MOTORRAD Reifentest 2011 Teil 1 Sport- und Tourenreifen im großen Vergleichstest

Moderne Radialreifen sind wahre Alleskönner: stabil bis Tempo 300, haftfreudig bis in hohe Schräglagen, souverän auf nassem Asphalt. Die Besten der Testsession von 2010 stellen sich den 2011er-Newcomern. Geht noch was?

Anzeige
Foto: Jahn

Der Kampf um die Krone in der Sport- und Tourenreifenliga wird von Jahr zu Jahr spannender; denn mittlerweile kann die Reifenindustrie mit einem Entwicklungsstand aufwarten, der kaum noch Wünsche offen lässt. Es gibt Reifen, die problemlos dem Druck auf der Rennstrecke standhalten und selbst nach etlichen, scharf gefahrenen Runden nicht in die Knie gehen. Genauso gibt es Gummipaarungen, die bei Regen förmlich auf dem Asphalt kleben und nicht nur in Schräglage, sondern auch bei heftig angegangenen Bremsmanövern eine absolut souveräne Leistung zeigen. Der Motorradfahrer von heute hat den Luxus, sich für einen Reifen zu entscheiden, der exakt seinen persönlichen Vorlieben entspricht. Bis hier klingt also alles gut und nach eitel Sonnenschein.

Doch dann kommts dicke. Marketingabteilung und Vertriebsmanager schreien nach neuen Reifen, die Produktentwickler müssen es richten - streng nach olympischer Vorgabe "höher, weiter, schneller". Aus der können allerdings mächtige Probleme erwachsen; denn ein Mehrwert in einer Kategorie, zum Beispiel bei Nässe, kann schnell Defizite in einem anderen Bereich zur Folge haben.

Schwenken wir dazu kurz zurück: Beim letztjährigen Reifentest trat Michelin mit dem Power Pure an. Der zu dem Zeitpunkt brandneue Reifen hatte ein schweres Erbe anzutreten - bis dahin hatte der Pilot Power 2CT als extrem alltagstauglicher Sportreifen mit exzellenten Nässeeigenschaften eine große Fangemeinde um sich scharen können. Der Pure sollte nun nach Michelin-Meinung ein neues, bislang gänzlich unterrepräsentiertes Thema angehen: das Reifengewicht. Ziel war es nach Herstellermeinung, durch einen besonders leichten Reifensatz handfeste Vorteile beim Handling herauszufahren. Beim Test im 190/55er-Format auf der im MOTORRAD-Test 203 PS starken BMW S 1000 RR ging der Schuss allerdings gewaltig nach hinten los: Auf der Rennstrecke nervte schlagartiges Abkippen in Kurven, deutliche Walkbewegungen am Hinterrad reduzierten das Tempo deutlich.

Die Kippeligkeit setzte sich auch auf der Landstraße fort. Unterm Strich konnte der leichte Pure gegen den ohnehin nur 500 Gramm schwereren Pilot Power keinen Stich machen. Besonders dramatisch fiel das Ergebnis beim Nasstest aus - bis dahin das Stammrevier von Michelin-Reifen. Zwar hatten es die Techniker geschafft, die Haftgrenze des Pure noch ein wenig weiter nach oben zu verschieben. Allerdings zulasten der Alltagstauglichkeit: Der Grenzbereich setzte spürbar später ein, das nutzbare Band war schmäler geworden. Sprich: Rutscher kündigten sich sehr spät und dann deutlich abrupter an und verlangten zudem nach einer blitzschnellen Korrektur. Deutlich komfortabler und mit mehr Sicherheitsreserven rollte man mit dem Pilot Power über regennasse Straßen.

Anzeige
Foto: Jahn

Michelin hat schnell reagiert und schickt den Power Pure nun überarbeitet ins Rennen - erkennbar an der "D"-Spezifikation des Vorderreifens. Insgesamt lässt sich der Pure in der 2011er Abstimmung nun deutlich harmonischer bewegen.

