Reifentest: sieben Sportreifen der Dimension 120/70 ZR 17 und 190/50 ZR 17 Breit, schnell, gut

Power-Sportler brauchen breite Schlappen mit klebrigem Grip. Sonst verpufft die Kraft, und der Mensch am Gasgriff verzweifelt. MOTORRAD hat mit der Suzuki GSX-R 1000 sieben Sportgummis aufgerieben.

Foto: Jahn
Es ist keine Frage des Glaubens, sondern des Wissens. Welche Pellen kommen aufs Motorrad? Die billigsten? Die, die immer drauf waren? Die, die der Spez’l drauf hat? Am besten die, die aus der Sportskanone das machen, was man sich wünscht: eine noch bessere Sportskanone. Aber das gelingt nicht jedem Pneu. MOTORRAD hat deshalb für die Suzuki GSX-R 1000, 2006er-K6-Modell, sieben Gummipärchen ausgewählt und beim aufwendigen Reifentest gehörig in die Mangel genommen.

Um zu entscheiden, welcher letztlich der ideale Pneu ist, muss man sich
zunächst noch einmal vergegenwärtigen, wie die Reifenwahl die geliebte Supersportfeile beeinflussen kann. Beispielsweise bei maximaler Kurvengeschwindigkeit und Schräglage, beides Punkte, die in erster Linie eine Frage der Gummimischung sind. Doch was nützt bester Trockengrip auf der Rennpiste, wenn bei Regen nichts mehr geht? So wie das bei manchen Superduper-Rennmischungen der Fall ist. Für sportliche Vielfahrer sind solche heiklen Pellen eh keine Lösung, denn wenn bei der Heimreise ab Brenner Passhöhe der Schnürlesregen einsetzt, sind’s noch ein paar lange Stunden bis in die Garage. Und die möchte man ohne Fußeln und peinliches Daherschleichen hinter sich bringen. Nicht dass noch der relaxte Harley-Cruiser am Fernpass außen rum an einem vorbeiballert.

Also muss der Sportgummi kalt, nass, trocken und heiß die Fuhre auf der Bahn halten. Und sonst? Wie wär’s mit der vielbeschworenen Fahrbarkeit? Ein Begriff, den selbst die Erfinder desselben nicht ganz klar zu deuten wissen. Fahrbarkeit heißt für die MOTORRAD-Tester mehr als nur Grip und lässiges Handling. Fahrbarkeit ist das, wohinter sich das Thema Wohlfühlen verbirgt. Sich wohlfühlen, wenn man morgens zur großen Ausfahrt startet und schon beim ersten flotten Abbiegen oder in der lang gezogenen Auffahrt zur Autobahn bis ins Mark spürt, dass man die Kiste im Griff hat. Egal, was kommt, der Kontakt zum Asphalt ist greifbar, berechenbar, ehrlich. Solche Reifen mögen wir. Weil wir jeden Tag unterwegs sind. Testen, Kilometer schrubben, bei Nässe, bei Kälte, auf der Hausstrecke, im fremden Kurvenlabyrinth. Da wissen wir, welche Reifen uns den Job zum Vergnügen machen. Zum Beispiel die, die beim ganz späten Spätbremsen noch souverän und ohne Gewürge am Lenker den Kurveneingang finden. Und beim Einlenken schon wissen, wo der Kurvenausgang liegt. Die sich bei hoffnungslos verschätzter Schräglage noch ein bisschen schräger in die Kurve legen, ohne abzuglibbern. Solche Reifen lieben wir.

Andersrum ausgedrückt, bedeutet das: Man müht sich krampfhaft, Kontakt zu finden. Zum Motorrad, zur Straße, zur Schräglage. Man zweifelt an sich, am Motorradfahren, an der Welt. Ist abgekoppelt, allein, versucht mit der Brechstange, hinter den Kumpels herzuheizen. Soll man so seine Freizeit verbringen?

MOTORRAD sagt nein. Und führt deshalb den großen Sportreifentest durch. Weil der beinharte Sportfahrer neben der jährlichen Dolomiten-Tour mit Sicherheit auch schon ein paar Tage Sicherheits- oder Renntraining gebucht hat. Doch dafür extra die fast neuen Pellen wechseln? Und Reifenwärmer kaufen? Um sich dann beim Versuch, den Vordermann zu überholen, doch aufs Maul zu legen, weil die Gummis am verzögerten Vorstart die Temperatur verloren haben? Lohnt alles nicht. Wer die richtigen, von MOTORRAD ausgiebig getesteten Sportpneus auf die Felgen schnallt, hat auch im Renntraining seinen Spaß.

Nur auf den Luftdruck sollte er ein Auge werfen. Für den engagierten Land-
straßenritt ohne Sozius, Gepäck und Autobahnpassagen muss der Druck runter. Pfffft, auf 2,3 bar vorn und hinten kann man abweichen. Für die Rennstrecke sollte es noch weniger sein. 2,2 bar vorn und 2,1 bar hinten sind in der Regel eine gute Basis. Wer es markenspezifisch wissen möchte, lässt sich von den jeweiligen Reifenherstellern einweisen. Oder informiert sich auf deren Homepages.

MOTORRAD fuhr während des gesamten Tests die Vorgaben von Suzuki mit 2,5 und 2,9 bar. Schließlich gelten die Resultate nicht für Renntempo, sondern für den gemischten Straßenbetrieb. Und dort sollte man sich, Grip hin oder her, die letzten paar Grad Schräglage ein-fach sparen. In diesem Sinne: Macht das Beste draus und bleibt sitzen.

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