Bedeutung von Reifenkennzeichnungen Reifenkennzeichnungen richtig verstehen

Ist die Seitenwand eines Motorradreifens ein Buch mit sieben Siegeln oder einfache Lektüre? Eindeutig das Zweite – wenn man denn lesen kann. Denn die Reifenkennzeichnungen geben jede Menge interessanter Infos. 2Räder erklärt, wie die Beschriftungen zu verstehen sind.

Foto: mps-Fotostudio

Die erste Zahl bezeichnet die Reifenbreite, heute in Millimetern, früher auch in Zoll. Die Zahl nach dem Schrägstrich gibt das Verhältnis von Höhe zu Breite in Prozent an, auf dem Foto 70 Prozent von 120 mm, also 84 mm Höhe. Bei Reifen mit Diagonalkarkasse ohne Gürtel („Diagonalreifen“) folgt ein Bindestrich, Reifen mit Diagonalkarkasse und Gürtel („Diagonalgürtel­reifen“) kennzeichnet ein B (wie „belt“, englisch für Gürtel). Reifen mit Radialkarkasse und obligatorischem Gürtel („Radialreifen“) tragen ein R, dem ein „Z“ für die Zulassung über 240 km/h voranstehen kann.

Die nächste Zahl ist der Felgendurchmesser in Zoll. „M/C“ zeigt an, dass es sich um einen Motorradreifen handelt. Die folgende Ziffernangabe ist der Loadindex: Ihm ist bei einem definierten Reifenfülldruck eine Tragfähigkeit zugeordnet – je höher die Zahl, desto mehr trägt der Reifen. Der nächste Buchstabe gibt die zulässige Höchstgeschwindigkeit an, „W“ etwa bedeutet 270 km/h (Tabelle siehe unten). Abschließend bedeutet „TL“ schlauchlose Ausführung („tubeless“), „TT“ steht auf Reifen, die mit Schlauch gefahren werden („tube type“).

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 Auch sein Produktionsdatum  verrät der Reifen: In einem ovalen Feld kennzeichnet eine Folge aus vier Ziffern den Herstellungszeitpunkt. 4409 besagt, dass der Reifen in der 44. Kalenderwoche 2009 produziert wurde.

 Nicht nur die Marke, sondern auch der genaue Typ ist wichtig, da Reifenbindungen die Reifenausführung speziell dem Motorrad zuordnen. Buchstaben hinter der Produktbezeichnung weisen Sonderkennungen aus, also besondere, häufig für ein bestimmtes Motorradmodell entwickelte Reifentypen.

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Ein Pfeil  auf dem Reifen zeigt dem Monteur die Drehrichtung an, damit das Profil seinen Job (u. a. Wasserabführung) korrekt erledigen kann.

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Selbst das Innenleben des Reifens  offenbart sich auf der Außenwand: Der Reifen auf dem Bild hat eine Lage Stahl und zwei Lagen Kunstfaser unter der Lauffläche, zwei Lagen Kunstfaser in der Wand.

Geschwindkeits-Symbol und Höchstgeschwindkeit

SymbolJKLMNPQRSTUHVWY
km/h100110120130140150160170180190200210240270300
Foto:

Motorradreifen haben ein reiches Innenleben

Die Karkasslagen (A), je nach Bauart mehrere übereinander, bilden das tragende Gerüst des Reifens. Die Gürtellagen (B) liegen wie hier beim Gürtelreifen als Schnitt­gürtel nur unter der Lauffläche und sollen das durch Fliehkräfte bedingte dynamische Wachstum einschränken. Die Karkasslagen sind hingegen um den Wulst geschlagen (C) und verstärken dadurch, wie der Kernreiter (D), die Seitenwand. Der Kernreiter sitzt auf dem Wulstkern (E) und füllt den Hohlraum über diesem aus. Der Wulstkern selbst hält den Reifen auf der Felge; er besteht aus Stahldraht. Die aufvulkanisierte Lauffläche (F), auch „Laufstreifen“ genannt, trägt schließlich die zum Verschleiß zur Verfügung stehende Gummimischung mit dem Profil.

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Diagonalreifen haben mehrere sich kreuzende Karkasslagen, die einen sehr steifen Reifenaufbau bilden, bei hohem Tempo aber ein großes dynamisches Reifenwachs­tum verursachen und sich außerdem stark aufheizen.

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Bei Radialreifen dagegen verläuft zum Teil nur eine Karkasslage 90 Grad quer zur Laufrichtung. Darüber liegt ein in Laufrichtung („Null Grad“) aufgewickelter Gürtel. Diese Bauweise ist für sehr hohe Geschwindigkeiten ausgelegt.

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