Startklar. Hohes Ascheaufkommen auf dem Ätna. Trotzdem kein Flugverbot für sieben Bandits und ihre tollkühnen Piloten.

Reifentest Teil 1: Tourenreifen Testtagebuch

Foto: Jahn
Startklar. Hohes Ascheaufkommen auf dem Ätna. Trotzdem kein Flugverbot für sieben Bandits und ihre tollkühnen Piloten.
Startklar. Hohes Ascheaufkommen auf dem Ätna. Trotzdem kein Flugverbot für sieben Bandits und ihre tollkühnen Piloten.

Montag, 12. April, Palmi

Kurzer Profilcheck am Morgen. Nach über 2200 Kilometern setzt sich mit Avon, Bridgestone und Pirelli eine Spitzengruppe ab. Bei Dunlops Roadsmart und dem backfrischen Conti Road Attack 2 schwindet das Gummi dagegen deutlich. Dafür glänzen wiederum genau diese beiden Paarungen, als sich der Testtrupp auf kleinen Passstraßen mit unendlich vielen Serpentinen durch den Aspromonte-Nationalpark schraubt. Tiefe Schlaglöcher und durch Frost aufgeworfener Asphalt verlangen aber nach wachsamen Fahrerblicken. Auf der Fähre von Villa San Giovanni nach Messina ist kurz Durchatmen angesagt, über Sizilien hängen dunkle Wolken. Ob uns die ehrenwerte Gesellschaft krumm nimmt, das wir am Vortag bei der Konkurrenz unser Nachtquartier bezogen haben? Im dichten Stadtverkehr quälen wir uns durch Messina. Die Reifen sind in diesem Augenblick egal, viel wichtiger ist der stets gespannte Daumen am Hupenauslöser. Bei Giarre wagen wir trotz dichter Wolkendecke den Aufstieg über die Südrampe zum Ätna. Der Regen geht in Hagel über, Reifen und Fahrer sind an ihrer Belastungsgrenze. Mit verdammt viel Gefühl müssen die 1250er durch Ortschaften mit extrem rutschigen Plattenbelägen sowie durch ebenso rutschige Spitzkehren gelotst werden. Ein Hoch auf die Reifen mit breitem Grenzbereich. Auf der Bandit Nr. 1 mit Avon-Bereifung will jetzt keiner sitzen. Der Engländer verunsichert selbst geübte Regenpiloten. Ein deutlicher Fortschritt ist auf Bandit Nr. 2 zu spüren: Der Bridgestone BT 023 kann sich mit wesentlich mehr Transparenz vom Vorgänger BT 021 absetzen. Unsere Mühe wird nicht belohnt, der Ätna bleibt wolkenverhangen.

Dienstag, 13. April, Racalmuto

Basislager am Autodromo Valle Dei Templi, einer kleinen Rennstrecke im Herzen Siziliens, wo die Tests von Sport- und Rennreifen anstehen. Doch zunächst ist Wetterpoker angesagt. Das Satellitenbild  von Rai Uno bestärkt uns, heute mit den Bandits auf Kilometerjagd zu gehen und das Zeitenfeilen mit der BMW S 1000 RR zu verschieben. Das Mittelmeer auf dem Autobahnabschnitt zwischen Palermo und Messina glitzert in der Sonne und gibt Auftrieb, die Ätna-Besteigung noch einmal zu wagen. Diesmal von Norden aus. Auch auf Sizilien hat der Winter Spuren auf den kleinen Bergsträßchen hinterlassen. Zahlreiche Erdrutsche zwingen zu unkonventionellen Umwegen über Feld- und Wirtschaftswege und fordern den Tourenreifen echte Offroad-Einlagen ab. Wieder geht es durch die Wolken nach oben, wieder ist auf den feuchten Straßen volle Konzentration angesagt. Im Dunst tauchen bizarre Lavalandschaften auf. Und plötzlich stehen wir auf dem Plateau. Über uns strahlend blauer Himmel, der schneebedeckte Ätna strahlt im Sonnenlicht. Ein Augenblick, der alle sprachlos macht. Wie in Trance rollen wir runter, kurz blitzt der mächtige Vulkan noch einmal durch die Wolkenfetzen, bevor uns die weiße Wand wieder verschluckt.

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