRAD-Reifentest vor allem durch satten Grip, seine Neutralität und ein klares Feedback bei Regen.
Preisbeispiel: Dunlop Roadsmart in 120/70 ZR 17 und 180/55 ZR 17 für 198,40 Euro bei www.reifentiefpreis.de

Michelin

Wer was Spezielles für die sichere Fahrt bei widrigen Bedingungen sucht, kommt seit Jahren nicht an den Franzosengummis
vorbei. Aktuell überzeugt der Pilot Road 4, aber bereits die Nummer zwei konnte durch sensationelle Fahrleistungen im Regen glänzen. Sein Manko? Etwas zu kippelig.
Preisbeispiel: Michelin Pilot Road 2 in 120/70 ZR 17 und 180/55 ZR 17 für 192,55 Euro bei www.gibgummi24.de

Pirelli

Die sportliche Reifenmarke aus Italien hat sich auch bei Motorradtouristen einen guten Namen gemacht. In den letzten Tests überzeugten Angel ST und GT, davor war auch schon der Diablo Strada durch seinen ausgewogenen Charakter mit makellosen Soziusqualitäten eine Bank.
Preisbeispiel: Pirelli Diablo Strada in 120/70 ZR 17 und 180/55 ZR 17 für 164,98 Euro bei www.tirendo.de

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