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PS 3/2016: Vergleichstest Sportreifen auf BMW S 1000 R

Bridgestone S21, Continental Sport Attack 3, Pirelli Diablo III und Metzeler M7 RR Sportreifen im Vergleichstest

Der Anruf kam unerwartet und lud zu einem Event der besonderen Art. Erstmals hatte PS die Gelegenheit, sehr früh in der Saison die drei brandneuen Sportreifen Bridgestone S21, Continental Sport Attack 3 und Pirelli Diablo III mit dem Referenzmodell Metzeler M7 RR zu vergleichen. Einladung angenommen.

Ziemlich erstaunt waren wir, als uns der Typ am Telefon anbot, bei seinem in Eigenregie organisierten Reifentest teilzunehmen. Der Vergleich solle Mitte Januar in Südspanien stattfinden und die drei brandaktuellen Sportreifen Bridgestone Battlax S21, Continental Sport Attack 3 und Pirelli Diablo Rosso III umfassen. Als Referenzreifen dieses Segments diene Metzelers Sportec M7 RR. Außer Staunen schwang auch eine gehörige Portion Skepsis mit.

Wie kommt der Mann an Reifen, die zu diesem Zeitpunkt teils noch gar nicht im Handel sein würden? Und würde solch ein Vergleichstest überhaupt unseren hohen Standards – Stichworte höchstmögliche Objektivität und Unabhängigkeit – genügen? Wir wurden neugierig. Außerdem wollten wir unbedingt wissen, wie sich die Reifen, die wir einzeln teils schon gefahren sind, im direkten Vergleich schlagen würden – also auf nach Spanien!

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Wie schlagen sich die Sportreifen im direkten Vergleich?

Bei dem Anrufer handelte es sich um Jens Thiel, einen Internet-Reifenhändler (www.mopedreifen.de). Nach eigenen Angaben setzt er rund acht Prozent der Motorradreifen in Deutschland um – eine beachtliche Menge. Das erklärt auch, warum Thiel so früh an die Sportreifen kommt.

Offenbar möchte ihn die Reifenindustrie als guten Kunden bei der Stange halten und lieferte dem Wahl-Koblenzer als einem der Ersten den schwarzen Klebstoff aus der Serienproduktion: Bridgestone den Battlax S21, Pirelli den Diablo Rosso III und Continental den Sport Attack 3.

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Hauptgeschäft läuft zwischen März und Mai

Doch warum betreibt ein Händler solch einen Aufwand? „Eure Vergleichstests erscheinen oft etwas spät in der Saison“, klärt Thiel auf. „Wir möchten früher wissen, was Sache ist und eigene Eindrücke sammeln. Das Hauptgeschäft läuft zwischen März und Mai.“ Das verlangt nach einer kurzen Erklärung: Als Zeitschrift testen wir in aller Regel erst dann, wenn sämtliche Reifentypen großflächig verfügbar sind. Das ist nötig, weil wir die von der Industrie gelieferten Gummis im Handel tauschen. Zwar sind wir absolut davon überzeugt, dass weder Hersteller noch andere Beteiligte jetzt bei diesem Aufeinandertreffen schummeln.

Zumal alle wichtigen Repräsentanten der Industrie anwesend sind und sich vermutlich gegenseitig auf die Finger schauen. Doch letztlich garantieren können wir das nur bei eigenen Tests. Auch deshalb dient dieser Vergleich lediglich einem ersten Schlagabtausch. Dazu ist ein Test bei Nässe mangels eines geeigneten Terrains nicht vorgesehen. Den umfassenden Vergleichstest inklusive Nass-Performance sowie den Sohlen von Dunlop und Michelin liefern wir voraussichtlich in PS 7/2016.

Foto: Hersteller
Bridgestone Battlax S21.
Bridgestone Battlax S21.

Bridgestone Battlax S21

Als wir den Bridgestone Battlax S21 im vergangenen Herbst erstmals ausprobierten, waren wir von der ausgezeichneten Darbietung überrascht. Für dieses Segment, das in erster Linie für öffentliche Straßen konzipiert wurde, lieferte die Sohle unglaublichen Grip und erstklassige Kurvenstabilität. Eigenschaften, die wir bisher nur den eine Kategorie höher angesiedelten Hypersportreifen zugetraut hatten. Auf dem firmeneigenen Testgelände der Japaner in Nettuno bei Rom gefielen uns außerdem das leichtfüßige Handling und die bestechende Zielgenauigkeit. In diesen Kapiteln setzt der Bridgestone auch heute die Bestmarke – auch auf der Bremse. Außerdem gefiel die Pelle schon damals mit tollem Feedback, einem geringen Aufstellmoment beim Ankern in Schräglage und einem im Grenzbereich gutmütigen Fahrverhalten.