Wobei allerdings auch auf die geänderten Rahmenbedingungen zu verweisen ist: Mit der Honda CBR 600 RR und im "schmalen" 180/55-Format werden die Reifen bei Weitem nicht so gestresst wie im vergangenen Jahr in der Dimension 190/55 auf der BMW S 1000 RR. Obgleich die Grundcharakteristik des Pure auch beim Test mit der schwächer motorisierten 600er durchaus erkennbar blieb: Walkbewegungen im Rennstreckenbetrieb, spät einsetzender Grenzbereich auf nasser Strecke.

Das Beispiel Power Pure macht auf jeden Fall deutlich, mit welchem Fingerspitzengefühl an der Entwicklungsschraube gedreht werden muss. Vorteile in einem Segment werden meist mit Defiziten in anderen Bereichen erkämpft. Der neue Rosso II von Pirelli zeigt das deutlich: In seiner konsequent sportlichen Abstimmung mit brillanter Stabilität auch beim Einsatz auf der Rennstrecke kann er im Regen kaum einen Stich gegen die eher mit Allround-Eigenschaften versehenen Konkurrenten machen. Die Haftgrenze ist auf nasser Piste deutlich früher als bei den anderen Sportreifen erreicht.

Bei Bridgestone in Japan hat man bei der Konzeption der neuen Sportreifengeneration eine komplett andere Richtung eingeschlagen: Der Pro sollte im Vergleich zum BT 016 vor allem an Alltagstauglichkeit zulegen. Mächtig gefeilt hat die Crew um Cheftechniker Sumio Ito an der Nassperformance des Reifens und schafft es damit sogar auf den ersten Platz im Nasstest. Ein sensationelles Ergebnis, wenn man bedenkt, wo Bridgestone bislang gestanden hat. Beim 2010er Test baumelte am Vorgänger BT 016 jedenfalls noch die rote Laterne: schlagartiges Rutschen über beide Räder, weite Bögen bei der Kurvenwahl - die Tester waren auf nasser Strecke nicht begeistert. Ein Jahr später das genaue Gegenteil: breiter Grenzbereich mit hohen Haftreserven, schnellste Runde inklusive Topspeed-Wert auf der Nassteststrecke und dazu eine Leistung, die im Regen eigentlich nicht hoch genug bewertet werden kann: der beste Verzögerungswert beim vollen Griff in die Eisen. Die kleine Sensation am Rande: Michelin, bislang führend in der Nassperformance seiner Sport- und Tourenreifen, muss den Titel "bester Regenreifen/Sport" an Bridgestone abgeben.

Foto: Jahn

Die Franzosen dürfte allerdings trösten, dass sie im Segment der - mittlerweile sehr sportlich konzipierten - Tourenreifen mit dem Nachfolgemodell des Road 2 weiterhin den Regenkönig stellen.

Das ungewöhnliche Aussehen des Pilot Road 3 mit seinem lamellenartig aufgeschuppten Vorderreifen geht in der Praxis tatsächlich auf. Nicht nur die Konkurrenz einschließlich der zweiten Neuentwicklung in diesem Test - Metzeler Z8 Interact - hat das Nachsehen. Der Entwicklungssprung zeigt sich auch beim Vergleich mit dem Road 2: noch höheres Kurventempo, noch kürzere Bremswege, noch engere Linienwahl in Kurven. Da möchte man gerne ein feuchtfröhliches Chapeau nach Clermont-Ferrand ausstoßen.

Wenn da nicht diese Defizite auf trockener Piste wären, die man vor allem in puncto Stabilität in Kauf nehmen muss - Tendenz bei Zug am Kabel steigend. Deutlich ausgewogener lässt sich der Dunlop Roadsmart bewegen, der bereits beim 2010er Test auf Suzuki Bandit 1250 bei nasser und trockener Piste überzeugte. Seine Devise: Überall gut mitmischen reicht auch, um am Schluss ganz oben zu stehen.

