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Sechs neue Sportreifen von Michelin Power-Attacke

Der Begriff "Power" ist fester Bestandteil der Bezeichnung für sportliche Michelin-Sohlen. Auf der Piste von Mugello präsentierten die Franzosen eine wahre Neuheitenflut.

Michelin macht Ernst. 2016 steigt der französische Reifenhersteller nach sieben Jahren GP-Abstinenz wieder in die Königsklasse ein und löst damit Bridgestone als Alleinausrüster ab. Das ist aber nur ein einzelner Schritt in einem Paket, welches das sportliche Profil der Marke wieder schärfen soll. Ein anderer betrifft die Modellpalette. Sage und schreibe sechs neue Sportreifen rollen die Franzosen an den Start. Einige stehen jetzt schon in den gängigen Größen beim Händler. Die komplette Riege reicht vom Supermoto-Gummi über einen rennstreckenfähigen Straßenpneu bis zum Profi-Slick.

Bei der Präsentation auf der anspruchsvollen Mugello-Piste richtete sich unser Fokus hauptsächlich auf zwei der sechs Pellen: Michelin Power Supersport Evo und Michelin Power Cup Evo. Erstgenannter ist ein Straßenreifen, der auch für heiße Runden auf dem Kreisel taugen soll. Letzteren empfiehlt Michelin dagegen ausschließlich für die Rennstrecke. Beiden gemein ist die neue Technologie „Adaptive Casing Technology“ (ACT).

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In unterschiedlichen Winkeln angeordnete und an den Flanken dreifach übereinandergelegte Karkasslagen sollen guten Abrollkomfort beim Geradeausfahren und gleichzeitig hohe Stabilität in Schräglage bieten. Michelin verwendet diese Technik ausschließlich bei den hinteren Pellen. „Dadurch können wir den Vorderreifen steifer gestalten“, freut sich ein Michelin-Sprecher. „Das bringt Zielgenauigkeit, Handling und Feedback.“ Außer diesen beiden Kandidaten prügelten wir noch die komplett modifizierte Profi-Pelle „Michelin Power Slick Ultimate“ um den Kurs. 

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Foto: Hersteller
Michelin Power Supersport Evo.
Michelin Power Supersport Evo.

Michelin Power Supersport Evo

Bereits zwei Jahre nach der Präsentation des Supersport überraschen die Franzosen mit dem Nachfolger „Michelin Power Supersport Evo“. Außer beim Hinterreifen formten die Entwickler auch die Karkasse der vorderen Pelle komplett neu. Dazu spendierten sie beiden Pneus frische Gummimischungen – an den Flanken wie gewohnt weichere als in der Laufflächenmitte. Außerdem steckt im Hinterreifen des Evo wieder die als 2CT+ bezeichnete Technik, bei der die härtere Mischung der Mitte bis unter die weichere der Flanken gezogen wird. Das soll die Seiten noch etwas mehr festigen.

Beim Probelauf auf dem Kringel gefiel vor allem, dass der für Straßen- und Rennstreckenbetrieb ausgelegte Reifen den Attacken von 200-PS-Boliden mühelos standhielt. Selbst ein scharf gefahrener 20-Minuten-Turn konnte ihm nichts anhaben. Handling, Zielgenauigkeit und Grip sind auf ordentlichem, wenn auch nicht rekordverdächtigem Niveau. Michelin beziffert die Anteile von Landstraße und Rennstrecke auf 50 zu 50. Wir sehen eher ein Verhältnis von 80 zu 20. Der Vorderreifen wirkt leicht indifferent, hinten ist das Feedback dagegen sehr passabel. Wie der Michelin Power Supersport Evo im Vergleich zur Konkurrenz abschneidet, wird ein Vergleichstest in einer der nächsten PS-Ausgaben zeigen. 

Foto: Hersteller
Michelin Power Cup Evo.
Michelin Power Cup Evo.

Michelin Power Cup Evo

Obwohl der Michelin Power Cup Evo eine Straßenzulassung hat, erstellt Michelin keine Freigaben für ihn. Grund: Der Gummi wurde für Rennserien entwickelt, die profilierte Straßengummis zwingend vorschreiben. Entsprechend hohe Temperaturen steckt er mühelos weg, benötigt sie aber auch. Bei kühlem Wetter auf öffentlichen Straßen wird’s da schon sehr eng. Von Nässe ganz zu schweigen.

In seinem anberaumten Jagdgebiet kann der Michelin Power Cup Evo aber voll überzeugen. Grip ohne Ende, prima Feedback, ordentliche Zielgenauigkeit und hohe Stabilität zeichnen ihn aus. Einzig Korrekturen in Schräglage mag der Nachfolger des Power Cup nicht so sehr und weicht nur mit etwas Nachdruck von der einmal gewählten Linie ab.

Foto: Hersteller
Michelin Power Slick Evo.
Michelin Power Slick Evo.

Michelin Power Slick Evo

Gleiches dürfte auch für den Michelin Power Slick Evo gelten. Technisch entspricht er eins zu eins seinem profilierten Verwandten. Leider bestand keine Möglichkeit, dem Slick auf die Flanken zu fühlen. Für Experimentierfreudige ist er wegen der überwiegend positiven Eigenschaften des Power Cup Evo aber sicher eine Sünde wert. Beide Versionen sind in nur einer Mischung erhältlich.  

Foto: Hersteller
Michelin Power Supermoto.
Michelin Power Supermoto.

Weitere Michelin-Neuheiten

Michelin Power Slick Ultimate, Michelin Power Cup Ultimate und Michelin Power Supermoto

Noch vor knapp zwei Jahren waren Profi-Slicks von Michelin selbst für talentierte Hobbypiloten unfahrbar. Die beinharte Pelle leitete jede Unebenheit der Strecke gnadenlos ins Fahrwerk weiter, das mitunter brutal auszuschlagen begann. Um den Reifen zum Arbeiten zu bekommen, musste das Setup haarfein auf den Reifen abgestimmt werden, und der Pilot musste schmerzfrei am Kabel ziehen.

Heute ist das anders. Der Michelin Power Slick Ultimate ist ein angenehmer und dazu pfeilschneller Geselle, der sämtliche Eigenschaften fürs Kampfkreiseln mitbringt. Leider ist er in Deutschland noch nicht erhältlich, möglicherweise aber nächstes Jahr. Die profilierte Variante des Slicks heißt ­Power Cup Ultimate.

Michelin Power Supermoto, Michelin Power Cup Ultimate und Michelin Power Slick Ultimate vervollständigen die Modelloffensive von Michelin. Insgesamt rollt der Hersteller sechs neue Sportreifen an den Start.

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