Lästig: aufgerissene Reifen (Archivversion) Lästig: aufgerissene Reifen

Was nützt der griffigste Sportreifen, wenn sich schon nach drei Turns die seitliche Lauffläche durch ein faseriges Aufreißen in ihre Bestandteile auflöst? Eine Frage, die
sich schon vielen Rennstreckenheizern gestellt hat. Die grundlegende Ursache für dieses Problem sieht MOTORRAD in ers-
ter Linie bei den verwendeten Gummimischungen. Die bieten einerseits bereits bei relativ geringen Temperaturen guten Grip, andererseits ist dann der Gummi an sich noch nicht elastisch genug, um die im »Beschleunigungsstreifen« auftretenden Seiten- und Umfangskräfte zu verarbeiten. Resultat: Er wird bei zu niedrigen Arbeitstemperaturen regelrecht zerfetzt.
Laut den Reifenherstellern sind neben einer nicht passenden Gummimischung falscher Luftdruck und ein schlecht eingestelltes Fahrwerk für das Aufreißen verantwortlich. Sicherlich kann ein auf den Reifen abgestimmtes Feder-/Dämpfersystem diese Neigung abschwächen, jedoch nicht endgültig besei-
tigen. Und eine klare Marschrichtung für das Set-up konnte
keiner der Reifenhersteller anbieten.
Die Erfahrungen von MOTORRAD, speziell bei den Wintertests in Spanien und in Frankreich mit Temperaturen um 15 Grad Celsius, brachten einige Umstände ans Licht, die den Ärger mit zerstörten Reifengummis lindern können:
O Ausreichend lange warm fahren, also die Gänge auf der Geraden mit voller Power durchziehen und hart bremsen, dabei die Schräglage langsam steigern, beim Herausbeschleunigen die Reifenschulter anfangs nur zart beanspruchen.
O Luftdruck nach Angabe des Reifenherstellers senken, bei Temperaturen unter 15 Grad weitere 0,1 bis 0,2 bar am Hinterrad.
O Wenn möglich, Reifenwärmer verwenden, dann jedoch sofort nach dem Start ein zackiges Tempo vorlegen, damit der Gummi nicht bis zum kritischen Punkt auskühlen kann.
O Eine stabile Grundeinstellung mit satter Druckstufendämpfung und einer etwas weniger straffen, aber trotzdem cremigen Zugstufe wählen. Wichtig: Negativfederweg und Fahrhöhe hinten korrekt einstellen.
O Bei zu niedrigen Luft- und Asphalttemperaturen sowie kurzen Trainigsläufen besser auf Straßenreifen wie Conti Sport Attack, Metzeler Sportec M3, Michelin Pilot Power oder ähn-
liche Paarungen zurückgreifen.
Und wie verhält sich unser Testsieger bei kühlen Bedingungen? Damit die MOTORRAD-Redaktion und die Leser sicher sein können, dass der brillante Racetec K3 während eines Renntrainings nicht doch in Fetzen von der Felge hängt, wurde der Testreifen auf der Triumph Daytona 675-Dauertestmaschine einen Tag lang bei herbstlichen Temperaturen und ohne Reifenwärmer in zehn Turns à 20 Minuten über die französische Rennpiste geschrubbt. Resultat: kein Aufreißen, gleichmäßiges Abriebbild und satter Grip. Na dann – viel Spaß!

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