Foto: mps-Fotostudio

Bridgestone BT 016 PRO

Gewicht: vorn 4,4 kg, hinten 6,3 kg
Herstellungsland: Japan
Infos/Freigaben: Bridgestone Deutschland, Tel. 06172/40801, www.bridgestone-mc.de

Bewertung

Rennstrecke: (84 Punkte, Platz 3)
Anfangs überzeugt der stabile Bridgestone durch satte Haftung und saubere Rückmeldung. Erst nach einigen zügigen Runden verliert er gegenüber Dunlop Sportsmart und Pirelli Diablo Rosso II durch leichte Walkbewegungen hinten an Stabilität. Der Vorderreifen bleibt jedoch überzeugend stabil. Durch gut kontrollierbare Rutscher kündigt sich der breite Grenzbereich rechtzeitig an.

Landstraße: (87 Punkte, Platz 2)
Auf der Landstraße überrascht der neue Pro gegenüber seinem Vorgänger mit deutlich besseren Kaltlaufeigenschaften, was seine Rückmeldung bei durchwachsenem Wetter deutlich steigert.
Nasstest: (91 Punkte, Platz 1)
Mit neuer Gummimischung brilliert der BT 016 Pro auf nasser Strecke und schlägt sogar den Regengott Michelin. Bestwerte zeigt er auch beim Bremsen im Regen. Auch die Gestaltung des Grenzbereichs überzeugt: Wenn der Hinterreifen rutscht, hat der Vorderreifen immer noch satte Haftung.

Fazit
Platz drei, zwei, eins … bringt den neuen Bridgestone in der Summe aufs Podium. Mit neuer Mischung gewinnt der BT 016 Pro vor allem im Alltagseinsatz.
MOTORRAD Testergebnis: Platz 1, 262 Punkte.

Foto: mps-Fotostudio

Dunlop Sportsmart

Gewicht: vorn 4,4 kg, hinten 6,5 kg
Herstellungsland: Frankreich
Infos/Freigaben: Goodyear Dunlop Tires Germany, Tel. 06181/6801, ww.dunlopmotorcycle.de

Bewertung

Rennstrecke: (87 Punkte, Platz 2)
In der Warmlaufphase muss der Sportsmart mit Nachdruck in Schräglage gebracht werden. Erst bei Betriebstemperatur gefällt seine Rückmeldung selbst bei hohen Schräglagen. Stabilität und Haftung bleiben auch bei scharfer Gangart auf hohem Niveau. Es bleibt ein kleines Defizit in Sachen Handlichkeit.
Landstraße: (86 Punkte, Platz 4)
Erst bei sportlicher Fahrt kommt der Dunlop auf die Temperatur, bei der er durch gute Stabilität überzeugt. Im Vergleich zur Konkurrenz lässt er sich aber etwas träger einlenken.
Nasstest: (85 Punkte, Platz 3)
Der bei Regen gutmütig zu fahrende Sportsmart überzeugt mit breitem Grenzbereich, sehr guter Haftung in Kurven und beim Beschleunigen. In diesen Kriterien ist der Abstand zu Power Pure und BT 016 Pro nur gering. Größer der Abstand dagegen bei der Handlichkeit, weshalb weite Bögen gefahren werden müssen. Auch beim Bremsen liegt er hinter Power Pure und BT 016 Pro.

Fazit
Auf der Rennstrecke bleibt der Sportsmart top, bei Nässe hat die Konkurrenz aufgeholt. Die harte Gangart für die Landstraße ist Geschmackssache.
MOTORRAD Testergebins: Platz 3, 258 Punkte.

Foto: mps-Fotostudio

Michelin Power Pure "D"

Gewicht: vorn 4,2 kg, hinten 5,7 kg
Herstellungsland: Spanien
Infos/Freigaben: Michelin Reifenwerke, Tel. 0721/5300, www.michelin.de

