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Es kursieren Gerüchte, wonach die profillosen Gummis heikel und nur für Spezialisten geeignet sind. Stimmt das? PS fühlte zehn Reifen der namhaftesten Hersteller auf die Flanken.

Reifentest: Alle käuflichen Slicks Die richtigen Gummis für die Rennstrecke

Auf der Piste sind sie die perfekten Flakhelfer und ermöglichen Rundenzeiten jenseits von Gut und Böse: Slicks. Doch es kursieren Gerüchte, wonach die profillosen Gummis heikel und nur für Spezialisten geeignet sind. Stimmt das? PS fühlte zehn Reifen der namhaftesten Hersteller auf die Flanken und erklärt, was es zu beachten gilt.

Beim Rausballern aus den Ecken zieht dein Vordermann brutal davon. Er öffnet früh und hart die Brause und schenkt dir am Kurvenausgang immer einige Meter ein. Du hast keine Chance, an der gleichen Stelle ebenso heftig am Quirl zu drehen, sonst landest du im Kies. Powermäßig herrscht Gleichstand, beide Tausender marschieren wie Hölle. Auch das Fahrwerk arbeitet erstklassig und dein Bike rollt ebenso auf Slicks wie das deines Gegners. Warum zieht es ihn dann bei derartigen Brutalo-Manövern nicht vom Bock? Weil bei profillosen Gummis teils große Unterschiede herrschen und er die richtige Pelle aufgezogen hat. Marke und Typ? Das verrät PS später!

Zunächst zum Anspruch dieses Tests: Es gilt, jene Slicks in Superbike-Dimension (hinten in 190er-Größe) aufzuspüren, die die ideale Synthese aus erstklassigen Fahreigenschaften und Langlebigkeit bilden. Dementsprechend bestellte PS bei Bridgestone, Continental, Dunlop, Metzeler, Michelin und Pirelli Slicks, die idealerweise ein zweitägiges Renntraining überstehen und dennoch reichlich Grip bieten. Um speziell gebackene Reifen auszuschließen, behielt sich PS vor, die Gummis gegen Regalware beim Händler zu tauschen.

Drei der Reifenbäcker - Dunlop, Metzeler und Pirelli - schickten jeweils zwei verschiedene Slick-Typen ins Rennen. Je eine gemäßigte und eine scharfe Pelle. Um sie zu unterscheiden, bezeichnet PS sie als "Hobbyslick" und "Profislick". Sämtliche wichtige Daten der Reifen stehen in den einzelnen Bewertungskästen. Metzeler und Pirelli bescheinigen ihrer Hobbyware längere Laufleistungen; bei Dunlop steht der wesentlich günstigere Preis der Hobbyreifen im Vergleich zum Profislick aus gleichem Haus im Vordergrund. Mit über 420 Euro/Satz ruft Dunlop für die Profiware (KR 106/108) zirka 120 Euro mehr auf als für den GP-Racer Slick, der das Rennbudget für Lizenzfahrer pro Satz mit rund 300 Euro belastet. Um dieses Preisniveau bewegen sich auch die Gummis der meisten Mitbewerber. Die Preisangaben dienen zur groben Orientierung und können von Händler zu Händler schwanken. Interessanterweise bietet kein Hersteller seine Slicks wesentlich günstiger an als entsprechende Schluffen für öffentliche Straßen, obwohl die Backformen der profillosen Pneus um ein Vielfaches preiswerter ausfallen.

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Foto: Bilski
Aufzeichnungen am Limit: Ex-WM- und aktiver Supersport-IDM-Pilot Christian „Kelle“ Kellner bei der Arbeit.
Aufzeichnungen am Limit: Ex-WM- und aktiver Supersport-IDM-Pilot Christian „Kelle“ Kellner bei der Arbeit.

