Neue Metzeler ME Z4-Radialreifen (Archivversion) Beruhigungs-Mittel

Mit der neuen ME Z4-Reifengeneration verspricht Metzeler mehr Fahrstabiltät und Sicherheit für sportliche Tourenmaschinen. MOTORRAD hat es ausprobiert.

Dem erfolgreichen Radialreifen ME Z1 und ME Z2 mit Stahlgürtel im Hinterrad setzen die Münchener Reifenbauer jetzt noch eins darauf. Mit einer bislang für unmöglich eingestuften Technologie versuchen sie, die Vorteile des Stahlgürtels auch aufs Vorderrad zu übertragen. Anstatt eines gekreuzten Textilgürtels wickeln computergesteuerte Maschinen zirka 0,8 Millimeter starke Stahlfäden in Längsrichtung auf die beiden fast radial verlaufenden Karkaßlagen auf. Bislang bestand der sogenannte Null-Grad-Endlosgürtel diverser Versuchsreifen aus einer Aramid-Kunstfaser, die jedoch den Belastungen am Vorderrad nicht gewachsen war. Unpräzise in der Lenkung und teigig beim Kurvenfahren, verschwanden die wenigen Serienreifen bald vom Markt. Was tatsächlich dran ist am neuen, stahlummantelten Metzeler-Konzept sollte sich bei den ersten Testfahrten zeigen. Als Versuchskaninchen standen eine Honda VFR 750 F und der fliegende Joghurtbecher CBR 1000 F in den Boxen der spanischen Teststrecke von Cartagena bereit. Zur Referenz waren ME Z2-Pneus aufgezogen und mit von dem Honda empfohlenen Luftdruck von 2,5/2,9 bar befüllt. Bereits nach den ersten Metern verdeutlichte sich das Problem konventioneller Reifenkonstruktionen. Beim Shimmy-Test mit kalten Reifen wird die Maschine bis auf etwa 110 km/h beschleunigt und rollt dann, ohne die Lenker zu berühren, aus. Dabei entwickelte speziell die CBR 1000 ein dermaßen ausgeprägtes Lenkerflattern (siehe Kasten unten), daß der Fahrer eingreifen mußte, um die Schwingungen zu stoppen. Die elektonische Datenaufzeichnung bestätigte einen Lenkausschlag von maximal fünf Grad zu jeder Seite über eine Dauer von acht Sekunden. Galten die Dämpfungseigenschaften der ME Z2-Paarung auf Flickstellen und Holperstrecken bislang als durchweg befriedigend, demonstrierte das anschließend montierte ME Z4-Duo einen enormen Gewinn an Abrollkomfort und Eigendämpfung, die die Tendenzen des gefährlichen Lenkerschlagens bei hohen Geschwindigkeiten und des lästigen Shimmy-Effekts weitestgehend unterbinden. Befürchtungen, der Zuwachs an Komfort und Eigendämpfung würde mit einem unpräzisen und indirekten Lenkverhalten erkauft, widerlegte die rund 270 Kilogrammm schwere und kopflastige CBR 1000. Mit weniger Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage und angenehm leichterem Einlenken als mit den ME Z2-Gummis kurvte der Koloß ungerührt um Kurven aller Art. Erst bei sportlich forschen Schräglagen mit Bodenkontakt oder beim Kreuzen von Fahrbahnlängsrillen in Kurven verlor sich die bis dahin gute Lenkpräzision und Kurvenstabilität der neuen Vorderradreifen-Konstruktion in einem leichten Rühren um die Lenkachse. Dafür trugen die ME Z 4-Pneus im Zwei-Personen-Betrieb die Besatzung sicher und mit wenig Eigenbewegung über die Teststrecke. Der Grund: Rayon-Karkaßfäden mit höherer Festigkeit ersetzen beim ME Z4-Hinterradreifen das bislang verwendete Nylon-Material des ME Z2. Fast identische Testergebnisse fuhr die rund 40 Kilogramm leichtere VFR 750 F ein, die aufgrund der niedrigen Vorderradlast jedoch auch in tiefsten Schräglagen mit geringeren Einbußen der Lenkpräzision stabil auf Kurs blieb. Durch die Vorgabe, die neuen Touren-Gummis auch mit mehr Haftung bei trockener und nasser Fahrbahn auszurüsten, verwendet man jetzt am Vorderrad die griffige ME Z1-Mischung, während am Hinterrad ein Kompromiß zwischen Laufleistung und Haftung gewählt wurde. Durch die Verwendung eines höhere Anteils an Silikaten, einer Kieselsäure, die wasserverdrängend wirkt, verspricht man sich eine besser Naßhaftung ohne Einbußen beim Abriebverhalten. Das Ergebnis der neuen Gummimischungen auf der trockenen Strecke: in allen Situationen etwas besser als der alte ME Z2, aber nicht im Bereich der ME Z1-Haftungsqualität. Die Frage nach der Fahrsicherheit bei Regen bleibt - mangels desselben - leider noch unbeantwortet. Geplanter Produktionsbeginn der neuen Radial-Generation in den Größen 120/70 ZR 17 und 170/60 ZR 17 ist der Februar 1997. Danach soll das ME Z4-Programm Stück für Stück erweitert werden, um auch Fahrer älterer Touren-Maschinen mit Radialreifen nach dem aktuellen Stand der Technik bedienen zu können.

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