Bewertung

Rennstrecke: (82 Punkte, Platz 4)
Gegenüber der 190er-Version vom Vorjahrestest fallen beim 180er-Format die Walkbewegungen deutlich geringer aus. Zudem lässt er sich mit neuem Vorderreifen (in "D"-Spezifikation) nun deutlich neutraler bewegen. Überzeugen kann der Pure mit angenehmer Rückmeldung und handlichem Einlenkverhalten.
Landstraße: (87 Punkte, Platz 2)
Bereits auf den ersten Metern überzeugt der Power Pure mit dem nun deutlich neutraleren "D"-Vorderreifen mit sehr guter Rückmeldung und Handlichkeit bei einem weiten Temperaturfenster. Klasse: die Möglichkeit schneller Kurskorrekturen und die enge Linienwahl.
Nasstest: (89 Punkte, Platz 2)
Was für ein Duell. Knapp muss sich der Nasstestsieger des Vorjahres dem BT 016 Pro geschlagen geben: Beim Beschleunigen dreht der Hinterreifen etwas früher durch, im sehr spät einsetzenden Grenzbereich rutscht der Michelin spontaner als der Bridgestone. Trotzdem aber liegt die Nasshaftung wie gehabt auf einem sehr hohen Niveau.

Fazit
Der Pure punktet durch sein sehr gutes Nassfahrverhalten und fühlt sich vor allem auf der Landstraße richtig wohl. Für die Rennstrecke zu knautschig.
MOTORRAD Testergebins: Platz 3, 258 Punkte

Foto: mps-Fotostudio.

Pirelli Diablo Rosso II

Gewicht: vorn 4,3 kg, hinten 6,3 kg
Herstellungsland: Deutschland
Infos/Freigaben: Pirelli Deutschland, Tel. 06163/710, www.pirelli-moto.de

Bewertung

Rennstrecke: (92 Punkte, Platz 1)
Pirelli ist und bleibt die klare Referenz auf der Rennstrecke. Das gilt auch für den neuen Rosso II, der Maßstab in puncto Stabilität, Beschleunigen aus Kurven und Lenkpräzision ist. Die Rennstreckeneigenschaften sind nahezu auf dem Niveau des noch sportlicheren Diablo Rosso Corsa, der im Vergleich gefahren wurde.
Landstraße: (90 Punkte, Platz 1)
Für sportliche Fahrer ist der Rosso II auch auf der Landstraße erste Wahl. Neutrales Fahrverhalten und hohe Stabilität sprechen für ihn, auch wenn er sich als nicht ganz so handlich wie der Power Pure erweist. Pluspunkte: die neutrale Lenkpräzision und das geringe Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage.
Nasstest: (80 Punkte, Platz 4)
Die klaren Vorzüge auf der Rennstrecke gehen klar auf das Konto der Nassperformance. Gegenüber der Konkurrenz muss sich der Rosso II mit geringstem Kurvenspeed geschlagen geben. Kleiner Trost: Beim Bremsen auf nasser Strecke verzögert er besser als der Dunlop Sportsmart.

Fazit

Mit klasse Stabilität überzeugt der Rosso II auf der Rennstrecke und ist ein Tipp für sportliches Landstraßensurfen - solange die Kurven trocken sind.
MOTORRAD Testergebins: Platz 1, 262 Punkte

Sportreifen-Fazit

Foto: Archiv

Unterwegs auf Rennstrecke und Landstrasse
Der Kampf um die Krone spitzt sich zu. In diesem Jahr werfen Bridgestone und Pirelli neue Räder in den Ring, Michelin hat nach kräftiger Schelte im vergangenen Jahr den Power Pure bereits überarbeitet. Der neuen Konkurrenz muss sich nun der Sieger des MOTORRAD-Reifentests von 2010 stellen: Dunlops Sportsmart stand ob seiner Ausgewogenheit in der Abschlusstabelle auf Platz eins, hatte aber in den Einzelkapiteln Rennstrecke (Platz zwei) und Landstraße (Platz drei) nicht die Nase vorn. Ein wesentlicher Unterschied zum Vorjahr: die Wahl der Waffen. Der 2010er Test wurde auf der extrem leistungsstarken BMW S 1000 RR und in der Dimension 190/55 ausgefahren. Erwartungsgemäß liegen Testsieger und neue Herausforderer auf der moderater motorisierten Honda CBR 600 RR (120 PS) und im kompakteren 180/55er-Format dichter zusammen, die Unterschiede fallen selbst bei sportlicher Landstraßenfahrt nicht so drastisch aus. Erst bei forcierter Gangart auf der Goodyear-Rennstrecke in Mireval/Frankreich (3,05 Kilometer) werden die Lücken größer und treten Stärken und Schwächen deutlicher zu Tage.