Um die Unterschiede zwischen Slicks und straßenzugelassenen Supersportreifen auf der Piste aufzuzeigen, orderte PS zusätzlich einen Satz Pirelli Diablo Supercorsa SP - eine der schnellsten Pellen mit Zulassung. Das andere Extrem bildet der Pirelli Diablo Superbike in SC 1-Mischung. Er soll exemplarisch die Leistungsfähigkeit sehr weicher Rennreifen veranschaulichen. PS testete alle Reifen auf dem großen Handlingkurs im Contidrom, einem Testareal von Continental nahe Hannover. Auf dieser Strecke herrscht so viel Grip, dass der weiche Pirelli keine Vorteile verbuchen kann. Im Gegenteil: Beide Tester umrundeten den Kurs mit der Standardmischung "SC 2" um wenige Zehntelsekunden schneller. Da PS den Reifenverschleiß nicht in die Wertung aufnimmt - eine aussagekräftige Beurteilung würde den Rahmen dieses Tests sprengen - und die unterschiedlich weichen Pirellis sonst die gleichen Fahreigenschaften aufweisen, beurteilt PS die softe Mischung nicht gesondert.

Einen weiteren Reifen nahm PS ebenfalls aus der Wertung - leider aus anderem Anlass. Die Michelin-Slicks harmonierten nicht mit dem Testmotorrad, einer bis auf ein Zubehörfederbein serienmäßigen Suzuki GSX-R 1000 aktuellen Baujahrs. Beim harten Beschleunigen schaukelte sich das Bike stark auf und begann wild zu pendeln. Mit diesem Reifen schnelle Runden in den Asphalt zu brennen, war unmöglich. Versuche mit anderen Luftdrücken brachten keine Besserung. Auf Nachfrage beim Hersteller erläuterte Michelin, die Reifen benötigten aufgrund ihres Aufbaus eine sehr harte Grundabstimmung des Fahrwerks. Trotzdem schickte PS die Slicks zur Untersuchung und mit der Bitte um eine Stellungnahme zu Michelin. Ein Nachtest folgt.

Kommen nur Profis mit den Superklebern zurecht? Mit welchen Eigenheiten müssen Hobbypiloten rechnen? Auf der Suche nach Antworten schickte PS Christian "Kelle" Kellner sowie den Autor dieser Geschichte ins Runde. Kelle ist ehemaliger WM-Pilot und zieht aktuell in der Supersport-IDM kräftig am Kabel. Er analysiert das Verhalten im Grenzbereich und beurteilt die Gummis aus Profisicht. Den Hobbypart übernimmt der Autor.

Erfreulicherweise verhalten sich sämtliche Gummis sehr benutzerfreundlich und selbst Hobbyfahrer kommen mit den schnellen Pellen wunderbar zurecht, wenn sie a) zirka 45 bis 60 Minuten vor dem Feilen Reifenwärmer aufziehen, b) den vom Hersteller empfohlenen Luftdruck beachten (Achtung: Die Angaben gelten teils für vorgeheizte, teils für kalte Reifen) und c) jenen Gummi aufziehen, den der Reifenbäcker für die jeweilige Strecke und die herrschenden Asphalttemperaturen empfiehlt. Definitiv keine Slicks benötigen absolute Rennstrecken-Neulinge oder sehr langsame Piloten. Bei ihnen könnten die Gummis so stark abkühlen, dass sie ihre positiven Fahreigenschaften verlieren.

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Foto: Bilski
Nein, Freunde, beim Reifentesten geht es nicht nur ums Ballern. Es fällt auch viel Schreibkram an.
Nein, Freunde, beim Reifentesten geht es nicht nur ums Ballern. Es fällt auch viel Schreibkram an.

Metzeler und Pirelli schreiben für ihre Hobbyslicks nicht zwingend Reifenwärmer vor: "Bereits nach einer halben Runde verfügen der Metzeler Racetec CompK sowie der Pirelli Diablo Superbike Pro über genügend Temperatur für die flotte Gangart", versichert ein Sprecher. Tatsächlich fühlen sich die Pneus im Kaltzustand überraschend gefällig an. Trotzdem empfiehlt PS, die Gummis erst nach zwei Runden bei langsam gesteigertem Tempo voll zu belasten. Ganz auf Nummer sicher geht, wer auch diese Reifen vorwärmt.