Eigenschaften, die sich auch hier und heute bestätigen. Lediglich im kalten Zustand wirkt der Bridgestone Battlax S21 etwas sperrig. Das macht die Konkurrenz besser. Doch bereits nach wenigen Kurven baut der Gummi genügend Temperatur und damit Grip für homogenes Kurvensurfen auf. Allerdings rollt er wohl aufgrund eines festen Unterbaus recht hart ab, was den Fahrkomfort etwas einschränkt. Kurze Exkursion zur Nasshaftung: Bei unserem ersten Kontakt letztes Jahr konnte der Japaner auf der bewässerten Strecke im direkten Vergleich mit seinem Vorgänger S20 Evo nicht komplett überzeugen. Der Neue lieferte spürbar weniger Grip sowohl in Schräglage als auch beim Beschleunigen geradeaus. Was die Mitbewerber in diesem Kriterium draufhaben, muss sich aber erst noch zeigen.

Foto: Hersteller
Continental Sport Attack 3.
Continental Sport Attack 3.

Continental Sport Attack 3

Den gegensätzlichen Weg von Bridgestone geht Conti. Im Kapitel Nassgrip hinkten die Korbacher der Konkurrenz bisher hinterher. Mit dem von Grund auf neu konstruierten Continental Sport Attack 3 soll sich das ändern. Bei einem ersten Proberitt vergangenen Sommer in Österreich konnten wir uns von der gesteigerten Nasshaftung überzeugen (PS 09/2015). Auch bei trockenen Straßen und selbst bei einigen flotten Turns auf der Piste gefiel uns die Pelle außerordentlich gut. Und beim Trockentest heute? Alles tipptopp! Beispiel Kaltlauf: Der Reifen funktioniert selbst bei tiefen zweistelligen Temperaturen ab dem ersten Meter ganz hervorragend. Auch der Grip bei durchgewärmtem Gummi lässt keine Wünsche offen. Selbst bei sehr sportlicher Fahrweise schöpft der Pilot die Haftung des Sport Attack 3 zumindest auf der Landstraße bei Weitem nicht aus. Es ist immer wieder erstaunlich, was sich in dieser Hinsicht in den letzten Jahren getan hat.

Einen weiteren Glanzpunkt setzt der Conti in Sachen Aufstellmoment beim Bremsen – die Test-BMW S 1000 R richtet sich bei dieser Übung höchstens marginal auf. Auch der Continental Sport Attack 3 liefert also eine sehr überzeugende Vorstellung. Lediglich ab mittlerer Schräglage benötigt der Fahrer einen Hauch mehr Kraft als am Kurveneingang, damit die BMW noch tiefer abtaucht. Die Stabilität in Schräglage und beim Bremsen geht wiederum voll in Ordnung. In diesem Punkt bewegt sich der Sport Attack 3 ungefähr auf dem (hohen) Niveau der Konkurrenz. Mit seiner überirdischen Stabilität sticht lediglich der nächste Protagonist ein wenig aus unserem Testfeld hervor.

Foto: Hersteller
Pirelli Diablo Rosso III.
Pirelli Diablo Rosso III.

Pirelli Diablo Rosso III

Spätestens beim ersten scharfen Anbremsen oder beim heftigen Herauspowern aus den Ecken erkennt der Pilot blind, auf welcher Sohle er unterwegs ist. Diese unbedingte Stabilität, dieses Gefühl der Unbezwingbarkeit ist einzigartig und typisch für die italienische Marke. Schon der Vorgänger Rosso II sowie der noch etwas sportlichere Diablo Rosso Corsa besitzen dieses eindrucksvolle Merkmal, das viel Vertrauen schafft. Allerdings winkelt der Pirelli Diablo Rosso III wohl dadurch minimal unhandlicher ab als die Konkurrenz. Auch das ist typisch für den Italiener. „Wir haben in erster Linie an der Mischung gearbeitet“, erklärt Salvatore Pennisi, graue Eminenz und Chef der Testabteilung, die Ähnlichkeit beim Fahrverhalten. „Dadurch konnten wir das Temperaturfenster erweitern, was vor allem dem Kaltgrip zugutekommt.“