Foto: Archiv

Fazit:
Pirelli ist nach wie vor die Macht auf dem Rundkurs. Der Rosso II brilliert durch Stabilität, Grip und Lenkpräzision - und das mit Ausdauer. Auf der Landstraße gefällt das leichtfüßige Handling des überarbeiteten Michelin Power Pure

Foto: Archiv

Fahren auf nasser Strecke
Die eigentliche Sensation des Sportreifentests findet auf der 1,6 Kilometer langen, permanent bewässerten Goodyear-Teststrecke statt. In den letzten Jahren hatte der Michelin Pilot Power die Referenz in Sachen Nassperformance bei den Sportreifen gestellt. Beim 2010er Reifentest musste der neue Power Pure zeigen, ob er die Tradition fortsetzen kann. Er konnte, wenn auch nur knapp. Dunlops Sportsmart war dem Pure auf nassem Asphalt dicht auf den Fersen. Umso überraschender nun das aktuelle Ergebnis: Mit dem komplett renovierten BT 016 Pro - der mit dem Standard-BT 016 rein gar nichts mehr zu tun hat - reicht Bridgestone sowohl Michelin wie auch Dunlop nach hinten durch.

Fazit:
Die neue Mischung machts. Bridgestone hat das Gummi des BT 016 Pro weich geknetet und siegt damit auf nasser Piste. Nicht nur der Kurvenspeed passt. Auch beim Bremsen ist der Reifen top.

Foto: mps-Fotostudio

Continental Road Attack 2

Gewicht: vorn 4,2 kg, hinten 6,3 kg
Herstellungsland: Deutschland
Infos/Freigaben: Continental Reifen, Tel. 0511/93801, www.conti-moto.de

Bewertung

Landstraße: (135 Punkte, Platz 1)
Contis Road Attack 2 hat schon im letzten Jahr auf der deutlich schwereren Suzuki Bandit 1250 überzeugt und ist auch für die supersportliche 600er-Honda eine erstklassige Bereifungsoption. Trotz seiner sehr guten Handlichkeit ist ihm jede Art von Nervosität fremd. Dazu gesellen sich eine sehr gute Lenkpräzision sowie erstklassige Rückmeldung auf der Landstraße. Beim Bremsen in Schräglage ist nahezu kein Aufstellmoment zu verzeichnen. Einzig die leichte Instabilität beim Geradeauslauf bei hohen Geschwindigkeiten stört. Trotzdem animiert der agile Reifen geradezu zum sportlichen Fahren.
Nasstest: (76 Punkte, Platz 4)
Auch wenn die gute Handlichkeit eine enge Linienwahl auf der Nassteststrecke ermöglicht, rutscht der Conti ab mittleren Schräglagen früher als die Konkurrenz. Am Messpunkt der Kurvengeschwindigkeit im Omega fährt der Conti fast zehn km/h langsamer als der neue Michelin Road 3. Auch beim Bremsen muss sich der Conti hinten einreihen.

Fazit
Auf der Landstraße macht der Conti durch seine Agilität bei gutem Wetter mächtig Spaß. Bei Nässe muss dagegen vorsichtiger am Kabel gezupft werden.
MOTORRAD Testergebins: Platz 3, 211 Punkte.