Serienmäßig rollt die GSX-R 1000 auf einer flachen hinteren Pelle mit 50er-Querschnitt. Eine aussterbende Spezies, die nur noch zwei Fahrzeughersteller von Supersportlern (Suzuki und Honda) als Erstausrüstung verwenden und in absehbarer Zeit in neuen Supersport-Bikes wohl nicht mehr verbaut werden. Sämtliche Slicks weisen einen höheren Querschnitt auf. Vorteil: Die Kontur ist stärker gewölbt, wovon das Handling profitiert. Außerdem verfügt der Reifen dank der höheren Flanke über mehr Eigendämpfung, was dem Komfort zugutekommt. Last but not least tragen die Hersteller der immensen Motorleistung aktueller Superbikes Rechnung, indem sie den Aufbau des Reifens stabiler auslegen können, ohne dessen Fahreigenschaften negativ zu beeinflussen. Wegen des höheren Querschnitts der Slicks gerät ihr Abrollumfang größer. Der Serienreifen Bridgestone BT 016 misst 1970 Millimeter; die profillosen Gummis liegen mit 2040 bis 2069 Millimetern rund 70 bis 90 mm oberhalb des Serienpendants. Dadurch gerät das Heck der Suzi höher - je nach Reifen zwischen rund 10 und 15 Millimeter. Theoretisch gewinnt das Bike dadurch an Handling und büßt im Gegenzug etwas Hochgeschwindigkeits- sowie Bremsstabilität ein. Letztgenannte Eigenschaften traten nicht auf, die Gixxer verhielt sich in allen Disziplinen vorbildlich.

Wie ihre Gummis mit Straßenzulassung, so entwickeln die Hersteller auch die Slicks permanent weiter. Nicht selten fließen die Verbesserungen während der Saison unbemerkt in die Produktion mit ein. Da die gesamte Reifenindustrie ähnlich vorgeht, sollte sich die Rangordnung in der kommenden Saison nicht wesentlich verschieben. Komplette Neukonstruktionen für 2011 kündigten die Erzeuger jedenfalls nicht an.

Foto: Bilski
Sehen gleich aus, sind es aber nicht. Bei Slicks herrschen riesige Unterschiede.
Sehen gleich aus, sind es aber nicht. Bei Slicks herrschen riesige Unterschiede.

Fazit: And the winner is... Pirelli! Der Profislick Diablo Superbike in SC 2-Mischung punktet reichlich in allen Disziplinen und kennt keine Schwächen. Knapp dahinter läuft der Dunlop KR 106/108 ins Ziel - ebenfalls Profimaterial. Lediglich beim Handling in Wechselkurven muss der Dunlop Federn lassen. Interessant: Ausschließlich diese beiden Hersteller machen in der Superbike-IDM seit Jahren den Titel unter sich aus. Die gute Nachricht für Hobbyracer: Auch sie kommen bestens mit Profislicks zurecht, wenn sie die im Haupttext geschilderten Dinge beachten. Wer große Laufleistungen bevorzugt, greift zum Hobbymaterial von Metzeler oder Pirelli.

Dunlop GP-Racer Slick

Dimension: vorn: 120/70 R 17 hinten: 200/55 R 17
Mischung v./h.: Medium/Endurance
Gewicht v./h.: 4,8/6,9 kg,
effektive Reifenbreite v./h.: 119/198 mm
Abrollumfang v./h.: 1902/2040 mm
empfohlener Luftdruck kalt v./h.: 2,0/1,5 bar
empfohlener Luftdruck heiß v./h.: 2,2/1,7 bar
max. Temperatur (Flanke/Mitte): vorn: 58/44°C hinten: 64/48°C
Rundenzeit (Profi-Racer): 1:27,58 (9)*
Rundenzeit (Hobby-Racer): 1:30,07 (7)*

* Fahrerbezogene Reihenfolge der Rundenzeiten

 max. Punkte erreichte
 Punkte
Handling 20 14
Zielgenauigkeit 20 19
Grip 20 16
Verhalten im Grenzbereich 20 18
Fahrstabilität 20 18
Aufstellmoment beim Bremsen 10 9
Feedback 20 18
Ergebnis 130 112


Fazit:
Einmal in Schräglage, hält das Bike auf diesem Gummi hervorragend die Linie. Außerdem bleibt die Testmaschine auf dem GP-Racer Slick in jeder Lage stabil. Auch das Feedback und das Verhalten im Grenzbereich überzeugen. Eine Schwäche bildet das träge Handling. Um die Ecken perfekt zu treffen, muss der Pilot früh und mit Kraft einlenken. Der Grip geht in Ordnung, doch bereits nach wenigen Runden wies das Reifenbild deutliche Verschleißmerkmale auf.

