Neuer 200er Hinterradreifen von Michelin (Archivversion) Breiten-Sport

Es ist soweit: Michelin stellt zur IFMA 1996 den ersten 200 Millimeter breiten Sportreifen zur Schau. MOTORRAD fuhr den fetten Schlappen im Vergleich.

The show must go on. Es mußte ja so kommen. Sprudelte den echten Racern vor zehn Jahren bereits beim Anblick der 160er Radial-Pneus ein erstauntes »boaaa-eyyyhh« über die Lippen, dürfen maßlose Breitreifen-Fetischisten ab dem Spätherbst den exakt 203 Millimeter breiten TX 25 Michelin Hi-Sport über ihre 6,00-Zoll-Felgen spannen. Daß überbreite Gummiwalzen bei vielen Sportlern bereits in der 190er Dimension Handling und Kurvenverhalten gründlich vermiesen, ist nicht nur in der MOTORRAD-Redaktion bekannt. Auch im Rennsport pendelt sich aus diesem Grund die Breie der klebrigen Slick-Rennreifen auf rund 180 Millimeter ein. Trotzdem wagten die Techniker im französischen Clermont-Ferrand den Schritt zum 200er Pneu für den Straßenbetrieb. Ausschlaggebend für die Entwicklung der extremen 200er Variante von Michelin sei, so wird gemunkelt, die neue Cagiva 750, die nicht nur in der Reifenbreite neue Maßstäbe setzen soll.MOTORRAD rüstete zum direkten Vergleich eine Suzuki GSX-R 750 mit Michelin TX 25 Reifen in 180/55 (tatsächliche Breite: 186 Millimeter), 190/50 (tatsächliche Breite: 190 Millimeter) und der 200/50er Walze aus. Teststrecke: der Kleine Kurs in Hockenheim mit kräftigen Bodenwellen, engen Ecken und schnellen Schräglagenwechseln. Ganz erstaunlich dann das Ergebnis. Zwar ist der 180er Pneu spürbar handlicher und mit weniger Kraft auf Kurs zu halten als die 200er Version, doch bleibt der Suzuki ihre Leichtigkeit auch damit weitestgehend erhalten. Selbst bei zackigem Tempo ließ sich die GSX-R locker von einer Schräglage in die andere beugen. Lediglich beim Beschleunigen in Kurven drängt die Suzuki mit dem 200er Gummi auf einen größeren Radius und will mit Nachdruck auf die gewählte Spur gezwungen werden. Dafür zeigte sich die neue Radial-Konstruktion kurvenstabiler und neigte kaum noch zum Aufschaukeln bei Bodenwellen. Anscheinend hat man bei Michelin über die steifere Karkasse und eine klug angelegte Reifenkontur die Nachteile eines überbreiten 200er Reifens fast gänzlich kompensiert, denn auch die serienmäßig montierte 190er Variante verschaffte sich keine Pluspunkte in Sachen Handling und Lenkkraft. Zum Thema Haftung ließen sich während der Testrunden kaum Unterschiede herausarbeiten, zumal in erster Linie die Kriterien Handling und Kurvenverhalten beleuchtetet wurden. Sicherlich trägt dabei auch die spitze Kontur des 120/70er Michelin-Vorderradreifen ihren Teil zum ausgesprochen leichten und präzisen Lenkverhalten der Michelin-Paarung bei. Frühestens im Herbst, so Michelin-Techniker Reinhard Sucher, soll der der TX 25 in 200er Dimension auf den Markt kommen und wird sehr wahrscheinlich nur in Verbindung mit einer 6,00 Zoll breiten Felge homologiert werden.

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