Foto: mps-Fotostudio

Dunlop Roadsmart

Gewicht: vorn 4,2 kg, hinten 6,8 kg
Herstellungsland: Frankreich
Infos/Freigaben: Goodyear Dunlop Tires Germany, Tel. 06181/6801, www.dunlopmotorcycle.de

Bewertung

Landstraße: (132 Punkte, Platz 2)
Der Roadsmart hatte im vergangenen Jahr mit der 1250er-Bandit im Alltagseinsatz auf kurvigen Landstraßen und serpentinenreichen Alpenpässen keine große Last. Entsprechend konnte er auf den Felgen der CBR 600 RR mit insgesamt guter Landstraßenperformance glänzen. Auffällig ist allerdings, dass der Roadsmart aus der Neutrallage mit etwas mehr Kraftaufwand in Schräglage einlenkt. Dann allerdings überzeugt er mit hervorragender Stabilität bis in hohe Schräglagen. Beim Bremsen in Schräglage ist nur ein leichtes Aufstellmoment zu verzeichnen.
Nasstest: (84 Punkte, Platz 2)
Der Dunlop punktet auf nasser Strecke vor allem durch seinen breiten Grenzbereich. Das sorgt beim Fahrer nicht nur für ein gutes Gefühl in Kurven, sondern ist auch im Messprotokoll ersichtlich. Aus dem Zusammenspiel von guter Haftung beim Beschleunigen und in Schräglage fährt der Roadsmart die zweitbeste Rundenzeit auf der Nassteststrecke ein.

Fazit
Unterm Strich bietet der Roadsmart die beste Alltagskombination: sehr gutes Nassfahrverhalten, überragende Haftung und Stabilität auf trockener Straße.
MOTORRAD Testergebins: Platz 1, 216 Punkte.

Foto: mps-Fotostudio

Metzeler Z8 Interact

Gewicht: vorn 4,3 kg, hinten 6,3 kg
Herstellungsland: Deutschland
Infos/Freigaben: Pirelli Deutschland, Tel. 089/149080, www.metzelermoto.de

Bewertung

Landstraße: (132 Punkte, Platz 2)
Für den letztjährigen Reifentest (mit Verschleißmessung) kam der neue Z8 Interact leider zu spät - so musste nochmals der Z6 ran, kam aber über den letzten Platz nicht hinaus. Der Z8 Interact kann sich von seinem Vorgänger nun deutlich absetzen - und das nicht nur optisch durch das neue Profildesign. Der neue Tourenreifen von Metzeler fährt sich sehr neutral über den gesamten Schräglagenbereich. Punkten kann der Z8 vor allem durch seine hohe Stabilität in Schräglage selbst bei flottem Tempo. Dazu kommt seine sehr gute Geradeauslaufstabilität.
Nasstest: (79 Punkte, Platz 3)
Der wirklich große Entwicklungsschritt des Z8 Interact ist auf nassem Asphalt zu spüren. Landete der Vorgänger Z6 beim 2010er Test noch hinter dem Conti Road Attack 2, schenkt der neue Z8 dem Conti in diesem Jahr kräftig ein. Beim Bremsen auf nasser Straße schlägt er sogar den Testsieger Roadsmart mit besseren Verzögerungswerten. Trotzdem bleibt der Rückstand auf die Spitze spürbar.

Fazit
Der Z8 glänzt mit hoher Stabilität in Schräglage und bei hohem Tempo im Geradeauslauf. Bei Nässe hat er gegenüber seinem Vorgänger Z6 kräftig aufgeholt.
MOTORRAD Testergebins: Platz 3, 211 Punkte.

Foto: mps-Fotostudio

Michelin Pilot Road 3

Gewicht: vorn 4,5 kg, hinten 6,3 kg
Herstellungsland: Spanien
Infos/Freigaben: Michelin Reifenwerke, Tel. 0721/5300, www.michelin.de

Bewertung

Landstraße: (121 Punkte, Platz 4)
Mit seiner extrem handlichen Geometrie kommt der Road 3 vor allem eher schwerfälligen Allroundern und Naked Bikes entgegen. Kehrseite der Medaille: Auf der ohnehin sehr handlichen Honda CBR 600 RR prägt sich die auf Agilität ausgelegte Kontur durch eine indifferente Lenkpräzision aus. Während sich das Motorrad mit dem Road 3 bei moderatem Tempo noch sehr leicht in Schräglage bringen lässt, ändert sich das Bild bei sportlicher Gangart: Etwas zu leicht klappt die CBR 600 RR in hohe Schräglagen ab und verlangt nach feinfühliger Linienkorrektur.
Nasstest: (92 Punkte, Platz 1)
Mit höchstem Kurventempo und besten Verzögerungswerten distanziert sich der neue Road 3 deutlich vom Verfolgerfeld. Selbst im Vergleich zum bisherigen Regengott Pilot Road 2 erreicht das Nachfolgemodell bei der möglichen Kurvengeschwindigkeit und beim Bremsen nochmals bessere Werte. Dank seiner Handlichkeit lassen sich auf nasser Strecke sehr enge Linien fahren.