Platzierung: 5.

Metzeler Racetec CompK

Dimension: vorn: 120/70 R 17 hinten: 190/55 R 17
Mischung v./h.: nur eine Mischung erhältlich
Gewicht v./h.: 4,1/6,4 kg,
effektive Reifenbreite v./h.: 116/192 mm
Abrollumfang v./h.: 1885/2059 mm
empfohlener Luftdruck kalt v./h.: 2,1/1,9 bar
empfohlener Luftdruck heiß v./h.: –
max. Temperatur (Flanke/Mitte): vorn: 57/47°C hinten: 72/52°C
Rundenzeit (Profi-Racer): 1:27,49 (8)*
Rundenzeit (Hobby-Racer): 1:29,06 (4)*

* Fahrerbezogene Reihenfolge der Rundenzeiten


 max. Punkte erreichte
 Punkte
Handling 20 17
Zielgenauigkeit 20 18
Grip 20 15
Verhalten im Grenzbereich 20 17
Fahrstabilität 20 15
Aufstellmoment beim Bremsen 10 9
Feedback 20 16
Ergebnis 130 107


Fazit:
Auch nach vielen Runden fühlt sich der CompK noch taufrisch an. Genau hier liegt seine Stärke: Dieser Gummi hält ewig. Wie den anderen Hobbyreifen fehlen dem Metzeler einige Sekunden auf die Top-Performer. Etwas störend wirkt das geringe Feedback vom Vorderrad. Außerdem fiel dem Profi auf, dass die hintere Pelle beim harten Beschleunigen aus Kurven im ersten Moment etwas einknickt, dann aber stabil bleibt. Die Rückmeldung vom Hinterrad ist top.

Platzierung: 8.

Pirelli Diablo Superbike Pro

Dimension: vorn: 120/70 R 17 hinten: 190/55 R 17
Mischung v./h.: nur eine Mischung erhältlich
Gewicht v./h.: 4,0/6,4 kg,
effektive Reifenbreite v./h.: 116/194 mm
Abrollumfang v./h.: 1886/2045 mm
empfohlener Luftdruck kalt v./h.: 2,1/1,9 bar
empfohlener Luftdruck heiß v./h.: –
max. Temperatur (Flanke/Mitte): vorn: 52/40°C hinten: 68/54°C
Rundenzeit (Profi-Racer): 1:27,23 (7)*
Rundenzeit (Hobby-Racer): 1:30,18 (8)*

* Fahrerbezogene Reihenfolge der Rundenzeiten


 max. Punkte erreichte
 Punkte
Handling 20 17
Zielgenauigkeit 20 18
Grip 20 15
Verhalten im Grenzbereich 20 18
Fahrstabilität 20 15
Aufstellmoment beim Bremsen 10 9
Feedback 20 16
Ergebnis 130 108


Fazit:
Schon bei der ersten schnellen Runde spürt der Pilot die nahe Verwandtschaft zum Hobbyreifen von Metzeler: beide stammen aus demselben Haus. Die Fahreigenschaften gleichen sich demnach in fast allen Disziplinen. Vorteile verbucht der Pirelli beim Verhalten im Grenzbereich, wo die hintere Pelle beim Rauspowern aus den Ecken von Anfang an stabil bleibt. Wie beim Metzeler CompK herrscht auch beim Pirelli „Pro“ beim Halali etwas Unruhe im Fahrwerk.

Platzierung: 7.

Pirelli Diablo Supercorsa SP

Dimension: vorn: 120/70 ZR 17 hinten: 190/55 ZR 17
Mischung v./h.: nur eine Mischung erhältlich
Gewicht v./h.: 4,0/6,1 kg,
effektive Reifenbreite v./h.: 116/186 mm
Abrollumfang v./h.: 1884/2033 mm
empfohlener Luftdruck kalt v./h.: 2,3/2,1 bar
empfohlener Luftdruck heiß v./h.:
max. Temperatur (Flanke/Mitte): vorn: 52/44°C hinten: 76/54°C
Rundenzeit (Profi-Racer): 1:29,95 (6)*
Rundenzeit (Hobby-Racer): 1:30,68 (9)*

* Fahrerbezogene Reihenfolge der Rundenzeiten


 max. Punkte erreichte
 Punkte
Handling 20 17
Zielgenauigkeit 20 18
Grip 20 16
Verhalten im Grenzbereich 20 16
Fahrstabilität 20 14
Aufstellmoment beim Bremsen 10 8
Feedback 20 16
Ergebnis 130 105


Fazit:
Der Pirelli Diablo Supercorsa SP ist einer der schnellsten Reifen mit Straßenzulassung. Stellvertretend für seine Kollegen zeigt er die Unterschiede zu den profillosen Gummis auf. Insgesamt schlägt er sich sehr achtbar, auch bei den Rundenzeiten hält er gut mit. Doch insbesondere bei der Stabilität reicht der „SP“ nicht an die Slicks heran. Ob beim harten Ankern oder beim heftigen Beschleunigen: Der Pneu wirkt instabil und leitet Unruhe ins Fahrwerk.

Platzierung: 9.

Bridgestone Battlax Slick

Dimension: vorn: 120/600 R 17 hinten: 190/650 R 17
Mischung v./h.:
Soft (YDC)/Medium (YCX)
Gewicht v./h.:
4,1/6,7 kg,
effektive Reifenbreite v./h.:
117/189 mm
Abrollumfang v./h.:
1890/2043 mm
empfohlener Luftdruck kalt v./h.:

empfohlener Luftdruck heiß v./h.:
2,1 – 2,2/2,1 bar
max. Temperatur (Flanke/Mitte):
vorn: 70/56°C hinten: 86/58°C
Rundenzeit (Profi-Racer):
1:26,47 (5)*
Rundenzeit (Hobby-Racer):
1:28,82 (3)*

* Fahrerbezogene Reihenfolge der Rundenzeiten


 max. Punkte erreichte
 Punkte
Handling 20 14
Zielgenauigkeit 20 16
Grip 20 18
Verhalten im Grenzbereich 20 17
Fahrstabilität 20 17
Aufstellmoment beim Bremsen 10 8
Feedback 20 19
Ergebnis 130 109


Fazit:
Eine Pelle mit superbem Grip und toller Rückmeldung.  Zu monieren wäre das etwas zähe Handling; auch  könnten die Bridgestones zielgenauer um die Ecken pfeilen. Auf den Battlax biegt die GSX-R 1000 zunächst unwillig in die Ecken und kippt ab mittlerer Schräglage zur Kurveninnenseite. Am Kurvenausgang tendiert der Gummi zu weiten Bögen. Der Profi beanstandet überdies, dass das Hinterrad beim Beschleunigen in Schräglage etwas springt.

Platzierung: 6.

Continental Race Attack Slick

Dimension: vorn: 120/70 R 17 hinten: 190/60 R 17
Mischung v./h.: Medium/Medium
Gewicht v./h.: 4,1/6,8 kg,
effektive Reifenbreite v./h.: 118/191 mm
Abrollumfang v./h.: 1882/2051 mm
empfohlener Luftdruck kalt v./h.: –
empfohlener Luftdruck heiß v./h.: 2,3/2,0 bar
max. Temperatur (Flanke/Mitte): vorn: 68/55°C hinten: 83/63°C
Rundenzeit (Profi-Racer): 1:26,08 (4)*
Rundenzeit (Hobby-Racer): 1:29,49 (5)*

* Fahrerbezogene Reihenfolge der Rundenzeiten


 max. Punkte erreichte
 Punkte
Handling 20 20
Zielgenauigkeit 20 19
Grip 20 16
Verhalten im Grenzbereich 20 17
Fahrstabilität 20 17
Aufstellmoment beim Bremsen 10 8
Feedback 20 17
Ergebnis 130 114