Tatsächlich baut die Pelle nun deutlich mehr Haftung im kalten Zustand auf als seine Vorgänger. Eine klare Verbesserung, womit der Pirelli Diablo Rosso III nah an den Conti und den in dieser Hinsicht ebenfalls hervorragenden Metzeler M7 RR heranrückt. Die gute Nachricht: Der Heißgrip hat darunter nicht gelitten. Nach wie vor liefert der Reifen vor allem hinten unglaubliche Reserven und befindet sich insgesamt mindestens auf Augenhöhe mit den Mitbewerbern. In Sachen Feedback und Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage bietet er guten Durchschnitt.

Foto: Hersteller
Die Testkandidaten: Metzeler M7 RR (Referenz-Reifen).
Die Testkandidaten: Metzeler M7 RR (Referenz-Reifen).

Metzeler M7 RR

Nun wird’s spannend. Was kann der seit 2014 auf dem Markt befindliche Allrounder Metzeler M7 RR diesem kampfstarken Trio entgegensetzen? Eine ganze Menge! Er liefert kalt wie heiß Grip vom Feinsten, schießt dazu zielgenau in die Ecken und winkelt wunderbar leichtfüßig ab.

Auch in den Kapiteln Stabilität, Grenzbereichsverhalten, Aufstellmoment beim Bremsen und Feedback gibt sich die Sohle keinerlei Blöße. Nichts, was der Metzeler nicht kann. Zweifelsohne gelang dem Hersteller mit dem Metzeler M7 RR schon 2014 ein richtig großer Wurf, und der Reifen ist auch heute einer der Top-Favoriten für den großen Vergleichstest im Frühjahr.

Fazit

Klären wir nun die Frage, welchen Sportreifen wir guten Kumpels empfehlen würden. Da es sich um Landstraßenpellen handelt, ist der Metzeler M7 RR unsere erste Wahl. Wie oben erwähnt ein echter Alleskönner, der keinerlei Schwächen kennt. Dicht gefolgt vom Continental Sport Attack 3, der sich sehr ähnlich verhält. Soll es doch mal auf die Renne gehen, bevorzugen wir den Bridgestone Battlax  S21. Das klasse Handling, die messerscharfe Präzision und das Abwinkeln auf der Bremse machen einfach riesigen Fun.

Und der Pirelli Diablo Rosso III? Auch der Italiener ist eine absolute Bombe. Herausragende Stabilität und feinster Grip stehen dem im direkten Vergleich minimal trägeren Handling gegenüber. Letztlich kann man jedoch bei allen vier Sportreifen bedenkenlos und blind zugreifen. Und das ist die beste Nachricht überhaupt.

Foto: fact
Drei brandneue Sportreifen treten im Vergleichstest gegen den Metzeler M7 RR an.
Drei brandneue Sportreifen treten im Vergleichstest gegen den Metzeler M7 RR an.

So wurde getestet

Unser Gastgeber pickte drei der vier Reifenpaarungen wahllos aus seinem Bestand. Lediglich Continental brachte das Testpärchen selbst nach Spanien. Laut Thiel entspricht das Herstellungsdatum (DOT) des Testexemplars aber jenem der Serienproduktion. Getestet wurde in Südspanien an zwei Tagen. Am ersten bei zirka 10 bis 12 Grad Außentemperatur auf einer passähnlichen Landstraße, wo wir erste Eindrücke sammelten. An Tag zwei ging es bei Höchsttemperaturen von 18 Grad (Luft) auf die Rennstrecke von Cartagena. 

Die erste Testpaarung des Tages checkten wir am Ende nochmals gegen. Statt voll zu bolzen, kreiselten wir nur mit ungefähr 80 Prozent des Limits. Nach unserer Erfahrung eine hervorragende Methode, um sportliches Landstraßenfahren zu simulieren. Lediglich auf zwei, drei schnellen Runden checkten wir den Heißgrip bei Extremsituationen. Als Luftdruck diente sowohl auf der Landstraße als auch auf der Rennpiste der von den Herstellern einheitlich empfohlene (Kalt-) Luftdruck: vorn 2,5 bar, hinten 2,9 bar. Unser Testbike war die BMW S 1000 R.

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