Fazit
Brillante Haftung und breiter Grenzbereich im Nassen: Für den Road 3 kann es nicht genug Regen geben. Auf trockener Piste ist er auf der CBR zu nervös.
MOTORRAD Testergebins: Platz 2, 213 Punkte.

Tourenreifen-Fazit

Foto: Archiv

Im Alltag auf der Landstrasse
Beim Test im vergangenen Jahr hatten die Tourenreifen zu kämpfen. Nicht nur, dass mit der Suzuki Bandit 1250 ein ganz anderes Kaliber bewegt werden musste. Zudem stand auch noch ein Verschleißtest an, mit anschließender Landstraßenwertung aller Reifen im abgefahrenen Zustand. Da mussten im Vergleich zum Fahrtest im Neuzustand bei etlichen Reifen einige Plätzchen durchgetauscht werden. Vor allem den Roadsmart traf es hart. Frisch aus der Backform auf die Felge konnte der Dunlop überzeugen und landete auf Platz zwei hinter dem Conti Road Attack 2. Während dieser auch abgefahren seine Pole Position behauptete, wurde der Roadsmart auf Platz fünf durchgereicht.

Als bester Landstraßenreifen war also der Conti gesetzt für den Update-Test mit den Neuerscheinungen im Tourensegment, Metzeler Z8 Interact und Michelin Pilot Road 3. Der Z8 trägt auf der Landstraße eindeutig die Gene des Mutterhauses Pirelli/Metzeler. Und die sind im Regelfall sehr sportlicher Natur. Besonders auffällig beim Nachfolger des mittlerweile angegrauten Z6: Seine Stabilität bleibt auch bei forcierter Gangart auf der Landstraße unbestritten und vertrauenerweckend hoch. Dennoch reicht es in diesem Kapitel nicht ganz aufs Siegertreppchen. Contis Road Attack 2 punktet vor allem mit seiner exorbitant guten Handlichkeit, die leichte Instabilität bei Highspeed ist verschmerzbar. Problematisch wird dagegen dieser Testabschnitt für den zweiten Newcomer der Saison: Die extreme Handlichkeit des  Pilot Road 3 äußert sich auf der wendigen CBR 600 RR durch nervöses Kippeln.

Fazit: 
Contis Road Attack 2 bleibt als agiler Reifen erste Wahl für flottes Kurvenwetzen. Metzelers Z8 punktet durch seine hohe Stabilität. Der handliche Michelin Road 3 kann seine Vorzüge auf der CBR nicht ausspielen.

Foto: Archiv

Wer wird Regenkönig?
Michelins Pilot Road 2 war bei den Reifentests der vergangenen Jahre auf nassen Strecken unschlagbar. Der Regenkünstler wird in diesem Jahr durch den Pilot Road 3 ersetzt. Interessant ist dieser vor allem durch seine Profilgestaltung: Lamellen sollen zusätzliche Gripvorteile bei Regen bringen. Im vergangenen Jahr machte auch Dunlops Roadsmart durch seine Qualitäten bei Nässe auf sich aufmerksam. Was ihn natürlich interessant für diesen
Vergleich macht. Metzelers Z6 konnte im Regen kaum noch überzeugen, weshalb im Lastenheft für den Nachfolger Z8 Interact eine bessere Performance im Regen notiert war. Der Fortschritt ist spürbar, bleibt aber zu verhalten.

