Interview „Der Sporttourenreifen ist die größte Herausforderung“

Foto: Jahn
? Zunächst mal die entscheidende Frage ans Marketing: Welcher der drei Reifen für welchen Fahrer?

! Geus - Der Power One ist schwerpunktmäßig ganz klar auf der Rennstrecke zu Hause. Der Pilot Power 2CT ist ein extrem sportlicher Reifen für Supersportmotor-räder im Straßeneinsatz. Und der Pilot Road2 ist dank der 2CT-Technologie ein flott zu fahrender Sporttourenreifen mit hoher Laufleistung und tollem Nassgrip.

? Also macht ein Power One ausschließlich im Straßeneinsatz keinen Sinn?

! Penisch - Der Power One ist ideal für Piloten, die auf der Hausstrecke Spaß haben wollen. Wir haben Kaltgrip und Kaltfahrverhalten gegenüber den Vorgängern deutlich verbessert. Natürlich ist die Laufleistung zugunsten von maximalem Grip niedriger als beim Straßenreifen. Für den sportlichen Fahrer gibt es den Pilot Power 2CT. Der hat nicht nur genug Grip, sondern ist vom ersten Meter an da, flößt sofort Vertrauen ein. Dazu kommt die transparente Rückmeldung und die Neutralität über den gesamten Schräglagenbereich. Die Vorteile des Power One mit seiner deutlich spitzeren Kontur, seinen stabileren Flanken und der weicheren Gummimischung kommen umso mehr zum Tragen, je höher das Tempo ist.

? Sie sprechen da vom Reifenaufbau. Bestehen da grundsätzliche Unterschiede zwischen den drei Typen?

! Penisch - Keine grundsätzlichen, aber zentrale. Zum Beispiel bei der Kontur. Je besser ein Reifen geradeaus laufen und je länger er halten muss, desto runder muss er ausgeformt sein, um die Kontaktfläche bei Geradeausfahrt zu vergrößern. Kommt man in den sportlicheren Bereich, wird die Kontur spitzer, um die Kontaktfläche bei Schräglage zu vergrößern. Darunter leidet dann natürlich der Geradeauslauf. Aber der ist auf der Rennstrecke nicht das entscheidende Kriterium.

? Und das ist dann schon alles?

! Penisch - Nein, natürlich nicht. Ein Rennreifen muss eine extrem stabile Karkasse haben, um die hohen Beschleunigungskräfte in mittleren Schräglagen zu verdauen. Ein reiner Straßensportreifen hingegen hat idealerweise eine flexiblere Flanke für guten Grip bei hoher Eigendämpfung. Ein Sporttourenreifen hin-gegen wird für viel höhere Motorradgewichte und Zuladungen konzipiert und muss deshalb einen möglichst stabilen Flankenbereich besitzen.

? Ist es demzufolge provokant, wenn man die These aufstellt, dass ein guter Sportreifen kein guter Rennreifen sein kann?

! Penisch - Im Grunde nicht. Den Reifen mit idealem Kalt- und Nassgrip und hoher Laufleistung, mit dem man einen Lauf zur deutschen Meisterschaft gewinnen kann, gibt es nicht. Gute Eigendämpfung und ein guter Kaltgrip vertragen sich nicht mit den Anforderungen auf der Rennstrecke. Das Temperaturfenster des Rennreifens liegt zudem viel höher.

? Okay, die Abgrenzung zwischen Power One und Pilot Power scheint damit klar. Aber verschwimmen die Grenzen zwischen Pilot Power und Pilot Road2 nicht zusehends?

! Geus - Nein, das sehen wir nicht so. Der sportliche Fahrer ist mit dem Pilot Power 2CT perfekt bedient. Wir haben mit 2CT zwar auch den Grip beim Pilot Road2 deutlich verbessert. Dennoch bietet der Pilot Power 2CT für den sportlichen Straßenfahrer noch mehr Grip, wofür die Laufleistung gegenüber dem Pilot Road2 dann geringer ist.

? Was ist am schwierigsten? Einen guten Renn-, Sport- oder Sporttourenreifen zu bauen?

! Penisch - Ganz klar der Sporttourenreifen. Er muss das breiteste Spektrum abdecken, viel Grip besonders auch im kalten Zustand und bei Nässe haben, ein homogenes Fahrverhalten und eine hohe Laufleistung. Darum ist unsere Technologie 2CT gerade für dieses Einsatzgebiet wie geschaffen.
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