Fazit:
Der Conti reagiert empfindlich auf zu niedrigen Reifenluftdruck. Daher penibel auf die Empfehlung oben im Kasten achten. Die Paradedisziplinen des Gummis: Handling und Zielgenauigkeit. Sagenhaft, wie easy und exakt der Conti in und um die Ecken sticht. Schwächen weist er bei brutalen Beschleunigungsmanövern aus Kurven auf – da wirkt die hintere Pelle instabil, und der Pilot kann den Grenz­bereich nur bedingt einschätzen.

Platzierung: 4.

Dunlop KR 106/108

Dimension: vorn: 125/80 R 17 hinten: 195/65 R 17
Mischung v./h.: Medium (6813)/Medium (7712)
Gewicht v./h.: 4,7/7,2 kg,
effektive Reifenbreite v./h.: 117/193 mm
Abrollumfang v./h.: 1904/2069 mm
empfohlener Luftdruck kalt v./h.:
empfohlener Luftdruck heiß v./h.: 2,2/1,4 bar
max. Temperatur (Flanke/Mitte): vorn: 73/58°C hinten: 83/74°C
Rundenzeit (Profi-Racer): 1:25,20 (2)*
Rundenzeit (Hobby-Racer): 1:28,71 (2)*

* Fahrerbezogene Reihenfolge der Rundenzeiten


 max. Punkte erreichte
 Punkte
Handling 20 17
Zielgenauigkeit 20 19
Grip 20 19
Verhalten im Grenzbereich 20 19
Fahrstabilität 20 19
Aufstellmoment beim Bremsen 10 9
Feedback 20 20
Ergebnis 130 122


Fazit:
Ein Gummi mit Superlativen: Er bringt am meisten Gewicht auf die Waage, ist der teuerste, beim Montieren der sperrigste, hat den größten Abrollumfang und benötigt beim Hinterrad am wenigsten Luftdruck (heiß: 1,4 bar). Erstaunlich: Früher als Rabauke verschrien, absorbiert er heute Bodenunebenheiten perfekt. Einmalig ist das Feedback vom Hinterrad, kein anderer Pneu vermittelt ein so direktes Gefühl. Einzige Schwäche: Handling in Wechselkurven.

Platzierung: 2.

Metzeler Racetec Slick

Dimension: vorn: 120/70 R 17 hinten: 190/55 R 17
Mischung v./h.: Mittelhart (K2)/Mittelhart (K2)
Gewicht v./h.:
4,2/6,4 kg,
effektive Reifenbreite v./h.: 117/195 mm
Abrollumfang v./h.: 1885/2047 mm
empfohlener Luftdruck kalt v./h.:
empfohlener Luftdruck heiß v./h.: 2,1 – 2,4/1,8 – 2,0 bar
max. Temperatur (Flanke/Mitte): vorn: 67/52°C hinten: 90/70°C
Rundenzeit (Profi-Racer): 1:25,23 (3)*
Rundenzeit (Hobby-Racer): 1:29,49 (5)*

* Fahrerbezogene Reihenfolge der Rundenzeiten


 max. Punkte erreichte
 Punkte
Handling 20 17
Zielgenauigkeit 20 18
Grip 20 19
Verhalten im Grenzbereich 20 19
Fahrstabilität 20 18
Aufstellmoment beim Bremsen 10 9
Feedback 20 19
Ergebnis 130 119


Fazit:
Der Metzeler Racetec Slick landet auf Rang drei. Er glänzt in allen Disziplinen mit harmonischem Verhalten. Das schafft Vertrauen und macht schnell. Auf die zweitbeste Rundenzeit verliert der Münchner Gummi die Winzigkeit von drei Hunderstelsekunden. Für ein noch besseres Ergebnis fehlt ihm nur wenig: ein etwas leichtfüßigeres Handling, ein Tick mehr Zielgenauigkeit und eine etwas höhere Fahrstabilität. Aber das ist Jammern auf höchstem Niveau.