Fazit: 
Unglaublich, aber Michelin hat es tatsächlich geschafft, den Road 2 zu toppen. Der neue Road 3 zeigt sich bei Nässe in Kurven und beim Bremsen noch souveräner als der Vorgänger.

Endwertung

Foto: Archiv

Zwei Testsieger, deren Konzeption nicht unterschiedlicher sein kann. Bridgestone setzt mit dem neuen BT 016 Pro vor allem auf Ausgewogenheit zwischen den Kapiteln Rennstrecke, Landstraße und Regen. Vor allem seine erstklassigen Ergebnisse auf nassem Asphalt bringen ihn in der Summe auf Platz eins. Punktgleich mit dem Pirelli Diablo Rosso II, der glasklar auf die harte Gangart mit PS-starken Sportbikes abgestimmt ist und bei forciertem Einsatz nicht in die Knie geht. Dunlops Sportsmart kann seinen Sieg aus dem Vorjahr nicht wiederholen.

Foto: Archiv

Ein Sieg in bester Tour de France-Tradition: Es kommt nicht allein auf die Etappensiege an. Möglichst konstant in der Spitzengruppe mitzufahren reicht auch, um im der Schlussabrechnung auf Platz eins zu stehen. So betrachtet, empfiehlt sich der Dunlop Roadsmart als insgesamt ausgewogener, homogen zu fahrender Reifen sowohl bei sonnigen Ausritten wie auch im Regen. Die beiden Neuerscheinungen im diesjährigen Test, Michelin Pilot Road 3 und Metzeler Z8 Interact, können ihre Vorzüge auf der sportlichen Honda nicht ganz entfalten. Michelin zeigt sich zwar bei Nässe unschlagbar, patzt bei idealen Straßenbedingungen aber durch seine Kippeligkeit. Contis Road Attack 2 bleibt ein toller Landstraßenreifen.

Foto: Jahn

So testet MOTORRAD

Basisfahrzeug für den 2011er MOTORRAD-Reifentest: die Honda CBR 600 RR, die mit ihrem Sport-ABS unter anderem problemlose Bremsentests auf nassem Asphalt möglich machte.

Handlichkeit
Benötigte Lenkkraft, um die Maschine in Schräglage zu bringen oder sie auf der gewünschten Linie zu halten. Wird in langsamen und schnellen Wechselkurven getestet.
Lenkpräzision*
Sie wird in unterschiedlich schnellen Passagen mit komplizierten Kurvenradien getestet. Gibt Auskunft darüber, ob das Motorrad dem gewünschten Kurs, der über die Lenkkräfte vorgegeben wird, folgt, oder deutliche Linienkorrekturen erforderlich sind.
Kurvenstabilität
Stabilität in (Wechsel-)Kurven und bei Bodenwellen. Wird in unterschiedlichen Modi (solo und mit Sozius) bewertet. Der Test erfolgt in maximaler Schräglage und in der Beschleunigungsphase, in der sich manche Reifen regelrecht aufschaukeln können.
Haftung in Schräglage*
Seitenführung in maximaler Schräglage auf nassem und trockenem Asphalt. Eine Gratwanderung, die nur auf abgesperrter Strecke möglich ist.
Haftung beim Beschleunigen*
Seitenführung und Kraftübertragung in unterschiedlich schnellen Kurven. Wird ebenfalls bei Nässe und Trockenheit getestet.
Grenzbereichverhalten*
Beherrschbarkeit des Reifens im Grenzbereich der Haftung auf nasser und trockener Strecke.
Aufstellmoment
Beim Bremsen in Schräglage richtet sich das Motorrad je nach Verzögerung und Reifenkontur unterschiedlich auf. Diese Reaktion muss vom Fahrer mit einer Gegenkraft (Drücken) am kurveninneren Lenkerende ausgeglichen werden.
Reifenfülldruck im Test
2,5 bar vorn, 2,9 bar hinten

*Die Ergebnisse der mit Stern gekennzeichneten Kategorien lassen sich mit kleinen Einschränkungen auf Motorräder übertragen, die ähnliche Fahrwerksdaten besitzen.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote