Reifentest: Rennreifen (Archivversion)

Tipps für die Rennstrecke

Nervös? Klar nervös. Egal, ob Profi oder Amateur, wenn die Boxengasse auf Grün schaltet, rast der Puls. Alles drückt und drängelt, jeder will der Erste sein. Und gerade dann gilt: immer mit der Ruhe. Vor der ersten Runde auf der Rennpiste sollten jedoch folgende Dinge in aller Gründlichkeit erledigt sein.Reifenluftdruck überprüfen und einstellen, Ventilkäppchen danach nicht vergessen. Frisch montierte Reifen können sich auf der Felge verdrehen. Fängt das Motorrad in höheren Geschwindigkeiten zu vibrieren an oder springen gar die Räder in Schräglage, unbedingt die korrekte Position und Wuchtung prüfen. Am besten gleich nach der Montage mit einem Fettstift die Position des Reifens zum Ventil markieren, man sieht dann sofort, ob der Reifen auf der Felge wandert. Rennreifen erfordern meist eine härtere Fahrwerkseinstellung, um ihre Qualitäten zur Geltung zu bringen. Meist muss vorn wie hinten die Druckstufendämpfung erhöht werden, um eine höhere Kurven- und Bremsstabilität zu erreichenGeht ein Federbein in Kurven auf Block oder ist das Fahrwerk generell zu hart abgestimmt, kann der Reifen im Schulterbereich überstrapaziert werden und der Gummi faserig aufreißen.Um die Reifen auf die nötige Temperatur zu bringen, müssen sie in den ersten Runden durch starkes Beschleunigen und kräftiges Bremsen auf den Geraden beansprucht werden. In Kurven dagegen sollte man anfangs moderate Schräglagen fahren, flüssig durchrollen und hartes Bremsen/Beschleunigen vermeiden. Das Kurventempo sollte in der ersten Runden etwa dem bei nasser Strecke entsprechen. MOTORRAD erfasste bei den Reifentests in jeder Runde die Karkasstemperatur in der linken Reifenschulter und mittig. Nach einer Runde wurden vorn links 15, Mitte 17 und hinten links 24, Mitte 20 Grad Celsius gemessen. Selbst nach vier Runden waren es vorn erst 40/37 und hinten 43/37 Grad Celsius. Für einige Reifen zu wenig, um ordentlich Grip aufzubauen. Das verhängnisvolle beim Warmfahren: Der Unterschied von linker zu rechter Reifenschulter betrug über zehn Grad Celsius- selbst wenn in denvielen Linkskurven der Grip da ist, kann die Fuhre in der erst besten Rechtskurve völlig überraschend quer stehen.Zu beachten ist auch das Auskühlen der Pneus im Stand. Bei 18 Grad und sonnigem Wetter sank die Temperatur der Testreifen vorn in fünf Minuten um fünf, hinten um sieben Grad. Rennsportreifen fahren sich auf den ersten Kilometer bei kaltem Gummi meist sehr kipplig und instabil in Schräglagen, da sie dann zuwenig Eigendämpfung und Elastizität bieten. Je wärmer der Reifen wird, desto ruhiger und stabiler wird auch das Chassis. Also keine Panik, die Steckachsen sind fest, was eiert, sind die Reifen. Empfehlenswert sind deshalb Reifenwärmer, die zudem die Lebensdauer der Rennsportgummis erhöhen, da die für den kalten Gummi stressige mechanische Beanspruchung beim Warmfahren entfällt.Unterm Strich billiger und vor allem gesünder, ist der Einsatz von Reifenwärmern allemal (siehe Heft 9/2001), da die unsichere Aufwärmphase auf höchstens eine halbe Runde reduzieren und die unberechenbare »Kaltstürze« mit all den Folgen für Mensch und Material verhindern. Bei Reifen, die nach Gebrauch auf der Rennstrecke längere Zeit nicht benutzt werden, kann die Oberfläche bläulich schimmernde anlaufen, wobei die oberste Gummischicht regelrecht aushärtet und bei der nächsten Ausfahrt gefährlich wenig Grip bietet. Mit sorgfältigem, langsamen Einfahren löst sich diese Schicht meist ohne Auswirkungen auf die Funktion des Reifens wieder ab.

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