Platzierung: 3.

PS-Testsieger - Pirelli Diablo Superbike

Dimension: vorn: 120/70 R 17 hinten: 190/60 R 17
Mischung v./h.: Mittelhart (SC 2)/Mittelhart (SC 2)
Gewicht v./h.: 4,2/6,4 kg,
effektive Reifenbreite v./h.: 118/192 mm
Abrollumfang v./h.: 1883/2059 mm
empfohlener Luftdruck kalt v./h.:
empfohlener Luftdruck heiß v./h.: 2,1 – 2,4/1,8 – 2,0 bar
max. Temperatur (Flanke/Mitte): vorn: 67/52°C hinten: 80/67°C
Rundenzeit (Profi-Racer): 1:24,57 (1)*
Rundenzeit (Hobby-Racer): 1:27,74 (1)*

* Fahrerbezogene Reihenfolge der Rundenzeiten


 max. Punkte erreichte
 Punkte
Handling 20 20
Zielgenauigkeit 20 19
Grip 20 19
Verhalten im Grenzbereich 20 19
Fahrstabilität 20 19
Aufstellmoment beim Bremsen 10 9
Feedback 20 19
Ergebnis 130 124


Fazit:
Traumhafte Pelle mit Wohlfühlfaktor. Bereits nach wenigen Kurven ist klar: Dieser Gummi ist etwas Besonderes. Selten gingen fixe Rundenzeiten so stressfrei von der (Gas-) Hand wie mit den Pirellis. Sowohl der Profi als auch der Hobbytreiber drehten ihre schnellste Runde auf dem Diablo Superbike. In einem Kriterium punktet er voll, in allen anderen liegt der Italiener nur einen Punkt unter dem Maximum. Mit dem Testsieg bestätigt Pirelli seine Marktführerschaft. 

Platzierung: 1.

Zeichnung: Archiv

Data-Recording

Um die Leistungsfähigkeit der einzelnen Slicks objektiv darzulegen, rüstete PS die Testmaschine mit Data-Recording aus. Große Unterschiede herrschen zwischen den "Profi"- und "Hobbyslicks". Die Aufzeichnung unten zeigt den Pirelli Diablo Superbike (rote Linie) im Vergleich zum Hobbyreifen aus gleichem Hause, dem Diablo Superbike mit der Zusatzbezeichnung "Pro" (blaue Linie). Der markierte Bereich entspricht jenem auf der Streckenskizze rechts. Auf diesem Abschnitt zieht der Pilot in voller Schräglage bis zum Bremspunkt am Kabel - hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Auf rund 188 Metern nimmt die Profipelle ihrem Hobbypendant exakt drei Zehntelsekunden oder 13 Meter ab. Die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt 137,8 zu 129,9 km/h, und am Bremspunkt betragen die Geschwindigkeiten rund 170 zu 163 km/h. In einer Runde summiert sich der Abstand auf 2,66 Sekunden. Auch die maximale Schräglage fällt beim Profislick mit 53 Grad um zwei Grad größer aus als bei der Hobbypelle.

Öhlins-Feder

Foto: Bilski

Um den Wahnsinns-Grip von Slicks im Verbund mit der schieren Power einer Tausender auf den Boden zu bringen, rüstete PS die Testmaschine, eine Suzuki GSX-R 1000 aktuellen Baujahrs, mit dem TTX 36 von Öhlins aus. Mit einer 100er-Feder bestückt, steckte das Federbein die auftretenden Kräfte locker weg und sprach dabei sehr feinfühlig an. Vorteil des seit 2008 erhältlichen Monoshocks: Dank getrennter Ölkreisläufe beeinflussen sich Druck- und Zugstufendämpfung nicht gegenseitig. Außerdem hält das TTX 36 laut Hersteller permanent die optimale Ölmenge parat - wichtig für eine konstante Dämpfung. Aufgrund der etwas härteren Feder öffnete PS die Zugstufendämpfung vom völlig geschlossenen Zustand lediglich um drei Klicks. Die Druckstufe bot noch in beiden Richtungen Reserven. 1365 Euro wandern für das Schwedengold über den Tresen.

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